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Ich bin Er

Vorwort

Wer sich hierhin wirklich verirrt hat, sollte möglichst a) viel Sinn für skurile Geschichten haben oder aber b) einfach nur wahnsinnig sein.
Wenn Sie - verehrter Leser - wirklich weiterlesen wollen, erwartet Sie eine Geschichte, die eine selten dagewesene Sichtweise auf ein Subjekt aufzeigt, welches wir alle kennen und fürchten.
Ich sage gleich, die Geschichte und alle Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten zu existierenden Personen oder Orten sind rein zufällig.

Hintergrund

Die Geschichte entstand Ende 1999 in 8 Wochen Arbeit und wurde im Jahr 2000 korrigiert.
Sie wurde nie professionell redigiert und ist nur in meinem Bekanntenkreis bekannt. Ich wollte sie immer veröffentlichen, alleine mir fehlte die Zeit und die Lust, es wirklich an jemanden zu senden.

Anmerkungen

Das Lesen, Speichern und Drucken des Textes zu privaten Zwecken ist jedem gestattet. Den Text zu veröffentlichen, ihn auszugsweise oder komplett für geschäftliche Zwecke zu nutzen - auch wenn ich nicht denke, dass dies jemand vorhat - bedarf der schriftlichen Genehmigung meiner Person. Sollte also jemand eine gute Idee haben, so wende er/sie sich bitte an christian@kiedels.com.
Hat hingegen jemand etwas an dieser Geschichte auszusetzen (da er zB seine religiösen Gefühle verletzt sieht), so erwarte ich ebenfalls gerne seine/ihre Mail.
Sollte ich in irgendeiner Weise mit dieser Geschichte wider dem deutschen Recht handeln (durch unerlaubte Erwähnung von Personen, Orten oder Gegenständen), so bitte ich ebenfalls um Mitteilung, so dass ich die Stellen prüfen und ggf. ändern kann. Ansonsten berufe ich mich auf das grundgesetzlich verbriefte Recht der Gedanken- und Meinungsfreiheit. Dies mag pathetisch klingen, es gibt aber soviele Menschen, welche versuchen mit "Blödsinn" Geld zu verdienen, dass ich dies lieber erwähne.

Viel Spaß


1. Kapitel Sonntag

Es ist schon komisch, da sitze ich hier in der hintersten Reihe, denke an nichts böses und harre der Dinge die da kommen. Der Priester dieser kleinen Kirche die ich vor knapp einer Stunde aufsuchte ist ein älterer Herr jenseits der 60, seine Motivation verlies ihn scheinbar mit dem Alter, die Stimme kraft-, die Worte hirnlos, es hatte wohl eine andere Zeit gegeben, er hatte jedoch die besten Jahre hinter sich gebracht. Früher, ja damals war es etwas anderes, jetzt hingegen, nach all den Jahren des dienens stellten sich alle nur noch die Frage, wieviele Frauen er während seines Zölibats gehabt, wieviele Jungen er unsittlich berührt, wie oft er den Schwur gebrochen hatte? Zölibat hies doch eigentlich nur Ehelosigkeit, nur nicht heiraten zu dürfen, von Sex, schmutzigem fiesen Sex auf irgendwelchen Kirchenbänken hatte jedoch niemand explizit gesprochen, doch so war es eben, die Menschen machten es sich einfach wenn es um Gesetze und Regeln ging, Schublade auf, rein, Schublade zu, ich liebe es. So steht er da vorne und redet, redet und redet, gib ihn dran den Gottesdienst, ein Lächeln huscht über mein Gesicht, ist eh schwach besucht, schlechtes Image, mieses Marketing und das bisschen Brot macht auch keinen fett, obwohl der eine Typ da vorne schon eine ziemlich mächtige Anzahl an Kilogramm auf die Waage bringt, egal, aber nicht einmal vom Wein bekommt man etwas ab, geiziges Kirchenpack, ein weiters Lächeln, dies ist wohl einer jener Tage an denen ich besonders witzig bin. Doch zurück zum Gottesdienst, bis auf ein paar ältere Ömmakes, zwei Männer in den schlechtesten Jahren und der Pastor mit seinen beiden Ministranten, von ihm in einer anderen Welt zu einer anderen Zeit freundlich Lustsklaven genannt, vorne ist die Kirche leer; gebaut für Hunderte, genutzt von Einzelnen. Will keiner den Ministranten, dem gerade die Augen zufallen, seine Beachtung schnenken, will keiner sich ereifern seines gottlosen Verhaltens? Es ist wie überall, es achtet hier keiner auf den Anderen, doch Dein Freund neben Dir scheint Dir als Einziger diese Gunst nicht erweisen zu wollen, er hat viel zu viel Angst vor "Gott", als dass er Dir die Freiheit zugestehen würde die er selber nicht besitzt, wenn er nur wüsste, er würde dir den Schlaf gönnen und sich selber auch, es schien das Land der Träume für den Schläfer so nah gewesen, doch sein Schnarchen verriet ihn, nur einmal hatte es Zeit sich in der Kirche auszubreiten ehe der Schlag auf den Oberarm den Schlaf und das Schnarchen beendete. "Was soll's, die Omas merken davon sowieso nichts, lass ihn doch weiterpennen!", doch keiner scheint hier auch nur irgendwas zu bemerken, weder den schlafenden Ministranten, noch mich, noch den langweiligen Pastor der in monotoner Folge Wort um Wort seinen Schäfchen entgegen brummelt. Wieso eigentlich, alle schon tot hier? Ach ja, richtig, ich befinde mich ja noch auf einer anderen Ebene, ein kurze Blitz zuckt auf um im Boden zu verschwinden und mir schlägt die Kälte der Kirche entgegen, diese dreckige Kälte, es schüttelte mich jedesmal, wie die Menschen das ihr ganzes Leben aushalten können, immer so kalt auf dieser Seite, aber ich bin ja schließlich nicht zum Spaß hier. Mein Blick geht durch die Reihen, falsch, falsch, richtig. Da ist sie, sieben Reihen vor mir, 73 Jahre alt, Maria, meine Maria, sie wartet nur noch auf den Tag ihrer Erlösung, dann, eine kurze Zeit später ist die Zeit gekommen, ihre Tage sind bereits gezählt, sie weiß es nur noch nicht, aber sie wird es erfahren, früh genug.
Ein weiterer Blitz zuckt und ich befinde mich mitten zwischen Maria und einer anderen älteren netten Dame und beide haben nicht nur scheinbar nichts gemerkt. Der Pastor und seine beiden Ministranten verpissen sich endlich, der Vorhang fällt, der Wettlauf zwischen Pastor und den Gläubigen kommt in seine heisse Phase, es geht um die besten Plätze am Ausgang, denn sie scheinen genug gepriesen, es ist Zeit für das zweite Frühstück und liebe geht ja wie allseits bekannt durch den Magen; Resümee, mieser Auftritt, schlechte Kritik, das Publikum gibt keinen Applaus, ich sollte ‚Buh' rufen, vielleicht aber auch nicht, will ja meine Prinzessin nicht schockieren. Die Musik verstummt, die Türe zur Sakristei fällt zu, die letzten erheben sich gut ausgeschlafen und gehen, ein ganz putziges Volk.
"Eine schöne Predigt, über Jesus und sein Verhältnis zu seiner Mutter.", meint meine Maria uns mitteilen zu müssen.
"Ja, wirklich hervorragend, ich höre unseren Herrn Pastor ja so gerne Predigen.", was hat die Andere denn jetzt noch zu kacken? Kann sie sich nicht endlich vom Acker machen, ich habe heute noch einiges zu erledigen, dringende Geschäfte und ich würde gerne mit meiner Maria alleine sprechen, wenn es Eurer Niederwertigkeit nicht missfallen würde sich endlich aus dem Staub zu machen.
"Ja, wirklich hervorragend, aber haben Sie den einen Messdiener gesehen, der ist fast eingeschlafen, nein, nein, die Jugend von heute, bis spät in die Nacht Fernsehen und dann am nächsten Morgen..", Blah Blah Blah, labert ihr einen Scheiße, schon mal aufgefallen? Habt ihr nicht einmal was normales zu erzählen, z.B. wer wen gefickt, wer wem deswegen das Haus angezündet hat oder bei wessen Beerdigung ihr letztens erst wart? Aber nein, ‚Die Predigt war ja so schön, ach ja, unser Herr Pastor..', Gift und Galle ihr undankbares hirnloses Volk.
"...oh entschuldigen Sie, Sie scheinen hier neu in der Gemeinde zu sein, kommen Sie doch mal zu einem unserer Rentnertreffen, immer Dienstags Morgens nach der Frühmesse. Oder hätten Sie nicht auch Lust an der Wallfahrt nächsten Samstag teilzunehmen?"
"Belästige nicht den netten Herrn, Emmi, er sieht schon ganz verwirrt aus. Mein Name ist Maria, Maria Schröder, und das ist meine Freundin Emmi Winter. Sind Sie neu in der Stadt?"
"Nein, ich lebe schon immer hier, doch ich bin heute das erste Mal in dieser Kirche.", womit ich schließlich nicht gelogen habe. Lügen wäre falsch, dass verstößt gegen die Gebote, wäre wirklich böse, macht man nicht, sollte man tunlichst unterlassen.
"Also ich würde mich freuen, wenn sie mal Dienstags beim Rentnertreff erscheinen würden,", eine wirklich nette Frau, "Sie sind auf jedenfall herzlichst eingeladen.", sie wird sich gut Sorgen. Abtritt, mir reicht es, sonst kommt mir gleich die Kotze hoch.
"Danke sehr, bis Dienstag dann.", wobei ihr Euern Arsch verwetten könntet, dass ich dort nicht erscheine, ihr würdet gut daran tun, ihr könntet ihn halten, obwohl, er ist sowieso viel zu fett, aber ich schweife ab, falsch ich trete ab, schnellen Schrittes, endlich raus, man, trotz allem, immer wieder ein komisches Gefühl. Egal, andere Form, andere Ebene, andere Situation, ah da kommt sie aus der Kirche, ganz rüstig für ihre dreiundsiebzig, nur diese Emmi ging mir ja ziemlich auf den Sack, aber sie ist meinen Spott nicht wert, Abruf Emmi, oh, da habe ich mir ja eine gute Situation ausgesucht, X minus zehn. ‚So tschüss', zehn, ‚ja bis Dienstag', neun, ‚mach's gut', acht, ‚und grüß schön', - wen denn ? - sieben, humpeln, sechs, langsam nach vorne, fünf, genügsamen Schrittes, vier, drei zwei eins tot und wieder eine Zecke weniger auf dieser Welt.
Schau mal, Emmi ist gerade umgefallen, und guck mal dort, sie blutet am Kopf, böser Wasserhydrant, ist schon gefährlich das Leben, manchmal kann es einem ganz schön mies mitspielen, Lebensgefährlich, obwohl, es war ein viel zu kurzer Tod.
Schau mal an, Maria ist das mit Emmi gar nicht aufgefallen, sie dreht sich nicht mal um, es ist doch ihre beste Freundin für die der Krankenwagen kommt, Emmi wird eingeladen, Wiederbelebungsversuch, Todeszeit 11:10, der Tag fing für den Rettungssanitäter auch mal wieder toll an, eine alte Oma verreckt in seinen Armen, das gibt Selbstvorwürfe, Therapiebesuche, vielleicht sogar eine richtig schöne Krise, dumm gelaufen nach der Scheidung und dem täglichen Elend bleibt dem armen Hund bald nicht mehr viel übrig als seine Arme auszubreiten und fliegen zu lernen, aber für jetzt und hier ist das egal, heute wird ihm nichts passieren.
Maria geht langsamen Schrittes nach Hause, siebzig ist schon ein scheiß Alter, nicht richtig Alt, aber schon längst nicht mehr Jung, aber Dreiundsiebzig ist wahrlich nicht jung, was für ein dummer Gedanke, die Frau ist so weit vom Jungsein entfernt wie die Erde vom Mittelpunkt des Universums. Sicher kann man anbringen ist diese Strecke für einige Menschen mathematisch berechenbar, doch für die Masse ist sie einfach nur unendlich minus eins, und das Wissen um die Entfernung verringert sie nicht, keinen Zentimeter.
Andere Form, andere Ebene, oh, da ist ihr wohl der Haustürschlüssel runtergefallen. "Darf ihn Ihnen behilflich sein.", ich und meine nette Ader, ich kann es nicht lassen nett zu sein, ein richtig scheisse freundlicher Sack bin ich.
"Oh gerne. Danke schön, sind Sie mir etwa gefolgt?", klar alte Zimtzicke.
"Nein, ich wohne hier ganz in der Nähe.", Schlüssel aufheben, Türe offen, Schlüssel überreicht, kurze leichte Verbeugung und ab geht die Wutz, du wirst heute Nacht von mir träumen.
"Möchten Sie noch einen Kaffee mit mir trinken? Als kleines Dankeschön.", genug für heute.
"Oh danke, nein. Ich muss jetzt leider, aber bis spätestens nächsten Sonntag, ich weiß noch nicht, Sie wissen schon, wegen nächsten Dienstag.", erwähnte ich schon, ich kann ein richtig lieber Kerl sein? Ich glaub schon.
"Schade, na gut, dann bis nächsten Sonntag, spätestens.", auf jedenfall. Kurzer Blick zurück, sie schaut mir freundlich grinsend nach, sie ist mein, sie weiß es nur noch nicht.
Und was guckst Du mich so blöd an? Hast Du nichts besseres zu tun als mir hinterherzulaufen?

2. Kapitel Der alte Sack

Der alte Sack dort drüben schleift sich krampfhaft voran, jeder Schritt den er macht ist angeblich ein Sieg für sein Leben; falsch, es ist ein Sieg für mich. Er schleppt sich, in kleinsten Trippelschritten. Kaum hat er die zehn Meter bezwungen kommt die nächste Seitenstraße, die nächste schier unlösbare Aufgabe. Sein Puls, dem Platzen nahe, sein Herz, droht zu zerspringen, seine Lunge, hechelt nach Luft, schwer gebeugt und gezeichnet von seinem Leben. Was für ein Leben hatte er? Kurz abgerufen, mit 20 geheiratet, Buchhalter, mit 65 in Rente, 3 Kinder, Haus, Frau gestorben, Altersheim, keiner weiß mehr von ihm. Krampfhaft hält er sich an der Verkehrsschildstange fest, trippelt mit einem Fuß nach vorne, in einer Geschwindigkeit, mit der er beim Schneckenrennen antreten könnte, seine Fußspitze berührt die Straße, der andere Fuß noch fest auf dem Bürgersteig, kippt er langsam nach vorne, wankt vor und zurück, traut sich nicht loszulassen, der Fuß wandert zurück auf den Bürgersteig um sich langsam wieder voranzutasten. Man merkt, wie sehr es ihn quält, jeder Schritt, jeder Atemzug ist einer zu viel, jeder Herzschlag einer Richtung Tod, doch Sterben will er nicht, nein er klammert sich an das was er Leben nennt. Seine Meinung zum Thema Tod, auch wenn sie mich nicht wirklich interessiert: Ich werde nie älter als 20, dachte er als er 17 war, wenn es so weit ist will ich umfallen und Tod sein, dachte er als er 35 war, ich will leben, denkt er heute. Willkommen in der Gegenwart, scheint er sich doch gerade in Richtung Straße zu stürzen in seiner ihm eigenen wahnwitzigen Geschwindigkeit. Dort kommt ein Auto, welch eine Freude, doch halt, er soll noch nicht sterben. Schnellen Schrittes auf ihn zu und ihn beim Arm genommen, "Na Väterchen, willst wohl über die Straße, komm, lass Dir helfen." Der Alte schaut mich verdutzt an, "Kenn'n wir uns irgendwo her, junger Mann?", fragt er mich. "Nein.", das Auto fährt vorbei und langsam setzen wir uns in Bewegung. Ich spüre seine Schmerzen, sein Leid, noch viel intensiver als vorher, ich höre jeden seiner Gedanken, linkes Bein, ahhh, rechtes Bein, uhhh, linkes Bein, es ist eine Wohltat es zu spüren, seine Schmerzen sind mein Wohlbefinden, sein Leid meine Freude, so was muss ich öfter tun. Gute Taten zahlen sich eben aus, jeden Tag eine gute Tat, wie die Pfadfinder, auch ein durchsetzter Haufen verrückter Verlierer, doch ich weiche ab von meinem Spaß. Er schleicht voran, ein anderes Auto setzt zurück und scheint ihn übersehen zu wollen, sieht ihn aber dann doch, ziemlich spät, bremst scharf, lässt uns passieren. "Keine Sorge, Väterchen, ich bringe Dich heil nach Hause.", sage ich ihm, er schaut mich nur dumm grinsend an, tja alter Mann, diesen Tag wirst Du schaffen, und noch so einige die Dich ähnlich quälen werden.
"Da vorne, dort wohne ich." berichtet er mir, als wenn ich es nicht wüsste. "Ja, ja, ich weiß schon.", du kleiner Bastard, lebe schön weiter, genieße Deine Tage, denn wer weiß, wann sie vorbei sind. Die Türe ist erreicht, die Zeit war schön, es hat mir Spaß gemacht, gut sein kann so toll sein. Ein Lachen gellt aus meinem Hals, der Alte Sack überhört es, wissentlich oder unwissentlich ist mir gleich, er sucht noch immer verzweifelt nach seinem Schlüssel. Es dauert ein wenig, für ihn eine kleine Ewigkeit, für mich Momente von denen ich lebe, für die ich existiere. Ja, ich weiß, Du wunderst Dich das ich bei meiner Existenz von Leben spreche, aber auch ich lebe. Doch Du musst ja nicht alles wissen, stimmt's?
Der Alte drückt mir unverhofft eine Mark in die Hand, diese älteren Herrschaften sind richtig süß, irgendwie wie kleine Kinder, sie wissen nichts vom Leben dort draußen. Nett sage ich "Danke", drehe mich um und schmeiße die Mark in den Gully, die Aufschläge an Boden und Wänden schallen hell zu mir zurück, die Türe fällt ins Schloss, ich werde ihn wiedersehen, den Mann der seine Rente üppig mit mir teilte, lächerlich, was soll diese eine Mark, ‚Et kütt von Herze', elendig, verachtenswürdig, ich verachte euch, euch alle, euer Geld, euer System, wenn ich wollte, ich würde es zerstören, es würde so schnell abfackeln wie ein brennendes Kartenhaus, nichts würde Bestand haben, wenn ich es nicht wollte, doch ich verachte es, euch alle, aber ich will mich nicht wiederholen und Dich nicht langweilen, folge mir, es geht zurück.

3. Kapitel Noah

Es ist schon wunderlich wie es damals war, warum ich es tat, ich weiß es heute noch nicht so genau, aber es zeigte mir, wie viel Spaß ein Gott haben kann, ja Du ließt richtig, ich bin ein Gott. Was auch immer Du bisher dachtest, wem Du hier nachläufst, ich bin er, der Teufel, und ich bin ein Gott, was sag ich ein Gott, ich bin der Gott, wie das sein kann, ein angeblich gefallener Engel, doch was weißt Du, was wisst ihr Menschen überhaupt, ihr wisst nichts von den Ebenen, in denen ihr Euch nie bewegen werdet, nur Einzelne werden erwählt von jedem aus der Riege der Götter, die seid tausenden von Jahren schmilzt wie ein Eisberg am Äquator, doch was interessiert es, von diesen Geschichten hörst Du vielleicht später, wenn ich gnädig bin und es so will. Ich habe hier eine Geschichte die die ganze Menschheit kennt. Es war zu einer Zeit, als die Menschen schlecht und gottlos waren, keine Achtung vor einander und dem Leben. Eine wirklich schlimme Zeit, dort suchte Gott einen Menschen, der gerecht vor sich und ihm war und gab ihm den Auftrag...
"Du Noah, Sohn des Lamech, aus dem Hause Adams, der einzig Gerechte und den Verdammten, nimm Dein Weib und Deine drei Söhne Sem, Ham und Japheth und baue ein Boot, welches so groß ist, dass von jedem Tiere dieser Welt ein Paar Platz hat, baue es so, dass der Elefant und die Maus, das Zebra und der Löwe,m die Spinne und die Fliege gemeinsam leben können. Ich werde eine Sintflut kommen lassen und die Welt ertränken, auf das Unrecht und Leid, Hass und Wut, Unzucht und Verderbnis für immer weggespült werden. Richte Dich gut ein, Ihr werdet auf diesem Boot eine lange Zeit verbringen müssen. Nachdem es vierzig Tage und Nächte geregnet hat wird die Welt versunken sein, weitere vierzig Tage später wird das Wasser wieder zurückgehen und die Erde wird sein, wie sie gedacht war, gut und gerecht, und Du Noah, Du und Deine drei Söhne, Ihr habt eine neue Welt zu begründen."
Quatsch, Lüge, soviel Schrott habe ich noch nie gehört, ich weiß nicht, welcher von diesen versoffenen Schriftgelehrten der Juden in der babylonischen Gefangenschaft damals auf die Idee kam so etwas zu schreiben, aber das ist natürlich völliger Humbug. Als erstes, Noah war ein versoffener Hurensohn, der von seinem Vater, einem Fischer, ein riesiges Boot geerbt hatte; warum der Vater das gebaut hatte, wahrscheinlich weil er genauso versoffen und irgendwelchen Stimmen verfolgt war, unwichtig. Zu dieser Zeit regierte ich den vorderen Orient, eigentlich die ganze ‚damals bekannte Welt', ich war es der den Regen kommen lies, doch eins nach dem Anderen.
Es war also 9217 Jahre vor Christi Geburt, eure Zeitrechnung ist eine Verhöhnung all meiner Ideale, aber ich will nicht abweichen von dem ganzen Kram. Der Regen kam vom Westen, er zog von Amerika aus über den Atlantik mit 223 Kilometern pro Stunde in Ost, Süd-Östlicher Richtung und sammelte immer mehr Wasser in den Wolken, es war ein warmes Jahr, und da ich davon wusste war mir klar, dies ist meine Chance. Die Wolken wären ganz normal an der Westküste Frankreichs ausgeregnet und hätten nichts gemacht, doch ich hinderte sie daran. Ich bewahrte sie vor einem kurzen und harmlosen Ende, es war ihre Aufgabe zu vernichten. So sagte ich eines Nachts zu Noah, der mal wieder ziemlich betrunken nach Hause torkelte, "Noah, Dein Herr spricht zu Dir. Nimm Dein Boot, da der große Regen kommen und die Welt vernichten wird."
Noah war nun mal ziemlich mäßig vom lieben Gott mit Intelligenz ausgestattet und fiel direkt zu Boden. Ob es am Alkohol lag das er zusammenknickte wie eine Sandburg bei Regen oder an seiner Ehrfurcht, vielleicht fiel er auch einfach nur über seine eigenen Beine, er war eben ein Trottel.
"Nimm Deine Familie, ich werde Dir genug Nahrung geben, besteige es noch am nächsten Morgen und setze Segel in Richtung Norden, ohne zurückzuschauen, und kehre erst in 80 Tagen zurück."
"Oh Herr", fragte er unterwürfig in seinem ziemlich betrunkenem Zustand, "was soll ich tun?", wie ich bereits erwähnte, er war nicht der Klügste einer seiner.
"Betrete Morgen Dein Schiff, lass die Menschen die Ware auf Deinen Kahn treiben und setze Segel Richtung Norden; noch Fragen?"
So erwarb ich am nächsten Morgen, noch bevor der erste Hahnenschrei ausgestoßen war, ich hatte den Hähnen die Hälse umdrehen lassen, alles notwendige für seine Reise. Tja, so kam es, dass sein Boot pünktlich voll beladen war, mit Nahrung und Tieren aller Couleur, und er in Richtung Norden aufbrach. Ich selber betrat mein eigenes Boot, und lies mich einige Meilen herausfahren, harrte dem Regen und freute mich der Ereignisse die folgen sollten. Tropfen falle, Regen komme, Wasser fließe, in dem reichem vollem Schwalle, zu dem Bade sich ergieße, ich weiß ein bisschen geklaut, ja und, wer sagt Dir denn, dass ich ihm die Worte nicht in den Mund gelegt habe? Da weißt Du keine Antwort, stimmt's?
Es regnete vierzig Tage, und natürlich auch Nachts, plitsch, platsch, fielen die Tropfen vom Himmel, die ersten Tage waren harmlos, die folgenden auch, dann begann es lästig zu werden, für die Menschen wohlgemerkt, am zehnten Tag wurde es äußerst übel, Du weißt schon, schmutziges Wasser, Pest, Cholera, keine Erfindung der Neuzeit, Typhus, Epidemien, am zwanzigsten Tag standen nur noch wenige Gebäude, der Rest bereits versunken, die Menschen krank und ausgemergelt sammelten sich auf den Berggipfeln, hier und da fuhr ich mit meinem Boot näher an einen im Wasser treibenden heran, rief ihm zu, ob er denn Hilfe bräuchte, um, wenn er mit ja antwortete ihn auszulachen, eine schöne Zeit. Apropos, antwortete er mit nein hatte ich die Angewohnheit den Menschen zumindest die Arme zu brechen, wenn nicht gleich noch die Beine, spätestens dann brauchten sie Hilfe.
Noah hingegen, der alte Schluckspecht, feierte ein Party nach der anderen, er hatte natürlich nicht auf mich gehört und eine Masse an Weibern mit an Bord genommen, die ich in einer Nacht und Nebelaktion im Meer versenkte, war ja genug davon da, er sollte ja nun nicht zu viel Spaß haben. So trieb er also achtzig Tage auf dem Meer herum und harrte dann, nachdem ich seinen Alkoholvorrat ebenfalls gleich mit vernichtet hatte, gelangweilt herum. Er aß einige Tiere, hier und da mal das Männchen, hier und da mal das Weibchen, natürliche Auslese, segelte, das Wasser ging weg und alles war wieder gut.
Zu schnell? Stimmt, ich habe es auch genossen, die Schreie, die Wasserleichen, Pest und Lepra, es war eine gute Zeit, schön das wir uns darüber einig sind. Besonders liebte ich die Szenarien wenn das Wasser immer weiter stieg und die Leute in Richtung Berge flohen, es war so schön, wie die Alten und Schwachen, die Kinder und Kranken zurückgelassen wurden, es kam der Moment, da warfen Mütter ihre Kinder einfach zu Boden und liefen davon, schienen irgendwie genug davon zu haben, oder genug von ihnen, egal, jedenfalls starben auch die Mütter; eine Sünde kann schließlich nicht ungeschont bleiben, Sühne für die Sünde, wie der Wortstamm schon ahnen läßt. Die Menschen hungerten, Fehlgeburten durch den Stress, Krankheiten und Gevatter Tod all überall, wenn ich heute daran denke, läuft mir immer noch ein Schauer der Freude über den Rücken. Es ist immer wieder schön anzusehen, wie sich Menschen um die besten Plätze streiten, und nicht nur an so unwichtigen Orten wie der Supermarktkasse, nein auch im realen Leben geht es immer um das eine, sie wollen den besten Platz haben, den Platz an der Sonne, den höchsten Platz auf dem Berg, vielleicht hört das Wasser ja auf zu steigen, ´Wenn es nur aufhören würde?!´, ´Herrgott, bitt lass es aufhören.´, ´Höre unser Flehen, verschone uns.´, nein, es hört nicht auf, es hört auch nicht auf, wenn ihr zehn Meter über euch nur noch Wasser habt, es hört auf, wenn alle tot sind, wenn alle, die ich nicht mehr sehen will, platt sind.
So starben Sie alle, außer Noah und seine Söhne, die begründeten, natürlich mit Hilfe ihrer Gebärmaschinen, eine ‚neue Welt', meine Welt. Da fragst Du mich sicher, ‚Weshalb sollte die ganze Welt untergehen?', wer redet hier von der ganzen Welt, ich überschwemmte mal eben ein paar tausend Quadratkilometer, gut dort lebten ein paar Menschen, eh nur herumziehendes Volk, Ihr würdet sie heute Penner nennen und aus Euren Städten vertreiben, aber wieso ich es tat wolltest Du wissen, lasse mich mal kurz nachdenken; ah ja, jetzt hab ich es wieder.
Ich tötete sie nicht weil sie gut waren wie Du wohl denken möchtest, ich tötete sie nicht, weil sie gerecht waren oder weil sie Gott liebten, die Menschen waren aber auch nicht wirklich böse, sie waren harmlos, tolerant und ein bisschen zu egoistisch, an jeglichem Glauben uninteressiert. Was kann es für einen Gott schlimmeres geben, als nicht beachtet zu werden, wenn Menschen sich sekularisieren und sich auf sich selbst konzentrierenen und jeden Gott außen vor lassen? Man kann ihn lieben, ihn fürchten, ihn verachten und sogar hassen, aber nicht beachtet zu werden, scheinbar unnütz zu sein, das kann einen Gott nicht wirklich glücklich machen. Und ein paar tausend Menschen, sie rammeln wie die Karnickel, was soll es also?
‚Wo war Gott ?', möchtest Du wissen, warum er nicht eingriff, ich glaube er war auf Geschäftsreise, aber ist das wirklich so wichtig, der kam schon früh genug wieder. Da gibt es aber noch eine Anekdote die ich doch als erwähnenswert achte. Weißt Du eigentlich warum die Mammuts ausgestorben sind? Eiszeit, Meteoreneinschlag, Hitzeperiode? Papperlapapp, Noah hat das letzte weibliche Mammut höchstpersönlich aufgefressen, er und seine ganze Bagage, und weißt Du auch warum? Natürlich nicht, aber halte Dich fest, Du glaubst es mir nicht, wenn Du das hörst. Es geschah eines Morgens, einer von Noahs Söhnen musste mal wieder, schlaf- und volltrunken die Zelle der Mamutts saubermachen und da ja alles doch etwas beengt war, mussten die Mamutts sich dafür immer in die Ecke quetschen, aber das Weibchen, sie nannten sie Cleopatra wenn ich mich recht entsinne, wollte nicht ganz ruhig stehen, und da, als Noahs Sohn gerade hinter ihr sauber machen wollte, da setzte Cleopatra sich hin und zack, hatte sie den Kopf des jungen Mannes in ihrem Hintern und er zerrte und kam nicht mehr heraus, er drohte zu ersticken, eine wirklich ekelige Situation, also gerade für mich, pfui, und die anderen Söhne kamen und lachten ihren Bruder aus, und ich lachte mit, lauthals lachten wir alle bis Noah erschien, noch immer voll bis oben hin, um sich über den Lärm aufzuregen, kurzerhand zogen sie an ihm, als wenn sie ihm die Beine aus dem Leib reißen wollten, und schlupp war der Kopf heraus. Am selben Abend gab es Mammutbraten am Spieß, und der eine Sohn wurde ab sofort nur noch, ich glaube man könnte es am Besten mit ‚Scheißbirne' übersetzen, von seiner ganzen Familie genannt; nett, oder? Wie, Du willst mit diese Geschichte nicht glauben? Dein Problem, ich habe genug erzählt, jetzt muss ich mich sputen, es ist schon wieder Sonntag.

4. Kapitel Schon wieder Sonntag

"Maria."
"Ja, wer sind Sie?"
"Maria."
"Ja, iIch sagte bereits, dass ich es bin, was wünschen Sie von mir? Wie kann ich Ihnen helfen?"
"Gegrüßet seiest Du Maria, Du bist voll der Gnade, gebbenedeit unter den Frauen und gebbenedeit ist die Frucht deines Leibes. Der Herr ist mit Dir."
"Entschuldigen Sie, aber was soll das bitte schön? Es ist löblich, dass Sie mir den Anfang des Ave Maria vorbeten, jedoch, warum tun Sie das?"
"Ich bete es Ihnen nicht vor, es ist die Wahrheit."
"Wahrheit? Welche Wahrheit?"
"Dein Herr hat Dich auserwählt."
"Sie scherzen und wollen sich mit einer alten Dame einen Schabernack erlauben, ein schlechter Scherz, wenn Sie mich fragen? Haben Sie denn gar keinen Respekt, wenigstens vor Gott, wenn schon nicht vor mir? Wer sind sie, dass Sie so etwas sagen können? Ich glaube sie sollten jetzt besser gehen!"
Immer müssen die Leute sehen, damit sie glauben. Keiner nimmt mir mehr meine Existenz ohne das richtige Ambiente ab, immer wollen sie sehen, immer muss was besonderes passieren, Fanfaren aus dem Nichts, Lichteffekte, komme mir langsam vor wie ein Pyrotechniker aus irgendeinem Hollywood Studio, also gut, wenn es denn so sein soll?
"Glaubst Du jetzt?", obwohl, eigentlich liebe ich diesen ganzen Lichterkram und die dunkle Stimme, immer wieder faszinierend, schindet schon ziemlich Eindruck.
"Aber, wie soll ich glauben?"
"Wie glaubst Du denn sonst? Du glaubst, obwohl Du nicht siehst, doch wenn Du schauest Deinen Herrn, so willst Du aufhören zu glauben? ‚Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.' Dein Herr spricht zu Dir, erhebe Dich, sinke nicht auf die Knie, denn alle anderen sollen im Staube vor mir kriechen, Du jedoch nicht.", noch nicht.
"Aber Herr, ich bin unwürdig, wieso erwählst Du mich?"
Wenn du die Wahrheit wüsstest, du würdest schreiend fliehen, versuchen zu fliehen, denn Du bist ein altes Weib und deine Tage sind gezählt, deine Zeiten hingegen kaum noch messbar, keine Uhr läuft so langsam.
"Ich erwähle Dich, weil Du gesegnet bist unter all den Frauen dieser Erde, der Herr hat Dich erwählt und frage nicht seiner Motive, denn nur ich alleine weiß wieso und weshalb und habe mich Dir nicht zu erklären. Doch soviel hast Du zu wissen, ich habe Großes mit Dir vor, und Großes soll Dir wiederfahren."
"Herr, wenn Du erlaubst, nur eine Frage, bitte?"
Pause, was schaut sie nur so, nun denn, reicht ihr meine Geste nicht, muss ich wirklich alles sagen, alles aussprechen, versteht ihr denn nichts ohne Worte?
"Schau Herr, Du bist derjenige, auf den ich das ganze Leben gewartet habe, was immer Du willst, ich werde alles tun für meinen Gott und Herrn. Doch was kann ich, eine alte Frau, Dir helfen, ist meine Zeit gekommen, holst Du mich zu Dir?"
"Öffne Dein Herz und lasse mich hereintreten."
Geschafft, drin, Stillstand, sie soll warten, harren der Dinge die da kommen. Ihr Mann ist noch nicht da, warte kleine Prinzessin, dein Prinz wird gleich erscheinen.

"Herr Pastor, es ist so weit."
"Was meinst Du mein Sohn, was ist wie weit?"
"Dein Leben bekommt den Sinn, nachdem Du schon immer gesucht hast. Es ist soweit, Du darfst endlich dienen."
"Aber mein Sohn, das tue ich doch schon seit gut und gerne vierzig Jahren, und ich diene gern und oft. Gut, ich gebe zu, andere Priester tun vielleicht mehr, aber es ist meine Art, ich bin wie ich bin, und Gott wird es mir verzeihen, dass ich nie der fleißigste seiner Diener war."
Ich meine wirkliches dienen, nicht so ein verlogener vergeudeter Kram wie in Deinen letzten ´weiss nicht wieviel´ Jahren. Dein Herr hat Dich erwählt, ich habe Dich auserwählt."
"Wie bitte, wie meinst Du das?"
"Du bist auserkoren, Josef, denn so steht es geschrieben in meinem Buche, es solle sich wiederholen die Geschichte, Du bist erwählt zu zeugen den Sohn des Herren, Du bist derjenige, der den Akt für mich und in meinem Namen vollziehen soll, so wie es vor zweitausend Jahren Dein Vorfahre Josef der Zimmermann aus dem Hause Davids tat."
"Ich glaube, ich verstehe Sie nicht richtig? Sind Sie.."
"Glauben, das ist das richtige Wort. Siehe dort, Maria, die Magd des Herrn. Ich, Dein Herr befehle, gehe rüber und mache das Kind, welches über diese Welt herrschen soll."
"Sind Sie noch ganz bei ... ich weiß gar nicht was ich sagen soll? Wer sind Sie, das Sie so etwas.."
Die Idee scheint ihm zu missfallen, warum glaubt mir keiner, aber wirklich keiner auf Anhieb? Immer benötige ich Spezialeffekte, ist das lästig, "Ich bin Dein Gott und Herr, folge mir nach, so dass Du erfüllst was geschrieben steht im Buch des Lebens!", so, das zieht normalerweise immer, selbst im angeblichen Hochtechnologiezeitalter brauchen die Leute hier und da ein wenig Mystik.
"Oh, mein Herr, mein Herr und Gott.."
"Willst Du mir nur nachplappern, meinst Du Dein Herr hat ewig Zeit, stehe auf und vollziehe, worum ich Dich bat."

Er erhebt und bewegt sich, jetzt noch das Programm abspielen, Musik in ihren Köpfen, viel helles Licht und Wärme, um es ein bisschen Anheimlich zu machen, und dann noch ein bisschen hiervon und davon, und schon ist die Kirche der beste Ort um ein Kind zu zeugen, das Kind. Wie sie ineinander versinken, igitt, doch konzentriere Dich auf das Wesentliche, es kommt langsam. Das jener überhaupt noch kann, sie wird bestimmt eine gute Mutter, doch bereite dich auf den Einsatz vor, konzentriere dich, wie war das noch gleich, zweitausend Jahre nicht mehr gemacht, und schon aus der Übung. Also, trennen, Spermien sortieren, diese dort, Klappe auf, Affe tot, Eisprung aktiviert, rein in die Gebärmutter, Spermien ausgehöhlt, Gensequenz initiiert, Übertragung angestoßen, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Menschen sind mit ihrer Technologie schon ziemlich weit gekommen, doch hier wird ein Halbgott gezeugt, und das hat nichts mit Ärzten zu tun, diese würden hierfür ein vielfaches meiner Zeit brauchen, noch immer. Wie lange braucht der Typ eigentlich, stöhn, ächz, kauz, jetzt lass es endlich raus!

Fünf Minuten vorspulen, er steht auf und kommt zu mir herüber.
"Was war das?"
"Das war Korrekt.", na ja ich habe zwar nicht hingeschaut, aber die Kraft richtet es schon so wie ich es will. Sie ist es, die alles so macht wie es soll, sie ist die, die mir jeden Tag die Freude an der Existenz der Anderen schenkt.
"Ich gehe dann jetzt.", gehe nur, Du hast es getan und es war gut.
"Denke daran, ich der Herr, habe Dich gesegnet.", und bald ist dein Ende gekommen, lästige Bazille. ‚Stirb lieber im Abendrot, Morgen bist du sicher tot.', oder wie ging dieser lustiger Kinderreim noch mal? Morgentot, Abendbrot, egal?
"Aber, .."
"Es gibt kein aber. Du hast Gutes getan und es gut getan, Dein Herr ist Dir dankbar und wird Deine Tat nie vergessen, ewiglich."
"Aber, ..", ist der Typ eigentlich völlig begriffstutzig, total bescheuert in der Birne? Muss ich es ihm erst aufschreiben?
"Geh, lebe lang und friedlich", bis dann.
Wo ist Maria hin, der Trottel hat mich total abgelenkt, egal, sie hat empfangen, sechs Wochen. Prinzeschen wird früh genug von mir erfahren.
Und was willst Du jetzt von mir?

5. Kapitel Leser

"Bist Du der Teufel? Bist Du ein Gott?"
Willst Du damit ausdrücken, ob ich der gute Gott oder der böse Teufel bin, willst Du über Gut und Böse entscheiden, Du willst über mich richten?
"Du bist nicht der Gott, der gute Gott.
Der Dualismus den Ihr Menschen so präferiert, die Existenz von Gut und Böse, ist ein Hohn, Ihr sagt ‚Es gibt Gut und es gibt Böse!' und meint alleine deswegen würde es existieren, deshalb gäbe es den einen guten Gott und den einen bösen Teufel, die Welt kann ja so einfach sein, wenn Ihr das wollt, doch zieht Eure Grenzen auf Erden, aber lasst es den höheren Mächten was ihnen zusteht, gib dem Kaiser, was dem Kaiser gebührt, gib Gott, was Gott gebührt; wenn einer hier eine Grenze zieht, so bin doch wohl ich das und nicht ein dahergelaufener Mensch, der meint weil er ein Buch über Theologie gelesen hätte, wüsste er wer ich bin.
"Aber was ist mit dem ‚gute Gott', wenn Du es ja nicht nur scheinbar nicht bist?"
Frage nicht was, frage wo; wo ist denn Euer ‚guter Gott', auf den ihr alle, ob ihr nun glaubt oder nicht doch so hofft? Ich sage Dir, verjage ihn aus Deinem Geist, denn was hat man von Göttern die nicht da sind? Wo ist er denn, siehst Du ihn hier irgendwo? Hier ist wohl ein in Euren Augen schlechter Gott noch immer besser als gar keiner, denn erst ich gebe Eurer armseligen Existenz einen Sinn, ohne mich seid ihr nichts.
"Was bist Du denn ohne Uns ?", fragst Du mich.
Töte den Papst, und ich werde Dir alles Erklären.
"Aber wieso sollte ich das tun?", schaue nicht so verdutzt.
Er ist mein Diener. Du hasst mich, hasst Du nicht auch meinen Diener?
Wenn Du Dich sehen könntest? Dir steht die Frage ins Gesicht geschrieben und schon platzt sie aus Dir heraus..
"Der Papst soll Dein Diener sein, wie kannst Du das behaupten, ist er doch Petri Nachfolger auf Erden, da stellt sich mir die Frage, bin ich wahnsinnig geworden oder bist Du nicht mehr bei Trost ?"
Jeden Tag sterben Tausende von Kindern die nie geboren wären, jeden Tag wächst die Weltbevölkerung, jeden Tag hungern mehr, Wasser wird knapp, Tiere sterben aus, die Umwelt wird mehr und mehr vernichtet und ich ergötze mich an Eurem Leid, ich liebe es, ich brauche es, ohne es kann ich nicht leben. Und nicht nur in den fünfundsiebzig Prozent der Welt in denen Menschen um ihr Leben kämpfen leiden sie, nein selbst hier, wo es im allgemeinen ganz gut aussieht, ‚ganz gut' ist ein schönes Wortkonstrukt, für mich heißt das, es geht einem Menschen erst so richtig scheiße, also selbst hier leiden jeden Tag Väter, Mütter und Kinder, für was sie sich entscheiden, ob nun für das Kind oder für die Abtreibung, es ist mein Glück, meine Freude, meine Zukunft, und ihr könnt nicht aufhören mir Freude zu bereiten, und das Beste, ihr wisst es nicht. Würde das ‚der gute Gott' zulassen?
"Aber was hat der Papst mit der ganzen Sache zu tun?"
Tja, vielleicht nichts, vielleicht aber eben doch eine ganze Menge, nehmen wir nur als ein Beispiel die Idee Kondome und Verhütungsmittel zu verbieten, sie ist doch grandios von mir ausgedacht, und der Papst mein vortrefflicher Erfüllungsgehilfe. ... Apropos, kennst Du eigentlich mein liebstes Hobby?
"Nein, aber wie...", natürlich kennst Du es nicht, Du Dummkopf.
Ich reise gern nach Afrika oder Lateinamerika.
"Ah so, und ?"
Das allein ist es auch nicht, und aus meiner Sicht ist eine Reise schon mal gar nichts, ich bin hier und überall, zu jeder Zeit, wenn ich es denn will.
Ich verteile dort gerne Brot und Spielzeug an leidende Menschenkinder.
"Sagtest Du nicht Du wärst ein böser Gott, oder sogar der Teufel. Ist das etwas, was ein Teufel tun würde, armen Kindern Brot geben? Entweder ist diese Teufelsgeschichte eine riesen Finte, was ich aber nicht ganz glauben kann, oder Du versetzt das Brot mit Gift oder so, damit sie langsam vereenden."
Nette Idee mein Narr, besonders das mit dem Gift sollte ich nochmals einer genaueren Betrachtung unterziehen, wer jedoch sagte, dass ich Ihnen helfen will. Obwohl, bei Tageslicht betrachtet helfe ich ihnen eigentlich schon, ich helfe ihnen länger zu Leiden. Ihr Glänzen in den Augen, sie könnten weitere fünf Tage schaffen, sie wollen es doch so sehr und merken nicht, dass ich nur ihr Elend verlängere und mich daran ergötze. Diese kleinen braunen Äuglein, die kleinen Hände die dankbar nach allem greifen, was sich ihnen entgegenstreckt, ich gebe ihnen und sie greifen freudig nach allem und wissen nicht welche Freude sie mir damit machen, geben ist eben seeliger denn nehmen.
"Aber dann könntest Du ihnen doch helfen? Ich meine wirklich helfen?"
Träume weiter, selbst wenn wir mal davon ausgehen ich könnte es, wieso sollte ich? Doch genau betrachtet, also auf meine Art und Weise und aus meiner Perspektive gesehen helfe ich ihnen doch, aber gerade eben so, dass sie kaum genug zum Leben, aber doch genug um nicht zu sterben haben. Und sie Leiden, die armen Kleinen, immer weiter geht ihr Leid, und ich ergötze mich daran. Ich will mich aber nicht wiederholen, Töte den Papst und wir können uns weiter unterhalten. Ansonsten, kann ich Dir leider nicht mehr helfen, vielleicht später, wer weiss, jetzt ruft da jemand nach mir.

6. Kapitel Priester

"Oh mein Gott," - ja ? - "wie konnte ich nur so sündigen? Wie konnte ich dem Laster der Unzucht nur Verfallen?", und dann noch mit so einer alten Zecke? Mein Auftritt.
"Du leidest? Freut mich für Dich.", siehst schon ziemlich mies aus, alter Knabe.
"Du schon wieder? Was willst Du noch? Mein Gott, geh!", oh, höre ich da etwa Spott aus deiner Stimme? Du wirst doch wohl nicht sündigen wollen, du hast mich zu ehren und nur mich anzubeten, wenn ich mich nicht irre sagen das zumindest die ersten beiden Gebote aus.
"Warum so aggressiv, zweifelst Du etwa?"
"Woran sollte ich wohl zweifeln?!", an dir, an deinem Gott, an deinem Glauben, an der Weltwirtschaft, dem Frieden oder dem menschlichen Dasein im allgemeinen? Brauchst du noch 2 Milliarden Vorschläge?
"Stell Dich nicht dümmer an als Du bist, Du hast Deinen Teil zur Schaffung eines neuen Gottes beigetragen, Du Josef, Auserwählter meiner Gnade, frage nicht warum, sei dankbar Deinem Herrn und Schöpfer.", war das etwa jetzt ein bisschen Überzogen? Nein, ich bin's, schau mich an, ich bin euer Herr und Meister.
"Du bist nicht mein Gott!"
""Du bist nicht mein Gott!", ich kann diese Laier nicht mehr hören, immer das selbe, keiner hört mir richtig zu, ich habe nicht von Gott gesprochen, also nicht von dem, Du weißt schon, dem einen, den Du meinst anzubeten und zu preisen. Ich sagte, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, ich sei Dein Herr und Schöpfer. Von Gott war nie die Rede, wer will schon so sein wie Dein guter Gott, aber wenn ich es so recht bedenke?"
"Belzebub verschwinde! Satan, ich verachte Dich, weiche von mir, meine Seele erhältst Du nicht, zeige Dein wahres ich, zeige mir Deinen Pferdefuß, zeige Deine Hörner.", hast Du schlechte Drogen konsumiert, ich glaube kaum was ich da höre.
"Es nervt, diese menschlichen Bilder sind ja ziemlich weit hergeholt, ich bin weder Pan, der griechische Gott der Wälder, Felder und der Fruchtbarkeit, - tolles Wissen? - und zweitens wird Dein Gezeter langsam lästig. Können wir jetzt endlich zu Deinem Leiden zurückkommen, dies erfrischt mich, muss ich schon zugeben, ziemlich, jedenfalls mehr als Dein ‚Teufel, Teufel, Satan weiche' Gejammer."
"Verschwinde!!"
"Warum sollte ich?"
"Verschwinde, verschwinde, verschwinde!!", oh jetzt wird er böse.
" "Verschwinde, verschwinde, verschwinde!!" , so unhöflich. Ihr Menschen meint immer, einsam und alleine zu Leiden, im stillen Kämmerchen, das wäre toll, glaub mir, gehe raus, schreie Dein Leid heraus und es wird Dir gut gehen, aber so ganz alleine, ich möchte doch auch meinen Spaß an der Sache haben, oder gönnst Du ihn mir etwa nicht? Bist Du so undankbar, aber apropos Dankbarkeit, Du solltest Dankbarkeit zeigen, dass Du Deinen Schwanz so kurz vor Deinem Ende noch in eine Frau stecken durftest, ich wäre also dankbar wenn wir auf diese lustige Geschichte zwischen Dir und Maria zurückkommen könnten, ich glaube Du hast da noch irgendwo ein kleines Problem mit?", hoffentlich ein sehr sehr großes.
"Weiche Satan!"
"Könntest Du bitte das lächerliche Kreuz runternehmen, durch das lange halten kriegst Du nur Schmerzen in den Armen, und dann können wir uns nachher nicht mehr ordentlich über Sex unterhalten, sondern Du jammerst mich nur weiter voll, über Deine Schmerzen im rechten Arm, apropos Sehnenscheidenentzündung in Zusammenhang mit Sex, wie hältst Du es eigentlich mit Onanieren? Masturbation? Du weißt schon, sich einen Wichsen? Nein? Nicht, wirklich nie? Wie soll das denn ein Mensch aushalten können, 63 Jahre, 2 Monate, 7 Tage, 3 Stunden und 25 Minuten lang, nie den eigenen, na Du weißt schon, den eignenen Schwanz außer zum Waschen berührt? Das kannst Du Deiner verehrten Frau Mutter erzählen, ach ja, geht ja wohl nicht mehr, die ist ja seit 6 Jahren, 7 Monaten.."
"Schweige, was willst Du?"
"Ein Platz am Kamin, eine gute Tasse Kaffee und eine wirklich gute Zigarre, nein, Spaß bei Seite, ein normales Gespräch mit Dir würde mich schon sehr erfreuen, wo wir gerade bei freuen sind, wie steht es jetzt also mit der Masturbation, nie gemacht, nie, wirklich nie?"
"Hmrmph?!", was war das für ein Grunzlaut, aber lass, ich weiß doch schon längst was kommt, ich sehe wie Du Dich windest, wenn das Dein Bischof wüste, Du schlimmer Finger!
"Also laut Katechismus der Katholischen Kirche, ich darf doch, oder, natürlich darf ich, ich darf alles, also laut Katechismus, hier haben wir es ja
"Masturbation ist die absichtliche Erregung der Geschlechtsorgane, mit dem Ziel, geschlechtliche Lust hervorzurufen"
Wozu denn bitteschön sonst ? Wenn nicht um zu erigieren?"
"Worauf willst Du hinaus?"
"Du bist ein Mensch, und wenn es geht, dann mach es. Du findest Kacken oder Pissen.., Entschuldigung, ich war wohl in letzter Zeit zu häufig in der Gosse, schöner Ort, aber wie die da sprechen, da vergesse ich ganz meine gute Erziehung. Nochmal von vorn, also Du gehst ja auf die Toilette um Dich Deiner Notdurft zu entrichten, und sollte dies nicht das gleiche sein, ist doch eine gute Möglichkeit den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen. Und wie sieht es denn hiermit aus,
"Der um ihrer selbst Willen gesuchten geschlechtlichen Lust fehlt die von der sittlichen Ordnung geforderte geschlechtliche Beziehung, jene nämlich, die den vollen Sinn gegenseitiger Hingabe als auch den einer wirklichen humanen Zeugung in wirklicher Liebe realisiert." ?
Sage mir, welchen Sinn hat das alles, ein schlechtes Gewissen zu machen, aber schau dort, Du brauchst gar kein schlechtes Gewissen zu haben, "
"Monologe? Ist es das was Du willst?"
"Eigentlich ja, aber Du darfst gleich auch noch was sagen,
"Um ein ausgewogenes Urteil über die sittliche Verantwortung jener, die sich hierin verfehlen, zu bilden und um die Seelsorge danach auszurichten, soll man affektive Unreife, die Macht eingefleischter Gewohnheit, Angstzustände und weitere psychische oder gesellschaftliche Faktoren berücksichtigen, welche die moralische Schuld vermindern oder sogar aufheben."
Siehst Du, es ist gar nicht so schlimm, oder? Du sagst einfach, dass es eine einge-fleisch-te Gewohnheit ist, und schon ist alles wieder in Ordnung, und Dein Papst hat Dich auch noch lieb."
"Was willst Du wirklich?"
"Unterhaltung, zeige mir, woran Du leidest, vielleicht helfe ich Dir?"
"Das würdest Du nie tun, und Du könntest es auch nicht!"
"Stimmt, da hast Du mal Recht, helfen würde ich Dir im Leben nicht. Aber,
wenn ihr Menschen euer Leid verstehen würdet, mein Job würde nur halb soviel Spaß machen, würdet ihr euch selbst verstehen müsste ich mir vielleicht sogar etwas neues suchen."
"Wie, Du willst mir weismachen, wir Menschen könnten Dich abschaffen?"
"Unter uns Pastorentöchtern, ja, aber glaube nicht, dass Dir das helfen wird. Wie willst Du mich töten? Willst Du alle Menschen davon überzeugen, sie dürften nicht mehr Leiden, und schlupp wäre ich verschwunden, ich verspreche Dir, selbst würde ich es allen sagen, es würden nichts bringen. Ich bin hier, auf Gedeih und Verderb, und zur Zeit ist es echt gut, das Leben macht mal wieder richtig Spaß. Aber um auf den Anfang zurückzukommen, was sagst Du eigentlich dazu, dass Du Vater wirst? Eigentlich nicht richtig, aber irgendwie schon, irgendwo warst Du ja mit beteiligt."
"Das ist ein Scherz?"
"Nein, kein Scherz, Papa Josef, hört sich gut an, denk mal drüber nach, ich leihe mir den Katechismus mal aus, nette Lektüre, bin noch nicht dazu gekommen sie zu studieren, muss mir mal wieder mehr Zeit zum Lesen nehmen. Als Film gibt es das wohl nicht, oder? Nein? Gut, kann man nichts gegen machen, ist auch ein trockenes Thema, wer sollte da den die Hauptrolle spielen, Klaus Kinski?"
"Aber, wie ..."
"Denk mal drüber nach, über Deine Unzucht, die auch noch zu einem Kind führt, wie steht hier so schön..
"Unzucht ist die körperliche Vereinigung zwischen Mann und Frau, die nicht miteinander verheiratet sind. Sie ist ein schwerer Verstoß gegen die Würde dieser Menschen und der menschlichen Geschlechtlichkeit selbst, die von der Natur aus auf das Wohl des Ehegatten sowie auf die Zeugung und Erziehung von Kindern hingeordnet ist."
Große Worte, oder? Du hast gegen ‚die menschliche Geschlechtlichkeit selbst' verstoßen, aber immerhin kommt ein Kind dabei raus. Könntest jetzt eigentlich Deinen Beruf aufgeben und Maria heiraten, nur glaube ich irgendwie nicht, dass Du in die Erziehung eingreifen solltest, ich möchte schließlich nicht, dass mein Sohn nach einem Priester schlägt, da kann der ja eigentlich nur noch schwul oder scheisse werden!?"
"Warum tust Du das?"
"Fragst Du mich nach Sinn oder Unsinn allen Daseins, ich bitte Dich, was soll ich Dir denn antworten? Meinen Sinn willst Du nicht hören, Deinen Sinn würdest Du mir nicht glauben, also ist es doch ziemlich sinnlos, oder?"
"Sag mir meinen Sinn."
"‚Da ging er hin zu leiden, aus liebevollem Sinn', mach es."
"Leiden?"
"Ja, leide für mich, oder reiß Dich zusammen und akzeptiere was Du bist."
"Was bin ich denn, Deiner Ansicht nach?"
"Opferlamm. Du bist einfach nur ein Opferlamm. Aber das ist überhaupt nicht Schlimm, die Masse der Menschen sind Opferlämmer, sie versuchen ihr ganzes Leben wichtig zu sein, ihr ganzes Leben kämpfen sie darum, etwas darzustellen, sich selbst einen Sinn zu geben, und sie sind eigentlich nur zum Schlachten da."
"Ich habe mein ganzes Leben meinem Gott gedient."
"Und, hat er es Dir nicht gedankt?"

7. Kapitel Die Weinende

"Heul nicht rum, kleines Mädchen. Davon kommt er auch nicht wieder.", er will es wohl auch nicht, wer würde das bei Dir schon wollen?
"Aber ich liebe ihn doch so, so sehr. Er ist der tollste Junge den ich je getroffen habe.", bist du blind, kleine Schnepfe? Der Typ war scheiße, er war ein Riesenarschloch, so wie ich ihn liebe, aber für dich, apropos dich, kannst du dich eigentlich mal wieder einkriegen und aufhören zu plärren?
"Aber er war nicht der Richtige für Dich, Du hast etwas besseres verdient! Etwas viel Besseres!", ja zum Beispiel eine 45er durch die Stirn gezogen. Nein, keine Kugel, die gesamte Knarre.
"Das Leben ist so sinnlos ohne ihn, ich möchte nicht mehr, nie wieder werde ich so lieben.", stimmt, erstens gibt es sowieso keine Liebe und zweitens weiß ich sowieso was jetzt kommt, ‚Huähh, ich möchte nicht mehr Leben, huähh!!', so machst du mir keine Freude, dass lass dir mal gesagt sein. Netten Blick aufgesetzt, "Ah komm, es wird schon nicht so schlimm, Morgen sieht die ganze Welt schon wieder ganz anders aus.", dezentes Grinsen kommt immer gut, eine offene Geste nach vorne, Kopf leicht schräg, gewonnen, ich bin drin.
"Huähh, ich möchte nicht mehr Leben, huähh!!", nein, hab ich es nicht gesagt, ich hätte jede Wette gehalten, klassisch. Na, schaff ich es noch, vor tausend Jahren war ich Profi in solchen Dingen.
"Aber warum, Du bist doch ein dummes kleines Ding. Du bist so hübsch und etwas ganz besonderes, Dich muss doch jeder Mann lieben!", ahh, wie gut ich doch noch bin, ich habe nichts verlernt. So wie damals, als ich die Ehebrecherin, na ja, Du weißt schon, die Geschichte aus der Bibel, die mit Jesus, der Ehebrecherin und dem ersten Stein. Ich habe ihn damals übrigens geworfen, aber der Rest war scheinbar ziemlich feige und hatte wohl keine Lust mitzumachen. Na ja, was soll ich sagen, sie ist später doch noch getötet worden, ihr Mann hat sie am nächsten Morgen mit einem Knüppel zu Tode geprügelt. War ich übrigens auch dabei, eine fiese Sache, so ein geplatzter Schädel.
"Alles habe ich für ihn getan, alles. Immer die beste Kleidung getragen, nur weil er es liebte, immer für ihn gekocht, " - obwohl du es gar nicht kannst - " geputzt und gewaschen. Er war mein ein und alles.", ja, für 7 ganze Monate, allem Anschein nach ist selbst ein Regenwurm mit dem tausendfachen deiner geistigen Existenz ausgestattet, sich sieben Monate verarschen zu lassen; du bist ja nicht nur ‚geistig behindert', sondern auch noch hässlich und das ist eine miese Kombination, oder was meinst Du?
"Aber was soll's, vergiss ihn, er ist nicht der richtige für Dich. Denke Voraus, was für schöne Dinge Du noch erleben kannst.", eine weitere Geste nach vorne, ihre Hand gegriffen, immer die gleiche Masche, hier Mädel, ich bin es der dich glücklich machen wird, oder auch nicht! "Möchtest Du noch etwas Trinken? Eh Kellner, bring noch ne Runde von dem Zeug hier. Wie hieß es gleich noch? Stroh 80, genau!"
"Aber ich glaube," - ich liebe dieses Wort - "ich glaube ich habe genug, genug getrunken."
"Nein, nein, Du musst ihn ein für allemal runterspülen, er muss raus aus Dir, damit er keine Macht mehr über Dich hat.", und für mich, damit es ein leichtes wird.
"Gut, einer wird noch passen.", ja !
"Du bist so hübsch,", so hübsch und hässlich wie alle hier, ihr seht doch sowieso alle gleich aus, alle Einheitsfrisur mit Zopf, schwarz gekleidet und totaaaal nett, irgendwie alle hübsch, aber auch blöd, schön und dumm, scheiße doof, mächtig beschissen in der Birne, "Du bist die netteste Frau die ich kenne,", Du bist jaaa sooo nett, wenn du noch netter wärst, wärst du Scheiße, aber so, irgendwo zwischen Zecke und Kakerlake, "und ich hab Dich verdammt gern. Ah danke, stell die Becher hier ab." Hirni. "Du bist die schönste und klügste ", jetzt Pruste bloß nicht los, "Frau, die es auf diesem Planeten gibt und ich glaube Du hast mehr drauf als diesem Hirni hinterherzuputzen.", und jetzt sauf endlich den scheiß Drink, meinst Du der steht zum Spaß da!
"Oh, ich weiß gar nicht was ich sagen soll."
"Sage einfach, ‚who the fuck is the old bloody bastard I call my ex boyfriend?'.", oh, 'bloody bastard', hoffe sie ist besoffen genug und rallt das nicht mehr so ganz, ach was, die Sumpfkuh ist schon längst im Reiche der drei heiligen J's, Jack, Jim und Jonny.
"Ich, also ich, ich bin, bin der Meinung,", lall hier nicht herum, "dass dieses Getränk wirklich abartig schmeckt.", soll es ja auch, meinst Du ich mach das ganze hier zum Spaß? Ja! Sauf mein Kind, saufe und werden betrunken, denn heute ist der Tag, den du dein ganzes Leben nicht vergessen wirst. Da hast du deinen Freundinnen mal mehr zu erzählen, als welcher Typ von welcher Gruppe welche Frisur hat oder welche dumme Pute aus deiner Schule immer noch mit den Verlierern abhängt, welche Farbe deine Haare haben und warum du die Schminke von dem und dem benutzt, weil die ja besser ist und dafür schließlich mehr Tiere krepiert sind, aber darüber machst du dir genauso wenig Gedanken wie ich. Äh, das Letzte wird sie wohl nicht erzählen, aber egal!
"Komm, trink aus.", es lebt sich gut ohne Leber und ohne Blut kann man eh nicht betrunken werden, was soll's, ich bin schon ein echter Spitzentyp, für mein Alter echte Oberklasse, was heißt ‚für mein Alter', ich bin Oberklasse. "Lass uns gehen, ich bringe Dich nach Hause.", wie ich diese Fäden ziehe, mein Netz spanne und meine Beute einfange, sie einwickle und danach verspeisen, einer Spinne gleich.
"Gut, aber ich muss, ich muss nur noch mal, mal für kleine Mädchen, hihi, Du verstehst.", ja bin ich denn total bescheuert, du musst pissen, muss das nicht jeder Mal? Nein stimmt, wenn ich so richtig überlege, ich muss äusserst selten, eigentlich nie, nein, ich bin ein großer Junge, ich kann es bei mir halten, seit knapp drei Milliarden Jahren. Ist schon eine ziemlich lange Zeit.
"Da bist Du ja wieder, das war ja ganz schön flott.", dummes Grinsen, härter Pinseln, oder dumm fickt gut. So jetzt geht es endlich zur Sache.
Zick zack, da sind wir, noch einen Kaffee, komm, nur noch eine Viertelstunde, gut bei dir, jaja, Laber Laber Frittenbud, leckerer Kaffee, komm doch näher, zier dich nicht, genau, in meinen starken Armen musst Du Dich einfach gut fühlen und jetzt mach dich nackig, drei, zwei, eins, taraahh.
"Was geht denn hier ab?", bist Du Hirni auch endlich da? "Du betrügst mich mit so einem Typen?"
"Aber Jan, ich kann Dir alles erklären ...", dass möchte ich hören. "Er ist nur ein guter Freund."
"Er ist gleich ein toter Freund!", jetzt habe ich aber Angst, Kleiner! Wenn ich wollte, könnte ich Dich wie eine Fliege, wie eine tote Fliege zerdrücken, aber ich habe wichtigeres mit dir vor, Du spielst in meinem Spiel nicht das Opfer, heute darfst du Täter sein, aber sind die Täter von heute nicht eigentlich die Opfer von gestern. Gerade das macht die Sache ja so interessant für mich.
"Ich glaub ich geh jetzt besser.", Sachen genommen, schnelle Schritte, ich fliehe, aber nur bis zur Türe, auf, andere Ebene, zu, genießen!
"Ja, verpiss Dich nur Du Hurensohn,", wieso schreit er so laut hinter mir her, ich bin doch noch hier, "und jetzt zu Dir, Du alte Schlampe.", ein richtig netter Kerl, ich würde mit ihm gerne mal ein Bier trinken gehen. Hinter den Vorhang, zurück auf der Menschenebene, ich will spüren was jetzt kommt, ich will das Schauspiel genießen, in vollen Zügen richtig genießen.
"Mich betrügt kein dummes Weibstück, verstehst Du, mich nicht, mit irgendeinem dahergelaufenen Pisser, Du weisst was das heisst!"
"Aber Jan.."
"Kein "Aber Jan", Du hast mich betrogen, und man betrügt nicht, mich betrügt man nicht, und dafür gibt es jetzt was kräftig in die Fresse, Du alte Schlampe, mich zu betrügen, kein Kerl soll Dich je wieder anrühren...", netter Kerl. Er schleudert sie durch die Wohnung, dumpfer Aufschlag, Scherben, berstendes Holz, Schlag, noch einer, Tritt, eine rechts-links Kombination, kreischendes "Jan, hör auf!", zerren, hochreißen, kurzer tiefer Blick, oh wie er sie hasst, mein Jünger hat seine Lektionen gut gelernt, ein kurzer Schrei, sie wird herumgewirbelt, Scherben bringen Glück, Tritt, wutschnaubend, zerren, schlagen, kurze Folge, schnell durchgeführt. Stille; Junge, das war definitiv zu schnell, so machst Du mir keine Freude, ich sagte, lass Dir Zeit, ich sagte, sei nicht so hektisch, sie kriegt nichts mehr davon mit, lass es, lass es, aber nein, der kleine Jan macht seine Sache ganz oder gar nicht, "Ja, Polizei, ich habe einen Mord zu melden, ja, gut ich bleibe hier und halte den Täter fest, nein nein, kein Problem, er ist keine Gefahr mehr.", heulendes Elend, ihr Leiden ist doch vorbei, weine nicht um sie, weine um dich, denn deine Leidensweg hat gerade erst begonnen, doch sorge dich nicht, ich werde dich besuchen, lebenslänglich.

8. Kapitel Maria

Was, Du willst mir schon wieder Fragen stellen? Genug, schweig still, ich habe wichtigeres zu tun als Dir meine Existenz zu erklären, noch werde ich beginnen Dir meine Person oder mein Handeln zu deuten. Die Welt dreht sich weiter, schauen wir mal was der Braten in der Röhre macht.
"Ich bin Schwanger.", ihr Wohnzimmer ist leer und kalt.
"Ich weiß!", an den Wänden hängen uralte Bilder, sinnlose einfache Kunst, Motiv röhrender Hirsch.
"Ich bin zu alt für so etwas, das geht doch nicht! Kann das Dein Wille sein? Ich weiß noch nicht einmal wie das passieren konnte, warum ich, warum hast Du mir das nur angetan, wo steckt da der Sinn, dass eine knapp 70 jährige Frau ein Kind bekommt? Ich weiß wer Sie sind. Ich sah es genau in den Augen des Pastors, nachdem er mit mir fertig war.", Angst und Elend, Worte voller Furcht, Entsetzen, und ich genieße es, denn ich weiss worauf sie hinaus will, ich weiss alles.
"Ich finde, eigentlich sollte mir das Entsetzen noch im Gesicht stehen, nicht Dir, der sexuelle Akt ist an sich schon ekelig genug, und er wird wahrlich nicht schöner wenn zwei Greise es miteinander treiben. Es ist grauenvoll gewesen, könnte ich träumen, ich hätte heute noch Alpträume davon, aber Gott sei Dank,", lachen, "ich träume nicht. Es könnte, um dies nochmal näher zu betrachten aber einfach auch daran liegen, dass ich nicht schlafe, doch was soll es, dies gehört hier nicht hin. Du willst Gründe für das was geschah? Hier hast Du welche. Du bist die letzte Nachfahrin des alten Gottes und somit die Nachfahrin der Maria, aus der Jesus gemacht wurde, aus der ich Jesus gemacht habe. Ich gebe zu, dass letzte Projekt hätte besser laufen können, obwohl es schon ein Erfolg war, im großen und ganzen, schließlich habe ich neben Krieg und Elend knapp zwei Jahrtausende dank seines Unvermögens die Welt beherrschen können, mit einem falschen Gott, einem Bild eines Gottes, geschaffen durch ein paar verlauste Schriftgelehrte, weitergegeben von versoffenen und rumhurenden Mönchen und projeziert bis in die Neuzeit, ein Gott mit einem Feindbild, es hatte doch schon recht amüsante Auswirkungen.", das hat gesessen. "Harter Tobak, und Du weißt nicht mal ein tausendstel von Alledem. Du siehst etwas verwirrt aus, habe ich Dich etwa durcheinander gebracht?"
"Wie? Wie kann das sein? Ich, eine Nachfahrin von Maria. Von der Maria, die, die Jesus von Nazareth zur Welt gebracht hat, ich kann es gar nicht fassen."
"Und der Rest scheint Dich kalt zu lassen. Ich muss zugeben, wenn das Deine einzige Sorge bist Du noch hohler als ich dachte, verdammt blöd, aber wenn Du es sehen möchtest, ungläubiger Thomas, hier der Beweis."
Übertragung Jesu Geburt, der Fernseher geht an und zeigt eine Szene aus längst vergangenen Zeiten, eine junge Frau liegt in einem Bett aus Stroh und gebärt ein Kind, neben ihr einige Frauen, die Szenerie wird während der Geburt golden erleuchtet. Aufblenden, ein Stern steht über dem Stall, einige Hirten sitzen in einiger Entfernung, weiß hell leuchtende Gestalten schimmern durchsichtig, Musik erklingt leise aus der Ferne.
Gut, ich gebe zu, dies ist aus einem Film geklaut, er ist aber sehr nah an der Realität, ich war schließlich dabei, nur leider ist die Aufzeichnung abhanden gekommen. Was immer da auch passierte im göttlichen Archiv, die haben nach meiner Machtübernahme ziemlich geschludert, haben es einfach nicht so leicht akzeptieren können, dass ich das Zepter in der Hand halte, und heute muss ich den Laden alleine schmeißen, ist zwar ein ziemliches Chaos, aber ich musste sie alle Feuern, scheiss Gewerkschaft. Was soll's, solange Menschen immer noch glauben was im Fernsehen läuft, kann ich ihnen selbst Cartoons als Realität verkaufen, so dumm wie die alle sind.
"Aber, aber, aber die Frau, die sah ja aus, die sah ja aus wie ich in meiner Jugend.", hör auf zu stottern.
"Ja, Du bist ja auch ihre Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Punkt-Punkt-Punkt-Enkelin. Glaubst Du mir jetzt, dass Du die Nachfahrin von ‚der Maria' bist. Und Du wirst den nächsten Sohn ‚Gottes' gebären, und Du wirst ihn..", so jetzt schocken wir sie mal ein wenig, " .. äh .. Arschkrampe nennen!"
"Arsch - Arschkrampe - Arsch - wie? Was ist das für ein Name, für .. den Sohn .. Gottes, oder des Teufels, oder wer immer Du auch genau bist? Und wie soll aus dem .. zwischen einer alten Frau und einem Priester ein Gott entstehen?"
"Selten dumme Schlampe, über den Namen lass ich ja noch mit mir reden, aber wer war wohl der Vater von Jesus, .. hmm ? Richtig Joseph, ein Zimmermann, ein kleiner abgewrackter Hammelficker, was hätte ihm anderes nachfolgen können als ein weiterer hammelfickender Nichtsnutz, nur meine Macht machte aus seinem Blag einen Gott, und bei Dir habe ich wie vor zweitausend Jahren bei Maria und Josef selbiges gemacht, auch hier hat meine Macht einen Gott geschaffen. Aber Du hast Recht, der Name ist wirklich ziemlich beschissen! Ich werde mir etwas einfallen lassen, habe ja noch schlappe drei Wochen Zeit."
"Drei Wochen?" Schrei nicht so rum und schau mich nicht so blöd an. "Wie kann denn das passieren? So schnell, das geht doch .."
Spottender Ausdruck, böser Blick, sie zuckt.
"Durch die Macht eines Gottes! Wodurch wohl sonst? Vielleicht wegen deiner kräftigen Nahrung, apropos, Du solltest weniger Suppen und mehr Fleisch essen, mein Sohn soll kein ekeliges Weichei werden. Er soll sich von bluttriefendem Steaks ernähren, englisch, keine Sorgen um BSE, er ist ein Gott, solch ein Kram interessiert ihn nicht."
Wie sehe ich die Verzweifelung in ihrem Gesicht, es ist ein gar göttlicher Spaß, diese alte Frau fühlt sich wie in einem Alptraum gefangen, lethargisch ans Bett gefesselt, und kleine alte Maria, ich werde die Fesseln zuschnüren, dir deine letzte Kraft rauben, dich langsam aussaugen, vernichten, mein Sohn wird sich von dir ernähren, an dir wird er wachsen, er wird wie ich und wird Massen auf sich ziehen, und mit seinem Wachsen werde ich größer und stärker als ich je war, ich werde Unfrieden streuen, Mütter werden ihre Söhne im Schlaf erdrosseln, Väter ihre Töchter schänden, Brüder werden von den Schwestern gefressen, Schwestern von den Brüdern enthauptet. Doch sie werden in ihrer Not nur mehr Kinder zeugen, immer mehr, so wie Tiere in Not extra viel Nachwuchs werfen, werdet ihr es schaffen so viele zu werden wie nie zuvor. 10 Milliarden, pah ich rede von Billionen, die jedes Jahr für mich leiden, die jedes Jahr zu meiner Ehre geboren werden. Frauen werden zu Geburtsmaschinen, Männer zu ihrem Schlachtopfern, und über allem werde ich stehen, ich der Vater allen Elends, Gott aller Götter, ihr werdet nach mir rufen...
"Gott, Sohn Gottes, ich werde Mutter, Teufel, Priester ..",
"Störe mich nie wieder in meinen Gedanken, hast Du mich verstanden? Und jetzt höre auf so zu stottern, alte Frau, soll mein Sohn Legastheniker werden? Also, sprich klar, dummes altes Weib, Du willst doch wohl jetzt nicht durchdrehen. Und rasier Dir Deinen Damenbart ab, ich kann dieses ekelige Gezumpel über Deinen Lippen nicht länger sehen, Du siehst ja wie ein Kerl aus. Ich möchte nachher nicht im Krankenhaus gefragt werden ob ich schwul bin!"
"Schwul?", schaut diese Frau mich verwirrt an, ja richtig verwirrt, klasse, so brauche ich die Menschen, ich weiss immer was ich sagen muss um sie in die Situation zu befördern, dass sie einen Zentimeter vor der Klippe stehen aber dann nicht mehr wissen was sie dort wollten und warum sie jetzt gerade da stehen.
"Ja Schwul, und jetzt leg mal los, oder willst Du etwa das mein Sohn hier aufwächst, in so einer Drecksbude, da kommt ja direkt das Jugendamt und holt ihn ab, Du hast drei Wochen Zeit die Bude auf Vordermann zu bringen. Los, was stehst Du da rum? Beweg Deinen faulen alten Arsch. So, bis später, ich muss mich noch um andere Menschen kümmern, auch sie rufen nach mir und bitten mich um Hilfe; wenn Du ganz leise bist, hörst Du sie weinen!"

9. Kapitel Irre

Sie steht jeden Tag und jede Nacht an ihrem offenen Fenster welches zur Strassenseite hinaus zeigt. Jeden verfluchten Tag lehnt sie heraus, jede vergessene Nacht steht das offene Fenster dort in Wartestellung, alleine nur das Fenster hofft auf ihre Gegenwart, Fenster haben ein ziemlich langweiliges Leben und werden nicht beachtet, solange es sie denn gibt, jeder, der schon einmal in einer dunklen Zelle saß, weiss was ich meine, dort wünscht sich jeder ein Fenster, doch in freier Wildbahn laufen die Menschen an ihnen ohne sie eines Blickes zu würdigen vorbei, doch sie liebt ihr Fenster, sie verbringt jeden Moment damit ihre Umwelt durch selbiges zu betrachten, den Menschen bei ihren Leben zuzusehen, als Ausgleich für ihr eigenes, welches nicht in ihrem Kopf existiert, weil sie von sich selbst und ihrer Existenz nichts weiss. Jedem der sie sieht ist direkt klar, diese Frau hat sie nicht alle, sie ist verrückt, hat einen mächtigen Sprung in der Schüssel, doch weder sie noch das Fenster interessiert das, auch nicht ihre fiktiven Freunde oder ihre Gefährten aus Plüsch, denn gerne teilt sie ihre Fensterbank, am liebsten mit ihrem Bär, also versteht mich nicht falsch, sie steht da und zeigt ihrem Bär die Welt, immer noch falsch verstanden? Ein Schuft ist nur wer schlimmes dabei denkt, der Bär ist natürlich ein Stofftier, manchmal sitzt dort auch ein Affe, hier und da auch andere Wesen wie Löwe oder ein kleiner süsser Igel, das Alleinsein scheint ihr nicht besonders zu liegen und mit ihren Stofftieren, die die gut fünfundvierzig jährige Frau schon unendliche Zeit besitzt, hat sie wenigstens ein paar atäquaten Gesprächspartner, welche außerhalb der Forensik nicht leicht zu finden wären.
"Ja, ich komme ja gleich rein. Ich warte nur noch auf Rudolph. Bis der Rudolph kommt. Der will mich noch sehen. Der will mich in meinem Nachthemd sehen. Hihi, im Nachthemd.", dabei hängen ihre großen Brüste, die sich unpassenderweise in ihrer Jugend dorthin verirrt hatten, auch noch mal eben hervor, so dass jeder vorbeigehende Mann auch noch genötigt wird mal kurz nach dort oben zu schauen, in die dritte Etage, zu der Frau mit Brust und Bär. Manchmal frage ich mich warum die Menschen so geschaffen wurde, aber da mir persönlich nichtmal bekannt ist, welcher dieser vergreisten Gottgestalten sie überhaupt geschaffen hat, nach meinem Ebenbild wurden sie jedenfalls nicht geschaffen, so tief könnte ich nie sinken, kann ich über ihren gedachten Sinn keine genaue Auskunft geben. Ihr heutiger Sinn ist mir jedoch bekannt, mir Freude zu bereiten, und das können sie am besten wenn sie sich ohne Sinn und Verstand zu gebrauchen einfach hirnlos verhalten, vollkommen emotional, den niedrigsten Trieben freien Lauf lassen, denn das sind die Gefühle die ich mag, hervorgerufen von unkontrollierter Scheiss-Endorphin-Ausschüttung, die sie nicht unter Kontrolle kriegen können, die einzige Möglichkeit besteht in der Entfernung der Reize, die diesen Ausschüttungen zu Grunde liegen, aber selbst das beherrschen sie nicht, arme Menschen. Doch genau solche Menschen wie diese ach so arme Frau sind gute Studienobjekt für mich, hier kann man den Mensch in seiner Einfachheit erforschen und dies später auf die Allgemeinheit übertragen. Ad A, alle Männer sind notgeile Böcke! Egal wie blöd die Frau ist, egal wie dumm sie ist, egal wie sie sich verhält, dicke Titten führen dazu, dass Männer Freund und Feind vergessen und hinglotzen, einen Steifen kriegen und geil werden. Ich sage ja, armseeliges Menschenpack, Kleingeister. Ad B, verrückte Menschen reizen die angeblich so normalen zum Hinsehen, woraus man ja schliessen könnte die Männer, weil sie hinsehen, seien die angeblich normalen und die Frauen, weil sie begafft werden, die Verrückten, doch auch Frauen schauen, zwar anders als Männer, sie können Männer ohne raushängende Zunge anschauen und müssen auch nicht lauthals herumzublöken und einen Balztanz aufzuführen, um es auf den Punkt zu bringen, alle Menschen sind wahnsinnig, die einen können es nur schlechter verstecken als die Anderen, deren Wahnsinn einfach zum Standard erklärt wurde.
Doch zurück zu meinem wahnsinnigen Schatz.
Ich setzte mich hier gerne zu ihr, auf das Balkongeländer direkt gegenüber von ihrem Fenster auf der anderen Strassenseite. Manchmal sieht sie mich und spricht mich an, ich grinse dann nur zurück, ein weiterer Grund warum sie die Menschen für verrückt halten, sie sieht mich, die anderen Menschen hingegen sehen mich nur wenn ich das will, und das verstehen diese wiederum nicht, worüber sie sich aber meist keine Gedanken machen, da sie sich im allgemeinen ungern Gedanken machen, und über Dinge, die sie nicht sehen können, noch unlieber. Dieses Spiel ist zwar für Götter an sich genommen etwas heikel, man sollte ja als Gott gerade die Menschen meiden, die in der Lage sind einen zu sehen, doch sie ist keine potentielle Gefahr, sie ist nur eine offensichtlich Wahnsinnige unter all den selbstverleugnet Verrückten, nur die Blinde mit Binde unter den Blinden.
Warum ich gerade heute wieder hier sitze möchtest Du wissen? Ich könnte es Dir sagen und Dir die Spannung rauben oder aber Du lässt Dich überraschen, was wäre Dir lieber? Und glaubst Du wirklich, dass ich Dir eine Wahl geben würde, meinst Du, Du hättest zu entscheiden, nein, nicht wirklich. Aber betrachten wir weiter die Situation, denn Rudolph kommt heute mal wieder etwas früher von der Schicht nach Hause, und Rudolph ist nicht das lustige Rentier, auch wenn er schon die Gewichtsklasse hat, und Rudolph hasst meine kleine Wahnsinnige, es ist die Schwester seiner Frau und die ganze Sippe seiner Frau hat er schon immer gehasst, wenn er ehrlich wäre würde er zugeben, er hat auch seine Frau schon immer gehasst, aber "Wohin mit die Dreck, der muss russ!" hat er schon mehr als einmal seinen Freunden mitgeteilt, wobei Männer unter sich nicht viel von Wahrheit halten, und schon mal gar nicht wenn es um Frauen geht, aber das ist eher so eine lustige Eigenart am Rande, Rudolph hatte nur geheiratet weil man es so tut und weil er zu faul war sich um Essen und Wäsche selbst zu kümmern, an sich ist er eine faule Sau, ein kleines Stück Scheisse so wie es milliardenfach auf dieser Welt herumläuft und eigentlich hasst er alles, doch er gesteht es sich nicht zu, Rudolph kommt früher als sonst nach Hause. Das hat an sich keine Auswirkungen, ich wollte Dir es nur nochmal sagen, nur damit Du vielleicht ein Gefühl von Spannung aufbauen kannst, etwas Unerwartetes passiert, Rudolph ist geladen, und wie immer wenn er geladen ist kann er gerade das dumme Geschwätz seiner Schwägerin die er immer nett mit ´scheiss Irre´ anspricht gerade dann überhaupt nicht ertragen.
"Ich sehe alles, ich sehe alles.", was hören meine entzückten Ohren, meine kleine Wahnsinnige hat wieder mit ihrer Predigt begonnen, vielleicht hätte sie es besser gelassen, denn die Antwort lässt nicht lange auf sich warten,
"Scheiss Irre, Du dreckiges verkommenes Weibsstück, halte endlich Deine Fresse, oder ich stopf sie Dir!", gute Wortwahl, hätte glatt von mir sein können, in ihrer Realität klingt das aber ganz anders, eher wie eine Aufforderung zum Singen und so fängt sie aus lauter Freude am Leben, wovon sie ja eigentlich nichts weiss aber was sie auf ihre eigene Art und Weise spürt, an zu singen, lauthals schmettert sie eines der Kinderlieder, die sich den Menschen über Jahre in das Gehirn einbrennen, eine mittelalterliche Art der Gehirnwäsche, und die in bestimmten Situation hervorkriechen um in einem lauten Feuerwerk der Freude zum Besten gegeben zu werden, und sie singt, und singt, und sie weiss nicht, dass sie das besser sein lassen würde, es ärgert ihn, hat ihn oft genug geärgert. Er ist nüchtern, er hat Kopfschmerzen, er ist nicht gut drauf, sonst würde er jetzt die Türe zuschmeissen und schlafen gehen, so wie er es sonst immer macht, aber nicht heute, "Wahnsinnige, scheiss Irre, ich drehe Dir den Hals um, Du beklopptes Drecksstück, wenn Du nicht sofort mit dem Singsang aufhörst.", eine weitere undefinierbare Orgie von Beschimpfungen ergiesst sich in die Wohnung und hinaus in die Nacht, "Oh, mein Kopf!", meine kleine Wahnsinnige, das arme Kind, bekommt davon nichts mit, wollte doch auch nur der Aufforderung zum Singen nachkommen, aber da existiert wohl ein kleines Kommunikationsproblem, eine psychologische Behandlung hätte zur rechten Zeit vielleicht noch helfen können, Gruppentherapie, aber dafür ist es jetzt zu spät, denn schon stürmt er mit dem ihm eigenen finsteren Grinsen in ihr Zimmer, "Hältst Du jetzt endlich Deine Fresse, Du wahnsinniges Stück Scheisse.", Kreativität war nie seine Stärke. Wie immer ist die Zeit zum Ausleben einer Situation viel zu kurz, gut, ich zeichne zwar alles auf, und auch den Zeitablauf verlangsame ich, so dass die Szene etwas gemächlicher läuft, aber selbst da geht immer alles so schnell. Er hatte es wohl gar nicht vor, doch aus irgendeinem dummen Zufall geht sie gerade Richtung Türe, weil sie sehen will, welches ihrer Stofftiere sie von draussen zum Mitsingen auffordert, leider gibt es da eine kleine Konvergenz zwischen zwei Monoversen, welche sich in einem Rempler gegen die Türe entlädt, die Türe, die überigens keine Schuld trifft, springt daraufhin mit voller Wucht auf und drückt sich gegen einen Frauenkörper, welcher daraufhin getroffen zurücktaumelt, die drei Meter unkontrolliert bis zum offenen Fenster stoplert, könnte es sich doch nur von alleine schließen, denkt sich das Fenster, doch es ist eben nur ein Gegenstand, ohne Möglichkeit zur Aktion, und so taumelt der Körper noch ein Stück weiter, bis ihm bewußt wird, das die Schwerkraft auf Wahnsinnige wie auf Normale in gleicher Weise wirkt, g = 9.81 m/s². So fällt sie in die Tiefe der Nacht, drei Stockwerke bis zum Boden, die erste Bewußtseinsebene hat sie gerade erreicht, sie weiss um Leben und Tod, leider wird sie ersteres nicht mehr nutzen können und zweiteres hilft einem nicht mehr all zu sehr, wenn man denn nicht mehr lebt, Genickbruch, das Fenster wird geschlossen und könnte es weinen es würde, am Morgen ruft Rudolph einen Krankenwagen, er weiss von nichts, ein blauer Müllsack steht am Mittag vor dem Haus, der Bär hat seine Schuldigkeit getan, der Bär kann gehen.
In einer anderen Realität hat sie einen Schritt nicht gemacht und er kam ins stolpern und fiel aus dem Fenster, das Lied ging weiter, hier wurde sie eingewiesen, doch in dieser Realität befinde ich mich nicht, sie gefällt mir auch nicht so gut, deshalb zurück zu dieser, soll sich ein Gott der anderen Realität darum kümmern, ich habe sie zur genüge studiert, es ist vorbei.
Die Polizei verdächtigt ihn nicht, sie ist eben einfach aus dem Fenster gefallen, die Verrückte hatte sowieso alle genervt, endlich ist sie platt, die Nachbarschaft wird natürlich zur Beerdigung gehen, wie immer, wie es sich gehört für gottesfürchtige Menschen, sie gehen zwar nur um Hohn und Spott auszuschütten, aber wartet noch zehn Jahre, dann gibt es keine Beerdigungen mehr, Menschen werden dann nur noch recycled, nichts mehr worüber ich mich freuen kann, keine Falschheit am Grab, kein Geläster beim Leichenschmauss, wo bleibt dann der Hohn und Spott? Dagegen muss ich dringend was unternehmen, schon notiert, die Zukunft ist ja noch änderbar.
Für heute lass auch ich ihn durchkommen, er hat noch eine weitere Aufgabe zu erfüllen, seine Frau, seine Kinder, seine ganze Familie, nächstes Weihnachten, zum Fest der Liebe.

10. Kapitel Josef

"Oh großer Gott, was habe ich nur getan, ich habe dem Teufel ein Kind gemacht."
Nicht einmal ich möchte mir das vorstellen, wie das Aussehe, pfui Teufel.
"Wie kann ich mit der Schuld leben? Wie kann ich weiter zu Dir beten?"
Hast du es immmer noch nicht bemerkt? Kein Anschluss unter dieser Nummer.
"Wo soll das hinführen, heute habe ich sie gesehen, Maria, welches Paradoxum,
wie kann das möglich sein, wie konnte ich nur so handeln, wie konnte Satan mich nur so manipulieren, wieso ist Maria schwanger, und wieso ist sie schon so weit? Sie hat kaum mit mir gesprochen, sie sieht schlecht aus, es zehrt an ihr, und an mir reißt meine Sünde, meine Schuld, ich will nicht länger, ich kann nicht länger leben."
Dann stirb doch, "Josef, was betrübt Dich?"
"Du schon wieder? Der Herr ist mein Hirte, er weidet mich auf grüner Aue.."
"Was soll der Dreck? Meinst Du, Du könntest mich damit schocken? Ich erfand die Geschichte vom Hirten und der Herde, ich bin Euer Hirte, der ´gute´ Hirte"
"Hast Du noch nicht genug Schaden angerichtet, siehe mich an, ich leide, aber dies ist ja das was Du willst, stimmt doch?"
"Dies ist das was Du musst, jeder hat seine Aufgabe im Leben, Deine ist, wie die aller Menschen, zu leiden, und meine Aufgabe ist, mich an dem Leid zu erfreuen und es für Euch immer wieder aufs Neue in interessante Situationen zu verpacken. Siehst Du, wir sind alle Gefangene unserer Aufgabe."
"Ach, Du willst mir erzählen, dass Du unter Deiner Aufgabe ebenfalls leidest?"
"Ja, manchmal schon. Oder? Ach ne, eigentlich überhaupt nicht, aber es macht sich so gut, es klingt ein bisschen verständnisvoller."
"Aber deswegen bist Du nicht hier, oder?"
"Nein, Du weißt weswegen ich hier bin, Deine Zeit ist gekommen."
"Ich weiß es, lass mich alleine! Ich will Dich nicht dabei haben.", hättest Du wohl gerne.
"Nein, das werde ich nicht tun, es müsste Dir doch eigentlich klar sein, ich bin hier um es mit Dir gemeinsam durchzustehen, zumindest soweit ich meinen Spaß dabei habe. Aber Stop, warte, ich habe da noch eine Passage aus deinem Lieblingswerk..
"Der Selbstmord wiederspricht der natürlichen Neigung des Menschen sein Leben zu bewahren und zu erhalten."
Du wiedersprichst Deiner natürlichen Neigung! Du sollst Dein Leben erhalten, sagt Dein Gott, aber er schaffte es nicht einmal sein eigenes zu erhalten.
"Er ist eine schwere Verfehlung gegen die rechte Eigenliebe."
Na ja, ‚liebe Dich selbst, dann liebt Dich Gott', oder wie hieß das Sprichwort? Egal, blah, blah
".. Der Selbstmord wiederspricht zudem der Liebe zum lebendigen Gott."
Na damit dürftest Du dann ja keine Probleme haben, oder? Nachdem Du mir so dienlich warst."
"Was ist auf der anderen Seite?"
"Der Himmel, ewiges Leben, ewiges Glück, Du warst doch ein guter Mann Josef, was sollte Dich erwarten als "... das ewige Heil der Menschen.""
"Das Fegefeuer, die Hölle, ewige Verdammnis. Aber warum frage ich Dich, Du willst ja sowieso nur meine Seele, dann nimm sie Dir doch. Du lügst sowieso, wieso sollte ich Dir also glauben?"
"Weil ich schon da war, da wo Du hin willst."
"Lügner, verdammter ewige Lügner. So wie es geschrieben steht, er verspricht Dir alles, und hält nichts, das ewige Böse."
"Ich gebe zu, hin und wieder sage nicht ganz die Wahrheit, aber in diesem einen Fall schon, ich habe den Himmel schon geschaut, ein wirklicher schäbiger Ort, überall waren nur glückliche Menschen ohne Probleme, Leid und Elend."
"Und?"
"Nichts und. Wenn ich Dir noch mehr erzählen würde..", wäre ein grober Fehler, "würde ich Dir ja die ganze Spannung nehmen."
"Und dann wache ich auf und bin in der Hölle, guter Versuch, aber meine Meinung scheint sich gerade zu wandeln, ich denke ich werde kämpfen für mein Seelenheil, dass bin ich meinem Gott schuldig, dem Gott, und nicht Dir.",
"Dass ich nicht lache, dein Seelenheil, hast Du überhaupt eine Seele? Nein! Also, ich kann Dich beruhigen, an Deiner Seele bin ich in keiner Weise interessiert. Selbst wenn Du eine hättest, sie ginge mir geflissentlich ´am Arsch vorbei´! Doch glaube mir, ich bin nicht hier um Dir zuzusehen, wie Du Deine Meinung änderst."
"Und ob ich meine Meinung ändere! Ich kann es, ich tue es."
"Nein, das tust Du nicht, nimm dieses Messer, schön, zum Arm, ich sagte zum Arm damit, ja genau, so ist es gut, langsam, langsam, nicht so heftig, und jetzt setze unten an, längs, nicht quer, längs, langsam, zieh es langsam hoch, nicht zu tief hinein, der andere Arm soll ebenfalls noch drankommen, wenn Du so schnell machst ist ja schon gleich alles vorbei, genau, langsam, und jetzt zieh das Messer hoch, höher, Seitenwechsel, Halbzeit, kurze Pause, oh das läuft aber schon ziemlich gut, Du machst das wirklich hervorragend, hast Du wohl Erfahrung drin, genug der Pause, nimm den anderen Arm, den anderen Arm sagte ich, so ansetzen, und wie auf der anderen Seite, langsam hochziehen, so machst Du das schön, brav, und weiter, schau, wie das Blut den Boden bedeckt, das muss schon gut und gerne ein halber Liter sein, weiter, weiter, gut, und jetzt drehe Dich, schneller, schneller, schneller, schneller, schau, wie sich Dein Blut im Zimmer verteilt, wie es aus deinen Adern hervorquillt, wie viel Freude Du daran hast, wie viel Freude ich daran habe, weiter drehen, noch nicht schlapp machen, oh, Du scheinst ins taumeln zu geraten, Du fällst, ein paar letzte Zuckungen, aus.
Jetzt könnte ich ja gemein sein und Dich aufnehmen, aufnehmen in mein Reich, das würde zu mir passen, ich bin ja auch so richtig böse. Doch heute bin ich mal nicht so, ich hasse es berechenbar zu sein, also Priester Josef, Du hast Deinen Dienst bis zuletzt gut erfüllt, verschwinde nun für immer von dieser Welt, verschwinde und kehre nicht wieder, Du hast mir Dein ganzes Leben treu gedient, Du hast Dir den Tod redlich verdient."

11. Kapitel Bahnhof

Schön das Du mir hierhin gefolgt bist, es ist einer meiner Lieblingsplätze.
Hier ist ein Ort, an dem Alles zusammenkommt. Es gibt hier viele schöne Ecken, viele armselige Gestalten, und etliche davon sind meine Jünger.
Menschen haben wunderbare Eigenarten, und ich helfe ihnen sie erst richtig zu entwickeln. Schauen wir uns mal dort die freundlichen Herren an, die stetig ihr Zuhause mit sich rumschieben, nette dreinblinkende Einkaufswagen mit ehemals bunten Schildern, voll bepackt mit Plastiktüten, immerhin immer eine Geldstück in Reserve. Man setzt sich gerne zu ihnen, man trinkt mit ihnen und sie geben freundlich ab. Doch eins stört mich schon, die meisten sind immer so gut drauf, was wohl nicht alleine an den zwei Liter PVC Lambrusco Flaschen liegt, die sie stetig mit sich herumtragen. Es ist ein Mangel der Gesellschaft, sie leiden nicht wirklich, hier geht es selbst den Pennern so gut, dass sie ein glückliches und zufriedenes Leben führen können. Doch auch hier gibt es natürlich Möglichkeiten, es gibt immer welche, es geschieht doch häufig, dass welche aus der Gemeinschaft verbannt werden ihrer Schwerdelikte wegen, wie zum Beispiel Lambrusco-Klau oder Zigaretten-Vorenthalt, Delikte, die mit Strafen von bis zu einem Monat allein schlafen geahndet werden, vom großen Komitee der Besoffenen. So setze ich mich häufig dazu, trinke ein wenig mit, Lausche ihren niederen Problemen und gebe mich meinen Gedanken hin, was ich als nächstes machen könnte, wer mein Mitleid verdient hat. Und natürliche leiste ich mir meine kleinen Freuden, nein, nicht der Lambrusco, wie bereits erwähnt hat Alkohol auf mich keine Wirkung, weshalb mich die Penner als Art Gott ansehen, als König Alkohol, wenn sie wüssten, sie würden anders reden, aber so klaue ich ihnen etwas von ihrem Lebensnotwendigen, hier eine Flasche ihres guten Weins, da mal einem seine Decke, und betrachte die Reaktionen, wie sie sich nachher um ein bisschen Wärme prügeln, gut hier und da etwas unkoordiniert, aber an sich schon ganz lustig anzuschauen. Und wenn der Wein alle, der letzte Korn getrunken und die Dose Bier ihren Inhalt in irgendeine unwürdige Kehle gegeben hat, dann beginne ich hier mit meinem Streifzug.
Dann, genau in der Situation, möglichst spät Abends besuche ich das Bahnhofsklo. Früher besuchte ich auch häufiger mal das Bahnhofskino, aber das wurde irgendwann dicht gemacht und ist seitdem ziemlich verwaist, war sowieso ekelig, aber nur so ein ganz kleines bisschen. Aber so betrachtet der Herr seine Jünger. Es sind die Dealer, Exhibitionisten, Kleinkriminelle, Zuhälter, Junkies und Nutten. Alles Menschen die Leiden, und die ihr Leid gerne mit Anderen teilen, meine Freude eure Qual. Stehend, knöcheltief in Schlick, Kot und Urin, alten Zeitungen, Kondome teils genutzt, Dreck, Gestank, Tiere, von der Schabe bis zur Ratte und mittendrin ich, euer Leid steigt auf aus eurem Abfall, steigt in meine Nase und erfreut mich, ich spüre hier sehr genau was euch stört, was euch quält und was euch nicht schlafen lässt.
"Mahlzeit Kollege, hast Du mal ne Zigarette?", guten Appetit, doch störe mich nicht, ich genieße gerade meine Existenz.
"Eh, keine Zigarette, Alter? Vielleicht nur so eine ganz kleine Kippe?", ich sagte bereits, störe mich nicht, ich erfreue mich gerade, suche Dir eine im Dreck.
"Alter, nur ´ne Kippe, oder bisse etwa taub, ey, ich sprech mit Dir!"
"Hier, bitte sehr, ich habe aber nur Filterlose."
"Macht nix, den Dreck reiß ich sonst sowieso ab, dachte schon Du wärst irgendwie komisch drauf. Echter Kollege.", sicher.
"Feuer?"
"Danke Alter, bist ja echt töfte!"
"Danke. Und denke daran, ‚Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit'.", Lachen, guter Witz, Schulterklopfen, umdrehen, raus, ein Schrei.
Langsam schlendernd, durch die Halle, Tauben, überall diese dreckigen Viecher. Sie gehen ja, wenn sie ein Bein ab oder einen gebrochenen Flügel haben, doch erfreut es mich nicht wirklich, ich finde sie dann nur nicht ganz so scheisse, ansonsten nur immer dieses ‚Gurr, Gurr', lustiger Text, aber scheiß Melodie. Als Beispiel nimm diese grau gefleckte, ich weiß, neunundneunzig Prozent aller Tauben sind irgendwie grau gefleckt, aber interessiert es Dich wirklich? Nein! Siehst Du, sie bemerkt mich überhaupt nicht, schade für sie, ich trete sie einfach tot, und wen interessiert es? Niemand! Tiere, oh ja, der Mensch sagt, ‚Auch die Tiere haben Gefühle.', aber was sind diese gegenüber Euren, Ihr könnt stolz sein, ihr seid auserwählt, auserwählt Euere Leiden zu sehen und zu spüren, auch Du. Tiere hingegen, ihr Leid ist kaum spürbar, ihre Gefühle winzig in Vergleich zu euren. Seid dankbar.
Ähnlich schlimm wie die Tiere sind Kinder, sie haben nur einen entscheidenden Vorteil, irgendwann werden sie erwachsen und dann leiden sie, wozu hinzukommt, dass sie Erwachsenen während ihrer Kindheit wirkliche Probleme bereiten können. Aber an sie ranzukommen ist unglaublich schwer, ich meine, wo haben sie Probleme, wirkliche Probleme? Sobald sie einmal genug zu essen, ein bisschen Kleidung am Leib und ein Dach über dem Kopf haben, haben sie vergessen was wirkliches Leid ist. Sie pfeifen den ganzen Tag, freuen sich ihres Lebens und scheinen nichts und niemanden zu beachten oder wahrzunehmen. Nicht mal mich. Doch hin und wieder rempelt mich einer dieser kleinen Racker an und dann habe ich die Eingangstüre gefunden, die Türe zu ihrer Angst und zu der Angst der Eltern. Ich zeige ihnen dann, wie man heil über eine sieben spurige Autobahn kommt, Bahnsteige wechselt ohne die Unterführung zu benutzen, wo die schönsten Spielplätze sind und warum man sich nicht hinten, sondern vorne am Zug verstecken muss. Nicht nur einmal liefen dann deren Eltern wie aufgeschreckte Hühner herum, rufen, schreien, brüllen, tja und manchmal müssen sie auch weinen. Wie schön doch so ein Wiedersehen nach einem fast Unfall ist, immer wieder herzerwärmend, wenn ich eines hätte. Doch man hat dann noch völlig andere Möglichkeiten ihnen Dinge für das Leben beizubringen; warum man zum Beispiel ganz lustig und möglichst heftig an Leitern rütteln sollte auf denen Menschen stehen, warum man dem netten Bahnsteigvorsteher seinen Schlüssel klauen sollte um ihn am Umstellen des Haltesignals zu hindern, warum der nette Mann dort drüben die Flasche zu seinen Füßen überhaupt nicht mehr möchte und sie am liebsten zersprungen auf dem Boden sähe, vieles vieles mehr, was zu einem bisschen Freude und Spaß im Leben der Kinder führt, zumindest so lange bis ihre Eltern davon etwas mitbekommen. Dann gibt es nur noch eins, welches mir meine Laune total vermiesen kann, antiautoritäre Eltern ála ‚Du weißt, dass Du so etwas nicht tun sollst, Klaus Dieter, den lieben Herrn von der Leiter schupsen, nein nein, das ist wirklich pfui.', und alles in einem so lieben Tonfall, als wäre der Kleine gerade nicht für den Beinbruch eines Mannes, sondern für den Verlust seines Lollis verantwortlich gewesen. Haut ihn, gebt es ihm so richtig, verdrescht ihn, ich würde es tun, geschlagene Kinder werden zu schlagenden Eltern, glaubt ihr diesen Scheiss wirklich? Nein! Ich würde ihn belohnen, aber ich bin ja auch kein Mensch, ihr solltet Eure Kinder züchtigen, ihnen Moral und Ethik beibringen, damit sie damit ihre Kinder später tyrannisieren können, aber nein, sie müssen den Kreis zerbrechen. Und was wird später aus klein Klaus Dieter, der große Klaus Dieter, der ach so tolerant und nett sich und seiner Umwelt gegenüber ist. Doch gibt es immer wieder etwas, was diesen Prozess spannend macht, die Entwicklung. Nicht selten schlagen Kinder, im wahrsten Sinne des Wortes, nachher aus der Art und werden zum genauen Gegensatz ihrer Eltern, doch leider nicht immer zum Schlechteren. Und so läuft wieder eine Horde von Blagen an mir vorbei, ja lauft nur und rennt die arme alte Dame dort vorne über den Haufen.
"Ficken, oder was?", was will sie denn von mir? Oh ich habe scheinbar ganz die Zeit vergessen, es ist ja schon Abend.
"Dann ‚oder was'!"
"Verpiss Dich. Wenn'e nicht willst, warum glotzt Du so."
"Entschuldigung, ich glotze Sie nicht an, ich habe Sie nur betrachtet und bei mir Gedacht, wie oft Sie wohl schon Geschlechtsverkehr mit menschlichen Wesen gehabt haben?"
"Was willst Du? Stress? Kannst Du haben, Arschficker!"
"Nichts liegt mir ferner als Euch Stress zu bringen, ich fragte mich nur wie oft Sie sich bereits für Geld hingegeben haben?", 1023 Mal.
"Bist Du irgend so ein Priester, oder was?"
"Nein, wahrlich nicht, aber meinen Sie nicht Sie wären mir nicht eine Antwort schuldig? Nur eine Zahl, hundert, tausend, zehntausend Mal?
"Was geht Dich das an? Willst Du jetzt, oder bist Du so ein Perversling, der auf Worte statt auf richtigen Sex steht?"
"Weder noch, obwohl Worte mich reizen können, aber ich glaube das dies etwas Anderes ist als Sie meinen, es hat jedenfalls nichts mit Schwänzen oder Fotzen zu tun. Aber wenn Sie es Sex nennen wollen, so können Sie das gerne tun. Was ich nur meine, sind Sie mit Ihrem Leben zufrieden? Ist Ihr Zuhälter freundlich zu Ihnen oder schlägt er Sie, wenn Sie nicht genug Geld heranbringen?"
"Ich glaub es wohl kaum, glaubst Du wirklich ich stünde hier weil ich es so toll finde, es ist ein scheiß Job, immer nur besoffene Kerle, die schlecht Riechen und kaum Kohle haben. Und die Konkurrenz wird auch immer Jünger.", stimmt, bei deinem Alter würde ich ähnlich reden, ihr habt ein so kurzweiliges Leben und glaubt Euch der Unendlichkeit so nah.
"Dann hören Sie doch auf."
"Wenn das mal so leicht wäre. Mein Lude haut mich kaputt wenn ich zu ihm hingehe und sage ‚Ich höre auf!', ich schwör, der bringt mich glatt um."
"Warum sollte er das tun, Sie haben ihm genug eingebracht und haben jetzt ein Recht auf ein eigenes Leben."
"Meinen Sie?"
"Sie müssen es versuchen, sonst werden Sie es nie erfahren.", mit meinem Grinsen bringe ich jeden Menschen dazu mir alles zu glauben, es ist eben das freundliche Gesicht eines Gottes, dies hat noch immer gewirkt.
"Du hast Recht, vollkommen, ich gehe jetzt darüber und sage zu ihm ‚So jetzt ist Schluss! Ich höre auf!', und dann ist Feierabend für heute und für immer, nie wieder die Abendkälte, ich suche mir einen Job, einen richtigen Job und dann werde ich richtig leben. Danke, echt Klasse, hast mir richtig geholfen."
"Toi, toi, toi für Ihr Leben, alles Gute.", netter Blick, kurzer wackeliger Gang, Wortwechsel, ein Schrei, zerren, ich gehe gemächlichen Schrittes in die Dunkelheit hinterher, Schlag um Schlag, "So, und jetzt mach, dass Du wieder an die Arbeit zurückkommst, sonst hau ich dich voll kaputt, dasse nur noch zum Putzen reichst!", weinen, schluchzen, das sieht aber gar nicht gut aus.
Oh, noch einer meiner Freunde.
"Alter, kannst Du mir helfen."
"Alle Menschen sind gleich, und alle Menschen müssen für sich selber kämpfen. Du bekommst keine Sonderbehandlung, nur weil Du meinst, das Leben hätte Dir schlecht mitgespielt."
"Ich wollte von Dir keine Message hören, ich wollte Kohle!"
"Hast Du schon mal Menschen beim Kacken von unten betrachtet?"
"Nö Alter, kein Stück, ist ja voll ekelig. Wie bist Du denn drauf?"
"Dann wüsstest Du, beim Kacken, von unten betrachtet, sehen alle Menschen gleich aus. Nutze diese Weisheit. Mehr als dies, und Deinen Tod, kann ich Dir nicht schenken."
"Bist Du irgendwie Irre, so ein durchgeknallter Massenmörder?"
"Wenn Du es sagst. Aber töten, dass wirst Du Dich schon ganz alleine, doch bedenke, der goldene Schuss ist keine Spielshow im Fernsehen, lass Dir also Zeit damit."
"Kacke oder was? Meinst Du ich will krepieren, ich will echt ein neues Leben anfangen, Du weißt schon, so mit Wohnung und Arbeit und so, und dafür, ich schwör, dafür brauch ich nur die Kohle. Ich will weg vonne Droge, glaubst's?"
"Du willst nicht weg von der Droge! Das willst Du nicht, weil ich es nicht will. Was Du willst ist glücklich sein, und Du bist es, doch Dein Glück ist vergänglich, die Dosen werden stärker, die Momente kürzer, was für ein Paradoxum, oder?"
"Ich hab zwar keine Ahnung von Paradingens, aber ich hab Ahnung von sowas hier. Her mit die Kohle, alles, aber zackig, und keine Faxen, sonst biste schneller platt als Du Amen sagen kannst."
"Amen."

12. Kapitel Entbindung eines Gottes

Diese Krankenhäuser haben etwas wahrlich Herrliches. Jedes Mal, wenn ich eines betrete, und dies tue ich häufig, schlägt mir eine Woge der Furcht, eine Welle der Angst und ein Schwall der Hoffnungslosigkeit entgegen. All diese Kranken, die zwischen Hoffen und Bangen gefangen sind, die Harren der Dinge die da kommen, die warten auf ihr Ende, auf einen Neuanfang, und mittendrin unfreundliche, desillusionierte Krankenschwestern die nichts anderes können als ihren Job zu tun. Obwohl, sie Leiden nicht genug darunter wo und wie sie arbeiten müssen, es müsste viel schlimmer für sie sein, viel mehr müssten sie vergehen an ihrer Hilflosigkeit und jeden Tag verachten, da sie nichts tun können, niemandem wirklich helfen. Wenn eine Steigerung des Desinteresses möglich ist, so ist es der Schritt zu den Ärzten, sie sind für mich das Schlimmste denn eigentlich interessieren sie sich mehr für den Golfclub und ihre Sportwagen als für die Patienten, versuchen sie mit lockeren Spüchen und ihre immer positiven Art ála ‚Das wird schon nicht so schlimm.' oder ‚Dieses Krebsgeschwür ist deutlich gutartig.' zu beruhigen und ihre helfende Art ist meist nur vorgespielt, irgendwie muss das Bankkonto ja voll werden. Aber sie scheinen eine Phobie vor dem Tod zu haben, verlängern sie doch krampfhaft das Leben, manchmal ja auch das Leiden, aber irgendwo wollen sie die Menschen immer so ganz und gar heilen, hier und da ein kleines Geschwür hat noch keinem geschadet, hier und da eine Gesichtsnarbe hat schon die hübscheste Frau auf den Teppich zurück gebracht. Doch dann kommt ihr eigener Stolz, sie wollen alles perfekt, gutes Geld für gute Arbeit, besonders diese Schönheitschirurgen haben mir unverständliche Ideale. Es soll ja schöne Menschen geben, damit die hässlichen um so mehr Leiden, aber nicht so viele und diese ewig riesigen Brüste, ich verabscheue sie, diesen ewigen Trieb im Menschen hin zur Mutterbrust, besonders bei den Männchen sehr verbreitet, es ist ekelig wie sie Tag für Tag danach hetzen ihre Körperflüssigkeiten zu verteilen und sich gegenseitig in alle Körperöffnungen irgendwelche Gliedmaßen einzuführen, es kotzt mich an. Natürlich gibt es da noch eine Ecke in Krankenhäusern wo ich am aller liebsten bin, bei den Psychopaten in der Geschlossenen, und erst einmal die Psychiater, sie sind eine wahre Freude, sie sind die Sonne in meinem Leben, sie geben mir die Hoffnung auf eine Welt voller Verrückter und ich vorne weg. Es wäre wunderschön, nur geistig Kranke die geistig Kranke heilen wollen und sie nur tiefer in ihr Elend treiben. Sie würden mich sehen, als einziger der ihnen helfen kann, und ich würde mich ergötzen an meinem Desinteresse, dem Desinteresse an ihrer Heilung und ihrem Leid, welches sie dadurch nur noch mehr erfahren. Ich liebe sie alle, die Napoleons und Neros, die Stummen und die Lauten, die gefährlichen und harmlosen, die körperlich und seelischen Kranken, die geschlagenen und die geschändeten, die verachteten und die hassenden, die potentiellen Selbstmörder und die potenten Mörder, sie sind alle meine Jünger, und das schönste, sie beten zu Gott er möge ihnen helfen, ihr Leiden nehmen, ob wissentlich oder ob nur die Seele schreit, doch ich bin es, der sie erhört und ich entscheide, wessen Leiden mir gut und wessen mir schlecht gefällt, ‚Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen.', oder war es etwa umgekehrt? Die, deren Leiden mir gefällt, werden weiter Leiden, die Anderen, hole der Teufel. Lächeln kommt und geht, es ist ein guter Tag für die Geburt eines Gottes.
Doch was gibt es schlimmeres als nervende, viel erzählende Menschen die einen mit unwichtigen Dingen tyrannisieren müssen, so natürlich auch heute. Sitze ich also hier und warte darauf das Maria endlich wirft und neben wem sitze ich, so einem jungen hässlichen Menschen, der mich mit Fragen und Geschichten jenseits meiner Bewusstseinsebene malträtiert, wieso hat Prinzessin ‚xyz' nicht Prinzen ‚abc' geheiratet, warum musste der Filmstar beim letzten Besuch in unserem Lande unbedingt mit dem einen Religionsführer zusammenkommen und wieso ist die Frisur von dem einen Model noch schlimmer als die von der toten Schauspielerin, die ja schließlich für ihren schlechten Geschmack berühmt war. Fragen über Fragen. Ein ‚Wen Interessiert?' will gerade über meine Lippen kommen als es doch interessant zu werden scheint, und hier will ich einsteigen, denn Menschen haben diese unglaubliche Eigenart einen erst mit Nichtigkeiten zu belästigen und dann, urplötzlich, wenn sie denken ‚Genug der Scheißelaberei! Jetzt schütt ich mein Herz aus!' kommen sie mit den interessanten Dingen; warum war ich vorher so ungnädig? Das habe ich in den letzten 5000 Jahren nicht gelernt, aber ich bin ja schließlich ruhiger geworden und immer noch lernfähig. So beginnt sie also zu reden ..
"Also, Sie müssen ja wissen, ich vertraue so etwas ja nicht jedem an, aber bei Ihnen mach ich mal eine Ausnahme.", klar, Quatschtante, du erzählst jedem dahergelaufenen Penner von deiner persönlichen Krise.
"Sie müssen mir glauben, auch wenn ich nicht so aussehe, das Leben hat mir nicht gut mitgespielt.", erstens weiß ich wohl davon, denn ich habe dein Leben zu dem gemacht was es ist, und zweitens siehst du genau so aus, abgewrackt und scheiße.
"Ja, meine Schwester ist ja jetzt mit ihrem vierten Kind schwanger, die Niederkunft ist jede Minute und sie ist ja so glücklich verheiratet."
Abfrage. Ihr Mann schlägt sie, seit dem zweiten Kind hat er ihr die Blagen per Vergewaltigung gemacht und er fickt alles was zwei Beine hat, ist ständig besoffen und ein Hobbyprolet und Stammtischpolitiker erster Güte, also ein Mensch wie ich ihn liebe. Er ist genau von der Art Mensch, die sich durch innere Vorwürfe und Schuldzuweisungen selbst nieder macht, nur um seinen daraus entstehenden Frust an den Anderen auszulassen, sie durch sein öffentliches asoziales Verhalten niederknüppelt, und wenn es sein muss per Gewalt, er liegt gerade auf einem anderen Weib, die er mit 13 Wodka-O gefügig genug gemacht hat, um sich auf so eine und seine Wurst einzulassen.
"Ich weiß nur nicht warum ich noch nicht den richtigen gefunden habe, mein Ansprüche sind doch wirklich nicht zu hoch."
Deine Ansprüche, ich höre hier immer Ansprüche. Du bist erstens hässlich, aber gut es gibt auch hässliche Männer, Männer die sich scheinbar um so eine Zecke wie Dich bemüht haben, aber die Du nicht wolltest. Ha, ich liebe diese Menschen, sie zerstören sich nicht nur selber, sondern nehmen direkt noch immer einige mit, klasse wie sie das machen. Und zweitens, Du willst leiden, also leide!
"Aber so richtig, ich weiß eigentlich gar nicht, warum ich Ihnen das sage?", ein grinsen huscht über mein Gesicht, "So richtig wichtig finde ich das alles nicht. Die Menschen, die ganzen Dinge in meinem Alltag, das Leben. Ich mag mich irgendwie nicht so richtig, ich finde mich nicht wirklich wichtig, nicht wirklich hübsch, nicht begehrenswert."
Du bist es auch nicht .. "Aber wenn sie sich nicht selber lieben, wie soll sie dann irgendwer sonst lieben, damit müssen sie schon anfangen." Ha, nichts leichter als fünf Minuten heucheln.
"Wissen sie, ich sammele viele Dinge, Bierdeckel, Briefmarken, allen möglichen Kram, aber all dies ist mir nicht wirklich wichtig. Irgendwie, wäre ich morgen tot, es wäre egal. Mich würde es nicht interessieren."
Stop, mich schon, tot bist Du mir nichts Wert, lebe lang und unzufrieden.
"Was würde ich für einen Sinn in meinem Leben geben. Ja, meine Schwester, sie steht zu ihrem Körper, aber wenn ich mich so betrachte."
Sie wiegt ja auch nur schlappe 120 Kilo bei einer imposanten Körpergröße von einem Meter und vierundsechzig Zentimetern und somit nur gut und gerne 35 Kilogramm mehr als du. Ich gebe zu, du bist kein Model, aber 35 Kilogramm sind 35 Kilogramm.
"Nein also, sie ist zwar etwas korpulent," .. etwas .. "aber sie steht zu ihrem Körper und kann sich so akzeptieren wie sie ist, sie findet es gut so zu sein und wollte eigentlich, wenn ich es wirklich bedenke, schon immer so werden wie sie ist. Es zählen ja schließlich die inneren Wert."
Kotz, wie kann man nur solchen Müll erzählen? Klar fettstinkend, triefend; die Geburt möchte ich mir bitte erst gar nicht vorstellen, bei solchem Fettgewebe muss das Kind ja direkt als Berufsziel Bergsteiger haben, wie kann man nur soviel Müll erzählen, das schlimme ist, ihre Schwester glaubt es wirklich, und sie leidet nicht unter ihren 60 Kilo Übergewicht, hey, so haben wir nicht gewettet. Ein Mensch muss leiden unter seinem persönlichen Schicksal!
"Und ich, ich glaube ich bin das kleine hässliche Entlein, doch auch das ist mir irgendwie unwichtig."
Ja, du bist hässlich, aber wenn Du nie einen Mann nimmst, wie willst du ihn wirklich quälen, ärgern, leiden lassen? Wie kann er zu dem Monster werden, zu dem sich dein Schwager entwickelt hat? Dein kleines Leid ist ja schön und erfreut mich, doch mit einem Kerl, einem echten Kerl könntest Du so richtig loslegen, Hasstiraden, Beschuldigungen, Anschuldigungen, Niedertracht könnte herrschen, Schläge könnten Euch regieren, Schläge, die ihr euch gegenseitig gebt.
"Ich weiß nicht was das alles soll? Wohin soll mein Leben nur führen ?", leide für mich ..
"Alles wird gut; glauben sie es mir !"
"Entschuldigung?"
"Ja, ist alles in Ordnung mit meiner Schwester?"
"Ja, alles ist in Ordnung und sie hat ein gesundes Mädchen zur Welt gebracht."
"Oh wie schön," - für sie - "kann ich zu Ihr?"
Sie wird sich umbringen, Du brauchst keine Sorge zu haben, sie hat immerhin noch genau 13.052.232 Sekunden. Schade um Sie, sie leidet so schön unter ihrer Existenz, ihrem Umfeld und der gesamten Welt. 13.052.207 Sekunden, sie sollte aufpassen, die Sanduhr läuft schnell ab, schneller als man denkt. Wie sie stirbt? Überdosis irgendeines Medikaments. Welches Medikament? Was interessiert es mich? 13.052.186 Sekunden.
Ein ekelig fieser Fettwanst schreitet wankend vorbei, nur in einen Pyjama, eher einem Dreimannzelt gleichend als einem Kleidungsstück, und einen Bademantel gekleidet, der ihm aus längst vergangenen Zeiten und aus längst vergangenen Kilogrammwerten übrig geblieben zu sein scheint.
"Na Du fette Sau!", rufe ich freundlich zu ihm rüber, "Heute mal wieder 20 Kilo zugenommen. Pass auf, bald drängst Du den Mond aus seiner Umlaufbahn."
Warum grüßt der komische Kauz noch so freundlich? "Hast Du mich nicht verstanden? Ich sagte, Du seiest eine fette Sau!", immer noch keine korrekte Reaktion? Sei wütend, versuche mich anzuspringen oder hasse mich einfach, aber nichts! "Was ist, bist Du einfach nur taub oder blöd? Ich spreche mit Dir!"
"Entschuldigung, dürften wir mal durch, sie stehen uns im weg."
"Aber sicher doch, für Sie doch immer...", der komische junge Typ in der weissen Kleidung will mal wieder einen Totkranken zu seiner letzten Untersuchung schieben, aber pass mal auf Spinner, noch so einen unfreundlichen Ton und ich vernichte Dich!
"Der korpulente Mann, den Sie da gerade ansprachen ist übrigens nicht ganz korrekt im Kopf, er kriegt nicht alles so richtig mit.", ach, ist ja doch ein ganz netter Zivi, so was brauch ich auch, wenn ich mal alt bin, so in hundert Billionen Jahren. Oh, schau mal, der alte Sack von vorhin, sieht nicht so gut aus wie er da auf der Bahre an mir vorbeigeschoben wird, na egal, er hat genug für mich gelitten, ich finde andere Opfer. Apropos Opfer, wo ist denn jetzt die fette Sau? Egal, ich werde ihn schon wieder treffen. Endlich kommt die Krankenschwester, hat ja auch lang genug gedauert.
"Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Sohn ..."
"Natürlich ist es ein Sohn!"
"und eine Tochter."

13. Kapitel Frust

Es gibt viele Varianten um den Frust abzubauen. Worüber ich frustriert bin, fragst Du? Ich bin Er, frage nicht so sinnlos. Ich wollte Dir darüber berichten was ich dagegen tue, nicht warum und weshalb, dies hat Dich nicht zu interessieren, dies hast Du nicht zu wissen. Um meinen Frust abzubauen begebe ich mich also gerne in eine Gruppe von Leuten, eine größere Familie, einen Verein, einen netten Freundeskreis, setze mich zu ihnen und beginne mit meinem Spiel, dem Spiele des Lebens. So suche ich mir dann meine Figuren, stelle mir passend der Anwesenden meinen Kartenstapel zusammen.
Grundsätzlich notwendig sind folgende Charaktere, der aufbrausend Arrogante, der erregbar Beleidigende und der angeblich Lockere, hinzu kommt der stille Beisitzer - diese Karte sollte man ruhig häufiger aufnehmen - , der ruhig Genervte, der laut Erregte - was nun nichts mit Sex zu tun hat - und der schlichtend Dumme. Diese Einschätzung ist nicht verbindlich, was heißt, das Spiel kann nach Wunsch und Potential noch um Personen jeglicher Art erweitert werden, muss aber nicht, da man alleine mit dieser Konstellation schon einigen Spaß haben kann. Weiterhin sind Faktoren wie Geschlecht, Hautfarbe, Alter oder Wissensstand nicht unwesentlich, müssen also einkalkuliert werden, sind aber nicht unbedingt spielentscheidend. Als Anmerkung hierzu ist festzuhalten, dass mir in meinem Leben wenig Faktoren bzw. Personenarten den Spielspaß verderben konnten, also ruhig etwas ausprobieren, mehr als schief gehen kann es nicht, und zur Not löst man die Runde eben einfach auf - vornehmlich in Salzsäure - und probiert eine neue Zusammenstellung, es gibt ja schließlich potentiell unendlich viele.
Nun ist jede Person für sich alleine nicht viel Wert, erst in Konstellation entfalten sie ihre ganze Kraft, und das natürlich je nach Zugabe. Hier möchte ich einfach eine beispielhafte Spielszene vorstellen, an der erkannt werden kann wie es vonstatten geht.
Zur Eröffnung ist der aufbrausend Arrogante ein wirklich guter Schachzug, er hat den entscheidenden Vorteil, dass der Arroganzfaktor mindestens fünfzig Prozent der anderen Personen ins Spiel schicken kann, zusätzlich kommt eine Arroganzkarte samt Erweiterung, die eine überheblich provokante Äußerung einbringt, direkt mit hinzu. Jetzt könnte man natürlich mit einer desinteressierten Person ála ruhiger Genervter kontern, dies müsste man aber schon mit einem Sarkasmus würzen, der aus dem Ereignisstapel gezogen wurde. Dieser Sarkasmus samt Nerven-Bonus bringen schon Spannung herein, doch hier ist eigentlich der erregbar Beleidigende gefragt, der über einige Zusatzkarten den Arroganten zu einer weiteren Aktion auffordern würde, die er aber in der Kürze der Zeit kaum schaffen könnte. So käme dann erst mal eine andere Person ins Spiel, der laut Erregbare, der durch die Beleidigung des Beleidigenden gegenüber dem Arroganten auf eine Seite gezogen wird. Er steigt ein im Zusatz mit der Meinungskarte, die ausgespielt die Seite wählt, entscheidet er sich nicht, erregt also nicht, so muss er das Spielfeld wegen schlechten Spiels verlassen. Hierbei wird der angeblich Lockere zur Meinungsausgabe veranlasst, seine Meinungskarte muss entgegensetzt des Erregbaren eingesetzt werden, wenn der bereits raus ist darf frei gewählt werden. Jetzt sind zwei Fronten klar. Hier in der Mitte des Spiels springt der schlichtend Dumme ein und stellt sich genau zwischen diese. Spielt eine Seite gegen ihn eine Aggressionskarte aus, so muss die andere Seite gegen diese Kontern oder der schlichtend Dumme läuft zu ihnen über, doch wer will den schon. So kommen nach und nach auch die stillen Beisitzer und die restlichen Spieler ins Spiel, woraufhin begonnen wird mit den Zusatzkarten zu spielen. Da nun alle Personen im Spiel sind kann jede Partei ihre Karten spielen, der Beleidigende vielleicht eine Beschimpfungskarte, die die stillen Beisitzer verschreckt, der Arrogante auch hier und da eine Dumpfkarte, die den schlichtend Dummen aufrüttelt und in die entgegengesetzte Richtung scheucht, aber Achtung, hier hat jeder schlechte Charakter ebenfalls das Recht eine Karte von der Hand auszuspielen. So geht es hin und her, Aussagekarten werden gespielt, Konterkarten die dagegenhalten und die stillen Beisitzer wieder zurückziehen, so sie versuchten überzulaufen, alle Formen von Beschimpfungskarten bringen Farbe ins Spiel und können gegen die eigenen Leute gerichtet sogar den finalen Endkampf, das Armageddon einläuten, genauso gut aber gegen die anderen gerichtet diese in die Defensive oder gar in eine Stillephase drängen, was das spieltechnische Aus für mindestens zehn Runden bedeutet. So geht es hin und her, und wenn zwischendurch nur die lauen Karten ihren Einsatz finden, so geht es gegen Ende noch mal richtig zur Sache. Gerade wenn die Ersten sich in einer Stillephase befinden, Teile der Beisitzer das Spiel verlassen haben, kommen die Endkarten. Hierbei gibt es mehrere die sinnvoll sind. Sind nicht zu viele aggressive Karten des Gegners gespielt worden - wie langweilig - so kann man noch ein paar Sarkasmus- und Ruhekarten einschieben und dann den finalen armseligen Abgang auspacken - eine schlechte Kombination - und das Spiel ohne wirkliches Ergebnis verlassen, kein Sieg. Ein Sieg kann sowohl über Brüll-, Beschimpfungs-, Kampf- oder Tötenkarten erfolgen, wobei jede ihr eigenes Ende hat. Doch muss man hier aufpassen, dass der Gegner nicht mehr Karten der gleichen Sorte hat, da man sonst leicht auf eine Fluchtkarte angewiesen ist, was einer Niederlage gleichkommt und nur durch Selbstbetrugskarten gemildert werden kann. Doch greift am Ende die Kampf-oder Tötenkarte so wird es erst richtig spannend, vielleicht mit Zusatzoption Armbruch, Kneipenschlägerei oder Nasenbeininvertierung kommt erst richtig Spaß auf, Spaß für die ganze Familie.
Ich gebe zu, hier und da muss man seine speziellen Spielkarten einsetzen, die jedem Spieler alleine eigen sind, wobei ich natürlich entscheidende Vorteile habe. In meinem Repertoire befinden sich zum Beispiel die ‚Du-musst-hassen-Karte', die jegliche Person zur anderen Seite treibt, oder die ‚Fürchte-alle-Karte', die einen Spieler isoliert und für etliche Züge behindert, hinzu kommt die ‚Kriegs'-Karte, die aber nur in brenzlichen Situationen wie zum Beispiel bei Kriegs- oder Kapitulationsverhandlungen eingesetzt werden können, vornehmlich in Eisenbahnwaggons, und natürlich zum sofortigen Blitzkrieg führen. Die ‚Mutter-haßt-Tochter-Karte' hat, wie der Name schon sagt, nur bei Familienspielen bzw. bei Anwesenheit beider Personen einen Sinn, ansonsten ist sie vollkommen wertlos. Doch möchte ich nicht alle Karten mitteilen die sich in meinem Besitz befinden und die ich spielen kann, es würde ja doch schon die Spannung nehmen.
So sitzen sie jetzt seit zwei Stunden zusammen und wissen eigentlich nicht einmal mehr über was sie diskutieren, geschweige denn womit sie angefangen haben. Zwei Leute sind bereits ausgeschieden, sind wohl nach Hause gegangen, und kommen wohl so schnell nicht wieder. Wieder fliegt ein Arroganzkarte über den Tisch die nur durch eine Beschimpfungskarte gekontert wird, die Situation ist kniffelig, das Ende naht, meine Polarisierenskarte bringt es auf den Punkt, in Kombination mit der Beschimpfungskarte gibt es nur noch eine Aussage, ‚Ihr seid alle Scheiße!', diese Runde ging an mich, der erste spielt die Faustkarte, Konterkarte folgt, jemand eröffnet in dem Moment die Friedenskarte, Aktion, Fürchte-Alle-Karte, kein Frieden auf Erden, es ist noch nicht Weihnachten. Der erste steht, der zweite spielt die Aggresive-Ich-kann-nicht-mehr-bei-mir-halten-Karte, Friedens-Karte, abgelehnt, Schlichtungs-Karte, Konter-Schlichtung, Pech gehabt, Ereignis Augenbraue, geplatzt, handgreiflich endet der Abend, ich habe gewonnen.
Genug gespielt...

14. Kapitel Der nervende Leser

"Was..."
Du hast also noch nicht genug erfahren? Meinst Du? Wie ich diese Situationen liebe, wenn man von unfähigen Gestalten bedrängt wird ihnen die Wahrheit zu sagen, die sie doch eigentlich nie hören wollten, aber bitte, Du kannst loslegen."
"War das alles nach deinem Willen, ich meine das mit Sohn und Tochter, die ganze Zeit sprachst Du nur von einem Sohn. Und überhaupt, fiel eigentlich niemand auf, dass da gerade die älteste Mutter der Welt Zwillinge bekommen hat? Alles ziemlich paradox, findest Du nicht auch?"
Nein, finde ich nicht, hast Du denn vergessen wer ich bin? Lässt Du Dich so leicht aufs Glatteis führen? Glaubst Du nicht, dass meine Kraft so groß ist, ich kann Euch alles vormachen, wie ich will und Ihr euch es nicht vorstellen könnt. Doch sprechen wir nicht über Maria oder meine Kinder. Vorhin wolltest Du noch etwas anderes fragen.
"Du behauptest ‚Gott sei tot.', wenn das stimmt, wie ist eigentlich Gott gestorben, wenn er überhaupt tot ist und Du nicht nur lügst?"
Oh Gott, immer nur Gott. Hast Du keine anderen Fragen, z.B. wie es mir so in den letzten tausenden von Jahren ergangen ist, wieso ihr alle noch leben dürft oder warum ich hier sitze und so gnädig bin, mich mit Dir zu unterhalten?
Aber gut, wenn Du es so willst, werde ich Dir natürlich detailliert und in Farbe alles erzählen, wie es dazu kam, dass Gott starb, und glaube mir, er ist tot, süffisant lehne ich mich zurück, atme tief durch, ich genieße diesen Auftritt, solch einer ist fast so schön wie das Gefühl das ich bei einer Frau spüre, die gerade ihr Kind verloren hat. Welch ein Schauer mich bei diesen Empfindungen überkommt, eine Wohltat, doch da war ja noch etwas anderes? Stimmt, Gott ist tot.
Es war so knapp 1473 Jahre vor dem Beginn Eurer Zeitrechnung, Mose hatte gerade die Israeliten aus Ägypten befreit, also eigentlich nicht Mose, denn Gott gab ihm den Auftrag und machte, dass die Ägypter nichts merkten, ein wirklich toller Trick, hatte ich schon im Kindergarten der Götter drauf, er ließ sie schlafen, spitzen Leistung. Nummer eins. Das war für ihn, der damals schon kein starker Gott mehr war, - war er je ein starker Gott ? - zu viel des Guten. In dieser Situation, er, von Schwäche gezeichnet und Dummheit überfallen, dachte wohl ich würde seine Lage nicht ausnutzen, prekär. Eigentlich dachte ich zuerst daran, lass doch die Israeliten im Meer versinken, wäre das nicht ein Spaß gewesen? Was soll Dein fragender Blick, es wäre ein Spaß gewesen, doch kein Spaß ist so groß, dass er nicht noch von einem anderen übertroffen werden könnte. Also, da niemand der Israeliten Gott je gesehen hatte und er sich unter sie gemischt hatte fiel er überhaupt nicht auf; er ging ziemlich am Ende und versuchte die Ägypter aufzuhalten. Da lies ich einfach Gott samt der Ägypter im Meer versinken. Es war schon ziemlich dumm von ihm mittendrin zu stehen und auf sie zu warten um sie abzufangen. Kurz bevor er gehen wollte und somit alles ineinander brechen sollte kam ich und gab dem Wasser einen klitzekleinen Schupps, und da fiel es über ihm zusammen. So einfach war das, denn als er dann auftauchte nahm ich seinen Kopf und biss ihm den ab.
"Du hast Gott den Kopf abgebissen?"
Ja, so könnte man es nennen, gut, ich habe es nicht in dieser Gestalt getan, aber ich wehre mich gegen den Vorwurf der Unmenschlichkeit, unendliches Grinsen überzieht mein Gesicht.
"Du hast Gott einfach den Kopf abgebissen? So soll man einen Gott töten können?"
Ja, rate Mal warum die Dinosaurier ausgestorben sind? Nicht weil sie sich gegenseitig ausgerottet haben, nicht wegen eines Asteroiden, keine großen Umweltprobleme, nein, die, mit ihren großen Schädeln, kleinen Hirnen und riesigen Mäulern, haben den Göttern reihenweise die Köpfe abgebissen; die schmecken nämlich ziemlich gut, musst Du wissen. Was blieb uns da anderes übrig als sie nach und nach, .. ach eigentlich mit einem dicken Schlag zu vernichten? Kroppzeug! Aber um die Ausrottung der Dinosaurier ging es ja nicht, stimmt's, aber ist doch eine nette Geschichte? Es ging, ja worum ging es denn gleich noch mal?
"Um den Tod Gottes, dem Du den Kopf, äh, abgebissen hast, haben sollst, getan hast?"
Ja genau. Also, Gott war so ohne Kopf doch ziemlich hilflos und da habe ich ihn mir geschnappt, kurzerhand einen Bottich herangeschafft, sein inneres nach außen gekehrt, leicht köcheln bei 1700 Grad Celsius und genießen. Es war zumindest ein ziemlich leckeres Mahl, so mit einer Priese Salz und Pfeffer, Basilikum und Salbei, ein richtiger Festschmaus, ist das nicht schön wie Du die Geschichte aufnimmst, wirst schon ganz grün im Gesicht, Dir wird doch nicht schlecht, ich glaube Du übergibst Dich gleich, aber nicht auf meinen schönen Teppich, der ist vor dreitausend Jahren von einer Horde Chinesenkinder unter Zuhilfenahme der Gedärme ihrer Eltern geknüpft worden.
"Du hast Gott verspeist?"
Ja, so in der Richtung, ohne Kopf war er nur hilflos, ohne Innereien aber ziemlich unbeweglich und erst einmal die Haut auf links gezogen gänzlich tot. Seine Haut hängt übrigens bei mir noch irgendwo rum; aber frag mich gerade nicht wo?
"Die Haut Gottes, s-sie hängt b-b-bei Dir rum, d-die Haut Gottes?", geht das auch ohne stottern?
Ja, Gott ist also, um von heute auszugehen, knapp 3500 Jahre tot, toll?
"Aber wenn Gott doch tot ist, wer, wie, was sollte dann alles mit dem Christentum?"
Lass uns später dazu kommen, ich habe Hunger.
"Wie, Du hast Hunger, wie kannst Du Essen, ich dachte Du seiest kein Mensch?"
Wer redet vom Essen? Meine Nahrung ist der Hass.

15. Kapitel Mc Döner

"Mit Alles?"
"Ja ja, mit Allem!", du unfähige kleine Bazille, die nicht mehr gelernt hat als ein bisschen Fleisch von einem Spieß zu schneiden. Und Dein Mütterchen da hinten in der Ecke, verwest die schon oder was stinkt hier so?
"Peperoni?", sagte ich nicht mit Allem?
"Ja, bitte, auch mit Peperoni."
"Heute, gutes Wetter."
"Ja, auch mit gutem Wetter?"
"Was meinen?"
"Ist schon gut. Bitte scharf machen und einpacken!"
"Guten Abend.", oh, sie betritt endlich den Laden, auf dich habe ich gewartet.
"Danke, hier das Geld. Stimmt doch, oder?"
"Ja, korrekt, danke schön und noch schönen Tag.", nicht so schnell mein Kleiner. Jetzt kommt erst mein richtiger Auftritt, ich bin doch nicht hier um eine von euren leckeren Volksspeisen zu mir zu nehmen, das hätte ich auch in echt haben können, ein schnipser mit den Fingern, ein Gedanke und ich wäre da gewesen wo er herkommt, dieser jedoch dient nur als Vorstellungsobjekt, als Beispiel für eure Empfindsamkeit, der Spieß dreht sich, während sich die junge Frau, auf die ich schon die ganze Zeit in der Ecke des Ladens gewartet hatte, ein Gericht bestellt und sich an den einen noch freien Tisch setzt, der Spieß dreht sich weiter, die Hitze ist angenehm, der Junge hinter der Theke schwitzt, das Hemd dreckig, wartend auf den nächsten Kunden, packt einige Sachen auf den Teller, undefinierbares grünes Zeug, scheint keiner auf genau diese Szene zu achten, keiner außer ich. Der Junge schaut gelangweilt auf den Spieß, er dreht sich, sucht in seinem Gesicht, sucht und findet, drückt ein wenig herum, knibbelt, lässt ihn zwischen Daumen und Zeigefinger gleiten, ein kurzer Druck und der Pickel platzt auf, "Für Sie, Dönerteller mit Alles?".
"Ja, mit alles.", antwortet die Frau, die der ordentlichen Sprache nicht mächtig zu sein scheint oder sich einfach nur aus Respekt den Gepflogenheiten anpasst, welch nettes Individuum, so wie ich!
"Entschuldigen Sie,", frage ich die nette Dame während eine Gestalt in einem lustigen Jogger gut gekleidet den Laden betritt, "ich möchte Sie ungern dumm ansprechen, aber würden Sie so freundlich sein und mir verraten was sie von Beruf sind?", der Spieß dreht sich weiter und der Junge bringt den Dönerteller ála Akne, ein wahrer Genuss.
"Ich bin Journalistin," - wirklich, wäre ich nicht drauf gekommen - "aber wenn es Ihnen nichts ausmacht möchte ich beim Essen bitte nicht gestört werden.", feist, kleine Frau.
"Nein, aber vielleicht sollten Sie dies nicht essen!", komm Mädchen, reagier endlich, so schwer ist das doch alles nicht, ich habe dich bereits ausgeschaut, Ipp-Zipp-Zapp und Du bist Ab.
"Sagen Sie mir auch, warum ich das nicht essen sollte?", so ist es brav, ein wenig genervt aber doch ganz zugänglich.
"Glauben Sie mir wenn ich Ihnen sage, dass ich diesen Döner nur zur Kontrolle mitnehme, ich werde ihn bestimmt nicht essen, denn.."
"warum denn .. ?", oh, schon die Stufe nach genervt erklommen, haben wohl unsere Tage heute? Männer die geil sind und Frauen die ihre Tage haben sind mir richtig sympathisch, wenn sie denn drunter leiden.
"Weil diese Sauce, diese Jogurtsauce, na ja, sie besteht eben aus zu viel Jogurt, zu viel Eiweiß,...aus zu viel menschlichem Eiweiß, männlichem, Sie verstehen?", sie prustet ihren ersten Bissen heraus, der Junge fummelt sich weiter im Gesicht herum, ein Gast schaut komisch, Gabel fällt, aufgeschreckter Blick.
"Meinen Sie etwa, etwa das, was ich unter männlichem Eiweiß verstehe?", sprich ruhig lauter, morgen weiß es die ganze Stadt und übermorgen...
"Ja."
"Sind Sie vom Gesundheitsamt?", ein leichtes Achselzucken sagt mehr als tausend Worte, der Spieß dreht sich, der Junge doktert noch immer in seinem Gesicht herum, wie lange noch?
Die Alte bewegt sich leicht wankend in Richtung ihres Sohnes, Schritt für Schritt machen ihre schweren und vom Alter gezeichneten Beine, keine Sorge Mutti, bald brauchst du dich nicht mehr zu bewegen, Kunde kommt, bestellt, wird bedient und geht, Tee für alle. Langsam schiebt mein Gegenüber den Teller nach vorne und schaut mir tief in die Augen.
"Sie haben mir gerade kräftig den Appetit verdorben!", oh, das tut mit leid.
"Ich dachte nur, ich warne Sie, den Tipp bekam ich von einem Bekannten, der es Abends gesehen hatte wie der junge Bursche und einer seiner Kollegen, na sie wissen schon, ihre Lust in den Bottich entleerten. Und gestern Abend, nun gestern Abend sah ich es mit eigenen Augen, als sie es taten. Darum bin ich direkt heute hier um eine Probe zu organisieren."
"Warum erzählen sie mir das alles?"
"Vielleicht weil ich Sie schon häufiger gesehen habe, vielleicht weil Sie mir gefallen oder vielleicht, weil ich nicht wollte, dass Sie so etwas essen."
"Können Sie mir die Ergebnisse der Probe liefern?", nicken, natürlich Mädchen, für dich tue ich fast alles, "Wann?", fragender Blick, Augengröße auf Maximum, "Morgen früh?", nicken ihrerseits, "Um wie viel Uhr?", früh Kleine, früh, "Gegen sieben, am Hauptbahnhof. Seien Sie pünktlich, ich habe nicht viel Zeit.", "Ich werde da sein.", aufstehen, zahlen, kurzer Blick zurück und abtritt.
Heute machen sie noch Ihr letztes Geschäft, Morgen ist wird aus unbekannten Gründen zu sein, an der Türe wird ein großes Schild prangen, ´Wegen Renovierung geschlossen.´ und übermorgen? Ich bin verdammt schockend! Wie, Du kannst mich nicht verstehen? Verurteilst Du mich meiner Tat? Jetzt bin ich einmal hier, um etwas Gutes zu tun, und ich werde verurteilt? Bin ich denn nicht nur der Bote, der Überbringer, der Aufklärer? Ich helfe den Menschen, so dass sie hier nichts mehr essen müssen, dies nicht mehr zu sich nehmen zu müssen. Ist denn der Bote derjenige, der das Unrecht beging, bin ich der Übeltäter, der Bösewicht, habe ich es getan oder er? Habe ich in diesen Bottich gewichst? Ihr Menschen seit schon komisch. Den Überbringer der Nachricht wollt Ihr köpfen, den Übeltäter hofieren. So wie Gevatter Tod, dem Ihr den Tod zuschreibt, dabei ist es Euer über alles geliebter Leib der Verreckt, nicht Gevatter Tod der Euch tötet. Doch folge mir, Du glaubst mir nicht meine Gutherzigkeit, meine Rechtschaffenheit? Dann werde ich Dir es beweisen und zwar begann alles..

16. Kapitel Die Fremden Religionen

in der Vergangenheit...
Es war in Schiras im Arabischen Reich, der Hauptstadt der Provinz Fars, am Rande des Zagrosgebirges, schon damals eine wichtige Handelsstadt und mit der Masjid-i-Jama-Moschee ein wichtiger Anlaufpunkt aller Schiiten. Die Stadt hatte damals nicht annähernd ihre heutig Größe, aber spiele ich eigentlich hier gerade den Reiseführer? Kauf Dir ein Buch und lies das selber nach, ich bin hier um von meinen Taten zu berichten, nicht um Geschichts- oder Geographieunterricht zu geben. Es war also in Schiras, in einem Stadtteil Nahe der Moschee, dort begab es sich, dass die Menschen schon lange froh und glücklich lebten, sie hatten genug zu essen, keine Kriege, kein Leid, die Menschen fanden sich mit den Gesetzen ab und befolgten sie gerne, wie im Märchen, doch muss jedem klar sein, dass dieses Szenario geradezu nach mir schrie, und wie sie nach mir riefen, sie wussten es nur nicht, aber sie riefen so laut, dass selbst ich sie hören konnte. So schlenderte ich also frisch eingetrudelt durch die Straßen der Stadt, während in Europa das Mittelalter von der Kirche regiert wurde, was aber diese nicht grossartig störte, und sähte ein bisschen Unfrieden hier, ein wenig Zwietracht dort, und freute mich an den kleinen Fehden die so entstanden. So kam es, dass sich schon einige Menschen um eine Ziege oder ein Werkzeug stritten, doch das waren nur Randerscheinungen meines Plans, gerade da, wo Menschen versuchen möglichst redselig und gesetzestreu zu sein, gerade dort ist es ein leichtes sie mit ihrer eigenen Einstellung zu kriegen, dort herrscht wie überall bei den Menschen das Laster der Lust, nur eben blüht die Blume im Geheimen, im Stillen, und nicht in der Öffentlichkeit, die von alledem erst gar nichts erfahren soll und darf, da dies meist schreckliche Reaktionen nach sich zieht, ich sagte ja, alles wartete damals auf den Retter, auf mich . So war mir bekannt, dass der Sohn des örtlich ansässigen Marja al-taqlid, ihr nennt ihn heute Ayatollah, ein Verhältnis zu einer verheirateten Frau hatte, und dies war natürlich ein gern gesehener Anlass für ein Freudenfest, wobei gerade zwei Menschen einen wirklichen Grund für Freude und Ausgelassenheit hatten. So ging ich denn zu einem der einflussreicheren Personen, dem Khatib, aber was rede ich die ganze Zeit in der Vergangenheitsform, komm, Raum und Zeit sind kein Problem, natürlich nur wenn Du sehen willst was damals geschah?
"Ehrwürdiger Khatib?"
"Ja, was wünschest Du?"
"Ich, oh Du voller Ehre, von Allah mit Wohlwollen bedachter Khatib, hätte Euch eine Mitteilung zu machen, Dir, dem die Sonne..." aus den Arsch scheint.
"Du wolltest mir eine Mitteilung machen, so sprich, meine Zeit ist sehr beschränkt, wenn Du verstehst!"
"Oh ja, ehrwürdiger Khatib, es ist eine Mitteilung von immenser Wichtigkeit. Es geht um den Sohn des Masjid-i-Jama..."
"Oh, Freund, trete ein, bringst Du mir gute Kunde?"
"Ich weiß nicht, ob man die Kunde an sich als gut bezeichnen kann, Du jedoch wirst sie aber geniessen, glaube mir, es ist eine wahrhaftig schöne Nachricht."
Platz genommen, Tee wird gereicht, "So, erzähle, was ist die schöne Nachricht?", freundlich wird die Wasserpfeife geboten, kalter Rauch, ein Zug, es kann losgehen.
"Ihr wisst vielleicht, dass der Sohn des Masjid-i-Jama bald verheiratet werden soll, eine Frau aus einer weiter entfernteren Gegend?"
"Ja, ja, belästige mich nicht mit Einzelheiten, kommt zu den wichtigen Dingen, denen die mir Freude bereiten werden.", Menschen, alle gleich, können die Gefühle überhaupt nicht geniessen, drängele nicht so, gut Ding will Weile haben, ich will doch auch meinen Spass haben, ich stelle mir schon jetzt Deinen Gesichtsausdruck von gleich vor, ich sehe bereits das Leuchten in deinen Augen, aber gut, ich will die Spannung von dir nehmen,
"Doch er hat ein Verhältnis zu einer Frau, zu einer verheirateten Frau!"
"Wirklich? Beweise Deine Worte.", glänzen in den Augen, Hoffnung, Gedanken die von Gier und Macht sprechen, die hoffen darauf zu kriegen was immer schon für sie bestimmt war, oh Mensch, du bist berechenbar, du bist einfältig, baust Maschinen die dich berechnen können sollen, und bist doch alleine durch den Verstand zu verstehen, zu lenken, zu manipulieren, wie ich es bereits vorher gesagt habe, alles tritt so ein wie ich es sage.
"Ich weiß, dass die beiden sich treffen wollen, noch heute Nachmittag, außerhalb der Stadt, an einem See."
"So soll es sein. Hamed, sag allen unseren Brüdern Bescheid, sie sollen sich gegen Mittag hier an meinem Haus einfinden, im Innenhof werde ich ihnen weitere Informationen geben. Los, lauf schnell, wir haben nicht ewig Zeit. Und nun zu Dir, die Information ist bares Gold Wert, wenn sie denn stimmt."
"Ich bin ein Ehrenmann, willst Du das anzweifeln?"
"Nein nein,", er hat eigentlich nichts zu lachen, obwohl er es tut, "das will ich nicht bezweifeln. So entschuldige mich nun, hier hast Du für das erste zehn Dinar, wenn Du willst kannst Du Dich in einem meiner Gästehäuser ausruhen, Mechtal, komm und bringe unseren Gast in das beste Gästehaus.", dein Geld kannst du dir an den Turban stecken, und zwar mit einem dankbaren Lächeln.
"Oh nein, großer Khatib, bezahle mich erst nachdem Du die Wahrheit meiner Aussage bestätigt siehst, es mit eigenen Augen gesehen hast, nicht vorher. Es ist nicht gut vorher Geld zu geben, lass uns danach über den Preis meines Tun sprechen, später, wenn alles vorbei ist." und geschehen wie ich es will.
So ist es also klar was geschehen wird, es wird geschehen wie es geschrieben steht, ´Sie werden sterben ihrer Sünden, gejagt von Freunden, gehetzt wie Tiere, sie werden das Opferlamm meiner Freude sein, welches geopfert wird auf dem Altar der Rechtschaffenheit.´, und mit dem alten Masjid-i-Jama habe ich noch einige Dinge vor, er wird wie ein Tier durch die Berge stromern dürfen, von allen gehetzt, von jedem gehasst, ob seines Sohnes würde er vor Gram am liebsten im Boden versinken, doch er muss oben bleiben, seine Zeit besiegen um dann einzugehen in dem Moment, in dem er das Glück wieder im Nacken spürt. Alles geschieht, nur weil ich es so will, niemand kann dies ändern, denn ich bin der der ist, der war und der ewig sein wird, ich bin er. Genug der Philosophie, hin zur Realität, eine Gruppe von Männern, bärtig den Turban tragend mit Stöcken und Stäben bewaffnet, die ohne Menschenhand nichts weiter als Teile eines Baumes wären, keine Waffen, sich selbst keiner Schuld bewusst, weil es ihnen an Bewustsein mangelt, doch heute sind sie es, schnell besandalte Schritte, es zieht sie zum See, mir und meiner Stimme folgend, ‚Wenn das die Wahrheit ist, wenn er die Wahrheit spricht, gibt es heute noch ein Fest, ein Fest des Todes.', höre ich die Männer tuscheln, und ihre Worte gefallen mir. So beschleunige und verlangsame ich meine Schritte um sie ein wenig in Hektik zu bringen, so dass die einen meinen es ginge zu langsam, die anderen jedoch, wir wären zu schnell, atemlos zieht unsere Gruppe durch das kleine fruchtbare Tal mit dem kleinen See, idyllisch, hin zu der mir schon lang bekannten Stelle, um Ruhe wird gebeten, wir wollen sie schließlich auf frischer Tat und nicht bei der Flucht ertappen, doch keine Sorge, ich kümmere mich um alles. Da liegen sie, jetzt, immer noch eng umschlungen, und 25 Augen betrachten sie, den alte Machmut kann man seinem einen Auge kaum zählen, Geschrei, Beschimpfungsorgien, Allahrufe, Aufruhr, schaut sie euch an, die Beiden, ängstlich rutschen sie zusammen, die Frau sich krampfhaft bekleidend, Schamgefühl unangepaßt, schnell geht es, da werden die Übeltäter hochgezerrt, die ersten Stöcke prasseln nieder, wie Vieh, gezogen von der Masse, gescheucht von ehrenhaften Männern die ihre Frauen lieben oder liebten, wie im Falle des alten Machmut's, ‚Los, zur Stadt zurück, ihre Schande sollen alle sehen!' höre ich die Männer rufen, ‚Steinigt sie sofort!' ruft ein anderer, ‚Nein, lasst alle mitmachen, es alle sehen, und der Sohn des Masjid soll von seinem eigenen Vater gerichtet werden, wollen wir sehen was er dazu sagt, wozu er seinen Sohn erzogen hat.', so scheuchen wir die beiden Richtung Stadt, eine Viertelstunde voller Schimpf und Schande, Schläge und Tritte, blaubefleckt landen sie im Dreck vor der Stadt, direkt an dem kleinen Wall, der vor wilden Tieren schützen soll, und heute zur Präsentation dient, ‚Holt den Masjid!', Masjid, Masjid-Rufe, der Ruf nach der Staatsmacht, gedacht als Glaubensorgan dient es zur Kontrolle des Volkes in allen Dingen des menschlichen Lebens. Es dauert nicht lange da fliegt der erste Stein auf die Beiden, der Mann des Weibes hat ihn selbst geworfen und man hört ihn schreien ‚Tötet sie, tötet sie beide, sie hat mich betrogen, steinigt sie.', ein freundlicher Mann, der keiner Fliege was zu leide tut, so taucht der Masjid endlich auf, und betrachtet die Beiden lang und ohne ein Wort, stille in der Runde.
"Ihr habt die Beiden also erwischt, als sie sich unzüchtig übereinander her machten?", dahingestottert mit leiser Stimme.
"Ja, ehrenwerter Masjid."
"Wer war Zeuge?"
"Wir zwölf Männer dieses Dorfes und der eine, den ich mit Fug und Recht meinen Freund nenne.", meine zwölf Apostel der Hölle.
"Die Schuld steht fest, es sind drei Männer nötig, hier sind dreizehn, was verlangt Ihr als Strafe?"
"Steinigt die Frau, Steinigt Sie, die Ehebrecherin."
Wer ohne Sünde ist werfe den ersten Stein denke ich mir und grinse bis über beide Ohren, gut, dass Jesus nicht hier ist, der hätte die Situation wohl in den Griff bekommen, aber so vereinen sich die Meinungen schnell, sonst nie unter einen Turban zu bringen, doch in so einer Situation rufen sie alle Gemeinsam, ziehen an einem Strang, während der Sohn des Masjid gefesselt und zu Boden geworfen wird, wird sie an den Wall getrieben, die ersten Steine fliegen, die Männer werfen, drei Wurf ein Dinar, Bein, schmerzerfüllt zuckt sie zusammen, Arm, aufgeplatzte Haut, Kopftreffer, sie sinkt ineinander, mehr und mehr Treffer zieren ihren Körper, der junge Mann schreit laut auf und bekommt die Sandale des Einen zu spüren woraufhin er einen Zahn verliert, nicht das Letzte heute, die Frau schreit ebenfalls, vollbracht , heute gibt es wohl Hirneintopf, mit viel Eisen und Magnesium, und nun zu dem Anderen Übeltäter.
"Und nun zu Dir, Sohn. Du hast mich schändlich enttäuscht, mein Vertrauen missbraucht. Ich werde Dich anklagen und Du musst mit der Verbannung, oder sogar dem Tod rechnen, Dir ist bewusst was Du getan hast?"
Der Muezzin ruft, so bewege ich mich von der Gruppe weg, der Gruppe der Männer die nun besseres zu tun haben, und gehe zum Abendgebet in die Moschee, einer muss mich ja schließlich anbeten, und wenn ich es nur selber bin. Am nächsten Morgen, ach was am nächsten Morgen, ich betrachtete das Szenario natürlich weiter, verfolgte es den Abend durch, bis der Sohn gesteinigt und der Vater aus Scham des Nachts mit seiner Frau und einem Teil seines Hab und Guts die Stadt verließ, wobei ich meine Dienste als Kutscher anbot, die er dankbar annahm.
Du möchtest mich jetzt fragen, was daran rechtschaffend war? Ich sage Dir Alles, denn ich habe Unrecht bekämpft, dem Gesetz zur Genüge verholfen, die Menschen vor ihrem Ende, vor dem Ende der Ethik, der Moral und ihrer gesellschaftlichen Strukturen gerettet, zur damaligen Zeit trieb ich mich vermehrt im vorderen Orient herum, heute ist da aber nicht mehr soviel los.
Es gibt auf dieser Welt wohl noch knapp zwei Milliarden Christen, langsam auseinanderfallend, knapp eine Milliarden Muslime, die schon ziemlich mit sich selbst beschäftigt sind, eine knapp ebenso große Gruppe Bekenntnisloser, mir ein ziemlicher Dorn im Auge aber eine wahrhaft herausfordernde Aufgabe, vernachlässigbare Gruppen von knapp dreihundermillionen Buddhisten und Atheisten und ein paar kleineren Grüppchen wie Sikhs, Juden, Shintoisten und sonstigen Religionen. So bin ich denn auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, und da natürlich nach Religionen im Verfall und Menschen ohne wirklichen Glauben, denen man neue Götzen geben kann, und wo wäre ich da besser aufgehoben als im desorientierten, verweichlichten, ungläubigen, konsumorientierten Westeuropa, vielleicht noch in Nordamerika, aber da kommen die meisten Menschen nun wirklich noch gut mit dem Christentum zurecht, man nehme nur die ganzen lustigen Männer mit den brennenden Kreuzen und den weissen Kaputzenanzügen; aber würdest Du mich einen Christengott nennen, nur weil ich mir sie heute als Opfer ausgesucht habe, ich glaube kaum. Mich interessiert nicht welche Religion ein Mensch hat, wie er ausschaut, was er tut, weder Rasse noch Herkunft, mich interessiert alleine seine Leidensfähigkeit.

17. Kapitel Sex

Ich hasse dies, was Ihr Menschen Sex nennt, ob ihr es alleine, zu zweit oder in Gruppen tut, mit Menschen, Tieren oder Gegenständen, es ist ekelhaft. Ich habe schon jegliche Form gesehen, vom ‚Blümchensex', über die Standard-Missionars-Stellung bis zu Extremkombinationen und Extremspielen, die Abgründe menschlicher Existenz, Menschen aus Spaß stranguliert in Lack und Leder gehüllt an Eisenketten von sich selbst und der eigenen Gier nach Lust gefangen, nicht einmal im Mittelalter gab es solche Szenen, Fäkalien fressend, Gegenstände jeglichen Typs in irgendwelchen Körperöffnungen deponiert, nicht herausbekommen den Bleistift aus dem männlichen Glied, feststeckend in der Harnröhre des Mannes, und über die unzähligen Deoroller, Sektfalschen, Kakteen und sonstigen gliedähnlichen Gegenstände im unteren Bereich der Frauen wollen wir nicht reden, gut nicht allgemeingültig zu sehen, aber doch zu oft vertreten, als dass es nur als Scherz oder Einzelfall anzusehen ist, keine Laune der Natur, eben menschlich, einfach ekelig, aus Zeitvertreib und Geilheit vertrieben, sich gegenseitig versteckend, das Wesen an sich ist ekelig. Und genau diese Eigenart ist es, die Euch dem Tier am Nähesten bringt, immer getreu dem Motto ‚Je blöder der Blick, desto besser der Fick', doch muss ich zugeben, es hat auch seinen Reiz. Nein, wohl weniger weil ihr Euch wie ich schon mal mitteilte irgendwelche Körperteile gegenseitig in mir unbekannte Körperöffnungen schiebt, dabei stöhnt, hechelnd übereinander herfallt und euch schmutzige, gar ganz böse Worte sagt, für die ihr Euch in der Öffentlichkeit schämen würdet und die ihr meint unter dem Deckmantel von Liebe, Sex und Wolllust äußern zu dürfen, sondern weil eure Gefühle genau in diesen Momenten die größten sind, beim Lachen, Sex und beim Tod. Hunger, Angst und Furcht sind ebenfalls nicht schlecht, aber auf die Dauer nicht gerade mein höchster Genuss, so sind eure guten Gefühle, um euch bei der Stange zu halten, eine gute Abwechslung für meine Person, doch denkt vielleicht demnächst mal daran, dass da jemand ist der weder eure Taten noch Worte sehen will, ich will euer Innerstes.
So sitze ich hier, betrachte gelangweilt diese Szene im Ehebett und mache mir Gedanken über neue Geschlechtskrankheiten, mit denen man bei den Menschen mehr Nervenkitzel im Sexualleben hervorrufen kann, mehr Spaß und Spannung, Aids war schon klasse, aber es ist scheinbar nicht gefährlich genug, zu wenige eurer Gedanken kreisen um dieses Thema, zu wenig Angst und Furcht hat es ausgelöst, da müsste etwas her was allgegenwärtiger, direkter ist. Ich hatte schon mal an eine Krankheit gedacht, bei denen dem Mann der Schwanz abfällt, direkt nach dem Geschlechtsverkehr, oder während wäre eigentlich noch besser, aber ich glaube das dies meinem weiteren Spaß auf Dauer abträglich wäre und den allgemeinen Verkehr behindern würde.
So stehe ich auf, die beiden Viecher dort drüben im Bett haben ja doch keinen wirklichen Spaß und zweitens ist es in drei, zwei, eins, fertig. Ein letzter kurzer Kuss, könnt ihr das nicht woanders tun, muss das vor meinen Augen geschehen, wegdrehen, er schläft, sie liegt wach und denkt sich, dass sie doch gern etwas besonderes wäre, aber er benutzt sie nur zum Abspritzen, und ihr läuft der Dreck am Ende die Beine runter, sie ist nichts besonderes, auch wenn er es ihr immer heuchelt. Aber nochmal die Sache mit dem Küssen, sie ist ja schon eine obskure Sache, ich sehe die Gefühle die dahinter stehen, verstehe aber nicht was ihr tut, warum ihr es macht, egal, es ist einfach nur widerlich. So besuche ich doch lieber den für den ich gekommen bin, der aber noch seinen Moment braucht bis er sich es traut, er küsst nicht, höchstens seinen eigenen Arm, der junge Bursche, so wie alle in seinem Alter im Innersten zu feige für sich und diese Welt, aber nach Aussen immer große Fresse, genau richtig, so wie sie sein müssen. Dort ist sein Zimmer, tapeziert mit sinnlosen Bildern von sinnlosen Popstars, hinreißend einfältige Literatur im Bücherregal, lustige Geräte, die nicht viel mehr als ein paar bunte Bilder machen können, Spielkonsolen, Computer, Fernseher, alles versammelt, volles Programm Elektrosmog, seine Eltern sollten eigentlich besser auf ihn aufpassen, er könntest krank werden an der ganzen Strahlung. So liegt er da in seinem Bett, Dunkelheit, ich nehme Platz, Popkorn fehlt, lehne mich zurück und stimme mich ein, Gedankenfeuer, alles liegt offen vor mir, wie ein Buch lese ich in seinem Innersten, er könnte es laut aussprechen, es hätte keine Bedeutung, kein Wort gibt es, welches diese Gefühle beschreibt. So wandert die Hand unter die Bettdecke, wo seine Eltern ihm doch beigebracht haben dies nicht zu tun und seine Finger immer schön oberhalb der Bettdecke zu behalten, seine Hand rutscht unter die Hose, langsam herunter, Gedanken schütteln ihn, Pubertät ist eine schöne Zeit, ist das nicht die Zeit in der Jungen alles anrammeln könnten, so wie räudige Hunde, bis hin zum Laternenpfahl, doch zurück zu diesem jungen Mann. Genau sehe ich seine Bilder vor meinen Augen während er sein Glied, welches doch eigentlich zur Fortpflanzung entwickelt wurde, durchknetet, es schwillt weiter an, das Kleinhirn arbeitet auf Hochtouren, Blut wird durch seinen Körper hinein in dieses kleine Etwas gepumpt während die Frau von nebenan vor ihm steht. Sie tätschelt ihm herablassend im Gesicht, ‚Kleiner, gehe zu Deiner Mutti zurück und komm wieder wenn Du ein Mann bist!', er ist ein Mann, potenter als eine Horde streunender Rüden, und er sagt es ihr, heute sagt er es ihr, ‚Ich werde Dich jetzt Ficken, so, wie Du noch nie gefickt worden bist!', heute ist der Tag gekommen, doch ob das nicht etwas hochgestochen ist, ich meine, vielleicht hatte sie schon wirklich guten Sex und du kannst da nicht einmal im Traum mithalten, aber egal, heute ist es egal, denn heute ist sie dran die alte Sau, die es ja scheinbar mit jedem macht, dann auch heute mit dir. So zeigst du ihr dein 17,5 Zentimeter langes Rohr, die Realität leicht verzerrt, zu mindestens gut vermessen, und sagst nur noch ein Wort, ‚Ausziehen!', und sie reagiert darauf, sie ist dein Spielzeug, mach mit ihr was du willst, zeige ihr wer der Herr im Haus ist, Träume sind etwas feines, so steht sie nackt vor ihm und er spürt ihre Hände über seiner Haut, streichelnd, abwartend was der Herr machen wird, ihr Herr und Meister für das Jetzt und Hier, so lasst ihr euch hinabgleiten, zu Boden, rollt euch in inniger Umarmung, küsst euch, gekommen.
Die Schönheit des Moments ist der Frust der Gegenwart, denn jetzt kommt der ekelige Teil der Sache, abputzen und aufpassen nicht von den Eltern mit einem Halbständer im Flur erwischt zu werden, denn sonst ist morgen die Hose voll mit dem klebrigen Zeug, nach einer Nacht ist das nicht mehr so lustig.
Ortswechsel, für die Drecksarbeit bin ich nicht zuständig und ab da ist das Beste sowieso schon vorbei, heute jage ich auch nicht seine Mutter in sein Zimmer, auf das sie ihn erwischt und erst mal mit ihm darüber diskutieren will, einen Tee kocht und ihn die Nacht nicht mehr richtig zum Schlaf kommen lässt, lassen wir ihn allein in seinem Frust.
So wende ich mich ab, wie war das noch gleich mit der Nachbarin die er so toll fand, dass er kaum bei sich halten konnte. Nicht, dass der arme Junge es ihr jemals sagen würde, jede Andeutung wäre eine zu viel, doch er leidet darunter, er wird sie sogar vergessen, irgendwann ist sie nur noch eine Erinnerung in den hintersten Regionen seines Kopfes, nur noch ein Schatten seiner Kindheit, doch sie prägt sein Leben und in dem Jetzt schmerzt es ihn, gewaltig, so dass er Nachts wach liegt und an sie denkt, so nah, so weit, doch in seinen Träumen hat er Macht, nicht nur über sie, auch oder gerade über sich selbst, dort ist er wie er ist, wenn er sein könnte, wie er wollte.
So stehe ich vor dem Fenster, betrete das Haus und schaue mich um, grauenvolle Geräusche dringen aus einem Zimmer an mein Ohr, zeigen mir den Weg in das Reich von Lust und Liebe das ich nur ungern betrete, doch heute ist einer der Tage an denen es mich hineinlockt, ich sah sie in seinen Träumen, und nicht dass ich es nicht wüsste, sie ist wie sie ist, aber ich will nochmals die Träume eines pubertierenden Burschen gegen die Realität prüfen, und hier weitere Ideen für seine feuchten Träume zu sammeln die er so dringend braucht für seine Entwicklung, seine Entwicklung zum Verlierer. Der arme Junge hat ein Problem, er denkt, nicht dass dies falsch wäre, aber in dem Zusammenhang ist mir aufgefallen, dass Menschen die zu viel denken Probleme mit dem Zwischenmenschlichen haben, da sie versuchen mit normalen Gesetzen an die Chaostheorie von Beziehungen heranzutreten, das kann nur schief gehen. So betrete ich den Raum, schaue mich um, nehme Platz und betrachte das ekelerregende Szenario, also wenn zwei Männer eine Frau vögeln, ist das schon ziemlich ekelig, aber wenn die beiden Männer dann noch untereinander rummachen, dann kann etwas nicht stimmen, wie sollen denn dabei Kinder rauskommen? Nichts habe ich gegen solche Beziehungen, Du sollst nicht glauben ich sei spießig oder prüde, ich sah schon im alten Griechenland alte Männer mit Jünglingen herumfummeln und -ficken, und auch in anderen Epochen oder bei Tieren sah ich es ebenfalls, keine Probleme damit, doch sind solche Beziehungen natürlich nicht so optimal, da erst Kinder eine Gemeinschaft zusammenschweißen und somit auch kaputte Beziehungen halten können, und die sind ja definitiv bei Homosexualität nicht möglich, doch Stopp, dies ist natürlich noch nicht schlimm, da ich diese Menschen bisher noch über die Öffentlichkeit ‚verteufeln' konnte, doch seit der Liberalisierung der Gesellschaft, ich nenne es auch gerne Verrohung, ist es den meisten Menschen egal, was die anderen mit ihren Geschlechtsorganen machen, und somit ist Arschficken legitimiert, von heute auf Morgen, und dann können sie heiraten und Kinder bekommen, adoptiert natürlich oder per Bauchhöhlenschwangerschaft, und haben den gleichen Stress wie die Anderen, halt Stopp, dass ist ja gar kein schlechter Ansatz, lassen wir es einfach zu und warten ab. Doch genug der Gedanken, was geht da gerade ab, ihh, dass sieht ja doch nicht ganz so schön aus, könntest du bitte deinen Arm aus ihrem Gesäß nehmen, und ist das nicht ekelig sich gleichzeitig einen zu Blasen, irgendwie ist das schon ziemlich fies, und was noch schlimmer ist, ich meine, sie sollen sich ja verrenken, doch sie haben Spaß dabei, keiner hat Probleme damit und sie freuen sich dann schon auf das nächste Mal, die nächste Orgie, vielleicht dann auch zu viert, fünft oder direkt mit hundert Leuten im Swingerclub um die Ecke! Ihr leidet also nicht, gut, bekommt wenigstens einer von euch eine Geschlechtskrankheit, also bei eins Gonorrhö, bei zwei Krätzmilben, bei drei Condylomata acuminata, vier ist eine Entzündung durch Trichomonas, fünf ist Herpes an den Geschlechtsteilen und bei sechs der Hauptgewinn Aids, schade nur eine vier, und die ist für, Pech junge Dame, dass war dann wohl ihr Hauptgewinn. Jetzt kann sie sich an den jungen Nachbarsburschen ranmachen, ob er heute Abend gerne dabei gewesen wäre, als drittes Rad am Wagen, vielleicht hätte er sogar seinen Arsch hingehalten, es wäre auf jedenfall eine Nacht gewesen, die er so schnell nicht vergessen hätte; also, du weißt was du zu tun hast, es geht darum deinen Infekt weiterzugeben, weiter an möglichst viele Menschen die sich über so etwas freuen werden, und davon gibt es genug.

18. Kapitel Nacht

"Maria."
"Du schon wieder. Wenn Du mich weiter verspotten willst, dann geh bitte."
"Scheinst ja nicht sehr froh zu sein, aber Frauen nach der Geburt sollen sich ja schon etwas komisch verhalten, postnatale Depressionen, echt blöd bei euch Menschen."
"Und jetzt?"
"Wie ‚Und jetzt?', was meinst Du?"
"Ich meine, wie geht es weiter, was soll passieren, ich habe schließlich Zwillinge geboren, und ich bin wirklich nicht die Jüngste, ich glaube, ich bin die älteste Mutter der Welt, und Du willst nicht wissen wie es weiter geht, wie soll ich die Kinder großziehen, ich bin zu alt oder kannst Du auch das ändern?"
"Was glaubst Du, lass Dich überraschen, Ihr Menschen liebt doch Überraschungen, so wie ein kleiner Junge an Weihnachten, der heimlich Nachts herumschleicht und an seinen Geschenken rüttelt, ich bin Weihnachtsmann der kommt, und ihm den Kopf abreißt; das ist übrigens ein scheiß Vergleich, aber egal, lass Dich überraschen. So viel kann ich Dir schon verraten, sie werden alle sechs Monate um drei Jahre wachsen, so dass sie, wenn Du rechnen kannst in drei Jahren Erwachsen sein werden. Solange wirst Du ihnen nichts von ihrer wahren Existenz sagen, nichts von mir und nichts von ihrem Vater."
"Aber wird es denn keiner merken, ich meine sie werden dann wohl schneller wachsen als die anderen, dass müsste ihnen doch irgendwie auffallen, spätestens wenn sie zur Schule müssen."
"Schick sie zur Schule, wie Du es mit Deinen eigenen Kindern getan hast, sei ganz normal zu ihnen, behandle sie wie jeden anderen auch, sie sollen keine Sonderbehandlung erfahren, sie haben genug Zeit um sich später noch wie Götter zu fühlen, jetzt sollen sie sich fühlen wie Menschen."
"Aber sind sie nicht etwas besonderes, wenn sie doch ‚von Dir' sind?"
"Spotte nicht Weib, ja sie sind etwas besonderes, aber fürs Erste eben einfach nicht. Bringe ihnen Lesen und Schreiben bei, Mathematik und die Naturwissenschaften, Geographie und Geschichte, lehre ihnen das Wissen der Menschen, ich kümmere mich um den Rest."
"Wieso, ich dachte sie wären Götter, so ‚wie Du'? Was brauchen Sie das Wissen der Menschen?"
"Ich verzeihe Dir Deinen Spott, denn auch ich kann gütig sein, doch meinst Du wirklich, Wissen würde vom Himmel fallen? Ja wenn ich es tun würde, aber auch nur vielleicht, dann in Form von großen Steintafeln die die Menschen erschlagen, aber mehr auch nicht. Ich werde in punkto Lektüre für alles sorgen, sie sollen alles lesen und alles lernen, sich selbst ein Bild machen von der Welt, bevor sie ihre Aufgabe erhalten."
"Welche Aufgabe, so zu werden wie Du, schlecht, gemein und fies? Weiter Teufel auf dieser Erde?"
"Ärmlicher Mensch, große Worte, kleiner Geist, drei Worte, eine Aussage, Du verschwendest Deine Energien, unnutzer Weise. Behalte Dir noch ein wenig Puste für Deine Kinder übrig."
"Und würde ich sie töten?"
"Sie sind Dein Fleisch und Blut, aber sie sind mein Geist, Du könntest sie also nicht töten, und Du wirst es nicht tun, weil ich es Dir sage und mein Wort ist Gesetz. Vergiss nicht, ich bin Dein Herr, der, der Dich rief und Dich erwählte, aber Du musst nicht denken, dass ich Dir deshalb alles durchgehen ließe, mache Deine Aufgabe gut, bewältige sie ordentlich und ich werde mich erkenntlich zeigen, Du wirst meine Dankbarkeit zu spüren bekommen."
"Du wirst mich töten!"
"Sterben müssen wir alle irgendwann einmal, aber Du wirst weiterleben, weil ich es will, bedenke, die Masse verschwindet im Strudel des Nichts, werden als Ratten oder Kakerlaken wiedergeboren oder liegen ewig lebend, in Stasis gefangen, in einem Sarg zehn Fuß unter der Erde, ein schreckliches Ende für sie, doch für Dich ist ein Platz reserviert."
"In der Hölle!"
"Im Himmel, in der Hölle, wo Du willst. Ich habe Himmel und Hölle für Dich geleert, Du hast also genug Platz."

19. Kapitel Schwarz

Manchmal gibt es Leute, die merken, wenn ich sie von meiner Position aus, aus gesicherter Entfernung, betrachte, genüsslich meinen Gedanken nachgehend, sie als Hintergrundberieselung nutzend, schauen sie sich um, hektisch, als würden sie verfolgt, doch es ist kein Jemand der ihnen folgt, Niemand ist zu sehen, nur ich bin da, keine Angst, ich beschütze euch, euch alle. So sitzt man denn hier und da, herumtreibend in Kneipen und sonstigen Etablissements, gerade dort wo viele sind, denen der letzte verbliebene Freund der Alkohol ist, doch auch dort begegnet man der Spezies Mensch, die meinen sie würden das kennen was ich symbolisiere, den Satan.
So bin ich hier gelandet, ein dunkler karger Laden, wenige Leute, die sich im schummrigen Licht auf der Tanzfläche räkelnd zu obskurer Musik bewegen, zuckend, als hätten sie gerade ein freiliegendes Hochspannungskabel geküsst, eine von ihnen, eine blonde Frau, nicht alt, nicht jung, verbraucht, zuckend wie die Anderen, bewegend, männliche Schrittbreite forcierend, obszön und erregend, für alle erregbaren Geschöpfe, ich schicke sie mit der lapidaren Bemerkung ‚Schieb ab, nerv mich nicht!' weg, um mich herum also nur lästige kleine Maden, Menschen in dunkler Kleidung die wenig mit den versnobten Großstadtdesignern in Schwarz zu tun haben, bei denen Schwarz einfach nur trendy, chic oder cool ist, nein dies sind die wirklich harten Burschen und Mädels, die wissen wie ein Friedhof des Nachts aussieht, die eine Gruft von innen kennen und in Särgen ihre Nächte verbringen, weil das verdammt Dunkel ist, ziemlich Schwarz. Doch wie weit sie weg sind von der Wahrheit, so nah sie auch versuchen an Leinwandrealitäten wie in Neil Jordan's ‚Interview mit einem Vampir', Ford Coppolas auf Bram Stroker basierenden ‚Dracula' oder sogar Friedrich Wilhelm Murnaus ‚Nosferatu' heranzukommen, es bleibt von der Wahrheit so weit weg und es ist und bleibt Fiktion. Nicht, dass das Trinken von Menschenblut etwas schlimmes wäre, aber warum sollte man es tun, es ergibt keinen Sinn, es schmeckt schlecht, hat die falsche Temperatur und direkt vom Erzeuger genossen ist es eine ziemlich stinkende Angelegenheit, Menschen haben so einen komischen Eigengeruch; und, sie reden zwar darüber diese armseligen Gestalten, aber tun, es trinken, das tun sie dann doch nicht. Nein, sie spielen eine Rolle, wie kleine Kinder die sich vor den Kleiderschrank der Mutter stellen um ihre Sachen auszuprobieren, so stellen sie sich vor den virtuellen Kleiderschrank des Todes, beten den Satan an, verkleiden sich wie an Helloween, aber immerhin sind es ja ‚Kinder der Nacht', zwar sehr große Kinder, aber eben Kinder die nicht wissen was sie tun, und sie sind ´very dark´, ziemlich dunkel, wirklich ´evil´. Da sitzen sie nun um mich herum und ich muss mir ihr doch nur lästiges Gelaber anhören, der Teufel ist so, nein der Teufel ist ja ganz anders, es gibt Dämonen die Nachts kommen um Menschen zu fressen, nein sie essen sie nur, und vieles weitere, so viel Geschwätz auf einmal und sie wissen nichts, doch sagen viel, reden über mich ohne zu wissen, dass ich neben ihnen bin, bei ihnen bei. Es ist ein ekelig armseliger Haufen von Spinnern, die weder Wissen über mich noch über das Leben haben, doch warum auch, sie wollen ja eigentlich nur den Tod sehen.
"Wäre der Teufel so, wie Ihr das meint, meint Ihr nicht, er wäre eine armselige Gestalt?", werfe ich gekonnt in die Runde.
"Der Teufel ist der Größte, er hat Macht über Alles und Jeden! Wenn er will, kann er Dich in eine Ratte verwandeln, oder ein Huhn, und wir würden Dich dann schlachten, zu seinem Ruhm und seiner Ehre."
"Gut das Ihr Ahnung von Ruhm und Ehre habt, und besonders von Ruhm und Ehre des Satan, woher wisst Ihr davon?"
"Aus einem Buch, dem Buch Necromantica, wir haben es in unserem Zeremonieraum liegen, ein wirklich alter Text in dem in lateinischer Sprache alles über den Teufel und seine Beschwörungsrituale steht, und wenn wir ihn Beschworen haben, dann wird er die Macht auf Erden an sich reißen und über alle Herrschen!"
"Du sagtest schon er hätte Macht über alles und jeden, und jetzt erst nach der Beschwörung? Und was ist mit Gott, wird Satan ihn ebenfalls besiegen, denn solange kann er keine Macht über ‚Alles und Jeden' haben?"
"Sicher, Gott ist nur noch eine Frage der Zeit. Die dunkle Macht wird gewinnen, da bin ich mir sicher. Die ‚Dark Side' ist stärker."
"Und wenn der Teufel überhaupt nicht beschwört werden will, wenn er lieber da bleibt wo er ist, oder wenn das Buch lügt und ihr damit höchstens ein paar alte Turnschuhe beschwört, wenn er keine Lust auf die Macht über die Erde hat, oder er diese Macht schon besitzt und solche Nasen wie Euch überhaupt nicht benötigt, was wäre dann?"
Ungläubiges Schweigen, alle scheinen Nachzudenken, vielleicht war diesen kleinen niederen Wesen aber auch der Satz zu kompliziert, vielleicht war er ihnen nicht verständlich genug, dummes Pack.
"Hasst mich, und ich liebe Euch, liebt mich, und ich hasse Euch !"
"Was meinst Du damit? Bist Du jetzt total durchgedreht, wir dachten Du wärst auf unserer Seite, doch was soll das jetzt?"
"Ich meine damit, dass ich nicht geliebt werden will, nicht von Euch, nicht von den Menschen, von Nichts und Niemandem, ich liebe Euch wenn Ihr mich hasst, doch ich hasse Euch, wenn Ihr meint mich lieben zu müssen. Ich werde Euch weder Macht geben noch die Erde in die Vernichtung stürzen, in einen großen Krieg, der nur einen Sieger hätte, niemanden, und Ihr wärt nicht dabei."
"Was erzählst Du da?"
"Ihr versteht nicht, seht nicht, seid blind, betet etwas an, was Ihr nicht kennt und hofft auf Gnade, die Euch niemand geben wird. Gut, Ihr habt Spaß bei dem was Ihr tut, kommt Euch wichtig vor, doch wen sollen Eure lächerlichen schwarze Messen hinter dem Ofen hervorlocken, den Teufel persönlich? Doch ich erscheine nicht dort wo Ihr es wollt, sondern dort, wo ich es will, Diablo lässt sich nicht einspannen von niederen Wesen, Diablo weiß von alleine was er will. Kommt ich zeige Euch die Hölle."
"Du willst Uns die Hölle zeigen, Du? Wie redest Du denn mit uns, fast so als wärest Du der Teufel persönlich. Lächerliche Gestalt, laufe schnell bevor der Teufel Dich holt und kurzerhand verspeist."
"Warum spüre ich soviel Angst in Deiner Stimme? Hast Du Angst davor, ich könnte es sein, oder davor ich könnte es nicht sein? Folgt mir."
Meine Kraft ist etwas feines, ich bewege mich Richtung Türe, schaue zurück, sie stehen zögernd auf, der Türsteher beachtet uns nicht als wir durch die Türe treten und im Freien stehen, der, der mir direkt folgt, folgt mir, er folgt mir nach.
"Schaut wie er blutet, wollt Ihr es nicht trinken, aufsammeln, schnell, bevor es im Rinnstein versickert? So so, ihr wollt also nicht, ist mir persönlich auch egal, die Ratten werden sich freuen, auf jedenfall habt ihr gesehen wie es ist, so und nicht anders sieht die Hölle aus, sie ist hier, mitten unter Euch, nirgendwo hinter einem Vulkan, nicht im Inneren der Erde, keine andere Sphäre. Geschockt? Ihr habt es alle gesehen oder ging es Euch zu schnell, soll ich es wiederholen, oder ist jemandem schlecht, ich könnte ihm das Unwohl entreißen, samt seinem Leib und seiner Seele, die entschwindet in die kalte Nachtluft, aufsteigt gen Himmel, um sich im Weltraum zu verflüchtigen und sich in Luft aufzulösen."
"Herr? Herr und Meister? Herr und Meister!", jubilierend, triumphierend, ekstatisch.
"Niemand sagt zu mir ‚Herr und Meister'!"

20. Kapitel Göttermorgen

Was soll ich sagen, wo soll ich anfangen, ich sah Götter geboren werden, ich sah sie sterben, vernichtet von ihren eigenen Anhängern, Götzen an Altersschwäche krepieren, langsam vergehend, von Monstern jenseits Deiner Vorstellungskraft enthauptet und gefressen, alle vorstellbaren und unvorstellbaren Todesarten erleidend, bitte Verzeih mir, wenn ich Dich langweile, ich wollte dies wirklich nicht, aber der Tod gehört zu den Leben der meisten Götzen hinzu, die Ihr Menschen so anbetet, dass Er nichts mit mir zu tun hat versteht sich von selbst, doch egal was ich bisher sah, und ich sah fast alles, es gibt kaum etwas schöneres als seinen Kindern beim Aufwachsen zuzuschauen. Ich gebe zu, mit ihrer Erziehung habe ich vorerst wenig zu tun, aber die Kraft in Ihnen wird sie leiten, sie wissen ihrer noch nicht, aber sie haben sie schon in sich. So wachsen diese, ihre Mutter liebend, die Welt mit großen Augen betrachtend, wie normale Menschenkinder auf, na ja fast wie Menschenkinder, ihnen in allem gleich, außer Intellekt und Verstand, Wachstum und Entwicklung, aber sonst eben genau wie Menschen. Sie müssen so aufwachsen, damit sie die Menschen unbeeinflusst jeglichem göttlichen Gedanken beurteilen können, sich ihre eigene Meinung bilden über die Welt und das Leben. So möchte ich Dich durch einige kleine Situationen ihrer Kindheit führen, Dir alles zu zeigen wäre unsinnig, es würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen, und ihr Leben nicht merklich deutlicher darstellen können, jetzt drei Tage vor ihrem achtzehnten Geburtstag, kurz bevor ich sie auf die lange Reise schicke, sehe ich mir die besten Situationen nochmals an und betrachte sie mit dem kritischen Augen eines Gottes und den gütigen Augen eines Vaters, obwohl ich nicht vollends zufrieden bin über ihre Entwicklung auf Erden, da hatte ich mir mehr versprochen, aber bilde Dir Deine eigene Meinung; bedenke sie haben noch genug Zeit zur Weiterentwicklung, ihre Existenz ist zeitlich nicht beschränkt, sie können ja auch noch in einer Millionen Jahren lernen, was es bedeutet ein Gott zu sein.
Beide waren äußerst liebe Kinder, zumindest ihrer Mutter gegenüber, aßen immer schön ihr Essen auf damit am nächsten Tag auch die Sonne schien und waren fleißig, fleißiger als der ganze menschliche Abschaum. Sie spielten wenig, konnten bereits nach sieben Monaten lesen und schreiben, hatten Spaß am rezitieren von Versen, am Schreiben von Gedichten mit neuen Versmaßen, und Entwickelten selbstständig theologische Abhandlungen über das Bild der Götter in der Welt, scheinbar unwissend ihrer Macht, aber getrieben von jener, schrieben Denkschriften über politische Systeme der Menschen, die Diskrepanz von Politik und Religion in der Gesellschaft. So ging das erste Jahr herum und sie freuten sich schon auf die Schule. Ihr schnelles Wachstum war nicht leicht ihrem Umfeld klarzumachen und es bedarf einiger Tricks, die ich von einem ehemaligen Sonnengott gelernt hatte, der seine Zeit und seine Existenz aber schon überwunden hatte, lange bevor die ersten wirklichen Zivilisationen den Planeten verschandelten, er war ein netter Knabe, ein bisschen Senil, damals schon, jetzt ist er in seinen eigenen Jagdgründen, in denen er wohl schon längst von wilden Tieren zerfetzt wurde.
Im zweiten Jahr bildete sich heraus, was ich Anfangs nicht gedacht hatte, sie entwickelten sich vollkommen unterschiedlich, während sie eher witzig wurde, zum Beispiel sprühte sie die Kleidung ihres Bruder mit stinkendem Parfüm ein und machte ihn so in der Schule zum Gespött der Leute oder schupste andere Kinder feste von hinten, so dass sie sich am Brunnen der Schule den Kopf aufschlugen, sie schob es natürlich auf andere und galt vor den Lehrern als liebstes Kind auf der Welt, wurde er immer stiller, sprach kaum noch und wurde zum Außenseiter der Klasse, was ihn nur mehr in die Bücher und in das Wissen trieb, was wiederum dazu führte, dass er zum Streber der Klasse avancierte den keiner Leiden konnte, wie man es macht ist es verkehrt, er holte sich so eine blutige Nase nach der anderen, auch ein Gott muss lernen sich durchzusetzen. So erinnere ich mich immer wieder gerne daran, wie er eine Gruppe von Kindern, die bei Rot über die Straße gingen, darauf aufmerksam machte, dass dies nicht richtig sei, woraufhin sie ihn kurzerhand traten und ihn in Richtung Straße trieben, wo er von einem Auto erfasst wurde und durch die Gegend gewirbelt wurde, die Jungs liefen weg und er stand auf, als wäre nichts passiert, während der Autofahrer in seinen Airbag gedrückt, die restlichen Teile seiner Brille im Gesicht verteilt, schmerzhaft aufschrie, ein guter Tag für einen Gott, wenn er das erste Mal seine Unendlichkeit entdeckt, wie war das eigentlich noch bei mir? Ich muss zugeben, ich weiss es nicht mehr, es ist schon so lange her, ich glaube es war ein umstürzender Baum, der mich erschlagen hätte, wenn ich kein Gott wäre.
So kam es im dritten Jahr soweit, dass er sich komplett zurückzog und las und lernte, so dass er seinen Schulabschluss mit einem Schnitt von eins-plus machte, gäbe es eine Null, er hätte sie verdient, seine Schwester hingegen kam nur auf einen Einserschnitt, sie hätte mehr schaffen können, lies sich jedoch auf sinnlose theologische, philosophische und politische Diskussionen mit dem Lehrpersonal ein, ein verweichlichter Haufen von arglos naiven Pseudo-Intellektuellen, getrieben von einem mir unbegreiflichen Antrieb, der Hoffnung den elendigen Menschen etwas Wissen zu vermitteln, was sie eigentlich nie benötigen und sollten sie es doch tun, nicht mehr wissen würden. Hier hatte meine Tochter die erste Erfahrung mit dem Tod, als sie an einer Baustelle vorbeikam, sie war übrigens längst nicht mehr so beliebt bei ihren Schulkameraden, was nicht nur durch den häufigen Wechsel zu erklären ist, ihr Weltbild wurde ziemlich destruktiv und ihre Einstellung den Anderen gegenüber entwickelte sich eher negativ, für mich kein Problem, lange musste sie es sowieso nicht mehr aushalten, so ging sie also an der Baustelle vorbei, spielte ein wenig mit ihren menschlichen Reizen, von denen sie gerade in den Wochen vorher etliches erhalten hatte, und versuchte sich im bezirzen von Bauarbeitern, dem Typus Mensch, der scheinbar dauerfortpflanzungsfähig ist, ohne mit der Wimper zu zucken ging sie an der Baustelle vorbei, die Männer glotzten, unaufmerksam fiel ein Kran um, drei Tote, sie ging weiter ohne sich umzuschauen, meine Kleine entwickelt sich richtig positiv, wird langsam zu einer richtigen Frau.
So, und mit vielen ähnlichen Geschichten schritt ihr Wachstum voran, bis zum heutigen Tag, und bald wird ihnen ihre Aufgabe bewusst, ihr Ziel, ihr Sinn, bald werden sie den Kampf aufnehmen, den Kampf um die Seelen, und ich werde, wie immer, der lachende Dritte sein, wie in jedem Jahrtausend, auch in diesem; oh guck mal, wen haben wir denn da, kenne ich den nicht?

21. Kapitel Der fiese Fettwanst

Dort wandert er wie jeden Tag, eine übergewichtige Elfe, seinen Bauch, von links nach rechts während der Bewegung gegen die Nähte seiner Latzhose werfend, welche unter der Wucht ächzen und stöhnen, neben der Jogginghose wohl das einzige Beinkleid, das ihm zu tragen noch möglich ist, ein ekelig gestreifter Pullover rundet sein Image ab und macht ihn somit zum Gespött der Leute, selbst die einfachst strukturierten lachen ihn aus, hinüber über die Straße zur anderen Seite zum kleinen Geschäft, der große Supermarkt, deutlich billiger und drei Straßen weiter ist für ihn so weit weg wie der Mond, unerreichbar. So wankt er breiten Schrittes voran, sein ganzer Körper wohlgeformt von Chips, Cola und anderen zuckerfrohen und fetttriefenden Lebensmitteln, den Colakarton zum Aufladen unter dem linken Arm, den Rucksack für die Zusätze locker über die Schulter gehangen, wie weit so etwas an einer Person wie ihm frei und locker aussehen kann, er hat seine Aufgabe für diesen Morgen festgelegt, Grundnahrungsmittel organisieren, wie jeden Morgen um die Zeit läuft die Mission ‚Cola', Endphase, hier ist der Name noch Programm. Der Schweiß steht ihm im Gesicht, die gute Ernährung hat seine Spuren hinterlassen, trotzdem blöd grinsend, als wenn er der Retter der Welt wäre weil er die Erfrischungsgetränkeindustrie der halben Nation am Leben hält, so schreitet er voran, seine Leber, seine Nieren, sein verfettetes Herz, alles schreit ‚Keine Bewegung mehr oder Du wirst sterben!' wie in einem schlechten Wildwest-Film, doch es kratzt ihn wenig. Schon mit drei Jahren war er dick, mit sieben gehänselt als ‚Fetti' und mit vierzehn verstoßen, verspottet und verlacht von allen, die Frauen die er liebte lachten ihn nur aus und er konterte mit einer Packung Schokolade, die Jungen wollten nicht mit ihm spielen und er entgegnete eine Jumbo Flasche Cola, seine Eltern fanden ihn ekelig, er weinte nur und stopfte sich mit Gummibärchen voll, die waren lieb zu ihm, sie liebten ihn alle, ob grün oder gelb, rot oder orange, sie waren seine Freunde, und heute ist er fünfundzwanzig und das Leben ist schön, meint er, doch ich werde ihn schon auf den rechten Pfad bringen, er wird merken was er in Wirklichkeit ist, ein deprimierte fette Sau. So kommt er endlich, triefend und schwitzend am Laden an der seine Heimat ist, sein zweites Zuhause, hier kennt er jede Ecke, jedes Produkt, jeden Preis, weiss was wann wo gestanden hatte und wer was wie wann gekauft hatte, immerhin eine Existenzgrundlage, wenn man schon keinen Job hat, außer Testtrinker oder Wettesser, Verlierer ohne Bezahlung, versteht sich von selbst.
Morgen, Morgen, Schönes Wetter heute, Ja, ja, Und sonst?, Ja, muss muss, Toll, Na war der und der schon da?, Nö, gut, und was machen die Colapreise, Stabil, Spitze, Wie immer?, Wie immer!, Karton aufgefüllt, tolle Konversation, ich glaube da möchte ich mitmachen.
"Guten Tag die Herren."
"Ja, morgen der Herr, was darf's denn sein?"
"Ich glaube ich nehme eine Flasche Wasser."
"Mit Kohlensäure oder ohne?"
"Haben Sie Natriumarmes?"
"Glaub schon, mal schauen.", komm verpiss dich, geh ins Lager und schau nach!
"Wissen Sie eigentlich, dass Sie eine ekelig fette fiese Sau sind, ich meine so ein richtiges Schwein?"
"Äh, wie meinen Sie?", Blödmann!
"Ich meine, Sie sind eine richtig fette Sau! Wollen Sie nicht endlich aufhören mit dieser Existenz und vielleicht ein neues Leben beginnen?"
"Eigentlich nicht."
"Steckt Ihnen das Fett etwa schon im Hirn, sind Sie nicht nur fett sondern auch stinkeblöd? Sie müssen doch verstehen was ich Ihnen für ein Angebot mache? Sie können dünn werden, ich kann Sie dünn machen, schlank und rank, wenn ich will. Nennen Sie mir einen guten Grund und ich werde es tun."
"Wie, sind Sie etwa Chirurg, oder was, ich habe das schon mal im Fernsehen gesehen, da saugt man den Menschen das Fett ab.", so große Sauger gibt es leider noch nicht, dass dies auch bei dir helfen könnte.
"Nenn mir einen Grund, einen einzigen, und spute Dich, ich habe nicht ewig Zeit! Ich habe eigentlich schon ewig Zeit, weil ich er bin, der der schon immer war, aber das kann Dir egal sein, spuck's endlich aus, nenn mir einen Grund!"
"Was denn jetzt, Sie meinen einen Grund warum ich dünn sein wollte, oder wie?", dümmer geht's kaum, vielleicht sollte ich dir dein Fett ins Hirn verpflanzen.
"Korrekt, ich zähle jetzt bis drei, dann ist die Chance vorbei, also sag endlich einen Grund, irgendeinen, bloß keinen Schund!", ich liebe schlechte Reime, ein schlechter Reim am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen, noch einer, ich könnte meinen Gegenüber bekotzen vor Lachen.
"Ja, also..."
"Drei."
"Aber wo waren ‚eins' und ‚zwei'? Das ist Betrug, eh, ich wollte doch gerade was sagen, also..."
"Na gut, noch eine Chance, ich zähle jetzt bis zehn, also bis zehn, und dann ist es vorbei, aber wirklich, dann muß ich gehen."
"Ich will dünn werden, weil.."
"Zehn!"
"Wie, das war doch nicht bis zehn!"
"Fetti, willst Du mir sagen ich könnte nicht bis zehn zählen, willst Du mich beleidigen, mich vielleicht provozieren? Bist auch einer von denen, die wildfremde Menschen auf der Straße anrempeln um Streit zu suchen aber eigentlich nur beachtet werden wollen. Wenn ich es will, kann ich Dich auch noch dicker werden lassen, ob Du es willst oder nicht. Dann wirst Du nicht mal zu Deinem geheiligten Laden kommen, keine Cola, keine Chips, keine Fritten, keine Schokolade, keine Dickmacher mehr, denn dann kommst Du nicht mal mehr durch die Türe raus, und das schlimmste, Du wirst immer Fetter werden. Isst Du was, kriegst Du nur noch mehr Hunger, isst Du nichts wirst Du immer dicker, die Qualen für Dich werden unendlich groß!"
"Qualen?", vergebene Liebesmühe. Diese Gestalt ist so dämlich, er könnte nicht mal mit Amöben kommunizieren, selbst die sind vom Niveau Welten über ihm, so muss er eben leiden, leiden, leiden, leiden.
"Du wirst Dicker, immer Dicker, so ist es, so habe ich gesprochen, so soll es sein."
"Wer sind Sie, dass Sie so reden können?"
"Dich mag Keiner, alle verachten Dich, Du bist der Abschaum der Menschheit, Dich zu sehen schmerzt meine Augen, Du ekelst mich an, ich finde Dich zum Kotzen, Du glaubst nicht, wie schäbig Deine Existenz ist, sie ist nicht mehr Wert als die einer fetten ekeligen Ratte!"
"Aber,.."
"Kein Aber, Du widerst mich an, geh, sperre Dich zu Hause ein und harre Deinem Elend, dem Du nicht entgehen kannst, wie die Sonne der Nacht. Geh!"
"Natrium- oder Phosphatarm, was hatten Sie gleich noch gesagt?"
"Natriumarm."
"Tut mir Leid, habe ich leider nicht."
"Na dann, noch einen schönen Tag."
"Möchten Sie kein.."
"Nein, ich möchte kein anderes Wasser, ich möchte gar kein Wasser, ich möchte nichts, nur meine Ruhe."

22. Kapitel Der Leser

Den Menschen mangelt es an Enthaltsamkeit!
"Das sagst Du, das leibhaftig Böse?"
‚Der' bitteschön, der leibhaftige Böse, maskulin, obwohl das nur Eure geschlechtsspezifische Definition der Sache ist, die für mich nicht gilt, wenn ich will, kann ich jedwedes Leben simulieren, jeder sein der ich will, und da ich es sein kann, solange ich will, ohne das es etwas an mir oder meiner Persönlichkeit ändert, bin ich alles, alles was ich will, also maskulin. Doch genug zu diesem Thema, ja, ich predige Enthaltsamkeit. Gut, Ihr wollt sie nicht, ihr liebt das Leben, den Konsum, Exzesse, doch Euer Gott möchte das nicht.
"Welcher Gott?"
Na ja, der, den ich Euch gab, der, der will, dass ihr die Gesetze befolgt und Euch daran erfreut, doch ich will, dass ihr sie befolgt und darunter leidet. Er war wirklich so, ein gutmütiger alter Gesetzesfetischist, aber dies ist eine andere Geschichte und ich brachte ihn schließlich nicht deswegen oder weil er mir gefährlich wurde um, nein, es ist einfach leichter so, da mir hier und da einige Punkte nicht ganz passten, wenn man eben nicht alles selber macht. Er hatte jedenfalls als höchstes Ziel, dass der Mensch enthaltsam lebt und ich finde das auch ganz gut, denn ein enthaltsam lebender Mensch hält grundsätzlich sich und seine Gefühle zurück, was aber nur ein stärkeres Verlangen erzeugt, und unter dem Zwiespalt zwischen dem was er will, dem was er darf und dem was er sich selbst zugesteht divergiert es extrem, und ich sage ihm noch, dass er das richtige tut, was ihn noch mehr zur Verzweifelung treibt, denn der Gute und der Böse, in Personalunion, stimmen ihm zu, und so unterdrückt er sich und seine Gedanken, und benötigt niemanden mehr der ihn tyrannisiert, das kann er ab dann ganz alleine. So lebt er enthaltsam, weiß nicht was ihm entgeht und lebt vor sich hin, frustriert Tag für Tag, ohne es genau zu verstehen. Wie schon Wilhelm Busch sagte, ‚Enthaltsamkeit ist das Vergnügen, an Dingen welche wir nicht kriegen. Drum lebe mäßig, denke klug, wer nichts gebraucht der hat genug.', doch wäre es so leicht sich daran zu halten, es könnte ja jeder. Und so gebe ich ihnen ein wenig Freude, nur ein bisschen, ich liebe es, sie lechzen danach, denn hat ein Mensch daran genippt, so will er gleich mehr von dem süßen Saft trinken und leidet, nicht nur aus Mangel, er leidet aus Enthaltsamkeit, nicht weil er zu wenig hat, nein weil er mehr haben muss aber nicht mehr haben darf, und nicht genug hat, nie. Menschen, einfach unperfekt.

23. Kapitel mit 18 check it out

"Hallo Maria, schön Dich wiederzusehen."
"Wo warst Du in den letzten drei Jahren? Wie oft stellte ich mir die Frage, wie Du mir das antun konntest, doch hätte mir es von Anfang an klar sein müssen. Ich war doch auf das alles nicht vorbereitet."
"Du warst es, vorbereitet, ich war bei Dir und habe geholfen wo ich nur musste, auf meine Art und Weise; eine Kritik, unabhängig von meinem Status, ist Deinerseits also unangemessen, bedenke dies bitte in Deinem weiteren Reden. Wo sind meine Kinder."
"Kinder, kommt Ihr bitte her, ich will Euch Euren Vater vorstellen, Euren wahren Vater.", sie betreten den kargen Raum, ungläubige Blicke, fragend zur Mutter, erstaunt zu mir, "Hier sind Deine Kinder, oh großer Herr, so wie Du wolltest, sie sind wohl jetzt 18 Götterjahre alt.", hüte deine Zunge und deinen Spott.
"Schweig still, Weib. Meine Gnade gestattet es Dir weiterzuleben."
‚Sprich nicht so mit unserer Mutter!', oh, klein Jesus setzt sich für seine Mutti ein, ein guter Junge. Warum reagiert eigentlich keiner auf ihn, keiner sagt einen Ton? Ach ja, er hat ja mit fünfzehn gänzlich aufgehört zu sprechen, nicht weil er nicht könnte, weil er nicht will, ein stummer Gott, gab es das eigentlich schon?
"Ich möchte Euch nicht enttäuschen, Kinder, aber dies ist nicht Eure Mutter!"
"Sie hat uns gezeugt, geboren und aufgezogen. Sie, und sonst keine, ist unsere Mutter!", in ruhigem Ton spricht meine Tochter mich an, was soll aus dir nur werden, wenn Du es bisher noch nicht verstanden hast?
"Ich wiederhole mich ungern, aber dies ist nicht Eure Mutter! Würdet Ihr etwa einen Brutkasten ‚Mutter' nennen, nur weil Ihr in ihm eine Zeit lang gelebt habt, weil er Euch zu Ende austrug, weil die Mutter es nicht konnte? Warum wollt Ihr, die Ihr unendlich mehr seid als dieses Weib, sie Mutter nennen?"
"Und?"
"Kein und, ich alleine schuf Euch, gut, ich brauchte dazu ein bisschen Hilfe von ihr und Josef, diese waren austauschbar, aber die Kraft die ihr spürt ist allein meine."
"Du nervst!", vorlautes Dingen.
‚Ja, da muss ich meiner Schwester recht geben, Dein Verhalten ist mehr als unangemessen unserer ‚Mutter' gegenüber.'
"Jesus, nenn sie nie wieder so, hast Du verstanden!"
‚Sonst? Was passiert sonst? Tötest Du mich, verbannst Du mich? Machst Du das selbe mit mir wie mit Josef, unserem Vater?'
"Vielleicht, ähnlich wie bei Josef. Ja Josef, genau, de hatte ich ja schon ganz vergessen. Soll Euch überigens nett von ihm grüßen, ",nettes Grinsen aufegetzt, " was war noch gleich mit ihm passiert? Ich glaube, er hatte sich damals die Pulsadern aufgeschnitten vor lauter Freude über Eure Zeugung, war schon ein komischer Kauz, aber woher wißt Ihr davon, hat Eure Mutter geplaudert?.", ungläubige Blicke von Maria, meine Tochter hingegen scheint alles zu verstehen und mitzubekommen, Maria wird alt, ach was, sie ist alt.
"Egal, Ihr wisst warum Ihr existiert? Weil ich es will."
"Mutter, was will dieser Typ von uns?"
"Hört ihm zu, denn was er sagt ist die Wahrheit, leider?"
"Habt Ihr Euch nie gefragt, warum eure Mutter so alt ist, wie es sein kann, dass sie in einem so hohen Alter noch Kinder bekommen kann, warum Ihr schneller wachst, intelligenter seit als all die Anderen, die niederen Geschöpfe, macht- und kraftlos müssen sie ihr Leben durchschreiten, doch Ihr, mit Euch habe ich Großes vor, doch bevor wir zu diesem Thema kommen, muss ich wissen wie Ihr dazu steht."
"Wozu?", ‚Ja genau, wozu? Und was überhaupt?', dumme Fragen.
"Wie steht Ihr dazu, wollt Ihr Götter werden, oder nicht? Die Entscheidung hierüber liegt bei Euch, Ihr könnt es versuchen und scheitern, ein schneller schmerzvoller Tod ist die Folge, oder Ihr könnt die Macht der Welt in Euch tragen, sie aufbauen und erweitern und mächtiger werden als alle Götter vor Euch. Lehnt Ihr ab, so habt Ihr ein Menschenleben vor Euch, mit allen Stärken und Schwächen eines Menschen, also eher den Schwächen, ich würde Euch all Eure höheren Fähigkeiten nehmen, die Ihr bisher so vortrefflich genutzt habt, aber Ihr würdet Euer Monoversum behalten, Eure eigene Welt, die jeder Mensch hat; als Götter hingegen hättet Ihr das Universum in der Hand, die Monoversen von Milliarden von Menschen, Ihr könntet entscheiden, ob es Ihnen gut gehen soll, ob es Ihnen schlecht geht, ob sie Morgens zum Frühstück Kaffee oder Tee trinken, trinken müssen, Ihr hättet Macht über so viele."
"Haben wir da eine Wahl? Ich will gar keine Wahl haben, ich nehme an. Ich bin dabei!"
"Und Du, mein Sohn, Du bist so still, also Du weißt schon was ich meine, Still, guter Witz, oder? Was ist mit Dir?", stille, das kommt schon sehr nahe an Realsatire, betretene Miene, schweigender Blick, stille, "Ihr müsst Euch nicht sofort entscheiden, Ihr habt Zeit, doch bedenkt eines, Ihr seid die zwei Seiten ein und derselben Medaille, Du Tochter, wie ich gesehen hab, die dunkelgraue, Du Sohn, die hellgraue Seite, keiner von Euch Beiden ist wirklich schlecht, keiner wirklich gut, aber Ihr werdet Eure Form, Euer Ziel schon finden, und dann werdet Ihr wie ich, nicht mehr nach menschlichen Maßstäben von Gut und Böse zu messen sein, dann werdet Ihr sein, so wie ich bin, Gott, ohne wenn und aber, keine Selbstzweifel, unendlich in Macht, groß in Weisheit."
‚Was soll das? Ich weiß genau wie Du bist. Du bist der, der kleinen Kindern die Lollis klaut und alte Frauen die Treppe runterstößt. Meinst Du, deswegen wärst Du etwas besonderes? Nein, ich sage Dir, bevor ich so werde wie Du, will ich sterben, lieber tot sein.'
"Sohn, Du kannst werden wie Du willst, und wenn Du gut wirst, wirst Du gut, Punkt. Es gibt keinen Grund beleidigend zu werden, da ich Dich wirklich ..., na ja Du weißt schon."
‚Du brauchst uns, aber brauchen wir Dich?'
"Genau Bruder, wer sagt denn das wir abhängig von Deiner Gnade sind, wir sind geboren, steckt die Macht nicht also schon in uns? Du hast doch schon längst gewählt."
‚Richtig, Du hast gewählt, ohne uns zu fragen, und jetzt möchtest Du uns vor die Wahl stellen? Ist das nicht sinnlos? Siehe es so, wir haben die Macht, und ab heute wissen wir davon, mehr ist nicht zu tun.'
"Glaubt Ihr, ich wäre so dumm? Ihr erhaltet Eure volle Kraft natürlich erst, wenn Ihr Euch bewiesen habt, solange dies nicht geschehen ist, müsst Ihr unter den Menschen wandeln, so wie sie, mit den kleinen Vorteilen, die Euch Eure Existenz alleine gibt, halb Gott halb Mensch. So geht nun hinaus, ich werde Euch früh genug aufsuchen und Euch fragen ‚Was habt Ihr getan mit Eurer Zeit?', und wehe Euch, wenn Eure Antworten zu schlecht sind und mich nicht zufrieden stellen, Ihr werdet wie der Sand vom Wind verweht und durchpflügt, zerschlagen wie der Blitz den Baum entzwei teilt. Nun geht hinaus in die Welt und zeigt Euch würdig."
Mein Sohn, er dreht sich um und geht, ohne mich noch eines Blickes zu würdigen, und meine Tochter betrachtet mich schelmisch, Maria sieht mich und ihre Kinder fragend an.
"Verschwinde Maria, hau ab, ich kann Dich nicht mehr brauchen, komm wieder wenn Du tot bist, keine Sekunde vorher, dann löse ich mein Versprechen ein."

24. Kapitel Vater und Tochter

"Du bist also der Teufel, hat zu mindestens Mutter gesagt?"
"Das hat dir der Teufel gesagt; sie sollte doch darüber nichts sagen ehe ich mich Euch offenbart habe, elendige Schlange, da hätte ich mir ja gleich Eva nehmen können, so wird meine Gunst, mein Vertrauen missbraucht, Menschen, sie sind so schrecklich erzählfreudig, müssen den neusten Tratsch ohne Umschweife direkt weitererzählen, können nichts für sich behalten, egal, was willst Du?"
"Genug der Floskeln Vater, ich will sehen worauf ich mich Einlasse."
"Wo ist eigentlich Dein Bruder hin? Weißt Du das?"
"Weg, weit weg, er ist viel zu weich für diese Welt, er braucht ‚Deine Macht' nicht."
"Wer sprach von meiner Macht, ich sprach von Macht, aber glaubst Du ich würde meine Macht auch nur mit irgendwem teilen?"
"Lenke nicht vom Thema ab, ich möchte die Hölle sehen, bevor ich sie übernehme. Ich kaufe schließlich nicht die Katze im Sack."
"Wer redet davon, dass Du die Hölle übernehmen sollst? Keiner, wenn ich mich nicht irre solltest Du Dir Deinen eigenen Ort schaffen, noch früh genug kannst Du mich mal in der Hölle besuchen kommen, aber dies ist mein Ort, und sonst darf dort nur jemand hin, wenn ich es denn so will."
"Die schlechten Menschen kommen also nicht automatisch dort hin, wie es in dieser ganzen Menschenliteratur geschrieben steht?"
"Wo denkst Du hin, meinst Du, dass ich gerade die haben will, die schon die Menschen nicht haben wollen? Keiner will die, die sollen bleiben wo der Pfeffer wächst, im Nichts von Raum und Zeit verschwinden, nenn es meinetwegen Nirwana, wenn das ein so erstrebenswerter Ort ist."
"Gut, dann kann ich sie alle töten und habe keine Probleme damit, dass meine Hölle plötzlich voll mit Narren ist, die mir auch noch in meiner Freizeit auf den Geist gehen."
"Du willst sie alle töten, alle Menschen töten?"
"Was dagegen? Sie gehen mir auf den Geist."
"Aber wenn Du sie alle Tötest, wer ist dann da um unsere Gottheit zu schauen?"
"Niemand!"
"Und wer betet Dich an? Wer lebt für Dich?"
"Keiner! Und ich brauche niemanden, keinen Menschen, kein Tier, kein falscher alter Gott neben mir, ich lebe für mich selbst und aus mir selber heraus."
"Aus Dir selbst heraus? Willst Du die Göttin von Steinen und Sand werden, Herrin des Ödlands? Dafür, dass Du noch kein richtiger Gott bist, hast Du aber komische Vorstellungen von der Existenz eines Gottes, Dir kann es egal sein, was die Menschen tun und lassen, doch sie sind ein Teil Deines Spielzeugs, das schönste Geschenk zu Weihnachten, und Du willst das Fenster aufmachen, es hinauswerfen damit es am Boden zerschellt, und was davon am Ende übrig bleibt sind schlecht gelaunte Eltern und eine heulende Tochter. Ich gebe zu Du machst bestimmt eine schwierige Phase durch, die Pubertät eines Gottes kann schon seine Zeit dauern, keine Frage, doch muss das direkt in der totalen Vernichtung der Menschen enden, muss es zum Armageddon führen? Ich will das nicht, ich will nicht das sie alle sterben und somit wird es so auch nicht geschehen, weil es geschieht wie ich es will."
"Das werden wir ja sehen."
"Ich kann verstehen, Du willst Deine eigenen Erfahrungen machen, hörst nicht auf Deinen alten Herrn, aber wie wäre es Du suchst Dir eine Tierart aus, die Du für den Anfang vernichtest und prüfst erst einmal, ob Dir das mit dem Vernichten Spaß macht, kannst dann ja zur Anti-Umweltschutz-Göttin werden und Dir noch so ein paar Spezies, so nach und nach, vornehmen, oder Du machst in Krieg, Krieg ist immer gut, hier ein kleiner Aufstand, oder da mal eine Revolution, kann ganz Spaßig sein, oder Du machst in High-tech, wie wäre es mit der Göttin des Internets, der Posten ist noch unvergeben."
"Willst Du mich verspotten? Wer bin ich, dass Du meinst ich hätte das verdient?"
"Übertreibung veranschaulicht, was ich damit sagen will, suche Dir erst mal Deinen Weg, bevor Du Dein Ziel planst, denn der Weg ist das Ziel."
"Der Weg ist die Vernichtung, das Ziel meine Ruhe."
"Tochter glaub mir, Du bist verwirrt."

25. Kapitel Der Laden am Ende der Welt

Irgendwo..
"Wo sind wir?"
Ist es nicht egal?
"Was machen wir hier?"
Hast Du keine Fantasie? Denke Dir was aus.
"Wo willst Du hin?"
Weiß ich selber nicht, Du kannst wählen.
"Ich weiß nicht?"
Gut, wir sind da!
Dies ist mein Ziel, dieser Ort am Arsch der Welt. Nicht, weil er so weit unten wäre, nicht weil er braun oder dunkel ist, er ist es auch nicht, weil hier nur Penner hausen, nein, dieser Ort hat seinen ganz eigenen Flair, seine eigene Aura. Die Nase würde sagen es riecht gut doch es stinkt, eure Ohren hören wohlklingende Musik doch ich höre das Weinen von Millionen, der Gaumen schmeckt mehr doch ist es wenig. Ich verteufle Euch nicht, ich hasse Euch nicht, doch nur weil ich nicht hassen kann, ich bin hier um eine Rechnung zu begleichen, eine Schuld zu sühnen, die ich schon lange vor mir herschiebe, zu lange. Sicher, ihr tut alles um mir zu gefallen, doch ihr wisst es nicht, und dies wäre ebenfalls kein Kriterium, gerade dafür müsste ich euch lieben, könnte ich lieben, doch ihr begeht einen schweren Fehler, ihr lasst Leiden ohne zu wissen was leiden ist, ihr kennt es einfach nicht. So bin ich hier um euch zu zeigen wie es geht, denn ich bin der Meister des Leids, ich, der Herr des Kummers, Gott des Elends, König des Unheils. So fahrt ihr vor in feinen Stoff und Seide gehüllt, schmuckbehangen, hochgestochen und eitel eurer selbst, schicke Automobile und nur ein Lied auf den Lippen, ‚..wir trinken Schampus, bis wir verrecken..', Schampus und Trüffel für alle. Die Zeit der Gerechtigkeit ist gekommen, ich bin ein geduldiger Herr, und man könnte mir vorhalten ich sei nicht gütig und würde die Reichen den Armen vorziehen, würde ganze Generationen von Mächtigen verschonen, doch auch bei mir kommt der Tag, da die Vermögenden der Welt ein Fest feiern, ihre Feier des Abschieds, eine neue Ära wird beginnen, schon bald, und dabei seid ihr, die ihr nur nach dem Mammon hechelt und weder Gott noch Teufel fürchtet, im Weg; mir, meinen Kindern, der Menschheit im allgemeinen. Dafür habe ich euch jemanden mitgebracht, jemanden den ihr mehr fürchtet als die Arme Seele den Teufel, meinen persönlichen Freund, Gevatter Tod. Doch er hat einen Vorteil, wie sagt schon ein Sprichwort so schön, ‚Umsonst ist nur der Tod, und der kostet noch das Leben', doch er ist umsonst, nichts worüber ihr euch aufregen müsstet, es wird euch nichts kosten, kein Geld. ‚Was nichts kostet kann nicht gut sein!' sagt ein Sprichwort, doch dies ist euer Problem. Eure Ära ist fürs erste Vorbei, bei dem was folgen wird kann ich euch nicht mehr gebrauchen, nutzlos.
Es gibt wenig was euch interessiert, ich meine außer schicke Häuser, jugendliches Aussehen, gute Kleidung, schnelle Autos, Urlaub in den entferntesten Ecken dieser Welt, Geld, Trüffel, Schampus und die Frau eures Nachbarn. Entschuldigung, die Frauen wollen natürlich die Nachbarn. Ihr seid selbstgefällig, haltet euch für gottgleiche Wesen und seid doch, trotz eures Reichtums ziemlich arme Gestalten, die ihr ganzes Leben dem Gott des Überflusses gewidmet haben, ohne Frage nach dem ‚Warum?', warum ich euch es gab? Gab ich es euch etwa um euch ein ruhiges Leben zu schaffen, ein Polster, da hast Du was für die Zukunft, für die Rente, gab ich euch es nicht um weiterzumachen bis einer alles hat? Und was macht ihr, ihr setzt euch zusammen, stoßt an, Bussi hier, Bussi dort, Prösterchen, Saus und Braus, und statt euch gegenseitig zum Frühstück zu verspeisen reglementiert ihr eure Gewinnaussichten. Ihr plant im Detail die Aufteilung der Torte die sich euch bietet, anstatt die ganze Bäckerei zu wollen, nein ihr seid wie kleine Kinder, die den einen Schokoriegel an der Kasse sehen, aber nicht die ganzen Regale voller Süßigkeiten, ihr seid es nicht mehr wert, nichts wert. Früher gab es noch wirkliche Reiche, die ihre Macht nutzten und mir Opfer brachten, sie wollten alles und wenn es ihr Leben kostete. Doch Hauptsache Euch geht's gut, ihr habt keine Probleme, ein lockeres Leben und besonders ein langes, und natürlich die Kerle einen Langen.
So trete ich ein und sehe euch lachen, ihr freut euch eurer Existenz, der Pinguin kommt auf mich zu und bittet mich an meinem Tisch, ich habe reserviert, für zwei Personen, ja ich bin da, und ich habe einen guten Freund mitgebracht. Wein, Sekt und Champagner, Lachs, Kaviar und Trüffel, wohin man schaut nur glückliche Menschen, ein schöner Anblick. Sie kommen rüber um zu nerven, nun gut mein Auftritt, Smalltalk!
"Guten Abend, schön Sie mal wieder zu sehen, sind Sie auch mal wieder hier, haben sich schon lange nicht blicken lassen.", stimmt, wenn ich intelligente Gespräche haben will, sollte ich in die Gosse gehen.
"Ja, ja, schön Sie zu sehen, ist Ihre Gattin wieder wohl auf?"
"Oh, Sie ist leider letztes Jahr verstorben, sie war ja nicht mehr die Jüngste.", wo Du einen drauf lassen kannst, aber warum bist Du dann eigentlich noch hier, hättest dich doch direkt dazusetzen können, mit einem Blumenstrauss, und warten bis du dran bist?
"Kennen Sie meinen guten Freund, Herr Tod, dies ist ... wie war noch gleich der Name?"
"Unghhh."
"Genau, Herr Unghhh?! Aber Tod, musstest Du ihn gleich sterben lassen? Er wollte doch nur höflich sein? Egal, Herr Ober, könnten Sie bitte einen Arzt und einen Leichenwagen rufen, ich glaube Herrn Unghhh geht es nicht mehr so gut, oder jetzt gerade? Sein Problem, soll er entscheiden wie es ihm jetzt geht. Aber, ich habe es mir überlegt, wo Sie gerade dabei sind, bestellen Sie direkt eine ganze Kolonne von Leichenwagen, es gibt Arbeit!"
Geschockte Ruhe, kurzer Lärm, Totenstille.
"Setz Dich, Gevatter. Ich dachte, Du könntest Dir vielleicht ein bisschen mehr Zeit lassen, es waren schließlich siebenundvierzig Menschen, da wollte ich eigentlich ein bisschen mehr von haben."
"Unghhh?"
"Ja genau, Herr Unghhh und sechundvierzig weitere, und für ihn hast Du noch am längsten gebraucht. Demnächst also ein klein wenig langsamer, ich habe noch nicht einmal mit meinem Essen begonnen, und dabei wollte ich das so Schöne mit dem Nützlichen verbinden."
Das Leben an sich ist schon ziemlich tödlich?
Wie, Du hast Gevatter Tod nicht gesehen? Bist Du denn etwa blind, brauchst Du eine Brille, er saß doch eben neben mir! Nicht? Na, wer hat denn dann die Leute hier getötet? Apropos töten...

26. Kapitel Rückkehr

"Hallo Freund.", schau mal wer da ist.
"Oh, Ihr seid es, der alte Sack und der fiese Fettwanst, vereint in Seeligkeit, ein schönes Bild, ihr Krüppel. Was wollt Ihr, ein Kessel Buntes aufmachen, ein bisschen ‚der heilige Samariter' Spielen, oder wie wäre es mit einer Partie Risiko, herzlich Willkommen, Ihr seit meine Truppen?"
"Du warst schlecht zu mir und hast es offen zugegeben.", sicher fieser Fettwanst.
"Und was kriege ich von Dir zu hören, alter Sack, vielleicht ebenfalls eine Beschwerde, dass ich ja ein so böser Teufel bin und mich endlich bessern muss, oder vielleicht nur ein bisschen geseibert gelallten unverständlichen Müll?"
"Du warst schlecht zu mir und hast es in Dir versteckt."
"Oh, schau an, der alte Sack kann mehr sagen als nur ‚Öh, öh äh, da, da vorne, da wohn ich'!", lachen, kurz und ohne wirklichen Spaß an der Sache, hab ich nicht genug zu tun, als dass ich mich auch noch mit Invaliden abgeben muss, terrorisiert von menschlichen Zombies, eine schöne Vorstellung, "Was ist mit Euch, schaut mich nicht so komisch an, was wollt Ihr überhaupt?", schweigen, jetzt hört endlich auf mit diesem Schweigen, "Seid Ihr tot, oder was? Ihr seid tot, jetzt verstehe ich das, ihr wollt einen Platz in der Hölle, wo es warm ist gegen Dein Rheuma und genug heißen Tee gegen deine Gastritis gibt, doch ich muss Euch leider sagen, die Hölle bleibt für Euch geschlossen. Für Dich sowieso, Fetti, nur bis hundertfünfzig Kilogramm, tut mir Leid, ist Gesetz, kann selbst ich nichts gegen machen."
"Wir sind tot, das ist korrekt, wir sind aber nicht hier um in Deine Hölle zu kommen, was wollten wir da?"
"Tot, wusste ich es doch? Wie seit Ihr eigentlich umgekommen?"
"Du sagtest doch, wie wir umkommen würden. Ich bin nachher verhungert, weil ich aus meiner Wohnung nicht mehr raus kam, hat nur so ungefähr zwei Wochen gedauert, und mein Freund hier..."
"Ich durfte noch ein bisschen Leiden, für Dich, und dann in Ruhe abtreten."
"Egal, wer schickt Euch, vielleicht einer von diesen abgehalfterten veralteten Götzen, die keine Sau seit hunderttausend Jahren mehr anbetet? Oder hat irgend so ein Mensch jetzt mal wieder ein Zombiemittel erfunden, damit der Körper weiterlebt, obwohl der Geist tot ist? Ich will Euch ja nichts böses, aber Ihr seht weder äußerst klug noch fit aus, doch Ihr müsst Zombies sein, so wie in diesen schlechten Filmen, sagt mal ‚Gehirn, Gehirn', aber da muss ich Euch enttäuschen, bei mir gibt es da nichts zu holen."
"Kannst Du Dich nicht ändern? Bist auf ewig in Dir gefangen? Hast Du keine Freiheit in Dir?", was soll der Scheiß denn jetzt?
"Ich bin wie ich bin, so wie ich sein will, und nicht anders. Ihr Menschen leidet, ich existiere auf ewig. Wer immer Euch schickt, sagt ihm, er hat sich mit dem Falschen angelegt."
"Bist Du glücklich?", die alte Leier?
"Glücklich, Froh, Frohgemut, Sonnig, Heiter, das Leben eines Gottes ist wie es ist, es ist immer Sonntag, um es mit Euren Worten zu sagen, aus meinem Arsch scheint die Sonne, täglich, Ihr Nasen, ich bin, und das alleine impliziert mein Glück. Doch wie ist es bei den Menschen, bei Euch, es gibt angeblich eine Phase zwischen Glück und Unglück, aber das ist eine der Lügen der Menschen, Ihr seit nur glücklich oder unglücklich, und wenn Ihr nicht glücklich seid, seid Ihr unglücklich. Ergo, ein wenig Glück, und sehr sehr viel Unglück."
"Wir werden sehen wie lange Du Dich in Deinem ewigen Glück noch baden kannst, Du hast einen Fehler gemacht, und denke nicht, er würde ungesühnt bleiben, er würde sich nicht auswirken auf Dein Leben. Er wird es. Und wir sind hier um Dir zu sagen, dass Deine Zeit gekommen ist, es ist der Anfang vom Ende."
"Was seit Ihr, die zwei Reiter der Apokalypse, da fehlen Euch aber noch mal gut und gerne zwei weitere, und Du Fettwanst symbolisierst wohl den Reiter der Hungersnot, neben Dir kriegt ja auch sonst keiner was ab, und was ist mit Dir alter Sack, wen hast Du übernommen, den Tod? Wo ist Pest und Krieg, oder sind die gerade anderweitig beschäftigt, dann muss ich vielleicht auch los, Krieg ist nämlich ein guter Freund von mir?", lustig, "Spaß bei Seite, ich werde noch hier sein wenn Ihr Monster schon verschwunden seid, selbst die, die Euch folgen werden, vielleicht von Euch geschaffen, werden leiden für mich, ich bin hier, war hier und werde hier immer bleiben, und selbst wenn die Welt nur noch aus Computern und Maschinen besteht, ich werde Ihr Systemfehler sein, ich werde mich einschleichen und sie zum Absturz bringen, und sie werden sich darüber ärgern und jammern ihrer Existenz, weil jede Existenz eine zeitliche Begrenzung hat, und wenn sie noch so lange ist, sie ist und bleibt beschränkt, und somit in Angst und Furcht vor dem Versagen, vor dem Tod, vor dem Leben."
"Und Du, Du wirst ewig Leben? Kannst nicht auch Du sterben? Ist nicht auch Deine Zeit beschränkt, gebunden an die Existenz dieses Planeten, an die Existenz dieses Sonnensystems, des Universums?"
"Korrekt, alles stirbt, es ist nur eine Frage der Sichtweise, irgendwann werde auch ich aufhören zu existieren, doch den Zeitpunkt bestimme ich selber, ich bin es der sagt, wann und wie es vorbei geht, niemand sonst, und zur Zeit erfreue ich mich an den Menschen, mal schauen was danach kommt, doch wenn ich abtrete habe ich alles getan was zu tun war, habe alles gesehen, was es zu sehn gab, habe gelebt, wenn Ihr Menschen abtretet bleiben so viele Aufgaben unbewältigt, so viele Worte ungesagt, so viele Probleme ungelöst, so viele Dinge ungesehen, armselige Gestalten, wovon auch immer gesandt, wie auch immer in Eurer Form gehalten, ich habe Macht, von der Ihr nur träumen könnt. Und sonst, bleibt euch denn nicht mehr übrig als zu versuchen mir mit Andeutungen Angst einzujagen? Ich bin die Angst, ich bin Furcht, Ihr versucht gerade einem Eskimo in der Arktis einen Kühlschrank zu verkaufen, versucht dem Kahlkopf das Shampoo anzudrehen, ihr könnt nur scheitern, kehrt zurück in Euer kaltes Grab, zehn Fuß tief, und legt Euch zur Ruhe, wenn Ihr wollt, könnt Ihr sogar dabei bleiben, wenn die Maden sich durch Euer Fleisch fressen, Euer Körper langsam zerfällt, ist bestimmt ein gutes Gefühl, doch ich trete erst ab wenn der letzte Mensch gestorben, die letzte Pflanze verwelkt, das letzte Tier gegessen, der letzte Gedanke gedacht wurde."
"Oder Du den Kopf verlierst und man Dein Inneres nach Außen kehrt und es lecker verspeist."
"Quatsch, Humbug, fauler Zauber, wo habt Ihr das denn her?"
"Was ist mit Gott geschehen, Du weißt schon dem Gott?", woher wissen sie davon, hast Du etwa geplaudert?
"In seiner Haut steckt noch mehr Kraft als in Euch und Eurem Götzen zusammen, als in allen Menschen gemeinsam, nur dumm, ohne Kopf denkt, ohne Innereien läuft es sich so schwer. Ihr werdet sehen, ich lebe ewig, solange ich es will, und erst dann trete ich ab und bestimmt nicht als Trophäe irgendeines dahergelaufenen golden Kalbes, eines Götzenbildes, das denkt, es hätte Macht."
"Wir werden sehen."

27. Kapitel Staffellauf [nochmal]

Projiziere deinen Hass in Mich lieber Leser, nimm all Dein Leid und sage ‚Das hat Dir der Teufel getan!', denn ich habe es Dir getan.
Der Himmel ist leer, ich habe sie alle zur Hölle gejagt, und selbst in der Hölle ist nichts mehr los, Lachen, mit einer süffisanten Geste lehne ich mich zurück, Komm, nimm Platz, im Stehen spricht es sich so schlecht.
Soll ich Dir die Wahrheit über Jesus Christus, eigentlich Josua Mashiakh, erzählen? Du willst doch alles wissen, über den Christengott, von mir geschaffen um zu leben, doch starb er nicht weil er zu schwach war, er hätte nicht sterben müssen, doch er starb Euretwegen, nicht um Euch zu retten, nicht um Eurer Sünden Willen, nein er starb, weil Ihr es so wolltet.
Aber beginnen wir vorne, da Jesus wart geboren, über die jungfräuliche Empfängnis brauchen wir uns nicht zu unterhalten, dies wurde erst im nachhinein von den Urchristen hinzugedichtet und hatte hellenistischen und orientalischen Ursprung, wie sollte es auch funktionieren, ist eben bildlich gemeint, und ein Stern gen Bethlehem wanderte, der übrigens auch nie existierte, der aber wohl zu der Geburt eines Gottessohnes hinzugehört, wie drei ziemlich wundersame Gestalten, Sterndeuter aus dem fernen Osten, die als erstes nichtsahnend bei Herodes hereinmarschierten und nach dem neuen König fragten, was wohl etwas aus meiner Kontrolle gelaufen war, Herodes jedenfalls war ziemlich ungut auf neue Könige zu sprechen, schließlich und endlich hatte er weder einen neuen Sohn geboren bekommen, noch wollte er so schnell abtreten. So kam es also, dass sie später, nach der kurzen Stippvisite bei Herodes, den Stall fanden, hört sich zu mindestens besser an als den kleinen Palast in dem sie wirklich wohnten, verkauft sich einfach besser, so einer aus dem Volk, von unten, Arbeiterkind, und sie lieferten alles ab, was sie so dabei hatten, angeblich zogen sie danach von dannen, dass ist schon korrekt, aber sie hatten eben alles abgeliefert, war schon witzig, so ohne Kamele, da kann die Rückreise schon etwas länger dauern, und ohne Kleidung war das alles ziemlich unpraktisch, Sand im Schritt, Blasen an den Füßen und das männliche Geschlechtsorgan kann schon mal so ein bisschen ohne halt herumbaumeln; ich hatte ihnen doch wohl etwas viel weggenommen. Doch die Geschichte, die sie mir mit Herodes eingebrockt hatten, war meiner Meinung nach ziemlich schlecht, und trotz aller Versuche einzugreifen, schließlich war ich einer seiner wichtigsten Ratgeber, lies er sich nicht davon abbringen die Erstgeborenen töten zu lassen, ich gebe zu, eine meiner wenigen Niederlagen, aber das hieß ja nicht, dass es ein Problem gegeben hätte, im Gegenteil, so organisierte ich die Flucht nach Ägypten, wo sie ein Haus und ein paar Diener vorfanden, Josef machte ein wenig in Kunstwerken aus Holz und lebte davon ganz gut, Du merkst schon den Seitenhieb auf den Zimmermann, Maria kümmerte sich um die Aufzucht des Nachwuchses, und das machte sie eigentlich ganz ordentlich, so dass ich sie nach kurzer Zeit alleine lies, um mich anderen Dingen zu widmen, ich dachte ja, es wäre alles kein Problem, doch so ganz gelungen ist die Erziehung dann doch nicht. Apropos Kindheit Jesu, eines der Mysterien der Bibel, aber ist das wirklich noch zu erklären? Wie Du wahrscheinlich mitbekommen hast, hat ein Gott eine kürzere Wachstumsphase, bis er vom Aussehen wie ein achtzehn-jähriger Mensch ist, genau drei Jahre, wenn man will, schneller, aber das ist schon ganz gut so, und somit passt es natürlich auch, es gibt erstens wenig zu berichten über seine Jugend, war eben auch eine kurze Zeitspanne, und die Diskrepanz zwischen dem von den Menschen geschätzten Geburtsjahr 5 bis 8 vor Christus, ein Paradoxum in sich, lässt sich damit doch ganz gut erklären; das passt nicht, Du meinst die Diskrepanz müsste sich dann doch auf fünfzehn Jahre belaufen, kleiner Besserwisser, danach altert ein Gott vom Aussehen her natürlich viel langsamer als ein Mensch, Wissen und Intellekt sind natürlich nicht zu vergleichen. So kam es denn, dass Jesus sich zwar prächtig entwickelt hatte, aber eben doch zu einem kleinem Weichei, und so fiel er voll auf die Schiene der Essener ein, wollte enthaltsam leben, sich zurückziehen, lies sich sogar von Johannes dem Täufer taufen, und wollte in Frieden und Gerechtigkeit gegenüber sich selbst, seinem Gott, ein guter Gott der ja nicht existierte, und allen Menschen leben, doch deswegen hatte ich ihn nicht geschaffen, dies war nicht seine Aufgabe. Da war dringend ein Vater-Sohn Gespräch nötig um dies zu klären, doch er weigerte sich krampfhaft mich als das anzuerkennen, was ich bin, und floh somit vor mir in die Wüste, da er dachte, er könne mir dadurch entgehen. So ließ ich ihn denn vierzig Tage und Nächte in der Wüste alleine, über die ganzen Lügen in diesem einen Buch müssen wir uns nicht unterhalten, jedenfalls brauchte er nicht hungern, er ist ein Gott, Götter hungern nicht nach Nahrung, wie sie die Menschen brauchen, und seine Gedanken drangen bis zu mir vor, ich hörte sein Wehklagen, seine Rufe, sein Elend, seine Existenzprobleme, und so besuchte ich ihn, am vierzigsten Tag, setzte mich neben ihm und bot ihm an, wir könnten doch jetzt das letzte Mal so schiefgegangene Vater-Sohn Gespräch führen, ich könnte ihm ja mehr von seiner Macht und der Macht, die ihn noch erwartet, erzählen, doch er lehnte ab, ich bot ihm mehr Macht, fast mehr, als die meinige, alle Macht, doch er lehnte ab, undankbare Zecke, und so was schimpft sich mein Sohn, er sagte ich solle gehen, ich zeigte ihm die Welt und er schickte mich davon, ich bot ihm alles, und er lehnte ab, ich bluffte und sagte, ich würde sie alle Ausrotten, alle Menschen, seine Eltern, seine Freunde und Alle.
"Erhebe Dich und kämpfe gegen mich, ich gebe Dir die Macht, ob Du sie willst oder nicht, nutze sie, bekämpfe das Böse, mache Dich auf und ändere die Menschen. Schaffst Du es, zeigst Du ihnen einen besseren Weg? Verwirkliche Dich selbst.", und in Angst um die Menschheit griff er den Strohhalm, den ich ihm bot. So machte er sich auf, scharrte Menschen um sich und fing an zu predigen.
Er war schon ein wirklich kluger Kopf, er suchte sich seine Zwölfe, also eigentlich elf und mich, wovon er aber nicht den Hauch einer Ahnung hatte, und machte sich auf, seine Kraft für die armen Menschen zu verschwenden, warf sie heraus für Krüppel und Arme, Geächtete und Verlierer, und fühlte sich gut dabei. Er zog Tausende in seinen Bann, sprach intelligente Worte, wirkliche kluge Sätze die kein Mensch je verstand und über die heute noch unter den Menschen gestritten und diskutiert wird, verwandelte Wasser in Wein, vermehrte Brot und Fische, tat eben, was so ein Gott tun muss, stritt sich mit den Oberen, hatte Mitleid mit dem Volk, ein kluger Schachzug wenn man die Massen an sich ziehen will und nicht auf ein langes Leben pocht. Hier und da tat er ja auch wirklich Wunder, also aus Menschensicht, aber zum Beispiel die gute alte Brote-Fische-Lüge, wobei er nur ein bisschen seiner Macht nutzte, und der Rest von komischen alten Evangelisten zurechtgeschrieben wurde, ist nun eine der Geschichten, die bestimmt nicht so passiert ist, ich war schließlich dabei. Aber um die Geschichte etwas abzukürzen, ich könnte jetzt auch jegliche Bibelpassage durcharbeiten, aber was hätte ich davon, musste er unbedingt in Jerusalem einziehen. Dieser ‚Einzug in Jerusalem', und ich sagte ihm noch, ‚Geh da nicht hin, die finden Dich nicht wirklich toll!', war ein ziemlicher Fopas, aber er musste es ja unbedingt machen, trotz der mahnenden Worte seines Vaters, obwohl er schon längst aufgehört hatte, mich als seinen Vater zu betrachten. In Jerusalem war natürlich die Hölle los, eine riesige Party für ihn. Die Menschen hatten mal eben den Tag zum Feiertag erklärt, worauf die Oberschicht natürlich überhaupt nicht gut zu sprechen war, das senkte das Bruttoinlandsprodukt von Judäa gewaltig und sie wollten schon gefragt werden, ob denn auch sie den neuen Gott akzeptieren könnten, aber sie wurden es nicht. So kam es, wie es kommen musste, ich verdiente mir einige Silberlinge hinzu, und nach einem kleinen kargen Mahl, er hatte nie viel für Prunk übrig, kamen die Häscher des Hohepriester und nahmen ihn fest. So wurde er hin und her gezerrt, von einem Verhör zum nächsten, verspottet von Menschen, er wehrte sich nicht, nutzte seine Kraft nicht, faselte etwas vom Schicksal, was sich erfüllen sollte, so wie es geschrieben stand, er wolle sterben als Zeichen für die Schuld der Menschen und als Symbol der Hoffnung, dass eine andere Zeit kommen könnte, wenn die Menschen nur wollten, und landete dann vor mir, eigentlich nicht vor mir, sondern vor Pilatus, also doch vor mir. Ich gebe zu, ich war in meiner Rolle als Pontius Pilatus schon recht gut, hatte lange dafür geübt einen kleine Bazille zu spielen, war aber scheinbar für die Menschen nicht überzeugend genug, denn eigentlich wollte ich ihn schonen, ihm noch eine Chance geben, aber als ich die Menge fragte, ‚Es ist das Pasha Fest und Ihr habt das Recht einen zu wählen, der frei gelassen wird. Wollt Ihr, dass dieser Abschaum von einem Räuber, wie hieß er gleich noch, Barabass, oder Euer Sohn Gottes', ein grinsen konnte ich mir nicht verkneifen, ‚frei kommt?' schrien sie alle, ‚Lass Barabass frei'. Tja, was sollte ich da tun als sie riefen, ‚Ans Kreuz mit Christus, dem Gotteslästerer!', ‚Tja, Pech Jung' sagte ich zu ihm, ‚scheint nicht Dein Tag zu sein.', wusch meine Finger in Unschuld und freute mich meiner selbst, witzig oder? So wurde er denn gekreuzigt, Punkt.
Was soll ich nur mit Euch machen, da kommt einer, der Euch hätte helfen können, der alles dafür getan hätte mit Euch eine Erde zu schaffen, die für Euch lebenswert gewesen wäre, der Euch Hoffnung geben wollte und Ihr habt nichts besseres zu tun als in Windeseile an ein Stück Holz zu hängen und mal eben abzumurksen, ziemlich dämlich wenn Du mich fragst, aber mich wollt Ihr dann auch nicht, nein, schlecht gehen soll es Euch nicht, Ihr braucht wohl Euer menschliches Leben, mit allem drum und dran. Vielleicht glaubst Du jetzt, ich sei an Jesu Tod Schuld gewesen, es mag sogar sein, dass es sich so anhörte, aber nicht wegen mir, sondern weil die Menschen es verlangten wurde er gekreuzigt, sie haben eben meist kein glückliches Händchen mit der Wahl ihrer Götzen und Götter, in dem einen Punkt habt Ihr, zu mindestens für Euch selber, ziemlich tief in die Scheiße gegriffen.
Und Ihr, was macht Ihr mit Eurer begrenzten Existenz? Ihr verschwendet sie, nutzt sie um unnütze Dinge zu tun, Dinge die nichts bewirken, nichts ändern, Eure Entwicklungsschritte sind Babyschritt gleich, Trippelschritte, wie die eines alten Mannes, während ich in großen Schritten an Euch vorbei ziehe, Ihr könntet Macht haben, wählt aber das Elend der Existenz, ihr könntet Gottgleich werden und wollt es nicht, ihr habt das gesamte Potential in Euch und nutzt es nicht, welch ein mieser Haufen von Versagern, gottgleiche Armleuchter, zu blöd ihre Aufgabe zu erkennen, den Sinn ihrer Existenz zu sehen, jagt sinnlosem Firlefanz hinterher, ohne genau zu wissen, hofft auf faulen Zauber, wünscht Euch Kraft und Stärke, nichts dergleichen könnt ihr entwickeln, weil es euch an einem fehlt, dem Willen, dem Willen für sich selbst und für andere Verantwortlich zu sein, und so sitze ich da und belächele Euch, Ihr, die Ihr nichts wisst und nichts seht, die unterwürfig regiert werden wollen, ohne Interesse von wem oder warum, Hauptsache Ihr seid für nichts verantwortlich, Ihr habt nichts getan, immer nur Eure Pflicht erfüllt, jammernde Pack. So gab ich Euch einen Gott, einen Gott der Euch Gesetze gab und sich nichts sehnlicher wünschte, als das Ihr diese Gesetze befolgt, und das gerne, doch ich gab sie Euch damit Ihr sie befolgt und leidet. Ihr sollt das bleiben was ihr seid, Ihr befolgt sie und bleibt klein, weil Ihr mehr nicht könnt.
So, nun hast Du mich genug genervt, sie zur Genüge strapaziert, ich habe genug andere Sorgen, die Menschen, meine Tochter, die ihre Aufgabe erhalten hat und mein Sohn, der verschwunden ist, was auch Du jetzt tun wirst, es reicht, für jetzt, ich habe wichtigere Dinge zu erledigen, Du kannst solange meine Tochter begleiten, sage ihr, ich hätte Dich geschickt, sie soll Dir ihre Welt zeigen, pass auf das sie keine Scheiße baut, Du willst doch selber nicht, dass sie die Welt in die Luft jagt, tue also was für Deine Welt, und dafür das Du mich begleiten durftest in diesem Teil meiner Existenz, eine Ehre, die wenigen Menschen zu Teil wird.
TOCHTER

28. Kapitel Leser

"Du willst die ganze Welt zerstören?"
Schweig still, Mensch, ich lasse Dich neben mir stehen, reicht Dir das nicht? Musst Du mich noch mit Deinen Fragen nerven? Doch gut, ich will Dir antworten, obwohl Du nur ein Mensch bist, aber da ich weiß, dass mein Vater Dich gesandt hat, wie ein alt-testamentarischer Engel, der angeblich von Gott gesandt wurde, um seinen Willen zu. Mache Deine Ohren auf und Lausche, ich sage es Dir genau nur einmal, ich will nicht die Welt zerstören, ich werde die Menschheit auslöschen.
"Wie willst Du das anstellen, hast Du die Macht dazu?"
Macht, welche Macht brauche ich, damit sich Menschen gegenseitig töten?
"Wie, Du willst also nicht selber Hand anlegen?"
Wo denkst Du hin? Ich habe nicht vor, mehr als zwanzig, hundert oder eine Millionen Menschen zu töten, den Rest lasse ich erledigen, dafür gibt es genug von Ihnen, die bereit sind in meinen Dienst dies zu erfüllen.
"Und, wo fängst Du an?"
Anfangen, nun gut, jeder fängt klein an, aber erwarte den Weltuntergang, Euren Weltuntergang noch für das nächste Jahr!
Menschen, Ihr meint Ihr lebt um laut zu lachen, Euch zu freuen und den Göttern zu lästern, doch Euer Tod ist Euer Sinn, so wie es der Sinn von allem ist. Leidet, weint und jauchzet Eurem Elend, solange Ihr es noch könnt. Ihr werdet zu den Bergen sagen ‚Kommt über uns!' und zu den Bergen ‚Bedeckt uns!', denn ich werde über das Land fegen. Ich bin Euer Ende, und Ihr würdet Euch über die oben genannten Todesarten freuen, doch es wird schlimm werden, und ein schneller Tod Euer größter Wunsch. Ich werde Euch alle in die Steinzeit zurückschießen, um Euch dann den Gnadenstoß zu verpassen, aber falsch, ich werde es nicht tun, Ihr werdet es tun, weil ich so will.
Und so werde ich anfangen, ich werde einige Teile hier und einige Dinge dort erledigen, werde Menschen unter meine Kontrolle bringen, wichtige Schaltzentralen besetzen, sie gegeneinander hetzen, ihre Unterschiede ausnutzen. So wird Land um Land fallen, Land gegen Land, Mensch gegen Mensch, Mann um Mann wird zu Boden sinken, Frau um Frau hinterher.
"Du erinnerst mich sehr an Deinen Vater, nur vielleicht etwas verrückter."
Du nennst mich verrückt, Du wirst als letzter Sterben, dass Du sehen kannst, was Euch erwartet, und ich werde mich Deiner persönlich annehmen, und niemand, nicht einmal der Teufel persönlich wird Dich retten können.
"Große Worte, nur sagte Dein Vater nicht, dass Deine Macht noch begrenzt ist?"
Mag sein, doch reicht sie für Euch kleine Menschen immer noch aus, ich werde Euch Stück für Stück zerfetzen. Und es wird der Tag kommen, da werde ich haben, was mir zusteht, besitzen was schon mein gewesen ist, von Anbeginn der Welt, weil ich meines Vaters Tochter bin, weil ich stärker bin als mein Bruder, ich werde seine Nachfolge antreten, und mein Bruder soll sich verkriechen, er darf sich am Ende der Menschheit einen Kontinent aussuchen, ich bin ja nicht so, vielleicht Australien und dort kann er in Gefühlsduselei und Selbstmitleid verfallen, armer Wicht. Er war schon immer ein Schwächling, doch ich werde Vater erst zeigen, wie groß die Differenz zwischen ihm und mir ist, um wie viel ich seiner Nachfolge würdiger bin.
"Er hörte sich nicht an, als wolle er Dich als Nachfolger, eher als Spielzeug, oder als Konkurrenz, aber nicht als Nachfolger."
Das Spielzeug verzeihe ich Dir, Du weißt es wohl nicht besser, doch Konkurrenz werde ich für ihn nicht sein, da er nicht mehr sein wird, wenn ich bin.
"Wie soll ich das verstehen?"
Dummerchen, wie schon, er wird in die ewigen Jagdgründe eingehen, sobald meine Aufgabe erledigt ist, keine Menschen, kein Teufel, ganz einfach, ein neues Zeitalter wird beginnen, er wird mein erstes Opfer nach dem Fall der Menschheit, ich der Jäger, er das Reh.
"Es wird keine Zeit mehr geben, da keiner da ist, um sie zu zählen."
Ich werde da sein, und jeder Tag wird ein Fest werden, jeder Tag ein Grund zur Freude. Und jetzt folge mir und halte Dich still, ich habe eine Verabredung mit einigen sehr netten Menschen, die auf Führung warten, auf meine starke Hand.

29. Kapitel Weis

Der ‚liebenswerte' alte weishaarige Herr steht seit knapp einer Minute vor dieser Scheibe, kämmt sich, leicht in die Knie gegangen um sich besser im Blick zu haben, sein Spiegelbild besser zu sehen, die Haare. Ich bewege mich in seine Richtung, von hier aus betrachtet sieht er aus wie jeder andere ältere Herr, doch er ist der Türhüter, für die erste Türe zu eurem Ende, zum Ende der Menschheit. Er ist gerade fertig, da stehe ich direkt vor ihm.
"Entschuldigung, sind Sie Herr Alfred Holter?"
"Ja, was kann ich für Sie tun, junge Dame?"
"Ich möchte gerne mit Ihnen sprechen, persönlich, unter vier Augen."
"Sehr gerne, gehen wir doch zu mir, ich wohne nur zwei Blocks weit weg."
"Das ist mir bekannt, gehen wir, verlieren wir keine Zeit."
"Warum so eilig, so eine junge hübsche Frau hat doch alle Zeit der Welt."
"Ich schon, aber der Rest der Menschheit wohl kaum."
"Wen interessiert schon der Rest der Menschheit?"
"Tja, diese Frage stelle ich mir auch schon seit einiger Zeit, doch so richtig komme ich in diesem Punkt auch zu keinem Ergebnis."
Nach kurzem Weg mit viel Schweigen sind wir am Ziel, ein kleines, etwas abseits stehendes Einfamilienhaus mit Vorgarten, alles schön gepflegt, das Blumenbeet, was interessiert mich das Blumenbeet?
"So bitte sehr, treten Sie ein, Kaffee oder Tee?"
"Tee, bitte schwarzen Tee, ohne alles."
Geschirr klappert in der Küche, Bilder aus längst vergangener Zeit hängen an den Wänden, schwarzweiß, sie zeigen ihn wohl im Jugendalter und als junger Erwachsener, überall auf der Welt, mit Freunden, alle ähnlich angezogen, uniformiert.
"Bilder aus einer guten alten Zeit, eine Zeit, die es heute nicht mehr gibt, als man noch in Ruhe und Frieden leben konnte, und man keine Angst vor Dieben und Sittenstrolchen haben musste."
"Sie haben hier sehr gute Literatur stehen, ich habe viel in meiner Jugend gelesen. Jetzt komme ich leider nicht mehr so dazu."
"Schade, aber Sie sind ja noch so jung, können noch so viel lesen in Ihrem Leben. Ich finde es schön, wenn junge Menschen heute noch lesen, die meisten kennen nur noch Fernsehen und Internet, meine Enkel sind da genauso."
"Ja, ich kenne das aus meiner Schulzeit, alle kein Interesse an wichtigen Dingen, nur noch Fun, nur noch Spaß wollen sie haben, bloß nichts mehr leisten."
"Sie wollten mich aber bestimmt nicht sprechen, um mit mir über das Bildungssystem in diesem unseren Lande zu sprechen, ich glaube, da wäre man auch sehr schnell fertig. Aber setzen wir uns doch, Plätzchen?"
"Nein danke, ich muss mit Ihnen über Ihre Gruppe sprechen."
"Über welche Gruppe, mein Kindchen?"
"Ihre Gruppe."
Nachdenkliches Schweigen seinerseits, fragende Blicke meinerseits, wann versteht er endlich worauf ich hinaus will? Vielleicht lässt er mich nur warten, will sehen wie ernst ich es meine? So ist es.
"Ihre kleine nette Gruppierung freundlicher Zeitgenossen."
"Ich weiß beim besten Willen nicht wovon Sie reden, junge Frau, ich weiß auch nicht wer Sie geschickt hat, aber ich glaube Sie sollten besser gehen."
Nerv mich nicht, ich bin nicht zum Spaß hier, das ist Arbeit.
"Soll ich Dir die Welt zeigen, so wie sie aussehen wird, wenn ich sie übernommen habe? Soll ich Dir zeigen wo Du sitzen kannst wenn ich es will, ob Du Dich für oder gegen mich entscheidest?"
"Machen Sie sich nicht lächerlich, Kindchen. Wer sind Sie, dass Sie so meinen mit mir so sprechen zu können, wer sind Sie, dass Sie mir zeigen könnten wo ich stehe, wenn Sie die Welt übernommen haben, wer sagt überhaupt, dass Sie die Welt übernehmen werden?"
"Ich sage es, weil ich es weiß, doch wer sagt Dir, dass ich noch soviel Geduld habe, Dir alle Deine Fragen zu beantworten, schaue hin."
Der Fernseher geht an, es erscheinen Bilder, sie zeigen gepanzerte Fahrzeuge, Fluggeräte, die schneller als das Licht fliegen können, Menschen im Gleichschritt, jubelnd, feiernd, freudestrahlend die Bevölkerung um sie herum, ‚Frieden auf Erden.' rufen sie laut, ‚Recht, Freiheit und Glück für alle.' sind die Parolen der Zukunft sagt eine Stimme, ‚Segen' rufen die Massen und auf einem Podest, erhöht über alle stehen fünf Personen, eine davon meine Vielheit, eine andere der liebenswerte weishaarige Herr, mit dem ich gerade das Gespräch führe. Ich merke schon wie es ihm gefällt, wie der Anblick ihn Stolz macht, ‚Durch unsere Retterin und ihre vier Kameraden ist es uns gelungen, wozu in Jahrhunderten der Barbarei keine andere Regierung in der Lage war, Weltfrieden, Vollbeschäftigung und eine Verbrechensrate von null Prozent, lobt und preist unsere Retter!' ruft eine Stimme und das Volk antwortet mit dem Ruf ‚Segen und Leben! Segen und Leben!' in einem scheinbar nicht endenden Chor. Spätestens jetzt, wenn er es nicht schon vorher war, ist er überzeugt.
"Was sagen Sie jetzt?"
"Ich muss zugeben, diese Präsentation war schon recht eindrucksvoll, doch wer sagt mir, dass dies die Zukunft ist, und nicht irgendein Trick?"
"Versuchen Sie den Fernseher auszumachen."
"Gut, hier ist die Fernbedienung, ich schalte jetzt also ab. Sie scheint defekt zu sein, aber direkt am Fernseher, der Schalter funktioniert auch nicht, wundersam, ich ziehe einfach den Stecker."
"Tun Sie es, es wird nichts helfen, der Fernseher läuft zur Zeit nicht mit Strom, er läuft mit göttlicher Macht, mit meiner Macht."
"Sie haben Recht, der Fernseher läuft weiter. Aber wie kann das sein?"
"Sagte ich nicht bereits, dass meine göttliche Macht dies erst schafft, nur ich bin die, die dieses Gerät mit Elektrizität versorgt, die Bilder der Zukunft hier herbringend, es zusammenhält, wenn ich wollte, er würde platzen. Und würde ich weiter wollen, so würden sich die Einzelteile wieder zusammenfügen. Denn ich bin hier, um Euch zu führen."
"Was wollen Sie von mir? Warum ich?"
"Ich brauche Sie, Sie und Ihre Gruppe. Ich werde in sechs Tagen wieder da sein, gegen Sonnenuntergang, dann treffen wir uns alle wieder, mit ihren Freunden."

30. Kapitel Puppenspieler

Es gibt viele Möglichkeiten, die die Menschen nutzen, um an Macht heranzukommen, alle hier aufzuzählen, würde wohl zu lange dauern. Doch um wie viel größer sind die Möglichkeiten erst für eine Göttin wie mich, die menschlichen Möglichkeiten sind nur ein Bruchteil der meinigen.
"Haben Sie einen Termin?"
"Ich habe einen Termin. Ich habe immer einen Termin."
"Wen darf ich bitteschön anmelden?"
"Sagen Sie einfach, Ich sei da."
"Herr Minister, hier ist eine junge Dame die Sie sprechen möchte, ich soll Ihnen sagen ‚Sie sei da.'!"
"Immer hereinspaziert,", kleine Begrüßungsarie, kurze Musterung, er ist scheinbar zufrieden mit dem was er sieht, Menschen sind eben durch Äußerlichkeiten zu blenden, "wir hatten telefoniert, oder?"
"Genau, ich bin hier, weil ich mich um die Stelle als Ihre Assistentin bewerben wollte. Schönes Büro haben Sie hier."
"Nicht wahr, sprechen wir also über den Job, hübsches Kleid, welches Sie da an haben."
"Ja."
"Also, welche Referenzen haben Sie? Möchten Sie einen Kaffee? Frau Schuster, bringen Sie uns bitte Kaffee. Also, der Job, welche Referenzen haben Sie?"
"Alle die Sie benötigen."
"Dann zeigen Sie mir doch mal Ihre Bewerbungsunterlagen."
"Ich kann Ihnen ganz andere Dinge zeigen, wichtiger Dinge als jedes Stück Papier, das von Menschenhand geschrieben wurde."
"Worüber sprechen Sie? Sprechen wir jetzt über das, was ich denke."
"Packen Sie Ihre schmutzigen Gedanken wieder ein, denn ich spreche über Macht, betrachten Sie doch mal Ihren Laptop, dort auf dem Schreibtisch, was sehen Sie dort."
Sein Blick wandert, eben noch lüstern mich betrachtend, jetzt fragend auf den Laptop, "Dort ist meine Benutzeroberfläche zusehen, sehen Sie, oder etwa nicht, was ist denn das für ein Bildschirmschoner? Ein Videofilm?", fragend schaut er auf das Gerät, einige Tasten drückend, scheint sich nicht viel zu ändern, blickt wieder hoch, verwirrter Blick.
"Wenn es Ihnen zu winzig ist, so kann ich es auch gerne auf Ihrem Fernseher laufen lassen.", die Schranktüre fährt automatisch hoch, der Fernseher fährt leicht vor und springt an, extreme Lautstärke, erschreckt zuckt er zusammen.
"Was soll das, wie haben Sie das gemacht?"
"Ist es wichtig wie, nein, ich bin hier um Ihnen ein Geschäft vorzuschlagen, aber schauen Sie in Ruhe meine Präsentation der Zukunft zu Ende und sagen Sie mir, was Sie davon halten."
Jubelnde, ausgelassen feiernde Menschen, freudestrahlend ‚Frieden auf Erden.' rufend, ‚Recht, Freiheit und Glück für alle.' sind die Parolen der Zukunft sagt eine Stimme, ‚Segen' rufen die Massen und auf einem Podest, erhöht über allen stehen fünf Personen, eine davon meine Vielheit, eine andere der ‚nette' Mensch mir gegenüber. Ich merke schon wie ihm dieser Anblick gefällt, wie er sich erkennt, seine Brust schwillt vor Stolz, seine Schultern ziehen nach oben, ‚Durch unsere Retterin und ihre vier Kameraden ist es uns gelungen, wozu in Jahrhunderten der Barbarei keine andere Regierung in der Lage war, Weltfrieden, Vollbeschäftigung und eine Verbrechensrate von null Prozent, lobt und preist unsere Retter!' ruft eine Stimme und das Volk antwortet mit dem Ruf ‚Segen und Leben! Segen und Leben!' in einem scheinbar nicht endenden Chor. Das Szenario wird ausgeblendet, die Schranktüre fällt zu mit einem klackenden Geräusch zu, "Und, hat es Ihnen gefallen?", als wenn ich nicht wüsste, dass er verblüfft ist und trotz aller Verwirrung sehr Stolz, denn er sah sich als Retter der Welt.
"Wie kann das sein? Das ist ein schlechter Scherz?"
"Wenn Sie mitarbeiten, so wie ich es Ihnen sage, wird es so kommen, wenn nicht, dann wird jemand Anders dort oben stehen. Schauen Sie tief in meine Augen, sehen Sie was ich meine?"
"Aber, meine Partei, mein Amt?"
"Ihre Partei, mit Verlaub, Ihre Partei wird es dann nicht mehr geben, sie wird nicht mehr nötig sein, wir werden etwas neues schaffen, ein neues Zeitalter, eine weitere Epoche, die Epoche, die uns allen zu Glück und Wohlstand verhilft."
"Was muss ich tun, damit das Ganze genauso kommt, dass wir da oben stehen und gefeiert werden, und wer waren die anderen drei Personen, sie waren kaum zu erkennen."
"Diese sind austauschbar, Sie werden sie, wenn Sie alles korrekt machen, noch früh genug kennen lernen."
"Wie wollen Sie das durchführen? Wer sind Sie? Woher haben Sie diese Macht?"
"Fragen, Fragen, Fragen, Ihr Menschen könnt nicht mehr als immer nur Fragen stellen, habt Ihr nichts besseres zu tun? Vertrauen Sie mir, ich nehme alles in die Hand, und Sie werden die Lorbeeren ernten, glauben Sie mir, verlassen Sie sich auf mich. Für den Anfang reicht es, ich werde mit Ihnen früh genug wieder zusammen kommen um Ihnen genaueres mitzuteilen, doch für heute reicht es mir, wenn Sie mir den Job als Ihre Assistentin geben, nur so pro forma. Ach, und da hätte ich noch eine Bitte, die Panzerlieferung an dieses kleine rückschrittliche Land im Südosten, die durch den Sicherheitsrat genehmigt werden muss, wird doch wohl durchkommen?"
"Das sieht nicht ganz so gut aus."
"Dann wird es bald gut aussehen, sorgen Sie dafür, ich vertraue Ihnen, und dem Willen zur Macht, der auch in Ihnen wohnt. Sollte es dennoch Probleme geben, so stellen Sie mir schon mal die Liste aller Teilnehmer zusammen, mit allem was Sie über die Personen wissen, die Probleme machen könnten."
"Gut, die Liste ist Morgen früh fertig."
"Sehr gut, ich hole Sie mir ab, ob Sie da sind oder nicht, regeln Sie alles, damit ich den Ausweis bekomme und die Unterlagen betreffend der Assistenten-Stelle. Und sollten Sie überlegen, diese Geschichte weiterzuplaudern, Ihnen wird sowieso niemand glauben, eine Frau marschiert in Ihr Büro und verzaubert den Fernseher, will die Macht übernehmen um alles zum Guten zu wenden, da kommen höchstens die Männer mit den ‚Hab-Mich-Lieb'-Jacken, niemand sonst. Eins steht fest, ich entscheide wer es Wert ist, dabei zu sein."
"Natürlich."
"Und noch eins, ich habe das letzte Wort, immer!"

31. Kapitel Pennerglück

Die Nacht ist gekommen und hüllt mich ein, ich liebe sie, wie eine Schwester, die jeden Tag zur selben Zeit zur Türe hereinkommt, um bei mir zu sein, mir zuzuhören, einfach nur da ist. Sicher könnte ich von Ort zu Ort reisen, mit der Dunkelheit, wenn ich es denn nur wollte, doch wäre die Nacht dann noch etwas besonderes, und könnte ich dann meine Aufgabe erledigen, die ich doch so dringend zu tun habe?
Wandernd durch den Park, meinen Gedanken nachgehend, jeden Schritt planend, den ich mir für die Zukunft zurecht gelegt habe, die Hälfte des Weges ist geschafft, zwei von vier gehören mir, der Rest folgt, ich habe kaum Zeit zu verschnaufen, aber alles läuft im Soll, wie geschmiert. Der Mond lünkert durch die Bäume durch, ich würde den Weg auch ohne ihn sehen, aber sein Licht gibt mir Vertrauen und Zuversicht, er hat es immer geschafft da zu sein, wenn ich ihn braucht, besser als mein Vater, der sich noch umschauen wird. Seine Tochter wird ihn nicht enttäuschen, vielleicht ihn, aber nicht sich selber. Doch jäh werde ich gestört, wer wandert da vorne, und versucht krampfhaft mir nicht aus dem Wege zu gehen? Die Person, scheint mir, bewegt sich nicht sehr behände, eher wankend vorwärts. Was soll es, wer immer es ist, er kann mir nichts anhaben, ich werde ihn einfach töten, bevor die Gedanken mir zu lästig werden, ob er es vor hatte oder nicht. Er kommt direkt auf mich zu, direkt kann man es zwar nicht nennen, macht aber keine Andeutung, dass er mir aus dem Wege gehen wolle, weiß er nicht wer ich bin, weiß er nicht, dass ich keinen Menschen mehr sehen will, reicht es ihnen nicht, dass ich sie schon für ihren eigenen Tod brauche, dass ich nicht alle mit einem Faustschlag töten kann? Egal, er wird den letzten Frevel begangen haben, ob er davon eine Ahnung hat oder nicht, er wird gleich nicht mehr unter den Menschen weilen.
"'Nabend junges Fräulein, so spät noch auf den Beinen?", schwankend, betrunken torkelnd lachend, lallend, nur ein ‚armer alter Obdachloser', noch unnützer für diese Welt, als die ganzen Anderen.
"Du wirst gleich tot sein!"
"Und, wen interessiert es schon, ob ich tot bin oder nicht, junges Fräulein? Die Welt hat kein", kurzer Schluck, "Interesse an einem Menschen wie mir, ob ich tot bin, oder lebe, es ist ihnen egal, allen.", ein weiterer Schluck, kurzes Wanken, er droht zu kippen, fängt sich ab, "Und wenn ich ehrlich bin, mir auch. Aber wie soll ich denn sterben?"
"Wie schon, ich werde Dich erschlagen, als Zeichen für alle die noch leben, wie auch sie enden werden."
"Erschlagen ist albern. Also wenn ich Du wäre, würde ich mir vielleicht den Kopf vom Halse trennen, obwohl Du dafür schon etwas Übung brauchst, wenn Du nicht eine halbe Stunde Deines Lebens damit verplempern willst."
"Was ist ein halbe Stunde meiner Existenz?"
"Eine halbe Stunde kann schon ziemlich lang sein, wenn Du mich fragst? Also, zum Beispiel, eine halbe Stunde ohne Schnaps, da würde meine Leber schon Entzugserscheinungen melden."
"Nerv nicht, Du gehst mir auf den Geist. Ich rate Dir, gehe schnell weiter, oder."
"Oder was, also den Kopf willst Du mir wohl nicht vom Halse trennen, erschlagen ist albern, was bleibt denn da noch übrig? Vielleicht steckst Du mir eine Schnapsflasche in den Hals, so tief, das ich sie weder rauskriege, noch sie herunterschlucken kann. Ein schöner Tod, wenn ich mich richtig besinne, zumindest ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens. So kann ich in Frieden abtreten, warte also noch so ein klitzekleines Momentchen.", kurzer schneller Zug, heftiges glucksen, auf ex, weg, leer, wer ist er, der König des Alkohols? Nun stopft er sich die Flasche in den Hals, "Kaan jeäh!", ich merke wie ich verdutzt dastehe, mich frage was einen Menschen in diese Situation treibt, dass er schon Spaß an seinem eigenen Tod haben könnte, wie kann es sein, dass er sterben will?
"Nimm die Flasche aus dem Hals!", husten, prusten, keuchen, er übergibt sich kurz in eine Ecke.
"War aber knapp, wäre fast dran erstickt.", lallend und keuchend, auf dem Boden kniend, glucksend seines Sein.
"Du wirst dann wohl anders sterben."
"Aber wie, wie soll ich sterben, wie wie wie? Kein Erschlagen, kein Kopf ab, kein Ersticken, erschießen wäre vielleicht noch witzig."
"Ich habe keine Pistole, obwohl das dürfte auch kein Problem sein."
"Dann geh, ich bleib solange hier sitzen, doch mehr als fünfzehn Minuten gebe ich Dir nicht, dann bin ich weg, Du weißt schon, der Alkohol. Aber vielleicht gibt es ja noch mehr Möglichkeiten, wie wäre es mit, Erschlagen hatten wir schon, mmh, Abstechen?"
"Kein Messer."
"Dann Gift?"
"Dazu fehlen mir die Ingredienzien."
"Du bist ja total unvorbereitet, gehst Du eigentlich jeden Abend raus, gucken wir mal, wer uns heute über den Weg läuft und wie wir ihn vielleicht töten können, habe schließlich einen Kuli und ein bisschen Puder dabei, zur Not puste ich ihm das Puder in die Augen und Blende ihn, woraufhin ich ihn mit behänder Tat die Kugelschreibermiene ins Herz ramme, oder so."
"Eigentlich war ich heute nicht mehr so ganz auf Töten eingestellt, aber hier und da muss man eben improvisieren."
"Improvisieren, ein schönes Wort, Kreativität, scheint mir aber nicht Dein Markenzeichen zu sein.", kurzes gellen.
"Spontaneität..."
Lautes Lachen von ihm, "Tschuldigung, aber ich glaube Du bist die Göttin der Unspontanen, Göttin aller Architekten, Planungswunder, wenn bei Dir nicht alles läuft im Leben wie gedacht, dann gehst Du ziemlich schnell zu Grunde, oder etwa nicht? Alles so unperfekt, weniger Plusquamperfekt.", spöttisches Glucksen, kurzes Keuchen.
"Ja also, so kannst Du das auch nicht sehen."
"Wie denn dann? Wie? Soll ich etwa glauben, huch ist die Frau spontan, hat schließlich immer einen Kugelschreiber dabei, klasse, sie kann sich immer und überall, ganz spontan, Notizen machen. Du bist das unspontanste Wesen der Welt, also so was wie Dich, gibt es nicht, zu mindestens kein zweites Mal."
"Verspottest Du mich?"
"Das kann man so oder so sehen, zu einer genauen Aussage lasse ich mich da nicht verleiten.", blödes Grinsen.
"Alleine wegen des Grinsens hast Du schon den Tod verdient, aber ein bisschen Zeit habe ich noch, also sage mir, warum glaubst Du sollte ich Dich nicht umbringen.
Schellendes Gelächter, "Tschuldigung, ", leichtes Kichern, der krampfhafte Versuch eine ernste Miene zu machen, "aber Du kannst mich doch gar nicht, wie wir eben festgestellt haben, auch nur auf irgendeine Weise umbringen, es mangelt Dir einfach an Planung. Aber wieso bist Du eigentlich so erpicht auf töten, hasst Du nur mich, oder bin nicht etwa ich es, ist es vielleicht die ganze Menschheit?"
"Du hast es erfasst, trotz Deines betrunkenen Kopfes."
"Mein Wahlspruch ist, Kinder und Besoffene sagen immer die Wahrheit, na ja, Kind kann ich nicht mehr werden, ...", fragende Gesten, komischer Gesichtsausdruck.
"Sag mir einen Grund, warum ich Dich nicht erschlagen soll?"
"Schon wieder das Erschlagen, ich dachte eigentlich wir hätten das hinter uns gelassen, das mit dem Töten? Wären jetzt in einer andere Diskussionsebene vorgestoßen, so ohne Töten."
"Du scheinst nicht dumm zu sein, was bist Du?"
"Gestatten, ‚Daniel Düsentrieb', von Beruf Verlierer der Nation, und Erfinder, Erfinder von nutzlosen Dingen."
"Und Daniel, wie wäre es, Lust auf ein bisschen Hass?"
"Hass, was für ein schäbiges Wort, ich hasse es, wenn ich Morgens aufwache, und ich habe nichts mehr zu trinken, das hasse ich, aber ansonsten, wen oder was sollte ich hassen? Und warum überhaupt?"
"Vielleicht weil sie Dich alle vernichten wollen, die Reichen, die Mächtigen, die Rechten, alle hassen Dich, keiner will Dich."
"Ich will mich ja selber nicht, und der Rest geht mir ziemlich", die Geste eines startenden Flugzeugs," am Arsch vorbei. Wie gesagt, ein bisschen Sprit, und hier und da noch ein Zigarettchen, dann bin ich schon zufrieden."
"Ich kann Dir allen Alkohol der Welt geben, alles was Du willst, Du kannst darin baden, wenn Du willst."
"Du könntest mir also allen Alkohol geben, den ich haben will, aber kannst mich nicht erschlagen, irgendwie komme ich immer wieder darauf zu sprechen, aber meinst Du nicht auch, dass Du da irgendwie so ein klitzekleines bisschen Unrealistisch wirst? Was sollte ich auch damit, mit dem ganzen Alkohol, ich könnte damit nicht viel mehr tun, als ich jetzt schon tue, und drin Baden, ne das ist auch nicht so mein Fall."
"Ich kann Dir alles geben, ich kann Dich genauso gut töten, ich bin es, die entscheidet, was kommt."
"Du entscheidest also was kommt? Kannst Du anhand meines Furzes mir sagen was ich heute Mittag gegessen habe?"
"Nein."
"Aber, Du kannst über mein Leben entscheiden, gottgleich?"
"Ja."
"Irgendwie Irreal, oder irre ich mich da?", wieder diese Glucksen.
"Gluckst Du noch einmal..."
"Ich weiß, dann erschlägst Du mich mit Deiner Faust.", lachen, glucksen, alles zusammen.
"Ja.", tot.

32. Kapitel Links

Politische Richtungen bergen folgenden Vorteil, wenn man geschickt ist kann man zwei gegeneinander ausspielen, wobei man als lachender Dritter übrig bleibt. Wenn man wirklich klug ist, und als das würde ich mich bezeichnen, so spielt man einfach alle gegeneinander aus, und bleibt als lachender Letzter übrig.
"Entschuldigung, was halten Sie eigentlich von der braunen Gefahr?"
"Braune Gefahr? Wie kommen Sie denn jetzt darauf?"
"Ich dachte nur, Sie seien vielleicht an einigen Informationen betreffend einer rechten Gruppierung interessiert, die sich hier in unserem Lande und im näheren Ausland zusammenschließt und einen Aufstand vorbereitet?"
"Und wieso sprechen Sie mich damit an? Junge Frau, was glauben Sie denn wer ich bin?"
"Thomas Mistoh, Anführer ein Gruppe genannt Konterrevolutionäre Front gegen den Imperialismus, kurz KFI, mit dem Ziel der Zerschlagung aller Staaten zur Schaffung eines friedlich kommunistischen Systems, welches weder Armut, Kapitalismus noch Krieg kennt und in dem eine Art paradiesischer Zustand herrscht. Eine schöne Idee wenn Sie mich fragen, doch fehlt Ihnen bisher noch die Akzeptanz sowohl innerhalb der Bevölkerung der von Ihnen auserkorenen ersten Ländern, die in diesen Garten Eden aufgenommen werden sollen, als erst Recht der genaue Plan zur Umsetzung von alledem, wenn Sie mich fragen, mehr als schlampig vorbereitet."
"Vielleicht posaunen Sie noch laut herum, damit der Inlandsgeheimdienst überhaupt nichts mehr zu tun hat. Wer schickt Sie? Egal, kommen Sie erstmal mit."
Drei Häuserblöcke, fünf Minuten, schweigen, hektische Blicke seinerseits in alle Richtungen, kurzes Klopfen, die Türe öffnet sich wie von Geisterhand.
"Bitte treten Sie ein, wundern Sie sich nur nicht über das Chaos."
"Dies ist also Ihre Schaltzentrale.", um mich herum einige Gestalten, ziemlich verkommen alles hier, wenn ich mir das so genauer ansehe, ist hier nicht nur Chaos, hier herrscht schon die putztechnische Anarchie.
"Würde ich Sie in unsere Schaltzentrale führen, wären Sie entweder innerhalb von einer Minute tot oder ein Mitglied von uns. Für ersteres finde ich, sind Sie zu jung und zu hübsch, für zweiteres kenne ich Sie nicht gut genug. Wer sind Sie?"
"Hören wir also endlich auf mit dem Geschwafel, es nervt das alle Menschen meinen, Sie könnten mir mit sinnlosen Komplimenten meine Zeit stehlen, also zum Thema, ich bin hier um erstens Ihrer Gruppe wichtige Informationen zukommen zu lassen,"
"Und die wären?"
"Unterbrechen Sie mich nicht, ich bin also erstens hier, Ihrer Gruppe wichtige Informationen zukommen zu lassen, und zweitens um Ihnen eine Gelegenheit zu offerieren, die Ihnen die Möglichkeit bietet, Ihr Projekt in diesem Land innerhalb der nächsten zwölf Monate durchzuführen, positiv."
"Gut kommen wir also zum ersten Punkt, Sie erwähnten eine geplante rechte Revolte."
"Dies ist korrekt, meinen Informationsquellen zufolge wird deren Aktion noch im nächsten Monat anlaufen, der Versuch durch gezielte Attentate auf Regierungsmitglieder, Privatmenschen und öffentliche Gebäude die Sicherheit des Staates und deren Autorität zu untergraben, woraufhin der politische Arm Euch damit in Verbindung bringen und nach einer strengeren Hand rufen wird. Nachdem unser Staatsoberhaupt getötet wurde und die Demonstrationen von Rechts zugenommen haben, werden sie versuchen zu putschen, Euch in Internierungslager stecken, nur der Sicherheit wegen und nach und nach alle Gesellschaftlichen Strukturen, die schon teilweise durchzogen sind, in Gänze zu übernehmen."
"Beweise?"
"Schaut dort hin."
"Auf den kaputten Fernseher?"
"Genau, wartet ungefähr eine Sekunde. Seht Ihr jetzt."
"Was läuft denn jetzt für ein Film ab?"
"Wundersam, wie hat Sie das gemacht? Was ist das?"
"Die Zukunft."
"Wie, die Zukunft? Welche Zukunft?"
"Eine. Eine Zukunft die kommen wird, wenn Sie meinen, meine Aussagen seien falsch."
Panzer fahren, eine wundersame Flagge weht, Flugzeuge zischen vorbei, Soldaten in üni farbiger Uniform marschieren strammen Schrittes vorbei, Armbinden, das Volk jubelt, ‚Heil‚ Heil, Heil', eine ominöse, etwas ältere Gestalt in strenger Kleidung, gepflegtem Äußeren, betritt ein Podium und spricht in lauten klaren Worten, ‚Und schaut, was aus uns geworden ist? Sind wir nicht wieder da, auf dem Parkett der Großen, dort, wo wir all die Jahre hingehörten? Und hat nicht jeder willige Bürger einen Arbeitsplatz erhalten, haben wir nicht die schönsten Städte, sind wir nicht die reichste Nation der Welt? Und warum, weil wir alle fleißig sind, fleißiger als der ganze Rest der Menschheit, weil wir Ruhe und Ordnung geschaffen haben, weil wir unser Leben nicht mehr von Außen bestimmen lassen, soll der Rest der Menschheit doch verhungern, an unseren Mauern kratzen und winseln, wir werden sie dort lassen wo sie sind, draußen, dort wo sie hingehören!", Heilrufe, freudestrahlend, leicht dumpf dreinblickende Menschenmassen, die scheinbar jedes Wort des Redners ihm von den Lippen rissen.
"Und, was sagen Sie?"
"Das ist ein Trick."
"Sie glauben mir nicht, glauben Sie nicht, dass ich Macht habe, mehr Macht als Sie sich in Ihren kühnsten Träumen vorstellen könnten."
"Wozu dann uns, realistisch betrachtet, wir sind eine kleine unbedeutende Gruppe, was könnten wir tun, wenn Sie doch so mächtig sind, was Sie alleine nicht könnten."
"Ich werde Euch stark machen, ich kann mich nicht um alles kümmern, aber ich gebe Euch zumindest einen Anfang, eine Startmöglichkeit, und wenn Ihr tut was ich sage, dann wird dieses eben gezeigte Szenario nie Wirklichkeit werden. Was ist nun? Kann ich anfangen, oder muss ich mir jemanden Anderes suchen, dessen Ideen ich verwirklichen kann?"
"Was meinen Sie wer Sie sind, eine Göttin?", spotte nicht.
"Sie sagen es."
"Ich glaube, Sie sind größenwahnsinnig, aber was soll es, wir haben schon ganz andere in unsere Gruppe hereingelassen, da kommt es auf eine Göttin mehr oder weniger auch nicht an. Also gut, legen Sie los. Womit überhaupt?"
"Sie machen Ihrem Namen alle Ehre, Thomas, in den nächsten Tagen werden Sie von einigen Personen angesprochen, reden Sie mit Ihnen, und versuchen Sie diese in die Gruppe zu integrieren. Ich melde mich dann wieder, so dass wir alle weiteren Projekte planen können."
"Wo kann ich Sie erreichen."
"Nirgendwo."

33. Kapitel Magie

Des Nachts, wenn der Mond scheint, ich weiß, ich wiederhole mich, aber es ist nun mal die schönste Tageszeit, sitze ich gerne irgendwo im Freien und Plane, Denke, Erforsche meine Macht, die scheinbar unaufhörlich in mir wächst. Sie wächst, aber mir geht es zu langsam, und dies gibt mir genug Grund andere Mittel und Wege zu suchen, die ich nutzen kann. Hier und da, in der minderwertigen menschlichen Literatur, stehen sogar interessante Dinge, so kam ich zu diesem Ort, der scheinbar ein Tor darstellt, ein Tor zwischen der Macht von meinesgleichen und diesem elendigen Ort, von dem ich weder wegkomme noch so ist wie ich es will, es kann aber nicht mehr lange dauern. So haben in den letzten Tagen einige dieser ortsansässigen Arbeitslosen, für einen kleinen Lohn versteht sich, angeheuert und unter Zuhilfenahme einiger Gerätschaften diese Stätte wieder aufgebaut, die Steine in die richtige Position gestellt, die über Jahrhunderte, sogar teilweise Jahrtausende von ihren Plätzen entfernt worden waren, nur um das Tor zu schließen. Diese Zeit habe ich sinnvoll genutzt, sinnvolle Forschungen betrieben, die mir die genaue Funktionsweise erläutern sollten, die ich natürlich auch mit einigem Nachdenken, aber eben nicht in der schnelle der Zeit hätte entdecken können. So wartete ich, mehr das die menschlichen Arbeiter ihren Dienst erfüllten, und es kam der Tag, da sie es endlich schafften, alle Steine stehen an ihren Plätzen, so wie ein alter weiser Gott wohl vor etlichen Jahrtausenden bestimmt hatte. Sie begruben früher Ihre Krieger hier, feierten Feste zu Ehre der Jahreszeiten, der Sonne, bald werden sie Feste für mich feiern, und für sie selber, ihr Abschiedsfest, das Abschiedsfest des Menschen vom Planeten Erde, aus dem gesamten Universum.
Ich stehe hier, in der Mitte dieses Kreises, Fackeln um mich herum die ihr dämmriges Licht in die Welt werfen, welches ein paar Meter weit kommt, um dann von der Dunkelheit verschluckt zu werden. Ruhiges Knistern des Feuers, wenn es etwas höheres als uns gibt, etwas aus dem die Götter ihre Macht beziehen, so ist hier eine Schnittstelle zwischen dieser Welt und der Welt der Macht, nach deren Besuch ich unendlich Groß werde. Ich werde mehr werden, mehr als alle anderen Götter, ich werde die Göttin der Götter, die Oberste, die Einzige.
"So höre mich an, Macht, die Du immer warst und immer sein wirst, die schon war als es keinen Gott gab, und die da ist, wenn nichts mehr ist, die Du außerhalb der Welt stehst, und doch die Welt, das Universum bist, die durch alle Dimensionen und Zeiten war, ist und sein wird, auf Ewig. Höre Deine ergebene Dienerin, die hier steht um Dich zu schauen, und nur ein Blick von mir auf Dich, und ich werde sein ewig, wie Du, ich werde werden, eins sein mit Dir, Du, der von keinem Menschen je gesehen warst, die mehr ist als alles, erhöre mich, mach aus mir, was ich werden soll, mache, was mir bestimmt ist."
Schweigen, Stille, die Fackeln brennen vor sich hin, soll alles umsonst gewesen sein? Soll alles für nichts gewesen sein, war es der falsche Text, ist es der falsche Moment, bin ich zu unwichtig für die Macht, die allgegenwärtig unsichtbare Macht, die alles schafft und alles vernichtet, so wie es bestimmt ist?
"Bin ich zu unwürdig?"
"Ich glaube nicht."
"Wer bist Du, was willst Du?"
"Du stellst Fragen, so viele wie die Menschen und verachtest sie ihrer Neugier?"
"Was willst Du hier, verschwinde, oder ich vernichte Dich, dicker Mann."
"Was hast Du erwartet, Lichter, Spektakel, dunkle Musik, Blitze zuckend vom Himmel fallend, den Untergang der Menschheit, nur weil wir auftauchen? Wir waren schon immer hier, ich stand schon bei Deiner Geburt neben Dir, während Deiner Schulzeit, betrachtete mit Wohlwollen Dein Wachstum und genauso heute stehe ich hier, und frage mich was Du hier versuchst?"
"Du bist die Macht?"
"Nein, ich bin nur ein Teil. Wir sind die Macht, ich bin nur ein klitzekleiner Bestandteil dieser, und würdig genug, sie hier auf Erden zu vertreten, ich bin nur ein Teilbild von Allem."
Wenn Du mich fragst ein ziemlich dickes Teilbild.
"Ich höre jeden Deiner Gedanken, aber seit wann sind Dir menschliche Formen wichtig, seid wann sind sie relevant, ich dachte Du wolltest sie ausrotten, alle Menschen, und ich stehe in genau dieser Form vor Dir, eben wie ein Mensch."
"Habt Ihr was dagegen."
"Im Gegenteil, Du tust was Du tust, und genau das ist es, was geschehen wird. Wir beachten Dich schon einige Zeit, es kommt nicht häufig vor, das zwei Götter zur selben Zeit geboren werden, auf ein und demselben Planeten."
"Es gibt mehr."
"Es gibt unendlich, so unendlich wie unsere Macht ist, so unendlich ist die Vielfalt, und ob Du sie schauen wirst, es ist eine Frage, die nur Du alleine beantworten kannst."
"Macht, was ist mit der Macht um die ich bat."
"Du sollst Macht kriegen, noch früh genug, doch jetzt gehe, und tue was zu tun ist."
"Aber.."
"Kein ‚Aber', gehe, und bedenke, heute hast Du nicht das letzte Wort."
Komischer Kauz, wer das wohl war, aber ich spürte genau, das er Macht hatte. Vielleicht sollte ich mal überlegen, ob er nicht bereit wäre einen Teil seiner Macht mit mir zu teilen? Vielleicht mehr als er es will und geplant hat?

34. Kapitel Attentat

"So, alle zusammen?"
"Ja, so wie Sie es wünschten. Es ist beachtlich, wir haben in den letzten drei Tagen zehn neue Mitkämpfer erhalten, und ich hatte Kontakt zu zwei weiteren Gruppierungen, mit denen ich die Information teilte. Es hat begonnen, sie warten alle nur noch auf das Startsignal, wann und wo wir gegen die Faschisten losgehen sollen."
"Gut, da können wir ja anfangen, beginnen mit dem Kampf gegen die Rechten. Als erstes müssen wir einige Bombenattentate begehen, gibt zwar eine schlechte Presse, aber die kriegen wir auch noch auf unsere Seite, und zur Not kümmern wir uns später um die faschoid unterlaufenen Sprachorgane. Die Bomben bauen wir hier, mit Zeitzünder, unter den neuen sind zwei Experten, alles geprüft, dann geht es gegen die Politik und die Arbeitgeber, beide sind schon stark infiltriert, hier müssen wir das schlechte herausbrenne, die Geschwulst heraussprengen, um dem Guten eine Chance zum Überleben zu geben."
"Wer sind unsere ersten Opfer? Wen sollen wir uns holen?"
"Genaue Instruktionen findet Ihr in den Umschlägen, jeder soll nur soviel wissen, wie es unbedingt notwendig ist, keiner soll alles wissen, damit können wir den Verrat einschränken."
"Wer sollte uns schon verraten?"
"Keiner, wer das tut, wird mit seinem Leben bezahlen, und wenn er uns nur an seine Großmutter verrät. Also, für jeden gibt es hier einen Umschlag, der mit seinem Kürzel gekennzeichnet ist, Ihr sprecht nicht darüber und eßt sie auf, sobald Ihr sie gelesen habt, und wisst, was jeder zu tun hat."
"Aufessen, wie in einem schlechten Bond-Film?"
"Es ist mir egal wie das aussieht, Hauptsache, Ihr vernichtet die Zettel auf ewig, so dass keine Beweise da sind."
"Soweit so gut, und wann hören wir von Dir?"
"Bald, sehr bald."

35. Kapitel Kapital

Pseudointellektuelles Dreckspack, dies würde ich ihnen gerne sagen, doch zur Zeit brauche ich sie noch, die kleinen reichen Bazillen, die für mich einen weiteren Schlag führen, gut es geht auch gegen sie, niemand würde sich selber schlagen, aber sie wissen nicht und haben keine Ahnung von meinen Plänen. Ein altes Diktatorsprichwort sagt, gib ihnen, wonach ihnen verlangt, und sie geben dir alles, was du willst.
"Liebe Freunde, heute hier auf dem Jahrestreffen der Unternehmer, wollen und müssen wir ein Thema anschneiden, welches vielen auf der Seele brennt, wir müssen reden über unsere Arbeitnehmer und über die Verantwortung für dieses unser Land, und im globalen Zusammenhang gesehen, für unsere Bündnispartner und Freunde in der ganzen Welt. Immer wird von der Verantwortung der Arbeitgeber, der Unternehmer, der Reichen gesprochen. Dabei wird nie einkalkuliert, dass wir nicht die Mehrheit in unserem Lande sind, nicht mit eingeschätzt, wie viel Macht und Potential doch auf der Seite der Arbeitnehmer, unserer Arbeiter und Angestellten liegt, und wie sie dies, teilweise schamlos, manchmal aus Unwissenheit ausnutzen. Die Gewerkschaften sitzen uns oft genug im Nacken, worum es auch immer gehen mag, selber immer die Hände offenhaltend, beschwerend sich über die Verhältnisse äußernd und neben Investitionen für Sicherheit und Zukunft noch neue Arbeitsplätze fordernd. Da schauen wir verstört in andere Länder und müssen feststellen, dort gibt es nicht diese Gesetzesflut, nicht diesen Druck der Arbeitnehmer, nicht diesen Ökologiewahn. Heute ist eine Firma, die Kunststoffe herstellt, ja schon ein Verbrecherkartell, und Energieerzeuger potentielle Menschenvernichter, mit was, meine sehr geehrten Damen und Herren werden wir nicht alles verglichen? Die Mafia ist dabei noch das Harmloseste, was so gesagt wird. Schon bald werden es aber nicht nur Schimpfworte sein, die auf uns Niederprasseln, sie werden wieder auf die Straßen gehen, mehr Geld, mehr Arbeit, mehr von Allem fordern, und wir müssen nachgeben, setzen uns an einen Tisch mit ihnen und versuchen ‚gute Kompromisse' herzustellen, bei denen einzig und alleine Wir die Verlierer sind, und niemand sonst. So meine Damen und Herren, so darf es nicht weitergehen. Deshalb müssen wir endlich sagen, es ist Schluss, wenn ihr mehr Geld verdienen wollt, dann tut auch mehr, für weniger tun mehr zu verlangen, dies ist kein naturgegebenes Gesetz, und so ist es auch nicht unsere Pflicht, immer wieder aufs neue klein beizugeben, sondern zu sehen, wo wir bleiben, wenn der Staat die Steuern anzieht, die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen mehr Geld verlangen und die Umweltschützer nach immer neuen Möglichkeiten suchen, uns bluten zu lassen. Wir wollen nicht länger die Armut anderer finanzieren, wir wollen das Geld in unsere Unternehmen stecken, um dann, und ich sage betont dann, Arbeit zu schaffen für alle Menschen in unserem Lande. Solange wir aber leere Kassen haben, solange können wir nicht investieren und da sage ich, lassen Wir es sein, hören Wir endlich auf mit dem Nachgeben vor der ganzen Welt, lasst uns endlich zusammenstehen und sagen‚ dass Wir, die Unternehmen, so nicht mehr wollen. Wir wollen wieder gutes Geld verdienen, weil Wir auch gute Arbeit leisten, wollen stark und mächtig im internationalen Vergleich werden und nicht von allen belächelt werden unserer Fesseln, die Uns die Gesellschaft anlegt, und haben Wir eine abgestriffen, so legen sie uns fünf neue dafür an. Lasst Uns Schlußmachen mit diesem Verfahren, ich bin dafür, sofort alle Löhne einzufrieren und dem Staat ein Ultimatum zur Steuersenkung zu stellen, dass wir noch heute beschließen sollten, damit sie endlich merken, wie ernst es uns ist."
Ein gefeierter Auftritt vor der Arbeitgeberversammlung, tosender Applaus durchzieht meine Rede, unbeirrt spreche ich den vorbereiteten Text, und er scheint zu wirken. Alleine wäre er vielleicht etwas schwachbrüstig, doch ich bin die Tochter meines Vaters, und wenn ich auch nicht viel von ihm habe, so kann ich schon ziemlich gut den menschlichen Willen beeinflussen.
"Und somit sage ich Uns, sollen sie doch kommen, sie brauchen Uns, nicht wir sie. Und wenn sie demonstrieren, so denke ich, ist Aussperrung ein legitimes Mittel, und zur Not die Entlassung als Recht des Arbeitgebers, um neue motivierte Kräfte einzustellen. Gewinnmaximierung, das muss unser Ziel sein, nicht möglichst nett und fair sein, lieb waren Wir lange genug, verlangen Wir, was Uns zusteht, dies ist bestimmt nicht zuviel!"

36. Kapitel Freundschaft

Der Abend war erfolgreich, die Pläne laufen gut an, alles ist vorbereitet, während er an mir vorbei geht ohne mich genauer zu beachten, ich merke seinen Blick, wie er über mich wandert um direkt wieder in die Ferne zu schweifen, das Rattern der Räder in seinem Kopf, sein Denkzentrum beginnt zu arbeiten, äußerst selten, aber hier und da kann es sogar noch losgehen, ohne das sein bestes Stück gleich mit betroffen ist, meist denkt dieses sowieso alleine und der Kopf ist nur Zierde.
"Entschuldigung?", ich verharre, warum konnte er nicht einfach vorbeigehen, warum muss diese menschliche Seite in mir wieder anfangen zu schreien, warum gerade jetzt? "Kennen wir uns nicht?"
"Ja, wir kennen uns."
"Ja sicher, Du bist es, lange nicht gesehen, wie geht es Dir, was machst Du so?", sogar meinen Namen hat er schon vergessen, aber was sind schon Namen, Schall und Rauch in einer sterbenden Welt, warum sollen dann nicht auch Namen sterben, ich hatte sowieso noch nie ein gutes Namensgedächtnis, ich hatte schon Probleme beim Auswendiglernen des Telefonbuchs einer mittelgroßen Kleinstadt.
"Gut, danke der Nachfrage. Und selber?"
"Muss, muss.", lachen, ich grinse ihn verachtend an, "Spaß bei Seite, was machst Du so, bist damals ja ziemlich abrupt aus der Schule verschwunden."
"Tja, mir war so danach."
"Und jetzt, was machst Du so, hast Du einen Job?"
"Kann man so sagen, ich vernichte gerade die Welt.", ungläubiger Blick, "Na ja, besser gesagt, ich habe damit begonnen die Menschheit auszurotten. Wenn Du das als Job bezeichnen würdest, dann habe ich einen."
"Was, Du willst die Welt vernichten?"
"Ja, richtig verstanden, Du bist ja ein richtiger Schnellmerker geworden, so schnell warst Du damals in der Schule nicht, und schon mal gar nicht in meiner Hinsicht?"
"Auf was willst Du hinaus? Meinst Du etwa die alte Geschichte, hast Du das immer noch nicht verarbeitet? Ich gebe zu, war nicht ganz fair von mir, aber so ist das Leben."
"Genau, so ist das Leben, solange es dieses noch gibt."
"Du solltest Dich mal behandeln lassen, leicht paranoide Wahnvorstellungen, ich glaube ich sollte besser gehen."
"Das wirst Du nicht, ich bin noch nicht mit Dir fertig, Du bleibst genau dort stehen, weil ich es so will. Du glaubst wohl weil Du ein toller Hecht bist, weil alle Mädchen in der Schule auf Dich abfahren, weil Du ja so cool bist, genau deswegen könntest Du mit Ihnen alles machen, doch glaube mir, Deine Zeit ist vorbei, Du wirst leiden, bis zu Deinem jähen Tod, Du wirst Dich freuen, wenn der hässlichste Junge auf der Schule Dir noch einen Körperteil anbietet, denn niemand wird Dich mehr anschauen wollen, wenn ich mit Dir fertig bin?"
"Das tue ich mir nicht länger an, mach was Du willst, aber meines Erachtens solltest Du Dich einliefern lassen. He, was soll das, warum kann ich mich nicht mehr bewegen?"
"Sagte ich nicht, Du bewegst Dich erst wieder, wenn ich das will."
Stille und Schweigen, ich sehe wie er versucht sich zu bewegen, sein Körper ihm aber meldet, alles tot, unterhalb der Gürtellinie.
"Wie war das denn noch gleich, wie hieß die kleine miese Schlampe, mit der Du meintest mich betrügen zu müssen?", sein angsterfüllter Blick ekelt mich an, zu feige um zu Sterben, zu dumm um zu Leben.
"Claudia."
"Richtig, Claudia. War bestimmt ein verdammt hübsches Mädchen, oder? Hübscher als ich?"
"Weiß nicht? Was soll das alles hier?"
"Sprach ich davon, Du hättest das Recht, Fragen zu stellen? Gab ich Dir die Erlaubnis dazu?"
"Ich glaube nicht, aber trotzdem.."
"Es gibt kein trotzdem! Spürst Du, wie sich Deine Jacke langsam zuschnürt, und Dir Deinen Oberkörper zusammendrückt, vielleicht lehrt Dich das, freundlicher zu jungen Damen zu sein. Du wunderst Dich vielleicht, dass Dich niemand bemerkt, Dich niemand sieht."
Seine Blicke wandern, ich höre die Worte, die er gerne sagen würde, ‚Aber hier ist doch auch niemand.', doch heraus kommt nur ein schüchternes Kopfnicken, ich nehme dies als Antwort zur Kenntnis, er kann so richtig süß sein, wenn er seinen Mund hält.
"Es liegt nicht daran, dass hier niemand ist, sondern dass Du zu unwichtig bist, auch wenn Du Dich immer für etwas ganz besonderes hieltest, Du bist es nicht würdig den Morgenurin einer Riesenamöbe zu trinken, ich habe tolle Vergleiche, oder?"
"Ein ganz toller Vergleich.", krächzend der Luft, die ihm so sehr fehlt, seitdem seine Kleidung meint, wie bei neunzig Grad in der Waschmaschine einlaufen zu müssen, direkt an seinem Körper.
"Was sagt eigentlich Dein Unterleib dazu, ich meine, fühlt er sich noch wohl, wo die Hose droht ihn schließlich und endlich kaputt zu drücken? Nie wieder Sex, wäre das eine angemessene Strafe für Dich, dazu noch hässlich wie die Nacht? Nein, ich bin ja kein Monster, ich will Dich nicht leiden sehen, und Du würdest leiden, wenn ich mit Dir fertig bin. Mein Vater, ja der würde so handeln und Dich noch jeden Tag besuchen kommen, um mit Dir einen Kaffee zu trinken und nett zu plaudern, aber ich habe kein Interesse an Leid, ich will kein Elend mehr sehen, und Dich, Du bist das größte Elend, schon überhaupt nicht mehr."
"Warum, gehen..", er scheint doch wirklich schon ohnmächtig werden zu wollen, Schwächling, und diesen jungen Herrn fand ich mal begehrenswert, lächerlich.
"Warum die Kleidung nicht kaputt geht, möchtest Du wissen? Nun gut, es ist Magie. Es ist meine Magie, meine Kraft, Du hast mir weh getan, ich tue Dir weh, nicht soviel, aber Auge um Auge, Zahn um Zahn, so wie Du mein Herz brachst, werde ich jetzt Deins brechen, und den ganzen Körper, alle Knochen, alle Sehnen reißen gleich mit."
"Du bist verrückt!", seine Hände sind bereits angeschwollen, soviel Blut hat sich in Ihnen gesammelt, doch sie werden nicht zu bluten beginnen, weil ich es so will. Sein Kopf scheint unglaublich groß zu werden, vielleicht wird sein, doch so gut trainierter Körper einfach nur immer schmächtiger.
"Du meinst ich sei verrückt, wirklich verrückt? Ich bin es nicht, ich will nur Rache, dies mag zwar menschlich sein, aber warum sollen Götter nicht auch menschliche Züge teilen, zumindest solange es noch Menschen gibt. Ab dann, können wir sein wie wir sein wollen, ohne von Euch durch eine Bewertungsskala in Schubladen eingeteilt zu werden, ‚Oh, die ist aber eine böse Göttin, die hilft uns armen Menschen überhaupt nicht, und das, das ist ein Guter Gott, den lieben wir, weil er so nett zu uns ist und uns Geschenke gibt!', wir wollen nicht mehr von Euch beachtet, katalogisiert und eingeteilt werden, wir hassen es, so von Euch behandelt zu werden. Ihr Menschen macht es Euch wirklich einfach, so richtig leicht, teilt ein in Gut und Böse, ich mache da aber nicht länger mit!"
"Was hab ich damit zu tun?", eine letzte krächzende Frage.
"Was Du damit zu tun hast? Wenn ich so richtig bedenke, Nichts. Wo die Liebe hinfällt, sollte man feste drauftreten.", sein Kopf platzt.

37. Kapitel Macht

"Sie sind wieder da, endlich. Wissen Sie schon, die Panzerlieferung ist durch, wir haben es geschafft, so wie Sie gewollt haben."
"Sicher, eine großartige Leistung Ihrerseits, Herr Innenminister, doch nun kommen wir zu wichtigeren Dingen."
"Welchen, was haben wir nun vor. Komm, weihen Sie mich ein, wie werden wir unser Ziel erreichen?"
"Sie sollen noch nicht alles wissen, doch eins vorweg, dieses Ziel ist natürlich nicht mal eben zu erreichen, es bedarf einer großen Anstrengung, und viel Leid, bis wir soweit sind. Sind Sie dazu bereit?"
"Wie viel Leid?"
"Sehr viel! Sie glauben nicht, wie tief die Menschen sinken müssen, wie viel Elend erst notwendig ist, um sie zum Denken zu bewegen, um sie endlich zur Vernunft zu bringen. So haben Sie eine der wichtigsten Aufgaben. Lassen Sie alle Beziehungen spielen, greifen Sie hart ein, pochen Sie in Ihrer Partei auf eine strikte und restriktive Innenpolitik. In nächster Zeit werden einige unserer Feinde zum Angriff übergehen, sie werden versuchen das Land in ein Chaos zu stürzen, dem dürfen wir nicht nachgeben, in keiner Weise. Bitte benachrichtigen Sie alle Ihre Freunde und Parteigenossen, wir brauchen jetzt einen harten Kurs, um das komplette Chaos abzuwenden."
"Ja, aber sagten Sie nicht, wir würden Chaos benötigen?"
"Sicher, aber nicht diese Extremisten sollen die Macht übernehmen, wir wollen das doch, oder liege ich damit falsch?"
"Nein, überhaupt nicht, wir werden die Macht übernehmen, das hört sich gut an. Was wird eigentlich aus der Demokratie?"
"Demokratie ist wichtig.", jeder Mensch darf entscheiden, wie er stirbt, Strick, Kugel oder Bombe.
"Sie wird es weiter geben?"
"Sicher, besser und stärker als je zuvor, nicht so eine verweichlichte unterwanderte Variante, nein, wir globalisieren die ganze Sache und haben am Ende einen Weltstaat, in dem alle Menschen die gleichen Rechte und Pflichten haben, alle Menschen, welcher Hautfarbe, welcher Religion, welcher Herkunft werden gleich sein."
"Das hört sich unglaublich gut an."
"Sehen Sie, und Sie werden sagen können, Sie waren dabei. Ich kann mich auf Sie verlassen, Sie werden sich darum kümmern, es wird eine harte Zeit, die nächsten Wochen."
"Aber?"
"Was für ein ‚Aber'? Glauben Sie mir nicht, Vertrauen Sie mir nicht? Was soll ich tun, damit Sie mit mir Optimistisch in die Zukunft blicken, damit Sie Glauben?"
"Vielleicht sagen Sie mir, wer Sie wirklich sind? Wenigstens eine Andeutung."
Ein kurzer Zeig Richtung oben, ein freundliches zuverlässig wirkendes Lächeln macht mehr als tausend Worte, eine nette Geste lässt soviel Spielraum.
"Und genauer?"
"Sie wollten eine Andeutung, und jetzt wollen Sie es genauer? Hätten Sie es mal direkt gesagt, doch jetzt ist es leider zu spät."
"Sie kommen von oben?" Von wo dort? Das ist doch irgendwie, wie soll ich es sagen, etwas unrealistisch."
"Schauen Sie meine Macht, siehe sie, schauen Sie mir tief in die Augen, was ist dort zu sehen?"
"Feuer.", apathisch in meine Augen starrend, schau tiefer, du willst bestimmt mehr sehen.
"Richtig, das Feuer des Lebens, das Feuer der Macht, spüren Sie es, merken Sie, wie warm es Ihnen im Herzen wird, wie kalt Ihnen die Haut wird, ich komme daher, woher das Leben kommt, ich bin das Leben und der Tod, es ist die Macht in mir, die mich auserwählt hat. Und ich lasse Sie daran teilhaben, einen Menschen, ein einfacher Mensch, einer meiner Jünger, die mir folgen und mich unterstützen auf meinem schwierigen Weg, die Welt ins Gute zu führen, sie zur Vernunft zu bringen. Ist dies genug für den Anfang."
"Sie sind eine Göttin."
"Wenn Sie es sagen. Selig die Sehn und Glauben. Um wie viel seliger sind aber die, die nicht sehen und dennoch glauben."

38. Kapitel Rechts

Ein kleiner Raum im Hause des alten Herrn, anwesend die wichtigsten Mitglieder seiner Gruppierung, in wartender Stellung, zwischen Hoffen und Skepsis, stehen Sie in dem Zimmer herum und warten auf das was kommt. Scheinbar hatte der alte Mann ihnen nicht allzu viel gesagt, sie scheinen nicht so ganz zu wissen worum es geht. Ich habe aber keinen spektakulären Auftritt vor und gehe deshalb zur Türe und schelle, dreimal, wie es ihr Zeichen ist. Eine richtig tolle Erfindung, kann eigentlich ja auch keiner darauf kommen, nicht mal durch stupides ausprobieren. Der alte Herr öffnet die Türe, stiert mich kurz an, bittet mich herein und führt mich in den Raum. Die Vorhänge sind zugezogen, als wenn wir uns verstecken müssten.
Ich merke einige Blicke, die über mich kommen wie ein Rudel Hyänen, einige wohlwollend, manche väterlich, doch mit einer Frau hatte wohl keiner so richtig gerechnet.
"Dies ist die, von der ich Euch erzählt hatte."
"Das ist eine Frau, ein Weib! Und sie soll uns anführen?"
"Schweig still, oder willst Du etwa meine Autorität in Frage stellen?", netter alter Herr, er ist ein wahrer Ehrenmann.
"Nein, aber das ist ein Weib!"
"Verzeihe ihm, dieser junge Herr ist noch wenig dumm. Er ist für die Sicherheit zuständig, und davon versteht er einiges, aber von Benehmen hat er leider noch nicht viel Ahnung. Und jetzt schweig still, höre erst mal was sie zu sagen hat, dann wirst Du Deine Meinung schon ändern."
Gemurmel, verstummt.
"Also Freunde, ich bin hier, um Euch zu sagen, wie es weitergehen soll, weitergehen in dem Kampf für unser Recht, unser Recht, das zu sein und so zu leben wie wir es für richtig halten. Ich denke, da verlangt keiner von Uns mehr als ihm zusteht. In jedem anderen Land der Welt haben die das sagen, die die Mehrheit haben, nur bei Uns, bei Uns darf jeder seinen Mund aufmachen und erzählen was er will, und nicht nur erzählen dürfen sie, nein, sie müssen sogar noch akzeptiert werden. Ob es Linke Kräfte sind, die tagtäglich den Versuch starten dieses Land ins Chaos zu führen und an unsere Feinde mit vollen Händen zu verschenken, oder ob es Homosexuelle und andere pervertiert-sexbesessene Menschen sind, die jedweder Menschlichkeit den Rücken kehren und nichts mit unserem Volk zu tun haben wollen, die aber auf Kosten unserer Arbeit und Mühe existieren, oder vielleicht die ganzen faulen Parasiten, die den wirklich willigen Bürgern unseres Landes die Arbeit wegnehmen, oder die Presse, die in Radio und Fernsehen, in den Zeitschriften und Zeitungen über Verrohung der Sitten berichten, obwohl doch gerade sie dafür verantwortlich sind.", ich merke wie ich mich herein steigere, die Männer und wenigen Frauen um mich herum scheinen beeindruckt, sie applaudieren teilweise, positive Zwischenrufe, hier und da ein anerkennendes ‚Ja, da hat Sie Recht!'.
"So frage ich Euch, wie lange sollen wir das noch auf Uns sitzen lassen, wie lange schauen Wir zu, warten Wir etwa, bis sie uns verkauft haben, verschachert, oder greifen wir langsam ein und tun etwas dagegen, wehren uns und rütteln unser Volk auf. Was bringt uns die Globalisierung denn, wenn wir dabei unsere Identität verlieren, was bringt sie, wenn Unsere Arbeit plötzlich nichts mehr Wert sein soll? Ich frage Euch, seid Ihr bereit Unsere Mittel zu bündeln, so dass wir losschlagen können, kämpfen für Unser Recht auf Selbstbestimmung, Unser Recht auf eine eigene Identität, Unser Recht auf Arbeit. Jemand sagte mal ‚Arbeit macht frei', doch ich sage Euch, Arbeitslos macht höchstens einen leeren Magen!"
‚Richtig!', ‚Sie hat Recht!' Rufe schallen durch den Saal, die meisten Älteren scheinen beeindruckt, aber gerade einige Jünger scheinen nicht ganz überzeugt von meiner Führungsqualität, hier habe ich noch einiges zu erledigen.
"Was soll das alles, ist zwar ´ne klasse Rede, aber worauf willste eigentlich hinaus, ist das nicht ne alte Schüssel nur neu verpackt?"
"Ich denke, dass Werte sich nicht ändern, nur weil wir Buntfernsehen und Internet haben, was richtig ist, kann auch richtig bleiben, nicht alleine die Zeit ändert hieran etwas, hieran können nur die Menschen etwas ändern, und ich glaube das wir an den Werten vorerst nichts berichtigen müssen. Wenn Du jedoch nur denkst, weil ich eine Frau bin, wäre ich nicht in der Lage kluge Gedanken zu haben und Euch zu einem Sieg zu führen, so muss ich scheinbar doch etwas an alten Werten ändern, da ist ein alter Zopf zu trennen, denn die Gleichberechtigung ist eines der Rechte, die ich mit Wehemens unterstütze. Warum solltest auch Du, wo Du unsere Muttersprache kaum korrekt beherrschst, denn mehr Wert sein als ich?"
Gelächter in der Runde, ‚Da hat Sie Recht!' Kommentare, ‚Du kannst doch wirklich keinen geraden Satz sprechen, Lachen, Freude, freut Euch, solange es noch geht.
"Doch in einem Punkt muss ich Dir Recht geben, Ihr sollt erfahren wie mein Plan lautet, denn Ihr seid es, die dies vor Ort Unseren Kameraden erklären müsst. Wir haben ein Problem, und dass ist die Presse. Die Presseorgane, von Linksradikalen unterwandert, sind leider nicht auf unserer Seite, und somit müssen wir schauen, dass sie ein neues Feindbild erhalten, die Linken. Für das Erste müssen wir also dafür Sorge tragen, dass diese in einem schlechten Licht dastehen, und wir in einem Guten. Dies geht leider nur über folgenden Weg, wir müssen sie unauffällig provozieren, sie dazu bringen auf uns Los zu gehen, wir hingegen müssen schauen, dass wir als beste Staatsbürger, die nur Ihren Rechten nachgehen, gesehen werden. Deswegen fangen wir an mit Demonstrationen, solidarisieren uns mit den Arbeitnehmern, treten ein für die deutsche Wirtschaft, müssen Kompetenz und Lösungsansätze jeweils der Parolen bieten. Haltet Euch jedoch zurück, vorerst wollen wir nur Demonstrieren, sie sollen zuschlagen, auf das wir einen Grund bekommen, zurückzuschlagen, und dieser Tag wird kommen, in nicht all zu ferner Zukunft. Und nach den extremen Linken schicken wir die gemäßigten in die Wüste, und danach die, die neben uns stehen wollen, aber nur Verräter an Unserer Sache sind."
Gemurmel, teilweise Unverständnis, bejahende Kommentare, kleine diskutierende Grüppchen.
"Du meinst also, wir lassen uns so einfach von die Linken die Fresse einschlagen?"
"Nicht einfach, ich habe nie gesagt, dass dies einfach ist, doch in welchem Licht stehen wir dann da? Ich will es Euch sagen, die Leute werden uns als gerecht ansehen, und Unser Bemühen um die Sache als gut, und das ist es worauf ich hinaus will. Was haben wir von drei bis fünf Prozent, wollen wir nicht fünfzig, ach was rede ich, neunzig Prozent? Und auf die restlichen zehn Prozent können wir dann in diesem Unserem schönen Land gut und gerne verzichten!"
‚So sei es', gepaart mit ‚Sieg' und ‚Heil'-Rufen, allgemeine Akzeptanz. Ich betrachte Sie lange langsam vorbeischreitend, gemächlich, nur einer scheint immer noch skeptisch, der Rest wird für mich kämpfen und sterben. Schade, er hätte auch noch gut und gerne ein paar Wochen für mich kämpfen können.
"Alfred, schickst Du mir diesen jungen Herrn gleich mal vor die Türe, ich glaube, ich muss mich mal mit ihm unterhalten."
"Kein Problem, aber gibt es irgendwelche?"
"Nein, ich glaube nur, ich müsste mal mit ihm reden, ich danke Dir."
Nur wenige Momente, nachdem ich die Türe geschlossen habe, öffnet sich diese und der junge Herr von der Sicherheit betritt den Innenhof.
"Ja, Sie wollten mich sprechen?"
"Du warst nicht gerade nett zu mir, scheinst meine Motive und Ziele in Frage zu stellen, findest Du das gut?"
"Ich weiß nicht, aber wenn Sie mich fragen wirkt das schon alles sehr komisch. Tauchen hier einfach auf und versprechen uns das Blaue vom Himmel, und wir sollen uns erst mal was vor die Omme kloppen lassen? Ich find das nun mal nich toll, wenn ich wat vor die Fresse krieg."
"Du hast es nicht verstanden, richtig? Bist Du so dumm, oder spielst Du ihn nur, den Trottel? Wenn Du ihn spielst, höre schnell auf damit, bevor ich es Dir abkaufe, ansonsten hast Du ein verdammt großes Problem."
"‚Problem', was denn für ein Problem, ich glaube Mutti, Dir sollte mal jemand zeigen wo die Fahne hängt?"
"Du kleine Faschistensau, Du glaubst, Du wärst besser als die anderen Menschen, das mag ja noch angehen, aber Du glaubst Du bist besser als ich. Es ist in Ordnung, dass Du sie hasst, doch stehe mir nicht im Weg herum, ich kann niemanden gebrauchen der Probleme macht. Leider geht es bei Dir nach dem Motto ‚Kopf ist leer, ich merk nichts mehr!', Du solltest schnellstmöglich anfangen mitzumachen, oder Du bist raus."
"Da hat Alfred ja doch wohl auch noch ein Wort mitzureden."
"Hat er das, schau mir tief in die Augen, siehst Du da irgendwo Alfred?"

39. Kapitel Leser

"Hast Du ein wenig Zeit für mich?"
Habe ich Dir nicht gesagt, Du sollst mich nicht nerven?
"Aber ich habe da ja nur so ein paar klitzekleine Fragen, dürfte ich die vielleicht loswerden?"
Nun gut, erwarte aber keine vielversprechenden Antworten, was auch immer Du erwartest.
"Was sollte die Sache mit dem Jungen? War er Dein Ex-Freund?"
Falsche Frage!
"Aber, was ist mit Dir, bist Du etwa nicht immer so gewesen wie Du heute bist?"
Es muss wohl eine Zeit gegeben haben, die sehr lange her zu sein scheint, da war ich fast menschlich. Das ist aber nun vergangen und wird Ihnen auch nichts helfen.
"Und warum?"
Warum ich so geworden bin? Ich glaube nicht das ich so geworden bin, ich glaube ich war schon immer so, habe eben nur gedacht, ich müsste mich anpassen, dabei sind es die Menschen, die sich anpassen müssen, nicht ich als Göttin.
"Finde ich etwas übertrieben."
Ach wirklich, das tust Du? Schön für Dich. Ich gebe Dir nur den Ratschlag, versuche möglichst schnell ein Gott zu werden, sonst wird es verdammt ungemütlich für Dich.
"Aber Du hast eine menschliche Form, und Deine Macht weggelassen bist Du eigentlich auch ein Mensch?"
Mit der menschlichen Form muss ich Dir Recht geben, bis auf ein paar kleine Änderungen am Aussehen kann ich noch nicht viel, eben noch nicht die komplette Gestalt ändern, aber was den Rest betrifft, da liegst Du ziemlich neben der Realität. Schau, ich werde noch bald eine Macht erhalten, von der ich selber noch nicht weiß, wie groß sie ist, nur das damit alles möglich ist. Und wenn ich will, schaffe ich mir eine neue Zivilisation, ohne den Menschen, nach meinem Bild.
"Also menschlich?"
Bild im übertragenen Sinne, ich werde bald diese Form verlassen haben, diese Hülle wird aufgehen in etwas höheres, und dann, wenn ich sehr gnädig bin, schaffe ich Wesen nach meinem Willen.
"Die tagtäglich um ihr Leben kämpfen und jemanden wie Dich anbeten müssen, als Größte aller Götter?"
Möglich, Du bist nicht so dumm wie Du ausschaust.
"Und was wird Dein Vater dazu sagen, er schien von Deiner Wahl nicht gerade begeistert, davon die Menschheit auszurotten. Ich glaube er hat Angst um seinen Arbeitsplatz."
Ich glaube seine Zeit ist gekommen, wie ein Mensch in Rente geht, so kann auch er sich jetzt zur Ruhe setzen, hat er sich mit Euch nicht genug herumgeplagt, wo Ihr immer versuchtet schön freundlich und lieb zu sein?
"Doch wir haben es nie geschafft, ich glaube, seine Aufgabe ist noch nicht erledigt."
Ich weiß, worauf Du hinaus willst, ich sehe es ganz genau. Du meinst, er sei eigentlich da die Menschen zum Guten zu treiben, nur seine Methoden sind etwas grotesk unverständlich. Doch ich versichere Dir, wenn er diese Absicht wirklich hat, so weiß er am allerwenigsten davon.
"Und er wird sich nicht einmischen?"
Er wird. Er wird es versuchen, und ich werden ihn daran hindern, denn seine Macht benötige ich nicht, ich werde sie direkter erhalten, daher, woher auch er sie hat, will ich nicht die Reste seiner Macht, frisch, unverbraucht und unbelastet wird sie sein. Es tut mir Leid, ich habe noch was zu erledigen. Wir unterhalten uns auf keinen Fall später weiter.

40. Kapitel Arbeit

"Der Appell der Arbeitgeber auf ihrer Jahrestagung hat Landesweit zu Aufruhr und Empörung geführt. Während der Konferenz ‚Die Zukunft der Unternehmer' wurde ein Beschluss zur vollständigen Einstellung jeglicher Gespräche mit den Arbeitnehmern und den Staatsorganen beschlossen. ‚Der Runde Tisch bleibt vorerst leer, bis der Staat und die Gewerkschaften endlich unseren Forderungen nachkommen.' war als Stellungsnahme vom Arbeitgeberpräsidenten zu erfahren. Für diese Zeitspanne wurde zusätzlich eine Lohneinfrierung sowie die Drohung von Aussperrungen bei Demonstrationen der Arbeitnehmer entschieden. Dies ist, so verlautet es in Regierungskreisen ein grober Verstoß gegen jegliche Richtlinien der Tarifpolitik. Hingegen solidarisierten sich Oppositionspolitiker mit den Arbeitgebern. Ihrer Meinung nach ist alleine die Steuer- und Innenpolitik der Regierung an diesem Dilemma schuld, hier sind ihres Erachtens dringend Nachbesserungen geboten. Ein Gespräch zwischen Regierung- und Arbeitgebervertretern, welches schon länger geplant war, wurde aber wegen des Beschlusses und der derzeit kritischen innenpolitischen Lage um einige Tage verschoben."
"Warum schauen wir uns das überhaupt an, und stehen noch nicht auf der Straße und errichten Barrikaden?"
"Ruhe, ich will den Bericht zu Ende hören, dann machen wir den Fernseher aus und gehen raus!"
"...so werden erste Krawalle aus dem Süden und dem Osten des Landes gemeldet. Die Polizei ging hart gegen die Randalierer vor. Einige Extremisten legten Brandsätze in öffentlichen Gebäuden. Die Polizei hat die Sicherheitsbedingungen verstärkt. Zugang zu öffentlichen Gebäuden erhält man vorerst nur gegen Vorlage des Ausweises und einer genauen Kontrolle. Mit weiteren Krawallen rechnen die Sicherheitsbehörden in den nächsten Tagen. Daher wurde der Ausnahmezustand, vorerst für die nächsten zwei Wochen, von der Regierung beschlossen. Verschärfte Polizeiaktionen im ganzen Landesgebiet sind zu erwarten. Die Bürger sind aufgefordert zu Hause zu bleiben und große Menschenansammlungen zu meiden und vermeiden."
Klick aus, ich habe genug gesehen, der Plan funktioniert, es läuft alles wie es soll. Nur noch einige Fäden, und ich habe meinen ersten großen Sieg.
"So, lass uns zu unseren Freunden gehen. Sie warten sicherlich schon gespannt, was wir jetzt tun wollen."
"Und, was wollen wir tun?"
"Lass Dich überraschen, ich habe schon eine genaue Vorstellung von dem Ganzen."
Zwanzig Schritte, genau gezählt, ich stehe vor zweiundsiebzig Personen, jeglichen Alters, Herkunft und Geschlecht, Abgründe menschlicher Zivilisation, von denen gewählt, die noch weiter unten stehen, öffnen sich vor mir. Ich schaue tief in all ihre Augen und sehe ihre Angst, die Angst, sie könnte hier umsonst stehen, sie könnten bald hier nicht mehr stehen, sie wissen, wo die Probleme liegen, doch keiner will es wahr haben.
"Genossen, Freunde, wie viel Jahrhunderte kämpfen wir jetzt schon für unsere Rechte, wie viel Schlachten haben wir geschlagen, wie viel Verfolgung und Leid mussten wir ertragen, aber wie viel Siege konnten wir erringen? Und genau dort stehen wir heute wieder, an einem Scheidepunkt der Geschichte, in der wir uns entscheiden können, ob wir uns von denen dort oben auf den Köpfen herumtrampeln lassen, oder ob wir uns wehren und kämpfen."
Jubel brandet auf, ‚Wir kämpfen!' Rufe schallen mir entgegen.
"Haben Wir nicht das Recht auf Arbeit? Und haben die Arbeitgeber das Recht diese Beschlüsse zu verabschieden, Lohnkürzung, Lohneinfrierung, Beendigung aller Gespräche? Haben Wir keine Rechte, kein Anrecht auf guten und ordentlichen Lohn? Ich sage Euch, Wir haben alles Recht der Welt, und nicht nur weil Wir die Vertreter von Millionen guter Arbeiter und Arbeiterinnen sind, nicht weil Wir seit hunderten von Jahren für die Rechte der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen kämpfen, nein, weil Wir die sind, die die dort oben erst dorthin gebracht haben, und sie scheinbar täglich immer mehr vergessen, wer für sie den Kopf hinhält, wer für sie Morgen für Morgen, Nacht für Nacht in den Hallen steht und die Produkte fertigt, die diese dann verkaufen können. Und was tun sie für uns, die Reichen, die Regierung? Sie tun nichts! Stopfen sich das Geld in ihre Taschen, unser Geld, was Wir erarbeitet haben, belügen, betrügen und hinterziehen, sie zahlen nicht die Steuern, so wie wir, sie nutzen die Schlupflöcher aus, die sie sich gegenseitig eröffnet haben."
Jubelrufe, Richtigschreie, Kampfgebrüll.
"Ich will ihre Leistung nicht herabwürdigen, sie sitzen nicht nur auf ihren fetten Hintern und trinken Schampus, doch sagen sie immer nur, Wir Arbeitnehmer seien ersetzbar. Hat einer der Bosse jemals sich einen Finger auch nur schmutzig gemacht? Hat einer von ihnen dort gestanden wo Ihr und ich tagtäglich stehen?"
Raunen geht durch die Menge, sage mir, was Du willst, die Menschen sind so leicht zu beeinflussen. Mein Vater jammert, sie seien zu eigensinnig, würden nur noch für sich kämpfen. Hier kämpfen sie nur für sich, aber eben in einer Gruppe, und was ist eine Gemeinschaft mehr als eine Gruppe von Egoisten mit gleichen Zielen. Jubel und Applaus brandet auf, als ich die Strahler auf das bisher im dunkeln verborgene Plakat hinter mir anschalte, worauf ein Bürger, eine Hausfrau und ein Arbeitnehmer zusammen abgebildet sind, der Slogan darüber, ‚Gemeinsam gegen die dort Oben!!!'. Sie fühlen sich zuhause, ein guter Einstand.
"Nein, keiner von denen steht dort! Ich sage Euch, Nicht ‚Wir' allein führen einen Kampf gegen die Oberen, alle in unserem Lande, die unten stehen, kämpfen gegen sie, und da sollten sie sich ziemlich in Acht nehmen vor uns, denn wir werden ihnen gehörig auf die Finger hauen!"
Begeisterung macht sich breit in der Gruppe, hier und da mehr als nur Zustimmung, euphorisches Entzücken.
"Es ist unsere Pflicht, unsere erste Bürgerpflicht, für eine gerechte Sache, nämlich unsere eigene Existenz und die aller arbeitenden und arbeitswilligen Menschen auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren."
Wie nah doch linke und rechte Thesen beieinander liegen, wenn es um ein Thema wie Arbeit geht. Es sind eben zwei Seiten, derselben Medaille.
"So lasst uns auf die Straße gehen und kämpfen für uns und unsere Familien, und da soll auch nur ein Staatsdiener in Uniform auf die Idee kommen, uns daran zu hindern. Lasst uns ziehen vor die Tempel der Macht, die Tempel des Geldes und ihnen zeigen, dass sie so mit uns nicht umspringen können."
Während die ersten Leute schon die Türen aufreißen um direkt den Demonstrationszug anzuführen, muss ich ihnen doch noch Instruktionen geben und rufe sie kurzerhand nochmals zurück.
"Freunde wartet kurz, Wir ziehen gleich gemeinsam los, sagt allen Bescheid, all Euren Kameraden, Verwandten und Freunden, wir treffen uns am Dreitürmehaus in der Innenstadt, heute ist der Tag, der in die Geschichte eingehen wird, und Ihr seid dabei. Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit."
‚Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit.', ‚Ordentlicher Lohn für ordentliche Arbeit!' und andere Rufe wie ‚Gemeinsam gegen die dort Oben!' schallen durch den Saal, Plakate werden gegriffen, vor der Halle warten Hunderte, Autos fahren los, Motorräder zischen, Telefonate werden geführt, heute sind es Hunderte, morgen Tausende.

41. Kapitel U235

"Auf Gleis dreizehn hat Einfahrt Europaexpress 3178 von Moskau nach Barcelona. Im vorderen Bereich befinden sich die Wagen der ersten Klasse, im mittleren Teil sind die Schlafwagenabteile. Achtung an der Bahnsteigkante, der Zug hat in wenigen Minuten Einfahrt."
Es dauert nur noch wenige Stunden und alles geht seinen geordneten Weg, eins nach dem anderen, Schritt für Schritt, so wie ich es lernen musste. Überstürzen würde nichts bringen, aber so, in kleinen Babyschritt, kann man eine Menge erreichen, und damit meine ich nicht nur eine Menge Dinge, sondern auch eine Menge Menschen, die wiederum Dinge für mich erledigen können. So kam ich auch an die Adresse meines heutigen Geschäftspartners, den ich über das neue Medium Internet in einer internationalen Newsgroup kennen lernte. Er kommt aus dem Osten und bei denen geht es heutzutage wahrlich nicht gut zu. Er ist Wissenschaftler und verdient zur Zeit kaum genug, um am Leben zu bleiben, geschweige denn um seine Familie gut zu ernähren und zu versorgen. Ich habe vor, ihn dabei zu unterstützen, auf meine ganz eigene charmante Art, der Zug quietscht bremsend, Leute steigen aus, andere ein.
"Entschuldigung, ich glaube wir sind verabredet?", dabei schaue ich ihm tief in die Augen, er sieht hektisch abgehetzt aus, scheint kaum geschlafen zu haben.
"Der Haus ist im Herbst besonders schön."
"Ja, im Herbst, und nicht im Winter. Wie schön war die Jugendzeit?"
"Damals, als wir noch hüpften und sprangen,"
"und spielten im Schnee, willkommen."
"Schön Sie zu sehen. Ich freue mir sehr."
"Kommen Sie mit, ich habe Ihnen ein Zimmer reserviert."
Der Weg zum Auto scheint ausgesprochen sprachlos.
"Wie war Ihre Reise?"
"Gut.", als wir schon am Auto stehen. Hinter uns höre ich Geschrei, Demonstranten, ‚Wir sind das Volk, wir sind die Arbeitnehmer!', ‚Recht und Freiheit für alle!', "Scheint so, als hätte nicht nur wir Probleme?"
"Probleme, man sollte keine sehen, wo keine sind. Hier läuft alles in geordneten Bahnen.", eingestiegen in die Limousine meines ‚Arbeitgebers', lächeln, "Fahren Sie uns zum Hotel."
In einer stillen Gasse halten wir, "Sie warten hier!" zum Chauffeur, "Kommen Sie, gehen wir, kümmern wir uns um das Geschäft."
Hintereingang, kurze Anmeldung, Schlüssel, zweiter Stock links, Zimmer 235, kleines Trinkgeld, kauf Deiner Freundin noch etwas schönes, bevor es vorbei ist, apropos, schlaf noch schnell mit ihr, bevor es auch dazu zu spät ist, komisch, manchmal denke ich, ich werde langsam wie meine Vater.
"So, jetzt können sie sich erst einmal frisch machen, ich lasse uns kurz was vom Zimmerservice bringen. Wodka, Whiskey?"
"Nein, lassen Sie uns erst Geschäft machen, danach wir können trinken. Ich muss Morgen früh wieder fahren, Frau und Kinder warten."
Er scheint ein ruhiger, stiller und bedachter Zeitgenosse zu sein, die Hektik von eben scheint verflogen, keine Form von Unruhe. Wenn nur alle Menschen so still und ruhig wären? Es wäre besser sie wären überhaupt nicht da, noch besser alle tot. Aber so still und ruhig wie er, will ich an meine Aufgabe herangehen, auf das alle Menschen still und ruhig sind.
"Gut, kommen wir also zum Geschäft. Sie haben dabei, worüber wir gesprochen haben?"
"Ich habe es dabei,", während er seinen Koffer auf macht und einige Hemden herausnimmt, um an ein unterliegendes Fach zu gelangen, in dem einige etwas flachere Behälter, metallisch stumpf glänzend mir entgegen lünkern, "Sie hatten Recht mit die Kontrollen, ich habe getan wie gesagt, kein Problem, an keiner Grenze."
"Sehen Sie, ich habe immer Recht, und demnächst können Sie noch einige dieser Lieferungen an mich übernehmen, und so eine gute Stange Geld verdienen, damit Sie Ihrer Frau und Ihren Kindern daheim etwas schönes kaufen können."
"Aber, mit Staat sein ja alles gut gelaufen, aber mit Mafia? Sie wollen immer Ihren Anteil."
"Ich glaube, dass dies nicht mein Problem ist, wenn Sie wissen was ich meine? Hier ist Ihr Geld, eine Menge Geld wenn Sie mich fragen, und mit wem Sie das teilen ist Ihre Sache."
"Aber wenn Sie mich jagen, verfolgen, Sie wissen schon?"
"Sollten sie gegen mich vorgehen werde ich ihnen zeigen wie es in der Hölle ist, ach nein, da kommen sie ja gar nicht hin, egal, sie würden es büßen. Aber sonst ist mir das ziemlich egal. Ich könnte Ihnen noch eine Pistole geben, mehr kann ich für Sie nicht tun.", ich ziehe eine Waffe und schmeiße sie vor ihm auf das Bett, sie tatscht leicht auf, tänzelt kurz, tippte mehrfach hin und her, sie ist entsichert.
"Aber ich kann mit Pistole nicht umgehen! Was soll ich damit?"
"Da kann ich Ihnen leider nicht helfen.", freundliches Achselzucken, während ich die Pakete aus dem Koffer in meinen Koffer packe und das Geld in seinem Geheimfach verstaue.
"Hoffentlich sie mich nicht finden."
"Tja, hoffentlich."
Es klopft an der Türe. Ich sehe nur noch wie Schweiß auf seinem Gesicht steht, die Panik von der Bahnfahrt scheint ihn wieder erwischt zu haben, alle Ruhe verflogen springt er zur Pistole, reist sie hoch und schießt, Schuss um Schuss, nur noch ein Wort ist zu hören, bevor ohrenbetäubender Lärm jegliche Worte überdeckt, "Putzen?" in schlechtem Akzent, er trifft, alle Kugeln, als hätte er nie etwas Anderes getan, haben die Türe durchlöchert, sie springt auf, ein Schlüssel baumelt im Schloss, eine Person, weiblich, älter, fällt herein, drei Schuss getroffen, drei gingen wohl daneben, auf dem Jahrmarkt wäre das kein Teddy gewesen.
"Dafür, dass Sie nicht schießen können, keine schlechte Quote."
"Was habe ich getan?"
"Weiß ich nicht, aber ich glaube ich weiß, was sie mit dem nächsten Magazin machen sollten, bevor es die Polizei oder die Mafia tut. Ich dachte, Sie seien ein ruhiger und bedächtiger Mensch, hab ich mich wohl geirrt. Schönen Tag noch."
"Aber, Sie müssen mir helfen!"
"Ich muss, was muss ich? Wir haben ein Geschäft abgeschlossen, ich habe, was ich brauche, und jetzt trennen sich unsere Wege. Warum sollte ich Ihnen helfen?"
"Weil ich mehr bringen kann, mehr als die drei Kilogramm!"
"Gut, Sie nehmen Ihren Koffer, gehen Sie. Das Auto wartet unten, ich kümmere mich hier um den Rest. Und vergessen Sie nicht, in einem Monat, doppelte Menge, selbe Zeit."
"Ich danke Ihnen, Sie sind großartige Frau."
"Ja ja, gehen Sie schnell, und lassen Sie sich nichts anmerken."
Schritte hallen, der Aufzug schräg gegenüber surrt, die Türen öffnen sich mit einem Ping, die Türen schließen sich, weg ist er.
"Polizei, ich habe einen Mord zu melden. Tatort ist das Empire Hotel, zweiter Stock, Zimmer 235. Ja, der Täter ist auf der Flucht in Richtung Bahnhof, unterwegs in einer schwarzen Limousine mit Chauffeure. Täterbeschreibung? Vierundsechzig Jahre Alt, ein Meter und dreiundsiebzig, dunkles Haar, Vollbart, östlichen Akzent, bewaffnet. Das Fahrzeug gehört einem Abgeordneten, ja genau, hat ein Politikernummernschild.
Wer ich bin fragen Sie, nur eine besorgte Bürgerin."

42. Kapitel Cholesterin

"Ich habe alles zusammen, wie geht es Dir?"
"Schlecht, die Schmerzen gehen kaum weg, ich konnte nicht schlafen, und es wird minütlich schlimmer. Gut das Du da bist, hast Du was dabei?"
Das Zittern in seiner Stimme ist echt, er sieht mies aus, unabhängig davon, dass er eben nur ein Mensch ist. Sein Physikstudium musste er drangeben, die Drogensucht hat ihn zerstört, mit dem Vorteil, dass er es als nicht so schlimm empfinden wird, wenn die Menschheit zu Grunde geht, er kann es schneller und besser.
"Ich habe die Utensilien, und für dich Spiel, Spaß und Spannung, na, was ist wohl hier in diesem kleinen Tütchen, nur für Dich?"
"Oh, Du bist eine Göttin."
"Wenn Du es sagst. Ich gebe Dir jetzt eine Stunde, teile es Dir aber gut ein, mehr gibt es heute nicht!"
"Gut gut, gib nur her, in einer Stunde stehe ich Dir zur vollen Verfügung.
Er saß jetzt schon seit einigen Tagen hier herum, und immer wieder steckte ich ihm etwas zu, aber langsam begann es kritisch zu werden, noch brauchte ich ihn. Nicht, dass da nicht genug sind, die mir mein Spielzeug hätten bauen können, aber zu ihm spürte ich eine gewisse Form von Verbindung. Auch er hasste die Menschen, alle hatten ihn verlassen, Freunde und Familie, niemand wusste, ob er lebte oder nicht, aber es interessierte sie auch nicht. Die Menschen sind eben schlecht. Jetzt konnte er sich ausruhen, später hätte er genug Zeit für mich anzufertigen, was er doch so vortrefflich schon immer geplant, worauf er sich schon seit Jahren vorbereitet hatte.
"Ist das nicht ein wenig gefährlich, so mit Uran herumzuwuseln?"
"Du schon wieder, dicker Mann? Bist Du hier um mir endlich mehr Macht zu geben, Macht die mir zusteht?"
"Ich denke, Du hast noch genug Zeit, übe Dich in Geduld."
"Mein Aufgabe, eine große, ist nicht leicht und sehr umfangreich, bedarf großer Planung. Sie scheint mir fast zu lang. Das Hauptproblem ist die Zeit, ich will es schneller schaffen, ich habe keine Freude daran, das Haus zu bauen. Ich möchte in ihm leben. Wenn ich aber darauf warte, dass die Menschen mein Werk vollführen, so brauche ich Generationen, die Zeit habe ich nicht, und ich bin nicht bereit ihnen diese zu geben, keine Minute länger als nötig, und Du redest davon, ich soll mich in Geduld üben, hätte Zeit, wie lange soll ich denn noch warten?"
"Aber bist Du nicht eine Göttin, hast Du nicht unendlich Zeit? Wo liegt dann Dein Problem?"
"Es ist zu langsam, willst Du mich nicht verstehen, nicht in hundert Jahren, am Besten gestern sollen sie alle tot sein."
"Ich kann Dir geben, wonach Dir verlangt."
"Macht? Du sprachst bereits davon, gib sie mir, sofort."
"Nicht einfach ‚Macht', ‚Die Macht'!"
"Gib sie mir, mach schon! Worauf wartest Du noch?"
"Ich frage mich, je länger ich Dich betrachte, ob Deine Hetze nur aus Furcht oder aus dem reinen und puren Hass entspringt?"
"Hassen tun Menschen, Götter aber hassen nicht, ich will sie einfach nur nicht sehen, keinen von ihnen? Und vor wem sollte ich mich Fürchten?"
"Also doch Hass! Du bist sehr menschlich, weißt Du das? Ihr Menschen hasst immer das was Ihr seid."
"Du nennst mich ‚menschlich', mich, eine Göttin?"
"Götter sind auch nur Menschen."
"Ich glaube kaum, was ich da höre!", Blut schießt in meinen Kopf, Wut und Hass über diese Worte, wer ist er, dass er es wagt mich als Menschen zu bezeichnen?
"Glaube es, doch ich will Dir einen Eindruck geben, einen klitzekleinen Teil der Macht, ich erlaube Dir, ab sofort, die Kontrolle über Gegenstände, in gewisser Weise, für ganze Häuser reicht es noch nicht, doch wenn Du ein bisschen übst, kannst Du eine tragende Wand damit einreißen, somit könntest Du so ein Haus zum Einsturz bringen. Noch nicht toll, aber um einen Baumstamm schweben zu lassen reicht es, aber viel mehr wohl nicht."
"Bat ich um Jahrmarkttricks, wollte ich die Jungfer verschwinden lassen, als Varietekünstler arbeiten? Ich wollte ‚Macht', und nicht als Clown bei einem Kindergeburtstag auftreten! Hat Dich doch mein Vater geschickt, bist Du gar nicht von dieser ominösen höheren Macht, sondern nur sein Diener?"
"Spricht man so mit seinem Gönner?"
"Gönner, ich höre immer Gönner?!", Hass, purer Hass steigt in mir auf, Frustration, wer bin ich, dass man mich so abspeisen kann, ich bin eine Göttin und habe jedes Recht der Welt, genau diese Macht zu bekommen!
"Du hasst mich? Wie ich sagte, Du bist eben sehr menschlich. Nutze die Dir gegebene Macht doch erst mal, später bekommst Du mehr, und wer weiß, vielleicht wirst Du irgendwann mal so groß und mächtig, wie es Dein Vater wohl mal war?"
"Ich werde die Macht nutzen, ja genau, und zwar dafür, wofür ich sie schon längst hätte nutzen sollen.", mehrere Gegenstände, Tisch, Stühle, Schränkchen, Messer, alles was herumliegt bewegt sich, in wohl geordnetem Chaos in die Richtung dieser ekelig fetten Gestalt, "Wenn Du doch alles weißt, vielleicht auch was jetzt passiert?", er wird von mehreren Dingen gleichzeitig getroffen, ein Messer bohrt sich in sein Bein, ein Stuhl trifft ihn am Kopf, ein Schrank an der Seite, eine Blumenvase an der Nase, er wird hin und hergeworfen, man merkt wie er versucht auszuweichen, wie er sich windet vor Schmerzen, weiter prasseln Gegenstände auf ihn ein, große, kleine, spitze, stumpfe, alles was beweglich ist in diesem Raum prasselt auf ihn ein, schleudert zurück, um mit neuem Anlauf und höherer Geschwindigkeit ihn zu treffen, die Gegenstände, teilweise nur noch Schrott und Sperrmüll nehmen immer wieder aufs neue Schwung, von unsichtbarer Hand geführt, von mir. Ich sinke zusammen, er von einem Berg von Sachen bedeckt liegt am Boden. Ich glaube, ich habe hier die mir verliehne Macht schon ziemlich gut eingesetzt und jetzt hole ich mir das, was mir zusteht. Rübergekrochen, halb gegangen, halb gelegen, liegt er vor mir, das Zeug das ihn bedeckt weicht vor mir zurück, es weiß noch immer wer ich bin, ihre Herrin. Seine Schläfen sind angeschwollen, Blut überall auf dem Boden um ihn herum. "Gib mir, wonach mir verlangt!"
"Du hast gefrevelt, der Macht gespottet,..."
"Wo war Sie denn, Dein Macht, die zulässt, dass ich Dich mit meinen minderen Fähigkeiten vernichte?"
"Du hast meine Hülle vernichtet, nicht mich!"
"Ist das nicht egal, wenn Du es mir nicht geben willst, so nehme ich mir, wonach mir ist!"
"Freiwillig nie!", mit seinen letzten Atemzügen, scheinbar dem Tode in die Augen blickend, mit ihm ringend, bekommt er den Kuss der Göttin, den intensivsten den dieser Mann je bekommen hat, die Macht schmeckt ekelig, aber es geht nicht um den Moment, es geht um Ewigkeit.
"Ob Du willst oder nicht!", er ist tot.

43. Kapitel Wolkenbruch

Der Himmel schreit auf mich ein, die Wolken scheinen mich zu beschimpfen, vermeintlich habe ich etwas getan, wofür sie mich verdammen wollen, doch ich habe die Macht, auch die Macht sie zu verdammen, und es liegt nicht an ihnen über mich zu richten. Mir verlangt es nach Regen, die Welt befreien mit dem Wasser, sie zu reinigen, aber das hatten wir alles schon, mit Feuer wollten wohl auch schon etliche Götter die Menschen gefügig halten, ebenso mit Wind oder Sandstürmen, Eis und Schnee, es gibt nichts, was es noch nicht gab, aber ich benötige etwas neues. Vielleicht sollte ich die Sonne auf die Erde stürzen lassen?
"Ich muss Dich enttäuschen, ist aber alles schon da gewesen!"
Wie ‚Alles schon da gewesen!', was weißt Du denn, soll ich Dich meine Macht spüren lassen?
"Welche Macht hast Du jetzt überhaupt?"
Welche Macht ich habe? Nun, wie wäre es, ich zeige sie Dir? Was möchtest Du gerne sehen?
"Der Himmel ist wolkenverhangen, lasse die Wolken wegziehen und lass es trotz
Spätherbst sommerlich warm werden."
Mehr willst Du nicht? Also gut, Sonne komme hervor und brenne, wie Du noch nie gebrannt hast, verbrenne die Wolken und lass es hier, sagen wir mal, vierzig Grad Celsius werden.
"Ich sprach von Wolken wegziehen, nicht von verbrennen."
Ist doch egal, Du willst sie weg haben, und genau jetzt erfülle ich Dir Deinen Wunsch! Einmalig, bedenke dies, Du hättest Dir wohl etwas anderes wünschen sollen.
"Und, wird es wärmer?"
Was ist los, ich spüre die Kraft in mir, die Macht, und nicht einmal die Sonne reagiert auf mich? Wie kann das sein? Sonne, ich befehle Dir, werde stärker und glühe heißer für mich!
"Nichts?"
Ich weiß nicht was ich falsch mache?
"Vielleicht hast Du doch noch nicht soviel Macht, wie Du gerne hättest? Wäre doch möglich, dass Deine Tat eben ziemlich sinnlos war?"
Warte es ab, die Kraft wird wachsen in mir, bis ich mächtiger bin, als alle anderen Geschöpfe in diesem Universum!
"Stärker auch, als die Macht selber?"
Wenn es die überhaupt gibt, vielleicht war das ja nur eine Erfindung von dem Fettsack, und die Macht war immer schon da. So ist es, so muss es einfach sein, ich habe die Macht seit Anfang an, und lasse mich von allen nur herumschubsen, tu dies, mach das, aber nicht mehr mit mir!
"Wenn ich mich nicht irre, tust Du schon die ganze Zeit was Du willst?"
Ja, und genauso ist es richtig. Und schau mal an, die Wolken sind weg, die Sonne scheint und das Thermometer steigt und steigt, hoffentlich platzt es nicht noch.
"Komisch, wie hast Du das gemacht?"
Die Macht lebt in mir, ich kann das ganze Universum ändern, wenn ich nur noch ein wenig arbeite, werde ich sie alle vernichten, und brauche dazu keinen Menschen mehr, keine Bombe, alleine wegen meinem Willen.
"Oder vielleicht doch nur Zufall?"
Nerv nicht, es ist mein Wille der bestimmt.

44. Kapitel Kriegszustand

"Ach Vater, Du wieder hier. Willst Du meinen Sieg mit mir feiern?"
"Hatte ich eigentlich nicht vor, denn ich glaube Du solltest mit dem Spiel..."
"‚Langsam aufhören?', ist es das, was Du sagen möchtest?"
"Schnell, Sofort, Schleunigst, Gleich, Umgehend, Unverzüglich, Unmittelbar, Direkt, Sogleich, würde es besser treffen."
"Ach sei nicht so, immerhin darfst Du noch existieren, solange Du mir nicht den letzten Nerv raubst."
"Gnädig, die junge Dame, der alte Herr Papa darf im Haus bleiben, solange er nicht anfängt zu sabbern und sich mit Essen bekleckert, eine wirklich gute Tochter, die sich jeder Vater wünscht."
"Werde nicht sarkastisch, immerhin ist es heute mein Siegestag, den willst Du mir doch nicht vermiesen? Schließlich bin ich Deine Erstgeborene, Dein Schatz, oder etwa nicht."
"Jetzt werde Du bitte nicht sarkastisch, schließlich weißt Du, dass Dein Bruder zuerst auf der Welt war."
"Und, ist das relevant, ich bin und bleibe Dein erster weiblicher Nachwuchs, und so wie es aussieht, auch Dein einzig göttlicher. Wo treibt sich der Verlierer eigentlich rum, immer noch in irgendeinem Versteck, und traut sich nicht wie ein Karnickel aus seinem Bau, nur weil der Dackel am Ausgang buddelt?"
"Ist die Frage, wer hier der Dackel ist?"
"Du natürlich, und ich bin der Jäger, der Euch beide erschießen wird, sobald Du ihn freigebuddelt hast. Doch wenn Du gut warst, lasse ich Dich vielleicht leben, im Kaninchenbau, zu mindestens für so ein klitzekleine unbekannte Zeiteinheit die sich meine Gnade schimpft."
"Gnade, dieses Wort dürfte in Deinem Wortschatz eigentlich nicht vorhanden sein, nur zur Aufklärung, Gnade heißt Wohlwollen gegenüber Sozial-, Gesellschaftlich- oder vom Stand niederrangigen Wesen, also Menschen, Tieren oder Pflanzen."
"Schön zitiert aus dem Wörterbuch menschlich-teuflisch, teuflisch-menschlich, wundert mich nur, dass Dir das Wort bekannt ist."
"Sicherlich, darauf basiert alle meine Freude, ein wenig Gnade und viel Leid."
"Also Zuckerbrot und Peitsche, Peitsche, Peitsche."
"Wenn Du es so willst, bei Dir sehe ich jedoch nur Peitsche, Peitsche, Peitsche; wie wäre es mal mit ein wenig Zuckerbrot?"
"Das überlasse ich dann doch lieber denen, die davon Ahnung haben, ich kümmere mich nicht um solchen Kleinkram, und Du benötigst ja auch noch eine Aufgabe, die freilich nicht mehr allzu lange da sein wird, dessen ungeachtet solltest Du sie ausleben, solange die Sonne noch für Dich scheint."
"Du bist wie ein kleines Kind, willst einfach alles zerstören, doch auch Du bist ein Mensch, mit einem wenig göttlicher Macht, nicht mehr und nicht weniger."
"Dafür, dass meine Macht so winzig ist, bin ich scheinbar aber eine ziemlich große Gefahr für Dich. Und glaube mir, die Macht ist da, und wächst täglich, doch jetzt lass uns Fernsehen, es kommen gerade die Nachrichten, ich glaube da sprechen sie von mir."
"Und jetzt der Kommentar zum Geschehen der letzten Tage:
"Werte Damen und Herren, was hat sich in den letzten Tagen ereignet? Da weiß man kaum wo man anfangen soll, denn es ist soviel passiert, seitdem die Arbeitgeber beschlossen haben, jedwede Gespräche mit Arbeitnehmern und Regierung einzustellen, bis ihre Bedingungen erfüllt werden. Neben den Streiks der Arbeitnehmer, denen mit Aussperrung entgegnet wurde, gab es Demonstrationen von Anhängern rechter Parteien, die ihren Unmut gegen den linken Bombenterror deutlich machen wollte, und am Ende selber Opfer desgleichen wurden. Dies hat eine Kettenreaktion ausgelöst, die ihresgleichen sucht. So wurden erste öffentlich Hinrichtungen vollzogen, ganze Städte scheinen im Terror zu versinken, marodierende Banden nutzen die Gunst der Stunde und ziehen plündernd durch Teile unseres Landes. Die Regierung hat zwar den Notstand beschlossen, aber seitdem einige hochrangige Minister in Haft genommen wurden, darunter der Innenminister, der im Zusammenhang mit der Erschießung einer Reinigungskraft im Empire Hotel verhaftet wurde, scheint sie vollkommen handlungsunfähig. Die Polizei, immer noch durch ein Diktat des verhafteten Innenministers zum harten Durchgreifen gezwungen gezwungen, wird nicht Herr der Lage, das Militär, sonst ein Garant der Sicherheit, ist scheinbar nicht interessiert an der innenpolitischen Lage, laut Regierungskreisen auf Beschluss des Verteidigungsministers, der bereits abgesetzt wurde. Die Regierung, oder was von ihr noch übrig ist, scheint derweil keine anderen Probleme zu haben, als sich über Pro und Contra von Waffenlieferungen an das benachbarte Ausland zu kümmern, bei der guten Lage im Inneren, wahrlich verständlich. Wie will man die derzeitige Situation anders benennen, als Bürgerkrieg, mit etwas wohlwollen ‚Bürgerkriegsähnliche Zustände', und damit lehne ich mich schon sehr weit aus dem Fenster. Ich hoffe nur, dass dies alsbald ein Ende hat, und wir uns wieder dem Aufbau, anstatt der Zerstörung zuwenden können."
Weitere Nachrichten vom Tage.
Die Opposition hat in ihrem Zustandsbericht über die Lage der Nation, jedwede Aufstände linker Gruppierungen überall im Land scharf verurteilt. ‚Der Bombenterror müsse endlich aufhören!', verlautete es aus Oppositionskreisen. In den Parteizentralen wurde ein neuer Runder Tisch gefordert, der endlich die zur Beruhigung der Lage beitragen sollte.
Bei den Demonstrationen rechtsorientierter Parteien, kam es wieder zu einem Bombenattentat. Es gab viele Verletzte und Tote. Die Parteispitze der führenden rechten Gruppierung ‚Kampf nationale Freiheit!' gab bekannt, in noch größerem Umfange als bisher schon, die Täter selber zu suchen und zur Strecke zu bringen. Hierzu der Hinweis eines hochrangigen Parteifunktionärs, ‚Unsere Aufgabe, eigentlich die der Justiz, die diese aber in diesen Tagen nicht bewältigt bekommt, ist es die linke Bombenbrut zu suchen, auszuschalten und, wenn nötig, Selbstjustiz an ihnen zu üben.'; der Parteifunktionär, dessen Namen auf Wunsch der Familie nicht bekannt gegeben werden soll, wurde während des Interviews hinterrücks erschossen. Ein Reporter und ein Kameramann verloren ebenfalls, im Kugelhagel, Ihr Leben. Wir trauern mit ihren Familien, Angehörigen und Freunden.
Krawalle überziehen das Land. Normale Bürger, die versuchten Gegendemonstrationen zu organisieren, wurden systematisch daran gehindert. Der Hinweis aus rechten Kreisen, jeder der nicht kämpfen wolle, solle besser aufs Land fahren, in Gegenden, in denen es noch ruhig ist, solange bis, so wörtlich, der Spuk vorbei sei."
Aus.
"So, lieber Vater, ich glaube Du musst jetzt gehen, denn ich habe noch so ein paar Dinge zu erledigen."
"Gut, ich gehe, ich glaube sowieso genug gesehen zu haben."
Narr.

45. Kapitel Schlachttag

Die Hauptstadt, Dreh- und Angelpunkt des Lebens, kulturell und gesellschaftspolitisch äußerst wichtig, der Stolz des ganzen Landes, hier treffen sich alle Menschen, alle Kulturen, vermischt auf einem Fleck, Millionen Menschen auf der Suche nach ihrem Profit, sie Wünschen sich alle nur das eine, Geld, Kohle, Moneten, sie wollen Reich werden, sind auf der Suche nach ihrem Glück, ein Stück vom Kuchen. Hierher kommen Gewinner wie Verlierer, Geschäftsleute wie Penner, wobei ich immer noch nicht weiß, wer was von beiden ist. Spürst Du wie es ist, fühlst Du das Leid, das Elend, es steigt mir in die Nase, Geruch von Millionen schwitzender Leiber, die sich aneinander reiben, die wechselseitig aufeinander wirken, und die mich nicht mehr als anekeln. Eigentlich ist es aber nicht der Geruch der mich stört, es ist die Unruhe, der Lärm, der von hier aus in die Welt treibt und nichteinmal das All verschont, und nicht Wind, Regen oder Sonne machen hier Geräusche, es sind die Menschen mit ihrer Kultur, ihren Automobilen, ihren Gesprächen, die die göttliche Ruhe stören. Wenn es je einen sinnvollen Plan gab, so war es bestimmt nicht die Erschaffung der Menschheit. Wenn sich das jemand ausgedacht hat, so war er der größte Narr aller Zeiten, wenn es die Evolution war, so war sie dümmer als ich dachte. Aber diesen Fehler, wer ihn auch immer beging, ich werde ihn korrigieren, kein Widerspruch!
Im Getümmel der Stadt läuft die Welt schon seit einigen Tagen nicht mehr so wie vorher. Früher, sagen gerade ältere Menschen, sei alles besser gewesen. Dies kann ich nicht unterstützen, mir gefällt es hier jetzt verdammt gut. In den letzten Stunden hat sich die Situation noch verschlimmbessert, verschlimmert für die Menschen, verbessert für mich. Nach einigen Demonstrationen in den letzten Tagen von extremistischen Kräften, wobei ich nicht weiß, wer die darauf gebracht hat, ist für heute die Demonstration der Gegendemonstranten, der Normalen geplant, der Melting Pot wehrt sich, die ganzen, die meinen Normal zu sein, nur weil sie politisch möglichst liberal und friedfertig sind, der richtige Zeitpunkt loszuschlagen.
"Glaube nur ich das, oder wirst Du immer extremer? Du erinnerst mich immer mehr an Deinen Vater, scheinst richtige Emotionen zu zeigen."
Das glaubst Du also, und was schert es mich was Du denkst, sei froh, dass Du dabei sein darfst. Der Platz ist voll, Innenstadt, alles überlaufen mit Menschen, hier und da schallen Sirenen in den Tageshimmel, Menschen liegen betrunken am Straßenrand, Polizisten, wenn überhaupt Statisten, werden teils ignoriert, teilweise angegriffen und ausgeraubt. Der Waffenhandel hat in den letzten Tagen extrem zugenommen, und ich habe mir ein schönes Zubrot verdient, keine Sorge, nur für weitere Pläne, ich kaufe mir dafür kein Haus in der Karibik. Alle Menschen sind auf den Beinen, Einzelpersonen, in kleineren oder größeren Gruppe, wobei je größer die Gruppe, desto größer die Überlebenschance, und wenn das Leben nicht in Gefahr ist, dann ist es immer noch offen, ob man dahin kommt, wohin man will, alleine nur um wiederum die Überlebenschance zu erhöhen und den größeren Gruppierungen aus dem Weg zu gehen. Trotz alledem, was natürlich für mich kein Problem darstellt, ich bin schließlich heute der Stargast, treibt es alle möglichen Menschen in die Innenstadt und so trudeln sie so nach und nach am Platz, ich nenne ihn einfach ‚Platz meines Sieges!', ein und halten Ihre Transparente hoch. Auf denen prangen so lustige Sprüche wie ‚Weg mit der Gewalt!', ‚Wir sind das Volk' oder ‚Frieden und Freiheit', richtig neckisch. Einige singen laut Friedenslieder, andere schreien laut, wie im Fußballstadion, wieder andere schweigen still und ein Teil von ihnen starrt gen Himmel, doch alle sind nur wegen einer Sache hier, dem Frieden. Alle, nein nicht alle, da sind zwei Personen, die sich bereits im Gebäude befinden, im Gebäude der Regierung, in der neben uns nur einige verschreckte Polizeibeamte sind, die ihren Dienst schieben, die Regierung ist schon längst geflohen, um sie kümmere ich mich später, schließlich müsste ihr Autokonvoi gerade von meinen Leuten aufgehalten werden. Also, nur Du und ich, hier in diesem so großen und wichtigen Haus, vor uns auf dem Platz keine Autos, keine Tauben, keine Straßenbahnen, nur Menschen, soweit das Auge reicht. Ach stimmt, wir zwei und der eine, den ich seit einigen Tagen mit mir herumschleppen muss und der jetzt in irgendeinem Abstellraum hockt und winselt, der Tor hat seine Schuldigkeit getan, der Tor kann gehen. Er hat die Bombe gebastelt, und sie unter seinen Arsch gelegt, und sie reicht für die Innenstadt, vielleicht noch ein paar Randgebiete. Ein Podest wurde aufgebaut und so ein paar lustige Leute von der Friedensbewegung haben ihre Thesen dargelegt, wie wieder Frieden und Ruhe Einzug in dieses Land halten können, doch das Volk lässt sich nicht beruhigen und drängt langsam in Richtung Eingangstüre, die Polizisten können nur schwerlich die Massen daran hindern, und der Aufruf dieses einen Spinners auf der Tribüne ebenfalls nicht, so muss ich denn Auftreten, bevor ich nichts mehr davon habe, sie sollen es noch erfahren, bevor sie sterben werden, zumindest soviel sie verkraften. Also mein Auftritt.
"Freunde, Damen, Herren, Kinder, ich bin hier um Ihnen, um Euch von der Zukunft zu berichten. Denn ist es nicht so, jeder hat seine Aufgabe, Ihr, so wie ich. Ich will Euch helfen, Euch und Uns allen, der ganzen Nation, und nur ich kann es schaffen!", schade, das Szenario gleicht nicht den Fernsehbildern, aber ich glaube, man kann nicht alles verlangen. Wenigstens ist die Lautsprecheranlage laut genug eingestellt, ansonsten würden die Narren nicht von ihrem bevorstehenden Ende erfahren, immer diese störenden Zwischenrufe.
"Jedenfalls haben wir beschlossen, quatsch, ich habe beschlossen, hier und heute, zur Feier des Tages eine Friedensbombe steigen zu lassen."
Woher kommt denn jetzt die Verwirrung, scheinen es nicht richtig verstanden zu haben, "FRIEDENSBOMBE! Eine Bombe für meinen Frieden!", immer noch absurde Reaktionen.
"Tochter, was wird das? Ich weiß wo die Bombe ist, und ich werde Dich daran hindern mir meine Freude unter dem Arsch wegzubomben, um es mal ein bisschen platt auszudrücken. Also höre einfach auf und lasse den Mist bleiben, bisher ist es nur ein schlechter Witz, ab dann würdr es wohl ernst werden, und da haben weder Du noch ich Lust zu."
"Oh Vater, Du hier, am Tage meines Triumphs, ich dachte schon Du würdest nie auftauchen, Du darfst doch nicht meine Abschlussparty verpassen. Aber Du willst doch nicht etwa versuchen einzuschreiten, da muss ich Dich enttäuschen, Du wirst scheitern."
"Ich halte Dich auf, dessen sei Dir bewusst, mich hat bisher niemand überlistet."
"Tut mir Leid, dass ich Dir da heute Deine erste Niederlage beibringen muss, aber gewöhne Dich schon mal dran, es kommt jetzt häufiger vor. Du entschuldigst nur einen klitzekleinen Moment, bleibe solange bitte dort stehen, also Freunde, wo war ich stehen geblieben, richtig, der Friedensbombe, könnten die Vorderen bitte aufhören so gegen die Türe zu drängeln, die Polizeibeamten tun doch nur ihren Job, ich bitte Euch, ein bisschen mehr Disziplin."
"Wie kannst Du das tun?"
"Was? So viele Menschen zu töten? Das kann ich mir doch nicht entgehen lassen? Eigentlich ist das ja ganz einfach, gebe ihnen nur einen Grund zu Demonstrieren. Entweder, Du nimmst ihnen etwas weg, oder gibst ihnen von etwas anderem zu viel, ansonsten hätte ich doch nicht so viele Menschen auf einem Platz versammelt, entweder so, oder ein Live-Konzert mit einigen bekannten Pop- und Rockmusikern, und die lassen sich so ungern in die Luft jagen, ich fand, es ist auch so eine bomben Party."
"Und dann?"
"Dieses war der erste Streich, und der zweite folgt zugleich, um es mit Wilhelm Busch zu sagen."
"Wie?"
"Du hast doch verlangt, dass wir viel Lesen? Egal, es ist noch nicht vorbei, dies war erst der Anfang, das erste Land liegt gleich am Boden, dann folgt das nächste."
"Tochter, was passiert hier gerade?"
"Wieso, was sollte passieren? Läuft irgendwas zu Deiner Unzufriedenheit? Kannst Du nichts sehen, willst Du es genießen, nun, dies ist schon ein verdammt guter Platz, also noch besser geht es kaum."
"Nein, ich meine, warum ich mich nicht mehr bewegen kann?"
"Weil ich es so wollte, immer noch nicht verstanden? Dir macht doch so ein bisschen atomare Strahlung nichts aus?"
"Nicht das ich wüsste, aber Du solltest mich besser frei lassen, nur so aus reiner Höflichkeit, Du weißt schon. Ich kann es nun mal nicht leiden, gefangen zu sein, und wenn ich wieder frei bin werde ich Dir ziemlich den Arsch versohlen, was ich schon längst hätte tun sollen."
"Jetzt weiß ich, woher ich die Fäkalsprache habe, bei dem Vater konnte aus mir ja nichts werden. Schlimm schlimm."
"Sobald ich mich befreit habe..."
"Langweile mich nicht! Freunde, ihr sollt erfahren warum ihr sterbt, weil ich Euch alle nicht mehr sehen will! Einfach, kurz, plausibel. Und besucht mich ja nie in der Hölle. Tschüss"
Ich höre die ersten ins Gebäude eindringe, zu spät, Zündung.

46. Kapitel Herbst im Herz

Herbst, Nebel, kalter Dampf steigt mir entgegen, drückende Kälte, dumpfe Töne, diesig, mich trübsinnig umringend, düsterer Herbsttag. Das Laub, noch nicht ganz von den Bäumen gefallen, ein buntes Gewirr bildend. So betrachte ich die Welt, das Leben, auf ein neues scheint alles zu vergehen, sich zurückzuziehen, um Platz zu machen. Platz machen für eine andere Welt, die kalt und unbarmherzig ist. Ist dies nicht sprechend für die Zeit, die die Menschen erwarten wird? Doch ist es nicht mein Los, mein Schicksal? Meine Aufgabe, kaum begonnen, und doch in vollem Gange, bringt jeden Tag etwas neues. Es ist spannend und ich freue mich der Zukunft, doch glaube nicht, dass ich es schön finde, was ich tue. Ich liebe es nicht, ich habe keinen Spaß daran, ich mag es nicht einmal, doch es ist einfach so, ich muss es tun, nicht die Arbeit ist es die mir Freude bereitet, alleine das Ergebnis, welches ich so nah vor mir sehe bringt mir meine Zufriedenheit. Nach den Taten in den letzten Tagen denkst Du wohl, ich sei jetzt vollends durchgedreht, eine poetische Ader entdeckend, die ich selber noch nicht kannte, doch ist es nicht so, dass dort viele Seelen in meiner Brust wohnen, in den Euren haust eine kleine einfältige, bei mir aber multipel göttliche, so ist die Welt geschaffen, und glaube mir, daran trage ich keine Schuld. Aber auch ich denke mehr und sehe mehr als nur Vernichtung, auch ich habe Gefühle und Gedanken, die Du natürlich nicht verstehen würdest, aber es ist so. Warum sollte ich also nicht der Schönheit eines Herbstmorgens huldigen dürfen, bisher habe ich keine Menschen erwähnt, die diese Schönheit und Ruhe zerstört hätten. Doch ich habe Mitleid, ich berichte Dir über einen Plan, der schon länger in mir wächst und gedeiht, ich habe vor einige Menschen zu erheben. Nein, sie werden nicht ewig leben, nicht mit mir in mein Reich kommen, aber sie werden die Letzten sein, hier auf Erden, und sich dann in der Hoffnung auf eine ewige Zukunft selbstständig und aus freien Stücken für mich töten, ein gar göttliches Ende einer Ära, einem göttlichen Geist entsprungen. Ich werde sie nennen ‚Kinder der Zukunft', und sie werden sich in braunen Gewändern kleiden, um zu symbolisieren woher sie kommen und woher sie gehen, Asche zu Asche, Staub zu Staub, Erde zu Erde. Ich habe auch schon die ersten Anhänger, ich kenne sie noch aus meiner Kindheit, kommen aus guten Verhältnissen und teilten mit mir kurzfristig die Schulbank. Wie schön war sie, diese flüchtige Zeit, da denkt man gern an die Jugend zurück, sie mochten mich, wir hatten gemeinsam eine Menge Spaß, wie oft ging ich mit den anderen Kindern nach der Schule nach Hause, wo mein Bruder vorne weg lief, weil mit ihm keiner was zu tun haben wollte. Die gute alte Kinderzeit, als wir gemeinsam hinter ihm her liefen und ihn ärgerten, nie wirklich böse gemeint neckten wir ihn, weil er sich aufziehen ließ, sich nicht wehrte, keinen Widerstand leistete, ein Weichei unter Kindern hat eben verloren. Wir bewarfen ihn mit Dreck und gaben ihm den Namen ‚stummer Stockfisch', weil er nie mehr sagte als nichts, aber auch nicht weniger. Doch wie schnell sollten alle Spiele und alle Freude vorbei sein, meine Freunde von Gestern waren nur noch Kinder, wo ich wuchs, Zentimeter um Zentimeter, Gedanken um Gedanken, Tag für Tag. In mir entwickelte sich das Bewusstsein, etwas besonderes zu sein, irgendwas konnte nicht stimmen, die Welt war ein großer Spielplatz für mich, die Menschen das Spielzeug, ich drehte und wendete meine Mutter, Verwandte, Freunde, Lehrer, ließ sie Dinge tun, die ich wollte, machte wozu mir gerade war, wonach mir verlangte, bis zu diesem Tage, dem Tag in meiner Jugendzeit, als ich vom Kind zum Erwachsenen wurde. Viele denken, dass so etwas mit sexuellen Erlebnissen zu tun hat, und auch Dich muss ich enttäuschen, es kommt nichts, was Deinem Voyeurstrieb entgegenkäme, es sind einschneidende Erlebnisse, die aus Kindern Erwachsene machen. So war es mit mir, so ist es bei allen, ob nun Götter, Menschen oder Tiere. Wie verliebt ich doch damals war. Wie sehr ich mich doch nach ihm verzehrte, mit ihm konnte ich meine Spiele nicht spielen, er schien resistent, so sehr ich es versuchte, er war souverän, und ich scheinbar noch ein verdammt dummes Dingen. Egal was ich tat, er schien über allem zu stehen, ich hatte mit meinen alltäglichen Mitteln und Methoden keinen Erfolg. Ich glaubte es wären Jahre, dabei waren es nur Tage, und die Freundinnen damals rieten mir offen und ehrlich zu sein, und ich hörte in meinem verwirrten Zustand auf sie, wo ich doch wusste, wie viel sie von alledem verstanden. Doch ich wollte ihn nicht manipulieren, keine Spielchen machen, ich wollte ja gerade diese ehrliche und offene Beziehung. Und ich ging zu ihm hin, sprach mit ihm, wie eines dieser schüchternen dummen Dinger, so elend hatte ich mich mein ganzes Leben vorher nicht gefühlt, doch er hörte mir zu, er war nett, freundlich und ich war so furchtbar glücklich und verliebt. Grauenvoll paßt besser, wie ich später feststellen musste. Es ging ganze zwei Monate gut, eine schöne Zeit, aber dann musste ich leider mitkriegen, dass er eine Andere hatte, so nebenbei, ich war ihm zu anhänglich, besserwisserisch, zu altklug sagte er damals, ich ging, und in mir brodelte es. Nicht nur Hass, nicht nur Leid, es waren Weisheit und Einsicht die in mir wuchsen, die Weisheit, dass die Welt schlecht ist, und die Einsicht, dass sie schlecht ist weil es Menschen gibt, denn erst sie tun das Böse, nicht mein Vater, nicht wir Götter, die Menschen sind verachtenswerte Sünder, nicht umsonst sagt man ‚schlechter Mensch'. In meinem Frust ging ich in den Wald, wie Du siehst gehe ich noch heute dorthin, wenn mir alles zu viel wird und ich Zeit zum denken brauche. Es ist ruhig, gerade Morgens oder Abends, und wenn Morgens das Leben langsam erwacht, die Vögel zwitschern, die Bäume und die Erde um die Wette dampfen, Bienen umherschwirren und Ameisen ihr Tagewerk beginnen, merke ich wer das wahre Leben gefunden hat, und es sind nicht die Menschen. Abends, wenn langsam die Sonne zwischen den Wipfeln versinkt und stille einkehrt fühle ich mich aber erst richtig wohl, und dann spüre ich ein Gefühl von ‚zu Hause' oder ‚Heimat', ein wohliges Gefühl, wie ich es in den ersten Kindertagen hatte, an die ich mich entsinnen kann, wenn aus der Küche der Duft von frischem Kuchen kam, den meine Mutter für uns gebacken hatte. Sie, als einzige von den Menschen, hätte es verdient, das Ende zu überleben, aber ich weiche vom Thema ab, als ich also damals voller Frust in den Wald lief war natürlich nicht früher Morgen, und schon gar nicht später Abend, es war Mittags und somit war von Ruhe keine Rede. Während ich in mich versunken durch den Wald schlenderte hörte ich plötzlich die Stimmen mehrerer Männer, die scheinbar mit Werkzeug zu Gange waren, die Schönheit des Waldes zu vernichten, und als wäre dies nicht genug schienen sie beim Anblick meiner Person mich wohl mit Freiwild zu verwechseln, sie pfiffen mir hinterher, wie man einem alten Gaul hinterherpfeifft, und dies war nicht einfach nur der falsche Moment, es war ihr falsches Leben, welches sie gerade verspielt hatten. Während ich mich noch von Rufen wie ‚Ey hübsches Mädchen. So alleine im Wald?' oder ‚Soll ich Dir mal den nächsten Busch zeigen?' traktiert sah, musste der erste Waldarbeiter sein eigenes Arbeitsgerät, einen Häcksler von Innen während des Laufens testen, neben einigen zerstückelten Teilen kam nicht viel von ihm raus, der Rest schien die Lauffläche irgendwie zu verstopfen. Dem zweiten, der mich, scheinbar durch das eben gesehene geschockt, mehr als verdutzt ansah, weil er nicht glauben konnte was gerade geschehen war, nahm ich ruhig die Axt aus der Hand und trieb sie ihm mit einem Lächeln in den Kopf und spaltete ihm seinen Schädel. Danach fiel jene Ruhe, die ich vorher ausgestrahlt hatte, von mir ab und ich fuhr wie eine Furie durch ihre Reihen, doch schien es mir nicht wie ein Gemetzel, eher kam ich mir wie eine Ballerina vor, die den Schwanensee tanzt, eben nur ein wenig eigensinnig interpretiert. Den letzten, der vor mir weglaufend sein Heil in der Flucht suchte, habe ich mit der Faust erschlagen.
Das war der Tag als klar war, ich bin da, die Menschheit zu strafen, ich bin etwas besonderes, bin auserwählt sie alle zu vernichten, gesandt die Ruhe zu bringen.
Als alles vorbei war, dachte ich nur ‚Menschen, Euer Geruch steigt mir in die Nase, er steigt zu mir auf, er und eure ganze Existenz ekeln mich an. Ihr wart vor mir da, doch wart ihr es wirklich, es ist egal, wann und wie ist nicht wichtig, eure Zeit ist abgelaufen! Es gibt nicht viel, was meine Nerven so strapaziert, ihr gehört dazu, ihr seid genau genommen der Hauptgrund, und ich war wiedergeboren, auf eine ganz neue Art und Weise.
"Ich wage es ja kaum zu fragen, aber wieso hast Du sie denn getötet? Nur aus Frust?"
Wie soll ich Dir das begreiflich machen?
"Also, wenn Du ein Mensch wärst, was Du natürlich nicht bist, aber wenn Du einer wärst, mal ganz hypothetisch angenommen, würde ich sagen Du hast sie erstens im Affekt umgebracht und zweitens in einer depressiven Stimmung. Bei einem milden Richter gäbe das zwanzig Jahre in der Klapsmühle."
Und, ich bin kein Mensch, Du setzt ja auch nicht menschliche Maßstäbe bei Ameisen an, soviel könntest Du nicht tragen, es würde Dich zerdrücken.
"Aber Du bist keine Ameise und siehst, ist zwar nur ein schwacher Grund, einem Menschen schon ziemlich ähnlich."
Ja, dass Äußere mag Dich täuschen, so wie es die Menschen immer täuscht, doch muss ich Dir dabei zu bedenken geben, diese Form hat ihre längste Zeit hinter sich gebracht. Nicht, dass sie mir nicht gut gedient hätte, hier und da war sie schon sehr interessant, aber bald werde ich sie verlassen und aufsteigen in etwas höheres.
"In was? In was willst Du Dich denn verwandeln? Einen Adler, ein weißes Ross, ein Fabeltier, wie willst Du auftreten hier auf Erden?"
Warum erzähle ich Dir das alles überhaupt? Du wirst es glaube ich nie verstehen. Ich werde etwas besonderes sein, einmalig, ewig.
"Und aussehen wie... wie was?"
Sei froh wenn Du es noch solange machst, dass Du es schauen kannst, ansonsten wird es wohl ein ewiges Mysterium für Dich bleiben, Entschuldige, aber die Welt ist nun mal so, zu manchen ist sie gerecht, zu anderen eben anders.

47. Kapitel Hinfort

"Wie konntest Du das tun?"
"Oh Vater, Du schon wieder, habe ich Dir etwa mehr Probleme bereitet als Du dachtest?"
"Probleme? Nicht mehr Probleme als ich sonst schon habe. Du hast mir eben nur ein paar Dinge angerichtet, ein kleines Festmahl mit Sorgen, die einer gewissen Lösung bedürfen. Aber mache Dir keine Sorgen um mich, denn meine Probleme machen mir Spaß, da sie direkt mit den Menschen zusammenhängen, das Ende meiner Probleme hängt somit eng mit dem Ende der Menschheit, dem Ende jedweder Existenz auf diesem Planeten, allen Lebens in diesem Sonnensystem zusammen, und..."
"und da habe ich ja schon den ersten Schritt zur Lösung Deiner Probleme getan. Vielleicht kannst Du dann demnächst berichten, dass alle Probleme wie weggewischt wurden, ich habe nämlich noch lange nicht genug."
"Ich wusste, dass Schönheit grundsätzlich mit Dummheit einhergeht, doch das es so extrem wird, hätte bei Deiner Geburt keiner gedacht. Du glaubst nicht wirklich, dass ich Dich damit durchkommen lassen werde?"
"Bringe mir eine Niederlage bei, versuche es! Bisher habe ich noch keine erlitten, aber ich sage Dir, jede Niederlage werde ich in einen Sieg umwandeln, einen Sieg für meine Inspiration. Ansonsten langweilst Du mich mit Deinem ewigen Gejammer doch ziemlich."
"Meinst Du, Du kannst mich besiegen? Denkst Du wirklich, Du wärst da, wo Du jetzt bist, wenn ich es nicht gewollt hätte?"
"Ja."
"Mein Stolz sagt mir, kämpfe fair, lasse ihr eine Chance, doch ich pfeife auf meinen Stolz, ich werde Dich aufhalten, allzu lange wird es nicht mehr dauern, ich hätte Dich schon bei der Geburt, ach was, noch vor Deiner Geburt töten sollen, doch dann muss es eben jetzt geschehen, postnatale Abtreibung."
"Nimm Ihn, diesen kleinen Spanner, der nicht mehr kann, als dumme Fragen zu stellen, nimm Ihn mit und bringe Ihn zu meinem Bruderherz, geh und weine Dich bei ihm aus, mir ist Dein Elend egal, die Menschen sind mir egal, mein Bruderherz genauso."
"Wie..."
"Hau ab! Ich will Dich nicht länger ertragen. Deinen Stolz schiebe Dir sonst wohin, stecke ihn Ihm in den Hintern, mir egal, ich habe wichtigeres zu tun, als mich mit Dir herumzuschlagen! Ein Welt wartet auf Vernichtung."
"Wie sprichst Du mit Deinem Vater, was glaubst Du wer Du bist?"
"Dein Ende, werter Herr Papa, Du wirst nicht mehr benötigt, verabschiede Dich, mache Deine letzte Verbeugung, der letzte Vorhang fällt bald, und dann ist die Show vorbei, auf immer und ewig. Ach, und vergiss bitte nicht mir noch vorher wenigstens kurz die Hölle zu zeigen, oder lass es, ich finde sie schon alleine, vielleicht hänge ich auch ein Schild dran, ‚Vorrübergehend Geschlossen!'."
"Ich habe Dir schon mal gesagt, Du wirst nicht über meine Hölle herrschen, nie in Deinem Leben, und je länger Du darauf pochst, desto geringer wird Deine Lebenserwartung."
"Wie Du zu sagen pflegst, ‚Ich lebe nicht, ich existiere!', so denke auch ich, dass ich nicht mit diesen elendigen Kreaturen zu vergleichen bin, so wie wohl auch Du denkst."
"Ziemlich arrogant für ein kleines Mädchen, dass gerade erst gemerkt hat, dass sie eine Göttin ist."
"Mag sein, dass ich gerade erst zur Göttin geworden bin, dass ich gerade erst laufen gelernt habe, dass ich gerade erst den Schnuller aus dem Mund getan habe, aber ich bin Mächtiger als Du, und das nach der Kürze der Zeit. Wie sieht es erst in einem Jahr aus, oder in hundert Jahren, was kannst Du dann noch anrichten gegen mich?"
"Schauen wir mal. Wir sehen uns auf jeden Fall wieder, doch dann werden die Karten neu gemischt sein, und ich sage Dir, ich bin dann besser vorbereitet."
"Geh nun, Du langweilst mich, verschwinde!"
Und Du kannst gleich mitgehen, ich denke Du hast gesehen, worauf Du Dich vorbereiten musst. Wenn wir uns das nächste Mal gegenüberstehen, schwöre ich Dir, so wahr ich hier stehe, werde ich Dich nicht mehr so einfach davon kommen lassen, dann wirst Du Dich wohl oder übel entscheiden müssen, ob Du für oder gegen mich bist, obwohl die Entscheidung schon steht, Du musst gegen mich sein, ansonsten wärst Du ja für die Vernichtung der Menschheit, und so schätze ich Dich beim besten Willen nicht ein. Meinem Bruder einem schönen Gruß, ich bin mir sicher, dass mein Vater sich bei ihm ausheulen wird und auf seine Macht hofft, vereinte Kräfte gegen die böse Tochter, doch auch das wird ihnen nichts helfen, und am wenigsten der Menschheit. Sie wird ausgerottet werden, mit oder ohne ihre Zustimmung. Genug geredet, es gibt weitere Länder in den Untergang zu treiben und meine Aufgabe scheint gerade erst begonnen zu haben.
SOHN

48. Kapitel Vater und Sohn

"Weißt Du eigentlich wie lange ich Dich gesucht habe?"
"Oh, Du bist es. Was willst Du?"
"Sprichst also doch wieder, schön, hätte sowieso nicht viel gebracht, Gott der Schweigenden, aber um nicht abzuschweifen, ich will eigentlich nichts, nichts bestimmtes, vielleicht ein bisschen plaudern, einen Kaffee gemeinsam trinken, ach ja, weißt Du schon das Neueste, Deine liebe Schwester, übrigens einen schönen Gruß von Ihr,"
"Danke, zu freundlich."
"sie will die ganze Welt vernichten, alle Menschen auslöschen."
"Und, was sollte mich das interessieren?"
"Ach, ich weiß nicht, ich wollte es Dir nur sagen, Sie hetzt sie alle gegeneinander, tötet wo sie kann, selber oder per Order, und hinterlässt verbrannte Erde, aber was Dich das interessieren müsste, weiß ich beim besten Willen nicht."
"Richtig erkannt."
"Du kennst zufällig noch nicht den Ausspruch, wer Desinteresse säht, wird Ignoranz ernten, oder, nicht bekannt, egal, was soll diese Selbstmitleidsschiene, sich hier in Kanada zu verstecken, irgendwo in einer verlassenen Waldhütte, ist das eines Gottes würdig?"
"Wen interessiert es, ob und wie ich lebe, und ob und wie es eines Gottes würdig wäre? Ich spüre nicht viel von dem Gottsein, welches Du beschreibst."
"Das liegt daran, dass Du nicht in Dir danach suchst, und wer nicht suchet, findet selten, entdecke Deine Göttlichkeit, ich kann Dir dabei helfen, es..."
"Wofür? Warum sollte ich es? Für die Menschen, die mich immer mit Spott und Hohn behandelt haben, die mich ignorierten?"
"Wenn sie Dich ignorierten, können sie Dich nicht gleichzeitig verspottet haben, also bist Du nun ein Gott oder nicht, zeige ihnen Deine Güte, zeige ihnen, wozu nur ein Gottessohn in der Lage ist, sei Gnädig, und sobald Du sie alle unter Dir hast, mache mit ihnen was Du willst, oktroyiere ihnen Regeln und Gesetze über die sie des Nachts klagend im Bett liegen, nimm Dir ihre Frauen, mache, was ein Gott macht, aber tue etwas."
"Ich kann mit den Menschen aber nun mal nichts anfangen, und ich weiß auch nicht, ob ich es will?"
"Wenn Du könntest wie Du wolltest?"
"Wenn ich wollte wie ich könnte stimmt wohl eher, denn mir mangelt es, wie Du selber sagtest nicht an Macht, sondern scheinbar am Willen."
"Egal, liegt es denn an ihnen, sind sie es schuld?"
"Liegt es denn an mir, dass ich mit den Menschen nicht klar komme, liegt es an mir, dass ich ihnen nichts zu sagen habe? Es liegt nur an mir, und an niemanden sonst, und gerade das finde ich so erschreckend."
"Du sollst nicht reden, Du sollst handeln! Bin ich hier nur von Verrückten umgeben, einer größenwahnsinnigen Tochter, einem abgehalfterten Verlierer von Sohn, kontaktarm, verklemmt und zynisch?"
"Es tut mir Leid das ich nicht so werden konnte wie Du willst, Vater. Ich habe Dir nicht mehr zu sagen, gehe bitte!"
"Was willst Du dann tun, Dich umbringen? Frage, bist Du eigentlich Suizidgefährdet oder liegt Dir nur einfach so nichts am Leben?"
"Ich bin doch ein Gott, sagst Du? Und wenn ich ein Gott bin, kann ich jawohl kaum eben mal Selbstmord begehen, oder will meine verehrte Schwester mich etwa umbringen? Will sie, besser gefragt, kann sie mich überhaupt töten?"
"Ich könnte Dich töten, vielleicht hat sie bald die Macht, dass auch sie Dich für immer aus dem Verkehr ziehen könnte, weg, futsch, Du verstehst, nie wieder heulen, jammern, wehklagen? Und dann werde ich nicht hier sein um Dich zu retten, merke Dir das, wenn Du dann nicht stark genug bist, dann kann auch ich Dir nicht mehr helfen. Du bist ein Weichei, ein Verlierer, ändere dies, bevor es vorbei ist!"
"Glaubst Du, Du könntest über mich urteilen, mich richten, wo Du mich nicht einmal kennst, nichts von mir weißt? Du, der Du selber nicht voreilig Verurteilt werden will, bildet sein Urteil nach ganzen fünf Minuten? Ein klasse Leistung von Dir. Du gehörst auch zu der Spezies, die nach zwanzig Seiten über ein Buch entscheidet und dir sagen können, wer der Mörder ist, wie es ausgeht und ob es einem gefallen wird."
"Nein, natürlich nicht! Ich weiß es bereits nach zehn Seiten, einen Tipp, lies die letzte Seite zuerst, aber der Prolog reicht mir, ich bin Er, hast Du das vergessen? Es gibt keinen Gedanken bei den Menschen, den ich noch nicht hatte. Wie sollte also nur ein Gedanke von Dir, ein Gedanke von einem Menschen mir nicht bekannt sein."
"Jeder Gedanke wurde schon gedacht? Jede Empfindung empfunden? Es gibt nichts neues auf dieser Welt?"
"Du wirst sehen, was sich alles verändert, Du bist noch jung, als ich in Deinem Alter war gab es noch keine Menschen, es waren noch Hominiden, die gerade von Afrika kommend, ihre Gebiete Richtung Norden erweiterten, und was hat sich seitdem nicht alles verändert? Und Du stellst mir die Frage, ob sich nichts ändern würde, es bleibt alles so wie es ist? Warte noch ab, bis Deine Schwester fertig ist, sie wird Dir zeigen, wie sich die Welt ändern kann, sie wird Dir zeigen, dass Dein Problem mit diesen doch so schlimmen Menschen nur ein Witz der Geschichte war, dann kannst Du Dich über Elefanten und Ameisen aufregen, oder über Steine, die in irgendwelchen Wüsten leben!"
"Lass mich in Ruhe, ich brauche Zeit."
"Scheinbar hast Du zuviel Ferngesehen, es lässt Dich glauben, weil alles wiederholt wird, gäbe es immer eine zweite Chance, man könnte warten, brauche nicht die erste Gelegenheit zu ergreifen, die sich einem bietet, nicht einmal drüber nachdenken müsse man, man muss nicht tun, was zu tun ist, weil es später auch noch getan werden kann, ich sage Dir, so läuft die Welt leider nicht. Nicht, dass es nie eine zweite Chance gibt, aber Du solltest schon lernen, die erste richtige zu ergreifen."
"Und was hat das damit zu tun, dass Du mich in Ruhe lassen sollst?"
"Dummheit pur, kleiner Mann, ich biete Dir die Gelegenheit Dich als Gott zu profilieren, es ist wohl die einzig richtige Situation, denn schon bald muss ich mich mehr um andere Dinge kümmern und habe keine Zeit für Götterprobleme meines geliebten Herrn Sohn, der ach so an der Welt verzweifelt; sie gehört Dir, dann greif sie Dir, und wenn nicht jetzt, dann wohl nie, über Zeit brauchen wir also nicht mehr zu diskutieren."
"Gut, hast Du jetzt genug erzählt? Wer ist der da eigentlich?"
"Ein unbeteiligter Zuschauer, er wird Dir ein wenig Gesellschaft leisten, solange ich mich um Deine Problemchen nicht kümmern kann."
"Muß das sein?"
"Ja es muß, und jetzt komme ich Deinem Wunsch nach und verschwinde, bis demnächst geliebter Sohn."
Bleibe Du ruhig ein wenig bei meinem Sohn, vielleicht zuckt er ja mal, ich habe noch einen Kampf zu führen, der lernt es heute sowieso nicht mehr.

49. Kapitel Zweifel

So sitze ich hier, voller Zweifel meiner Selbst. Ich weiß, ich bin etwas besonderes, doch kann es ja auch anders sein, dass ich es vielleicht nicht bin, weil ich fühle, ich denke wie ein Mensch denken muß, dabei spielt es keine Rolle, dass ein angeblicher Gott angeblich mein Vater ist, mein Erschaffer. Nicht viel, eigentlich nichts des göttlichen Feuers spüre ich in mir, spüre nur das unendliche Leid, welches auf der Existenz der Menschen liegt. Die Menschheit ist kaum bemüht wirkliches Glück zu empfinden, der Masse ist es egal, wie es dem Nächsten geht, es ist wichtig wie es ihnen selbst geht, Egoismus pur regiert die Welt, doch die Vernichtung des Ganzen ist keine Lösung, auch nicht die Vernichtung des Einzelnen, der tagtäglich um sein Leben bangend, in der Ecke hockt, sein Monoversum nach sich ausrichtend, so scheint es fast als wäre der Mensch dazu geboren um zu leiden. Denkt nicht vielleicht jeder, dass die Welt zum größten Teil nur existiert, um genau ihn mit der vollen Wucht der Ignoranz zu strafen, um ihn zu treffen mit der Verachtung des Lebens, um ihn zu vernichten, alle Menschen die Denken. So sagt man, die klugen Menschen haben Fantasie, doch ist es nicht eher so, dass die dummen Menschen keine Fantasie brauchen, weil sie einfach nur tun, vielleicht ist dies alles nur Einbildung, die Einbildung eines intelligenten Menschen, der anstatt zu tun, einfach nur denkt, die ganze Welt könnte Einbildung sein, der Spott der Menschen, die Gefühle, alles nur falsch verdrahtete Synapsen im Hirn. Da weiß ich soviel, und die Seele bleibt mir verborgen, ich spüre nur die Auswirkungen, Menschen reden vom Herzen, das Herz ist jedoch nur ein pumpendes Organ, hat den Sinn zu funktionieren, tut es dies nicht mehr, so geht das Leben unweigerlich zu Ende, doch die Seele ist der Hüter des eigenen Glücks. Viele glauben das Glück läge zwischen den Lenden einer Frau oder den Beinen eines Mannes, doch dort zu suchen ist vergeblich, denn es ist fest verankert in der Seele, doch hinabzusteigen ist eine waghalsige Angelegenheit, denn der Rest, der dort zu finden ist, ist erschreckend und offenbart einem die Abgründe des eigenen ich, und in letzter Konsequenz ist die Seele einfach nur tief und unergründlich wie ein schottisches Loch, denn jeder Schleier der gelüftet wird läßt andere, neue zum Vorschein kommen, ein Labyrinth ohne Ende, ohne Ausgang. Doch ich schweife ab, schließlich denkt man zwar nicht linear, aber sollte schon schauen, bei dem Gedanken zu bleiben, um die Welt zu verstehen und zu begreifen. Begreifen ist ein gutes Stichwort, ist es nicht so, dass nicht nur die Menschen untereinander sich nicht begreifen, nein man begreift sich selbst nicht, sieht nicht, welche Möglichkeiten man hat, welches Potential in einem steckt. Irgendwann stellt man fest, ich stehe hier mit meinen beschränkten Möglichkeiten, und meist ist man, ob Partner oder Freunde vorhanden oder auch nicht, einfach nur allein, gefangen in sich selbst, keine Möglichkeit die Wahrheit zu sagen. Aber nicht die Wahrheit auszusprechen ist das Problem, nein, sie zu sehen, alleine daran scheitert es bereits bei den meisten Menschen. Und wenn man begreift, allein mal hypothetisch angenommen, man begreift seine Existenz, was passiert dann, man betrachtet einen Teil dieser, weil man mehr nicht begreifen kann, seine eigene Sichtweise, nicht wie man von anderen gesehen wird, nicht wie man in der Welt wirkt, nur was man selber sieht, fühlt und denkt, und das ist schon verdammt viel, eine große Menge an Faktoren, und man macht es sich wirklich so einfach und sagt ‚Das ist es nun, so bin ich, hier hat man mich hingestellt, dann muss das wohl schon korrekt sein.', und damit ist das Thema in einem Satz, mit kleinem Nebensatzkonstrukt beendet, abgeschlossen, fertig, Feierabend. Oh wie klein unsere Sichtweise ist, wie wenig man sieht, wäre es nicht schön dumm zu sein, so dass sich die Möglichkeiten, die vorhanden sind, erst gar nicht erahnen lassen, es wäre besser, wie ein Kind das nur den einen Lolli sieht, aber dem die Wirtschaftskraft eines multinationalen Süßwarenkonzerns einen Scheißdreck interessiert. Es wäre schön, doch bin ich so nicht, und da dies so ist, kann ich auch nicht einfach die Ohren auf Durchzug und den Kopf auf Urlaub stellen. Ich muss mich damit abfinden, die Welt läuft nicht nach meinen Maßgaben, sie läuft nach ihren eigenen. Vielleicht ist es besser so, was wäre, ich könnte bestimmen, was Morgen für ein Wetter ist, welche Verantwortung würde auf mir lasten? Würde ich versuchen möglichst ausgeglichenes Wetter zu schaffen, so könnten bestimmte Spezies nicht überleben, von den Tieren, die dann in der Zukunft nicht mehr geschaffen werden, will ich nun nicht sprechen, also, was könnte ich tun? Hier und da vielleicht helfend eingreifen, so dass weniger Menschen umkommen, weniger Tiere sterben, doch wäre es korrekt, da niemand mir sagen könnte, ob es gut oder schlecht wäre, wäre es einfach nur, ich würde keinem helfen, da er es nicht wüsste, dass der Tornado nicht über sein Haus gefegt ist. Ich möchte helfen, möchte wichtig sein, für diese Welt, aber wie? Ja, Du kannst reden, ich höre Deine Gedanken genau, ‚Der ist doch ein Gott, der kann doch tun und lassen was er will, leg doch einfach los, also ich mit so einer Macht...', und doch ist es nicht so. Aller Macht zum Trotze, schaue Dich um, keiner will noch einen Gott, der gut ist zu den Menschen. Wäre es nicht schön es gäbe einen guten Gott, einen Liebenden, doch es gibt ihn nicht. Jede Form eines Gottes besteht aus reinem Egoismus. Wie kann ein Geschöpf, welches abhängig von Menschen ist, nicht sein wie ein Mensch. Ich stelle den Vergleich ungern an, aber vergleicht man uns mit Haustieren, die bei Menschen leben, sie werden faul und fett, wie sollte also ein Gott der Menschen aussehen, Freibier für alle spendierend, damit sie ihn gut finden und er möglichst viele Freunde hat? Heutzutage wird keiner mehr Danke sagen für einen guten Sommer, für einen lauen Winter, nein was würde die Wintersportindustrie machen, und zur Not fliegt man einfach dorthin wo der Schnee fällt. Doch vielleicht bewege ich mich einfach auf dem falschen Kontinent, vielleicht habe ich die falschen Menschen gesehen, die, die keine Gnade kenne, nicht gegenüber sich, und nicht gegenüber dem Rest der Menschheit, weil Gnade und Dankbarkeit längst vergangene Rituale sind. Da gibt es vielleicht noch Ecken, wo ein guter Gott angerufen wird, doch leider nicht mehr hier, und wie lange noch dort? Dies ist eine weitere Frage, wie lange bleibt es dort noch so, wo Gastfreundschaft und Dankbarkeit regiert, nicht Ignoranz und Habsucht. Wenn Äußerlichkeiten das Innere an Wert übersteigen, Egoismus über Mitleid siegt, unwesentliche Rituale das wirkliche Gefühl bezwingen, so ist es der erste Schritt hin zum Ende der Welt. So beschimpfen sie uns, verdammen alles göttliche, beleidigen aber damit nicht uns, sondern nur sich selbst, mein angeblich doch so toller Vater kann sich ein lächeln nicht verkneifen, sie denken sie wären unabhängig, doch sie werden nur abhängig von anderen Dingen, nur eben nicht mehr von einem guten führsorglichen Gott, wie ich es hätte werden können. Doch Liebe, die man dabei schon spüren muss, für die ganze Menschheit, habe ich nie gesehen, sie nie gefühlt, immer nur verachtet, gestraft von den Menschen für mein Sein, für mein Ich. Ja wenn wir es gewusst hätten sagt ihr, auch Du? Ja vielleicht ist es so, dass ihr blind seid wie Justitia, die aber nur als Kunstwerk blind ist, sonst meist adleraugenbewährt, ihr seid es nicht, nein, ihr wollt nur nicht die Katze im Sack kaufen, also da muss man schon ein paar Wunder springen lassen, damit man mit ein bisschen Zuwendung der Menschen rechnen kann, denn umsonst ist nur der Tod, und der kostet noch das Leben. Also ein paar Wunder, aber am besten irgendwas finanzielles, wie wäre es mit einem Aktienanstieg meiner Papiere um tausend Prozent, dass wäre ein tolles Wunder. Jammert Eurer selbst, Ihr habt nicht mehr verdient, denn Ihr seht nur Euren Vorteil, Euren Gewinn, der wichtiger ist als jedes Glück der Welt. Und seid Ihr wenigstens so gnädig und lasst es damit gut sein? Nein! Ihr müsst natürlich noch Eure Kinder mit hineinzerren in das Boot des Leidens, weil Ihr Euch klammert an weltlichen Dingen. Ich sage Euch, eine gepflückte Blume, die Euch ein Kind aus vollem Herzen überreicht, Umweltschutz hin oder her, ist mehr Wert als alles Gold der Welt, denn wahre Liebe ist nicht bezahlbar.
"Wahre Worte, junger Gott, darf ich eintreten?"

50. Kapitel gute Freunde

"Entschuldigung, aber wer sind Sie, und was wollen Sie hier?"
"Niemand."
"Bist Du es Vater? Willst Du mich schon wieder verspotten? Einmal gefunden, für immer zu Deinem Spielzeug avanciert."
"Ist Dein Vater ‚Niemand'? Und ich bin auch nicht hier um Dich zu verspotten."
Ich stehe auf und gehe zur Türe, schließlich habe ich eine Erziehung genossen.
"Treten Sie doch ein, ich habe zwar niemanden erwartet, aber bitte setzen Sie sich doch, möchten Sie etwas trinken, einen Tee, oder vielleicht einen Kaffee?"
"Nein danke, Kaffee macht mein Herz nicht mehr mit."
Der alte Herr, eigentlich der ältere Herr, ich glaube alt sagt man nicht mehr, scheint mir so vertraut, irgendwie kenne ich jede Falte in seinem Gesicht, jede Runzel auf seiner Stirn, seine Stimme, alles scheint mir schon ewig bekannt, und doch habe ich ihn zuvor noch nie gesehen.
"Wer sind Sie und wie kann ich Ihnen helfen?"
"Du bist ein höflicher junger Mann, und ich bin hier, um Dich aus Deinem Versteck zu befreien, Dich herauszulocken."
"Das hat schon mein Vater versucht, und er ist normalerweise mit solchen Dingen sehr erfolgreich, ich meine er ist schon ein echter Meister der Manipulation."
"Ich weiß, doch ist seine Macht nicht auf die beschränkt die manipuliert werden wollen? Ist es nicht eher so, dass er nur die Gedanken und Gefühle der Menschen verstärkt, anstatt sie in Wahrheit zu manipulieren?"
"Ihr kennt meinen Vater?"
"Zur Genüge, man kann sagen, ich kannte ihn schon, als er so alt war wie Du jetzt. Doch er vergaß im Laufe der Zeit, dass es da noch mehr gibt als ihn."
"Ihr seht nicht jung aus, ohne Euch beleidigen zu wollen, aber so alt wie mein Vater schätze ich Euch nicht ein?"
"Du schließt von der Verpackung auf das Verfallsdatum? Die Hülle ist eben nur die Hülle, was ich bin ist jedoch mehr als nur ein menschlicher Körper mit einem menschlichen Geist, in mir ist alles, und doch ist auch das nur ein Abbild, aber dies genau zu erläutern wäre nicht so einfach und ist, glaube ich, auch nicht notwendig."
"Was sind Sie, ein höheres Wesen, eine höhere Macht als ein Gott, was kommt danach?"
"Eine Menge, glaube mir, der Götter gibt es so viele wie Menschen auf der Erde, eine Milliarde mal einer Milliarde, und diese Zahl ist noch zu gering, jeder kann, wenn er will, sich seinen eigenen schaffen. Glaube deswegen nicht, Du seiest etwas besonderes, auch Du bist abhängig von den Menschen, so wie Du etwas besonderes bist, und sie abhängig von Dir sind, eben eine Koexistenz, eine Symbiose, das eine kann es ohne das andere nicht geben, aber keiner ist wirklich mehr Wert als der Andere, jeder hat trotzdem seinen ganz eigenen Wert, der sich über ihn selbst definiert."
"Also eine höhere Macht?"
"Nicht eine höhere Macht, die höchste Macht, und doch bin auch ich nur ein winzig kleiner Teil des Ganzen."
"Und womit habe ich die Ehre Eures Besuchs verdient?"
"Ich bin hier, um Dich auf den rechten Weg zu bringen. Du versteckst Dich hier in einer Hütte im Wald, zum Nachdenken bestimmt nicht verkehrt, doch wenn man sich im Kreis dreht, sollte man aufhören, bevor einem schlecht wird."
"Wie soll ich das denn jetzt verstehen, ich würde zu keinem Ergebnis kommen? Und ob ich schon Ergebnisse gefunden habe, die ich in der Hektik der Welt dort draußen nie gefunden hätte."
"Das will ich nicht bezweifeln, doch wenn Du sie gefunden hast, dann stehe auf und setze sie um, anstatt weiter und weiter zu denken, Du kannst nicht die komplette Welt berechnen, alles im Voraus planen."
"Irgendwie komisch, ist es nicht immer so, dass wenn man es am meisten braucht, wenn man am meisten leidet, droht unterzugehen, nach Gesellschaft lechzt, sich über jeden Gesprächspartner freuen würde, keiner kommt. Und dann kommt wiederum der Moment, in dem hat man keine Lust zu reden, noch zu denken, und da stehen sie Schlange bei dir vor der Türe."
"Das ist das, was die Menschen mit Murphy's Law bezeichnen, es kommt grundsätzlich so, wie man es nicht denkt, und was schief gehen kann, geht schief. Aber Du solltest Dich gegenüber jemanden, der es gut mit Dir meint, nicht so verhalten. Ich weiß, Du wärst lieber alleine und würdest Dich in Deinem Elend suhlen, aber dies ist leider nicht der richtige Moment."
"Habe nicht ich zu entscheiden, wann und wo der richtige Moment für Selbstmitleid gekommen ist?"
"Bis gerade schon, ab jetzt nicht mehr, vorerst."
"Wie bitte?"
"Wenn es eine höhere Macht gibt, und ich glaube über die Existenz müssen wir uns nicht streiten, so hat sie Dich hierher gestellt, genau in diese Situation, mit dem Wissen, mit Deinen Ideen, was solltest Du also anderes tun, als Deiner Bestimmung zu folgen. Sollte es sie jedoch nicht geben, diese Macht, so ist es egal was Du tust. Solltest Du nicht gerade dann heraus in die Welt gehen und jeden Moment leben, egal wie es Dir geht, wie Du Dich fühlst, solltest Du nicht gerade dann jeden Moment mitnehmen, ansonsten würde jemand anderes diesen Moment leben, oder, was noch viel schlimmer wäre, niemand würde ihn leben, und ist nicht gerade dafür das Leben da, um es zu leben?"
"Du redest viel über das Leben, doch sehe ich meine Existenz nicht als ein Leben an."
"Weil Du daraus nichts machst, Deine Fähigkeiten sind vergeudet an Dir, scheinbar, schaue Dir Deine Schwester an, sie macht was aus sich, und Du, sitzt nur rum und denkst von a nach b und wieder zurück, kommst zu keinem Punkt, fängst wieder von vorne an, und wiederholst es so lange, bis Du wieder da stehst, du tumber Tor, und bist so klug als wie zuvor."
"Du willst mir nicht wirklich meine Schwester zum Vorbild machen? Das ist nicht Dein Ernst?"
"Wieso, uns ist es egal was passiert, uns ist wichtig das passiert. Gut und Böse sind Kriterien der Menschen, sie teilen sich und euch danach ein und ihr haltet euch daran, richtet euch danach, spielt das Spiel mit, doch wir sind nur das Gremium im Hintergrund, der den Spielplan aufstellt, keine Spieler, keine Trainer, keine Schiedsrichter, wir wachen nur, dass gespielt wird, ihr seit für die Einhaltung der grundlegenden Regeln zuständig, uns interessiert nicht wer wen und warum fault, darüber habt Ihr zu richten, sozusagen als Schiedsrichter oder Trainer der Mannschaften, um bei dem Gleichnis zu bleiben, Ihr sagt wer weiterspielt und könnt stützen oder stürzen, aber wir legen fest wie groß der Ball ist und feuern hier und da einen Trainer, oder stellen einen neuen ein, so wie jetzt."
"Und wen oder was soll ich Trainieren?"
"Menschen, werde Trainer der Menschen. Du musst losziehen und sie versuchen auf Deine Seite zu ziehen, so wie es schon immer war, und wie es sein wird, solange es Menschen gibt. Finde Deinen Weg, stelle Dich dem Kampf, gegen Deine Schwester, es ist Deine Bestimmung, zu mindestens eine von Deinen, Sie macht es Dir vor und zeigt Dir wo es lang geht."
"Immer wieder meine Schwester, Du scheinst sie ja sehr toll zu finden? Will sie nicht die komplette Menschheit ausrotten, alles Leben vernichten, und das unterstützt Du?"
"Hast Du es immer noch nicht verstanden? Es geht mir nicht um die einzelnen Personen, um die Menschen oder die Götter, es geht nur um das Spiel. Dich interessiert auch nicht bei einem Fußballspiel, ob der Spieler einen kaputten Zeh hat, sondern nur, dass er das Tor nicht getroffen hat, warum, wie, weshalb ist irrelevant für alle Außenstehenden."
"Und ich soll jetzt raus und mein ‚Team' zusammenstellen?"
"Korrekt, Deinen Weg suchen und finden."
"Aber der Weg scheint festzustehen, was soll ich dann noch suchen oder finden? Ich glaube, ich habe keine Lust darauf, keine Lust auf mein Team, ich trete ab."
"Rente bekommt nur, wer auch gearbeitet hat, also, bevor es zu spät ist, suche Dein Team und trete an."
"Aber haben Sie mich nicht immer nur verlacht, sich über mich lustig gemacht, sie hassten mich, und konnte ich sie zurückhassen? Nein. Zu menschlich sind die Gefühle, es tat mir weh, mehr, wie sie den anderen seelische Schmerzen zufügten, als sie es bei mir taten. Sie traten Gefühle, ohne Rücksicht, es war ihnen alles egal, und in dieser Welt soll ich Menschen finden, die sich nach Frieden sehnen, wo es da draußen nur Opfer und Täter gibt, und beide sich in ihren Rollen wenn schon nicht wohl, dann doch heimisch fühlen, und nichts daran ändern wollen? Dort ist niemand der meinen Idealen folgen wird."
"Wenn Du sie ihnen nicht mitteilst, kannst Du nicht erwarten, dass sie Dir folgen, oder? Wäre es nicht schön, es gäbe einen guten Gott? Du kannst er sein, Du bist auserkoren, gegen Deine Schwester anzutreten und Deinen Vater zu töten."
"Meinen Vater töten?", es entsetzt mich alleine der Gedanke daran, ich kann niemanden töten, nicht mal meinen Vater.
"Dann wirst Du es lernen müssen."
"Du weißt was ich denke? Wie kannst Du einfach zuhören, das ist meine Privatsphäre."
"Ich höre nicht einfach nur zu, ich denke was Du denkst, ich sehe was Du siehst, sozusagen bin ich Dein persönliches, personifiziertes Über-Ich. Eben Du, nur auf einer ganz anderen Ebene, mit ganz anderen Möglichkeiten."
"Ich dachte, ich hätte verstanden was Du bist, aber jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher."
"Eins ist sicher, Du wirst gegen Deine Schwester antreten, ob Du willst oder nicht, und Du wirst Deinen Vater töten!"
"Weiche, Du bist ja schlimmer als mein Vater, der von den Menschen Satan genannt wird."
"Schlimmer setzt voraus, dass ich nach irgendwelchen Kriterien einzuordnen wäre. Da das, was ich bin, aber nicht ist, ist es nicht."
"Ich glaube, ich halte keine Woche, keinen Tag mehr aus. Mir geht es einfach nur dreckig und die Welt um mich herum ist voller Verrückter."
"Du hältst es noch lange aus, Dein ganzes Leben."

51. Kapitel Rede zur Freiheit

"Was glaubt Ihr Menschen wer Euch leitet? Wenn Ihr wollt, niemand, wenn Ihr aber Leitung braucht, dann findet sich immer wer, der Euch Vorschriften vor setzt, der Euch Regeln aufstellt für das Miteinander, Regeln für das Gegeneinander wäre eine passendere Formulierung. Genauso gut könnt Ihr sagen, ‚Ich mache alles so wie ich das will!' und es ist richtig, doch handelt nicht Egoistisch, nicht Ich-bezogen, handelt fair, Euch und den anderen Menschen gegenüber, so gebe ich Euch nur ein Gesetz, welches es zu befolgen gilt, nicht mehr und nicht weniger: Achtet Euch und achtet alle anderen Menschen."
Vor meinem inneren Auge sehe ich die Menschen auf mich starren, ich spüre ihre Blicke, ihre Fragen, ihr Leid. Doch gesteht es sich einer ein, ohne daran zu Grunde zu gehen, und die es nicht sehen, gehen wie blind durchs Leben. Ihre Frage steht im Raum, was ist mit denen, die gegen das Gesetz verstoßen? Immer geht es nur um die Anderen, was ist mit den Bösen, diese Frage ist für alle die wichtigste.
"Wer gegen dieses Gesetz verstößt ist nicht automatisch schlecht, aber er soll es merken, schließt ihn für eine angemessene Zeit aus Eurer Gemeinschaft aus, lasst ihn außen vor, bis er merkt, was er getan hat, einen von Euch schlecht zu behandeln und es bereut. Reut er nicht, so wird er fort bleiben auf ewig und muss sich eine andere Gemeinschaft suchen, die seine Einstellungen teilt oder alleine bleiben bis der Tod ihn holt. Ergo, handelt wie ihr handeln müsst und bleibt alleine treu dem Gesetz ‚Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst'."
Irgendwie merke ich, dass ich das wohl nicht kann. Viele Menschen machen mir Angst, doch kann ich sie ihrem Schicksal überlassen, welches meine Schwester für sie auserkoren hat? Jeder Mensch, der stirbt, bevor seine Zeit abgelaufen ist, ist ein Mensch zuviel. Doch wie muss ich kämpfen, was muss ich sagen, so dass ich sie führen kann, kann ich es überhaupt? Diese von mir vorbereitete Rede ist wohl nicht der richtige Weg. Vielleicht sollte ich Taten sprechen lassen, aber das ist wohl auch nicht so sinnvoll, denn ich kenne meine Kräfte nicht, auch wenn es mich schon häufig gereizt hat, ich probierte sie nie, vielleicht sollte ich damit anfangen? Doch alleine der Versuch sie zu nutzen würde mich in die Situation bringen, dass ich in der Pflicht wäre, in der Pflicht zu handeln. So kann ich mir immer noch sagen, ich hätte mit alldem nichts zu tun, ich kann ja nichts tun, es gibt für mich also keinen Grund einzuschreiten. Wie sollte ich es auch mit meiner Schwester aufnehmen, oder sogar meinen Vater töten? Es ginge nicht, also muss ich mich nicht mit den Gedanken quälen, den Gedanken an die Tausenden von Menschen, die gerade jetzt sterben, weil ich nicht einschreite. Nein, es macht mich Wahnsinnig, ich könnte was tun, das hat der alte Herr doch auch gesagt, ich muss nur wollen, losgehen und sagen was ich will, wenn das alles mal so einfach wäre.

52. Kapitel geschwisterlich

Schwarz dunkel, in mir gefangen, sitze ich hier und harre der Welt und ihrem Ende, erwarte das die Nacht kommt, um nie wieder zu verschwinden. Wehklagen dringt aus meiner Seele zum Mond, doch selbst er will sich das nicht mehr länger anhören und verschwindet, sich selbst anheulend, einem Wolfe gleich im Unterholz der Nacht. So soll es geschehen, wie sie will, niemand wird sie aufhalten, ich schon gar nicht, denn an mir ist es zu leiden. Ich bin der Gott des Leidens, der verschmähten Liebe, der Ungeliebte, der Gott der armen Irren, der Ausgelachten, der Gott des Nichts. Meine Aufgabe ist es ihnen beizustehen auf ihrem letzten Weg, doch nicht einmal dazu bin ich in der Lage. Hasse mich selbst, wer ist mein Vater, wie will man damit existieren, wie will man da weitermachen, bei dieser Familie ist Selbstmord Erlösung, alles Andere ist Masochismus, jedes Ende kann nicht schlimmer sein als diese Form der Existenz. Wieso hat man gerade mich zu etwas anderem gemacht, wer dumm ist, weiß von alledem nichts, es geht ihm gut. Dummheit heißt Glück, Intelligenz Leid, nur ewiges Unverständnis für die Dinge und den Lauf der Welt, worüber sich der einfache Mensch keine Gedanken macht. Wie es auch immer wird, ob auch nur ein Mensch das ganze Chaos überleben wird, es interessiert nicht, ich werde nichts tun können.
"Einsicht ist der erste Weg zur Besserung."
"Ein richtiges Familientreffen, liebe Schwester.", ich hatte sie gar nicht eintreten gehört, noch bemerkt, dass sie nur noch einen Meter von mir entfernt steht.
"Wer träumt, sollte lieber die Augen schließen."
"Ich habe nicht geträumt, ich bin nur meinen Gedanken nachgegangen, Gedanken über meine Existenz und mein Verhältnis zum Universum."
"Hochtrabende Hirngespinste für einen Verlierer wie Dich."
"Sei nicht ungnädig, ich war nie der Klügste, so brauche ich eben ein wenig länger als Andere, um zur Lösung eines Problems mich vorzuarbeiten."
"Manche brauchen dazu fünf Minuten, manche fünf Tage, andere hingegen ihr ganzes Leben. Gehörst Du zur letzteren Gruppe?"
"Vielleicht, aber zum philosophieren bist Du nun auch nicht hier, oder irre ich mich? Vielleicht kommst Du schnell zur Sache, damit ich mich nicht länger als notwendig mit Dir herumschlagen muss."
"Wo denkst Du hin, warum sollte ich nicht einfach mal meinen geliebten Bruder besuchen, nur um mit ihm ein wenig zu plaudern?"
"Weil Du in der selben Zeit ungefähr zehntausend Menschen vernichten könntest, und dies alleine ist schon Grund genug. Das Du Dich nie gerne mit mir unterhalten hast, lasse ich bei meiner Berechnung mal außen vor."
"Jetzt werde nicht undankbar, wo ich mich immer so gut und führsorglich um Dich gekümmert habe, kannst Du doch jetzt nicht so was erzählen."
"Ach ja, führsorglich ist es, wenn man seinen Bruder vor allen Menschen lächerlich macht, damit keiner mit ihm spricht, von den ganzen anderen ‚Kinderstreichen' möchte ich nicht erzählen, es schmerzt noch heute zu sehr."
"Du bist eben ein Weichei, ein Schlappschwanz, Warmduscher, ich kann da nichts für, ich habe Dich nicht geschaffen."
"Womit wir also zu meiner ersten Frage zurückkommen können, wieso bist Du hier? Und denke nicht, Du könntest mir irgendeine Deiner Lügengeschichten auftischen, ich habe immer gemerkt, wenn Du gelogen hast."
"Wie? Ich und lügen? Ich glaube Du musst Dich irren."
"Dann beruhen Deine Aussagen eben auf Grundlage Deines eigenen Monoversums, Deiner eigenen Sichtweise der Dinge. Andere Menschen würden es einfach als ‚Lügen' bezeichnen."
"Andere Menschen vielleicht, aber wir sind keine. Wir sind Götter, auserwählt zu tun wonach uns verlangt."
"Und doch sind wir nicht besser und nicht schlechter als die Menschen, wir sind zwar anders, aber nicht besser."
Gelächter dringt an mein Ohr, sie scheint nicht meine Meinung zu teilen.
"Nicht Deiner Meinung? Ganz und gar nicht, liebes Bruderherz."
"Kann hier eigentlich jeder meine Gedanken lesen, nur ich nicht?"
"Du kannst Deine eigenen Gedanken nicht lesen? Du solltest Dich besser konzentrieren, also die eigenen sollte man schon kennen."
"Das meine ich doch nicht, ich meine nur, jeder scheint hier Gedanken lesen zu können, nur ich nicht, wie ist das möglich?"
"Ich sagte schon, Konzentration, und ein bisschen Übung. Aber wenn Du nie versuchst Deine Kräfte einzusetzen, wie willst Du dann irgendwelche positiven Auswirkungen Deines Gottseins spüren, obwohl Gedankenlesen nicht in jedem Fall zu den besseren Fähigkeiten gehört, ist zwar praktisch, aber was sich die Menschen so zurechtreimen, in ihren kleinen Köpfchen, ist nicht gerade lesenswert."
"Egal, auch deswegen bist Du nicht hier, warum also?"
"Wie Du ja mitbekommen hast, habe ich vor die Menschheit auszurotten. Ich werde sie alle vernichten, wenn sie es nicht vorher selber machen."
"Wofür Du natürlich nicht verantwortlich bist, ich meine, dass sie sich gegenseitig umbringen, da kannst Du nichts für, sie haben ja schließlich ihren freien Willen."
"Bist Du noch bei Trost? Sicher bin ich dafür verantwortlich, nur zur Verantwortung kann mich keiner ziehen, denn wo kein Richter, da kein Henker, oder wie heißt dieses tolle Sprichwort noch?"
"Gut, ist mir also soweit klar, Du rottest sie alle aus, aber?"
"Na ja, Vater scheint wohl nicht ganz meiner Meinung zu sein, was das mit dem Untergang der Menschheit so auf sich hat, und da..."
"Da möchtest Du, dass ich ein gutes Wort für Dich und ‚Dein Projekt' bei ihm einlege, ist es das?"
"Quatsch, hat der Wald Dir die Rübe matschig gemacht, ein gutes Wort einlegen, es herrscht Krieg, und mein verehrter Bruder will ein gutes Wort einlegen, wo warst Du in den letzten Wochen?"
"Nicht in Deiner Nähe, und das ist schon ziemlich gut so und sollte auch so bleiben, wenn Du mich fragst."
"Bei Bekannten und Verwandten warst Du schon immer etwas forscher, bei Fremden hingegen schweigst Du meist still, würdest Du Dich auch nur mir gegenüber so zurückhaltend äußern."
"Ich lasse es mir durch den Kopf gehen, doch was willst Du jetzt wirklich?"
"Vater hat angefangen mir ins Handwerk zu pfuschen, das ist überhaupt nicht mein Fall, er lässt einzelne Verrückte auf Schlüsselpersonen von mir Anschläge verüben, Personen die ich zur Zeit noch für meinen Plan benötige. Erst letztens verlangte es ihm, einen Anführer aus einer meiner linken Gruppierungen zu töten und einen seiner Leute einzusetzen, das sind unnötige Spielchen. Problem ist, ich hatte ihn einmal, hatte die Chance ihn zu töten, doch habe es nicht getan, mein Fehler. Und genau diese linke Gruppierung ist für weitere sieben Attentate verantwortlich, die auf andere Gruppen erfolgten, er scheint in Kampfeslaune zu kommen, und ich möchte mich vorbereiten, vorbereiten auf das Ende der Menschheit, und habe keine Lust noch ewig herumzuturnen."
"Und was habe ich mit Euren Spielchen zu tun? Ich kann weder Vater noch Dich aufhalten, also was sollte ich dabei tun, was Du nicht allein tun kannst?"
"Ich will ein Kind von Dir."
"Wie bitte, habe ich mich da gerade verhört, Du sprichst von Unzucht, wir sind Geschwister, ob ich Dich mag oder nicht!", was geht nur in Ihrem Kopf vor, sie muss ja Wahnsinnig sein.
"Ich bin nicht Wahnsinnig und vielleicht legst Du mal endlich die menschlichen Maßstäbe ab, die sind hier nicht mehr angebracht."
"Wir sind Geschwister, ob Götter oder Menschen, es ist nicht richtig, überdies will ich Dich nicht schwängern, dazu fehlt mir jegliche Motivation."
"Immerhin hättest Du dann mal Sex gehabt, und das nicht wie mit einem Menschen, sondern auf einer höheren Ebene. Überlege es Dir, wäre das nicht eine tolle Sache, wir könnten mit unserem Kind über die Erde, über das gesamte Sonnensystem, die Milchstraße und alles herrschen, wir wären die Götter des Universums."
"Ich glaube, diese hätten was dagegen."
"Sie sind schwach, ich habe bereits einen ihrer Diener getötet, ihm seine Kraft genommen, es war überhaupt kein Problem. Spürst Du nicht die Macht, diese Kraft, die durch Dich fließt. Inspiriert sie Dich nicht zu mehr, wir sind zum Herrschen geschaffen."
"Zu den Herrschern einer öden Welt, nein danke, nicht mit mir."
"Wir schaffen neue Wesen, Wesen die Intelligent sind, nicht wie diese Menschen, wir schaffen eine Welt voller Freude, Glück, kluger Geschöpfe, wir formen die Welt nach unserem Bild, nur Götter, die uns als die höchsten ansehen und uns folgen, und danach besiedeln wir das gesamte Universum, und jeder der uns begegnet, Freund oder Feind, wird sterben, und für sie setzen wir neue Wesen ein, unseresgleichen, ein faszinierender Gedanke, und wir, die Ureltern von alledem."
"Ich glaube, dass ich wahnsinnig bin; ich glaube, unser Vater ist ein geisteskranker Psychopath, der nicht mehr kann, als armen Menschen einen Spiegel vorzuhalten und sich daran zu erfreuen, als Hofnarr wäre er im Mittelalter hingerichtet worden; doch wessen Gedanken Du entsprungen bist, wird wohl auf ewig ein Rätsel bleiben. Größenwahnsinn war noch nie eine der guten Tugenden, und nur weil Du ihr nachgehst, wird sie nicht besser. Wie willst Du eine Welt schaffen, wo Dein ganzer Lebensinhalt nur auf Vernichtung aus ist, Destruktivität ist nicht konstruktiv, zerstören heißt zwar Platz schaffen für neues..."
"Richtig, eine neue Welt."
"Mag sein, doch Du wirst diese Welt nicht füllen können."
"Aber unsere Kinder werden es, wahre Götter, ohne jedwede menschliche Regung, nur noch Götter ihrer eigenen Gnade."
"Und wenn sie genauso abweichen von Deinem Bild, wie Du von Vaters?"
"Dann werde ich sie töten und neue schaffen."
"Bis einer von uns beiden nicht mehr kann? Ich glaube, Deine Welt gefällt mir weniger als die Welt der Menschen."
"Du verweigerst Dich mir? Wenn ich will könnte ich Dich nehmen."
"Sicher, doch wer sagt Dir, dass ich mich nicht zu wehren weiß?"
"Eben sprachst Du selber darüber, Du hast keine Chance gegen mich, und jetzt willst Du mich ablehnen, und riskierst Deinen Tod."
"Und danach, wenn ich Dir die richtige Anzahl Kinder gemacht habe, dann tötest Du mich doch, so oder so, ich werde wohl sterben, aber ich bin bereit."
"Du sollst nicht tot sein, dass ist nicht, was ich will. Ich will und werde Dich nicht töten, solange Du mitspielst. Verstehst Du denn nicht, ich möchte eben nur meine Ruhe, wenn alle Menschen tot sind, suche Dir einen Kontinent aus, aber nicht den, wo ich gerade bin, ja? Wie wäre es mit Australien, da verbrennen die Menschen gerade, könnte danach ein richtig schöner Platz werden, aber ich kann Dir dann ja noch mal Bescheid geben, welcher am idealsten ist."
"Tue das, ich lasse Dich auch Wissen, wann ich bereit bin, stelle Dich aber schon mal auf eine lange Wartezeit ein, unendlich Tage minus eins. Aber danke für den Hinweis auf Deinen Schwachpunkt."
"Es war mir eine Freude.", spottend.

53. Kapitel Erstgeborener

"Vater, höre mein rufen!", es gibt leider nur den einen Weg.
"Du riefst nach mir?"
"So nah bist Du bei mir? Immer? So schnell kannst Du hier sein, wenn ich Dich nur rufe?"
"So schnell wäre ich immer da gewesen, wenn Du nur gerufen hättest, anstatt Dich vor mir zu verstecken."
"Ich muss zugeben, ich bin über Dich verwirrt, ich habe Dich noch immer nicht verstanden. Jedes Mal, wenn ich glaube Dich einschätzen zu können, entwickelt sich die Sache in eine ganz Andere Richtung, kompliziert. Doch deswegen habe ich Dich nicht gerufen."
"Weswegen dann? Wie kann ich Dir helfen, solange ich hier noch existieren darf, vielleicht lässt Deine Schwester dies schon bald nicht mehr zu."
"Mir ist ein Gedanke gekommen!"
"Hast Du nicht viel zu viele davon? Weniger ist manchmal mehr, sagt ein menschliches Sprichwort, bei Dir wäre viel weniger auch viel mehr!"
"Egal, nicht lange Schwafeln, wir wollen handeln!"
"Wir, ich höre immer Wir? Ich habe Dir mehr als ein Angebot gemacht, es liegt an Dir mir nun eines zu offerieren, vielleicht hast Du ja doch was von mir geerbt, ein wenig Organisationstalent. Du musst wissen, ich habe schon viele Schlachten..."
"Höre auf mit dem Gerede von der Vergangenheit, wir sind in der Gegenwart, und ich glaube ich habe eine Lösung gefunden."
"Und die wäre, ich hoffe sie ist gut, ich lasse ungern mich in meinen Geschichten unterbrechen, musst Du wissen."
"Ich will mich fortpflanzen, ein Kind zeugen.", wieso schaut er so ungläubig? Er scheint nicht zu glauben, was ich da gerade gesagt habe, "Hast Du mich verstanden, Vater, oder nicht?"
"Ein Kind, das ist schön für Dich, mein Sohn, doch was habe ich mit der Sache zu tun? Wenn ich mich nicht irre, benötigst Du mich dafür nicht. Zweitens, was hat ein Kind mit unserem Kampf zu tun?"
"Du hast doch gesagt, wir seien meiner Schwester nicht gewachsen, doch wenn ich eine wirklich starke Frau finde, die rein genug ist, und alle meine Kraft direkt an das Kind übergebe, und Du noch einen Teil Deiner Kraft dazutust, wie Groß und Mächtig könnte es werden?"
"Deine Mutter war auch rein, und Dein Vater erst Recht, und ich habe auch einen Teil meiner Kraft gegeben, was sollte es..."
"Siehst Du, Du warst nicht daran beteiligt, Mutter und mein körperlicher Vater waren beide keine Götter, und Deine Macht wurde auf zwei aufgeteilt; siehst Du denn nicht, wie es eine vollkommen andere Situation wäre?"
"Doch schon, Du kommst ganz nach Deinem Vater."
"Da gibt es nur ein Problem, wo finden wir eine Frau für mich?"
"Eine Frau aufzutreiben, nichts leichter als das!"
"Doch sie muss mich lieben, so wie ich bin, damit es etwas werden kann. Denn nur wahre Liebe ist stark genug, diese Kräfte bündeln zu können, ansonsten glaube ich nicht, dass diese Frau dem Druck standhalten würde."
"Geht die Welt eben unter. Bis eben gefiel mir Dein Vorschlag ja, aber jetzt wird er langsam etwas unrealistisch, findest Du nicht auch?"
"Möglich, doch ich will es trotzdem versuchen, nicht für mich, sondern für das, was mir nachfolgen wird, was aus mir erwachsen wird. Ich werde losziehen und danach suchen."
"Sohn, Du bist ein hoffnungsloser Romantiker, erinnert mich irgendwie an einen Schnulzenroman, Du glaubst Du gehst los, und schwupp, hast Du die Liebe Deines Lebens gefunden? Du irrst, wenn Du meinst, so leicht sei das. Und was willst Du ihr sagen, ‚Hallo, ich bin ein Gott, wäre es nicht ein guter Tag um einen Halbgott zu zeugen, es geht immerhin um Leben und Tod!', sie werden Dich auslachen, Macht hin oder her, nimm Dir eine, Du bist schließlich ein Gott.", wieso muss er immer so herumaffen, so wird ihn nie ein Mensch wirklich ernst nehmen, und ich schon mal gar nicht!
"Nein, so möchte ich keinen Nachwuchs zeugen, nicht auf diese Weise. Verschwinde jetzt, ich rufe Dich, wenn es soweit ist. Halte Dich bereit!"
"Wie der Meister befiehlt, oh wie tief ich schon gesunken bin, und denke daran, wir sind nicht wie Menschen, wir müssen nicht betteln um Zeit und Zuneigung, wir sind Götter, wir nehmen sie uns!"
"Verspotte mich nicht, Du hast eine wirklich komische Sichtweise der Dinge."
"Und Du hast gar keine Sichtweise, wer ist nun schlechter dran?"

54. Kapitel Liebeslied

Jetzt habe ich, das erste Mal in meinem Leben, eine gradlinige Haltung gefahren, habe mich durchgesetzt, mein Vater ist abhängig von mir und weiß es noch nicht so richtig, meine Schwester wird erst mal warten, bis sie merkt, dass sie nie von mir geschwängert wird, allein der Gedanke schüttelt mich durch, ich habe Zeit zu handeln, doch habe ich noch nie gehandelt, und weiß so richtig nicht anzufangen.
"Was gibt es für Probleme?"
"Alter Mann, was suchst Du mich auf? Ich will bei Deinem Spiel nicht mitmachen, immer noch nicht."
"Und doch hast Du die Herausforderung angenommen, Du willst gegen Deine Schwester kämpfen und Deinen Vater hinters Licht führen, wie sollte ich es also sonst nennen."
"Nenn es wie Du willst, doch ist mein Ziel nicht die Rettung der Menschheit, es geht um, na ja, also darum, dass ich endlich, ach eigentlich weiß ich nicht was ich will."
"Du willst handeln, mitspielen im Spiel der Großen, ist das verwerflich?"
"Nein, aber ich weiß nicht wie?"
"Durch die Inspiration Deiner Schwester weißt Du doch schon was Du willst?"
"Es zu wissen ist die eine Sache, aber was soll ich tun?"
"Was willst Du denn tun?"
"Fragen mit Gegenfragen zu beantworten ist nicht gerade hilfreich für den Fragenden, wie wäre es Du bist etwas ideenreicher und hilfst mir durch konstruktive Antworten, anstatt nur weitere Fragen zu stellen."
"Nach was suchst Du?"
"Sagte ich nicht gerade, Gegenfragen seien nicht hilfreich?"
"Antworte, wonach suchst Du?"
"Ich suche die Liebe meines Lebens, aber ich glaube danach suchen alle."
"Nur weil alle danach suchen, heißt es noch lange nicht, dass es falsch ist. Die Liebe Deines Lebens, ein großes Ziel. Liebe wächst weder an Bäumen, fällt nicht vom Himmel, kommt nicht aus dem Boden, Liebe ist nicht zu greifen und doch ist sie da, vielleicht ist es nur eine Erfindung der Evolution, um die Menschheit aneinander zu binden, damit sie größere Gesellschaftssysteme aufbauen können, und doch irgendwie in kleinen überschaubaren Gruppen zusammenleben können, man kann ja schließlich nicht alle lieben, sondern nur genau eine Person."
"Ziemlich theoretisch, geht es nicht ein bisschen einfacher, ich möchte nicht über Liebe im allgemeinen sprechen, ich möchte über meine Liebe sprechen, aber was solltest Du schon davon wissen, Du gehörst zu einer höheren Macht, ihr braucht wohl keine Liebe."
"Da irrst Du Dich gewaltig, wir sind die Liebe, wir sind alles. Dazu kommt, auch ich war mal ein Mensch, bevor mein Körper zum Sprecher wurde, als Hohlgefäß zum Aufbewahren der unendlichen Macht und Weisheit, doch kann ich mich noch gut daran erinnern, an die Zeit als Mensch, denn diese Gedanken und Gefühle werden nie vergehen. Ich erinnere mich an meine Frau, wie ich sie kennen lernte, als wäre es gestern.", seine Stimme hat sich verändert, sie hört sich älter an, er sieht gebrechlicher aus, sein Körper scheint sich der jeweilige sprechenden Person anzupassen, "Sie war so wunderhübsch, an diesem Herbstmorgen, als sie eingepackt in einen dicken Mantel, mit Schal und Mütze an der Bushaltestelle stand und wartete, es hatte in der Nacht vorher das erste Mal gefroren, und so stand ich da, vollkommen unangepasst gekleidet, noch auf Sommer eingestellt, und fror schrecklich. So warteten wir da, schauten hin und wieder verstohlen rüber, und der Bus wollte und wollte nicht kommen. Meine Zähne klapperten, schneller könnte ein Specht im Wald nicht klappern, und genau so sprach sie mich an, ich sah in ihre tiefgrünen Augen, ihr langes dunkles Haar schaute unter ihrer Wollmütze hervor und ein Lächeln hing auf ihrem Gesicht, so als wolle sie den Sommer festhalten und die Kälte so für immer draußen lassen. Bibbernd und zitternd, und nicht nur der Kälte wegen, gab ich ihr mein letztmögliches Lächeln, ich glaubte mich dem Kältetod nahe, und sagte ‚Ziemlich kalt heute.', ungefähr das dümmste was man sagen konnte, und genauso fühlte ich mich, wie der größte Trottel, aber ist man in so einer Situation nicht immer ein Trottel? Was soll ich sagen, sie lachte, und gab mir ihren Schal, und der roch so gut, ich habe den Duft noch heute in meiner Nase, wenn ich daran denke, und umgarnt von ihrer Schönheit und dem Duft setzten wir uns, der Bus schien nicht kommen zu wollen, auf eine Mauer und unterhielten uns. Nach fünfzehn Minuten, in denen ich nichts von der Kälte mitbekam und wir das beste Gespräch meines Lebens geführt hatten, gingen wir in ein Cafe, um uns aufzuwärmen und einen Kakao zu trinken, es war der leckerste Kakao in meinem ganzen Leben, und wir saßen dort, der Bus war uns längst egal, und wir unterhielten uns, Stunde um Stunde verging, und was soll ich sagen, von dem Tag an war kein Tag mehr so, wie es vorher war, immer wenn mir kalt war, irgendwas schief lief, meine Laune im Keller war, immer dann dachte ich an diese Situation, hatte ihren Geruch in der Nase, und spürte in meinen Händen die Wärme der Tasse Kakao, die ich an diesem Tag fest in beiden Händen hielt, und sobald ich daran dachte war aller Ärger verflogen, aller Frust weg, ich war einfach nur noch glücklich."
"Gut, Deine Geschichte ist ja ganz schön, doch was soll das mir alles sagen, soll ich mich jetzt an eine Bushaltestelle setzen und auf den nächsten Bus warten, nur um die erstbeste Frau, die vorbeikommt, anzusprechen?"
"Kleiner Narr, wenn Du meinst, es sei richtig, dann tue es, doch eigentlich sollte es Dir nur als Beispiel dienen. Verstehst Du es nicht, Du kannst Liebe weder erzwingen noch erwarten, Du musst aber bereit sein für sie, die Augen und im Besonderen das Herz offen halten, damit jemand anklopfen kann. Kennst Du das Gleichnis aus der Bibel mit dem Diener, der auf seinen Herren wartet, er weiß nicht, wann er kommt, doch musste er nicht immer damit rechnen, in jeder Sekunde, dass sein Herr an seine Türe klopft und Einlass verlangt, in sein Haus. Das heißt nun nicht, Du solltest zum Diener der Frauen werden, dass mögen sie ganz besonders wenig, doch Du musst bereit sein, denn wenn es passiert, dann gibt es keine Fragen mehr, keine Rätsel, nur noch Liebe, und dafür muss man eben bereit sein."
"Soweit so gut, das habe ich verstanden, doch wo soll ich suchen?"
"Da muss ich zugeben, ist jede Bushaltestelle besser geeignet, als dieser Faradaykäfig der Liebe, in dem Du hier haust. Nichts gegen ein paar Tage der Einsamkeit, aber mehr als Deine eigene Liebe wirst Du hier nicht finden; obwohl, wenn ich es Recht überdenke, wäre das doch der richtige Anfang, Liebe erst mal Dich selbst, zu mindestens so ein bisschen."
"Wie bitte?"
"Treibe Dir Deine schweinischen Gedanken aus dem Kopf, gehe kalt Duschen oder Laufen, es ist auf jedenfall nicht das, was Du jetzt schon wieder denkst, ich meinte das mehr auf geistiger Ebene. Aber brauchst Dich nicht zu schämen, ich glaube, das haben Männer schon immer getan, solange es sie gibt, so sind sie eben. Zu meiner Zeit war das auch schon so, nur gab es damals eben nicht so viele schmutzige Heftchen, wir hatten noch Fantasie."
"Ach so, nur was soll ich jetzt tun?"
"Du kannst Dich einschließen und warten bis es vorbei ist, oder rausgehen in die Welt und loslegen, zeig den Mädels, was Du für ein patenter Kerl bist, zeig Dich von Deinen guten Seiten, und höre bloß das Jammern auf, darauf, wie sagt man heute so schön, können die gar nicht drauf. In Dir steckt doch mehr als nur so ein einfacher Waschlappen, Du kannst es, ich weiß das ganz genau, wenn Du nur endlich anfängst Dir mehr zu zutrauen."
"Also Du meinst ich sollte einfach nur rausgehen, in die große weite Welt und warten, bis mir die Frau meines Lebens, meine große Liebe begegnet."
"Anklopfen wird hier, in dieser Wildnis, wohl kaum eine, da musst Du schon unter Menschen, ob Du willst oder nicht."
"Aber ich habe Angst vor den Gefühlen der Menschen. Was ist, wenn ich etwas falsches sage, etwas sage, was sie verletzt, oder noch schlimmer, sie verletzen mich, kann ich auf jemanden mit diesen Optionen zugehen?"
"Ich glaube Du musst, da gibt es zumindest wenig Alternativen."
"Ich habe noch nie geliebt, das weißt Du?"
"Frage mich lieber, was ich nicht weiß, ich glaube, damit sind wir schneller fertig."
55. Kapitel Sekten Von einer Sekunde auf die nächste, eben noch in der Holzhütte in Kanada, jetzt mitten im Großstadtgetümmel, schmerzhaft hineingeworfen. Die Menschen um mich herum sprechen eine andere Sprache, nicht das ich sie nicht verstehen würde, doch ich verstehe sie nicht, weil ich die Sprache kenne, sondern weil ich sie einfach verstehe. In meinen Ohren höre ich noch die Worte des alten Mannes ‚Ich habe Dir Kräfte gegeben, die weit über die Vorstellungskraft der Menschen hinaus gehen, nutze sie gut und weise.', was meint er mit weit über die Vorstellungskraft, Menschen haben eine Menge Fantasie? Doch was bringt es mir jetzt darüber zu philosophieren, ich weiß auch noch nicht ganz wonach ich suchen soll, aber wenn ich schon mal da bin, kann ich mich auch umschauen. Die Menschen hier sehen etwas Europäisch aus, vielleicht irgendein Land im Südosten, dachte Europa wäre schon von meiner Schwester plattgemacht, egal, viele Menschen mit dunklem Haar, ein wenig ärmliche Gegend, viele hübsche Frauen, die die Straße herabflanieren, das wenige zeigend was sie mehr als haben als die Anderen, ein schöner Herbsttag. Ich laufe an Cafes vorbei, vor und in dem Pärchen sitzen, schwätzend, liebkosend, sich tief in die Augen blickend, und da erkenne ich, warum ich so gerne in meiner Hütte in Kanada saß und es auch gerne wieder tun würde, ich sehe sie und komme damit nicht klar, verstehe es nicht, wünsche mir selbst nichts sehnlicher, und doch, es schmerzt in mir. Um mich herum so viele hübsche Frauen, und ich stehe vor ihnen wie ein kleiner Dummkopf, drehe mich im Kreis, die Gedanken fangen vorne an und kommen am selben Punkt wieder aus, ohne einen Schritt gemacht zu haben. Also wenn ich die eine freundlich dreinschauende Brünette jetzt angesprochen hätte, und wenn ich den besten Spruch gesagt hätte, welchen besten Spruch, wie wäre es mit ‚Hey, ich bin der Sowieso, und wie heißt Du?', was hätte sie anderes gesagt als ‚Verpiss Dich!' oder ‚Eine schlechtere Anmache hast Du nicht!', vielleicht versteht sie mich ja auch nicht, oder ist total dumm und erkennt nicht was ich ihr sagen möchte, oder sie ist sogar so dumm, dass ich mich nicht mit ihr auf die Straße traue, vielleicht will sie auch gar nichts mit einem Gott zu tun haben, oder sie will was von mir, aber ich versage später, in der Beziehung und oder beim Sex, wenn ich sie anspreche kann ich eigentlich nur verlieren, spreche ich sie jetzt an? Sie ist weg. Puh, noch mal Glück gehabt. So streif ich durch die Innenstadt, schlendernd, ohne Ziel, denke mich bei jeder dritten Frau im Kreis, die anderen beiden bekommen grundsätzlich einige Makel angeheftet, um sie noch leichter zu vergessen, bevor man an sie gedacht hat, die eine ist zu dick, die andere zu klein, noch eine zu dürr, die da sieht einfach zu blöd aus, die kann nur Arzthelferin sein, ich will ja schließlich eine Frau mit Zielen, kein ewig gleiches Gejammer, die ist bestimmt nicht ganz dicht im Kopf, und die ist sowieso irgendwie und überhaupt nicht mein Typ, obwohl? Ein langer Seufzer geht über meine Lippen und scheint wohl Beachtung zu finden. Aus dem Nichts steht eine Gruppe von Menschen vor mir, alle in braunen, fast ockerfarbigen Gewänder gekleidet, alle mit ähnlich gnädigem Gesichtsausdruck behaftet, Sektenhirnis! Ich kenne diese Sippe von Menschen, die alle nicht mehr zu tun haben, als einem Pseudogott hinterherzulaufen, aber eigentlich nur die Fußabtreter eines größenwahnsinnigen Menschen sind, der von sich behauptet, er sei der Sohn, ein persönlicher Freund oder zumindest ein näherer Verwandter eines Gottes oder einer uns noch unbekannten Abart, wie gesagt, größenwahnsinnige Menschen. Doch wenn ich so richtig bedenke, könnte ich auch einer von diesen ominösen Halbgöttern sein, der zwischen zwanzig und zwanzigtausend Anhänger hat, und sich über diese ein gutes Leben finanziert.
"Hallo Bruder, Du siehst etwas verwirrt aus. Wir würden Dir gerne helfen.", spricht mich scheinbar der Anführer der Gruppe an.
"Hallo. Warum?"
"Wir sind die ‚Kinder der Zukunft', und wir würden mit Dir gerne über Dein Leben sprechen.", "Und Deine Zukunft." kommt der Zwischenruf eines Mädchens.
"Welches Leben?"
"Genau, darum geht es, welches Leben, welcher Sinn, warum alles?"
"Und Ihr habt Antworten auf all das?"
"Haben wir, und noch viel mehr. Wieso glaubst Du, bist Du auf dieser Welt?"
"Ich dachte, Du hättest Antworten, und kommst jetzt erst mal mit einer Frage?"
"Doch nur um Dir zu zeigen, wie die Wahrheit ist, und dass Du bisher nur falschen Götzen hinterhergelaufen bist."
"Du sprichst fast wie mein Vater, doch egal, Du fragtest nach meinem Sein in dieser Welt.", nachdenkend, warum bin ich hier, "Ich kann Dir wohl sagen, warum ich jetzt hier bin, aber nicht was das alles soll."
"Siehst Du, und wir haben Antworten, möchtest Du nicht mitkommen, um sie und Dich selbst zu erfahren?", "Ich denke er will." ruft das durchaus hübsche Mädchen dazwischen und grinst mich freundlich an, sie wirkt so rein, so unschuldig, irgendwie jungfräulich, warum fängt der Typ schon wieder an zu erzählen, obwohl ich doch gerade nichts mitbekomme, "...wenn Du uns folgst. Hast Du mich verstanden? Es bleibt Dir übrig jederzeit zu gehen, wir zwingen niemanden.", dieser ewig freundlich monotone Wortschwall ist wohl nervig, aber vielleicht wissen sie ja wirklich was.
"Ist gut, ich komme mit, hatte heute sowieso nichts vor, was soll es also?"

56. Kapitel Höhle

Nach gut zwanzig Minuten Fußmarsch erreichen wir endlich die Zentrale, ein weißer Marmorbau, der mich doch etwas stutzig macht, in solchen Situationen frage ich mich immer, irgendwer muss den doch mit Geld oder eigener Hände Arbeit gebaut haben, doch wie kommt jemand normales an so viel Geld, oder so viele Hände. Inzwischen scheint sich unsere Schar gut und gerne verdoppelt zu haben, ohne das ich das so genau mitbekommen habe. Immer wieder muss ich dieses Mädchen anschauen, sie betrachten, immer wieder geht mir jeder Sinn für Zeit oder Realität abhanden, Gedanken stürzen auf mich ein, eine Stimme in mir sagt ‚Das ist Sie, die Richtige!', ich versuche krampfhaft diese Stimme zu unterbinden, verstehe die Welt nicht mehr, betrachte sie trunken von Liebe, wie kann man nur so denken, so handlungsunfähig sein, ich weiß, heute Nacht werde ich nicht schlafen können, vor Aufregung, vor Erregung, ich weiß es noch nicht, wenn ich doch nur wüsste, wie ich sie ansprechen soll, dabei schaut sie immer wieder zu mir rüber und blickt mich freundlich an, grinst, wenn unsere Blicke sich treffen, wobei mein Blick direkt im Boden versinkt, sobald ich es bemerke, peinlich und peinlich, mir ist und es ist . Sie schaut mich einfach nur freundlich und nett an, und ich habe Herzrasen, ist dies eines Gottes würdig? Eines Gottes vielleicht nicht, aber meiner in vollem Umfang, kein Kommentar, lache nicht, Du musst doch wissen dass ich damit keine Erfahrung habe. Was ich hier will, ob ich nur hier bin um die Frau anzumachen möchtest Du wissen, vielleicht, mehr sage ich nicht ohne meinen Anwalt. So betrete ich die Höhle des Löwen, was mich von den Hirnis erwartet weiß ich nicht, ich weiß aber was ich von der Frau erwarte, und das gehört nicht ins Kinderprogramm. Man denkt, als Gott hätte man Privilegien, ich sage Dir, Pustekuchen, nichts, scheinbar kein Einziges, oder ich bin eben noch kein Gott. Wie Du merkst, drehe ich mich mal wieder im Kreis, ohne auch nur einen Schritt weiter zu kommen, erst mal hören was es so gibt, bei den ‚Kindern der Zukunft', welcher Zukunft überhaupt, wenn ich nur einen klaren Gedanken fassen könnte, ‚Kinder der Zukunft', kommt mir irgendwie bekannt vor, wenn das Mädchen nicht so hübsch wäre, versuche dich zu konzentrieren, wunderschön wie Abendrot, die Göttin meines Abends, meiner Nacht, Konzentration, irgendwas stimmt hier doch nicht. Die Vorhalle ist riesig, keine Menschen zu sehen, sie ist so schön, sie scheint so klug zu sein, eine große Türe öffnet sich, ein großer Saal, unmöbliert, nur Kissen auf dem Boden, weiße Kissen auf weißem Marmor, wie gerne wäre ich hier mit ihr alleine, reiß dich zusammen, wir sitzen in einem großen Kreis, einige in normaler Kleidung, so wie ich, einige in den weißen Gewändern, scheinbar Novizen, da sie alle noch sehr jung scheinen, einige in braunfarbigen Gewändern, von Ocker bis in ein tiefes dunkelbraun, einer in einem grell-schwarz-scheinendem Gewand erhebt sich, der war eben noch nicht dabei, wo ist eigentlich die wunderschöne Frau? Gut, da drüben sitzt sie ja, doch warum schaut sie plötzlich so ernst, bis eben haben doch noch alle gesprochen, gelacht, und jetzt ist alles vorbei, kein Laut ist zu vernehmen, keine Miene freundlich oder glücklich, nur das tiefe Atmen des Obergurus durchdringt die Stille, er atmet ein, er atmet aus, er atmet ein.
"Schwestern, Brüder, Ihr seid hier um mich herum, weil Ihr nach Antworten sucht, Antworten auf die Fragen warum und wieso, woher und wohin, und ich bin hier, weil ich den Weg gefunden habe, das Ziel und den Anfang. Ich habe die Göttin geschaut, von Angesicht zu Angesicht, und sie sprach zu mir ‚Mein Bruder, ich bin das Leben und der Tod, die Vernichtung und die Wiedergeburt, Alpha und Omega, erhebe Dich vor mir und schaue mir in meine Augen, damit Du siehst, ich spreche wahr.', und ich stand auf, schaute und sah. Weiter sprach sie, ‚Ich bin hier um Dir den Sinn zu geben, die sechs Gesetze des Lebens, die sechs Gesetze des Todes, und Du bist meine Stimme, meine Verkündung, zeig den Menschen den Weg, suche Dir die Deinen. Sechs für den inneren, sechsundsechzig für den mittleren und sechshundertsechsundsechzig für den äußeren Kreis.', und sie sah mich verwirrt. ‚Warum ich?', kam die Frage von mir, worauf sie lachte und sagte, ‚Weil ich es will, denn ich wähle und nicht der Mensch, dem Menschen bleibt nur noch die Entscheidung, ob ja oder nein, doch in letzter Konsequenz gibt es selbst die nicht.'. Doch hört weiter was sie sprach, ‚Ich gebe Dir jetzt die sechs Gebote des Lebens. Erstens, ich bin die einzige Gottheit, neben mir gibt es keine. Zweitens, liebe dein Leben, solange ich es Dir schenke. Drittens, sei gütig zu denen, die an mich glauben, es sind deine Brüder und Schwestern. Viertens, bekehre die, die nicht an mich glauben, kämpfe gegen alle die nicht glauben wollen. Fünftens, du kannst alles haben, wenn es dir keiner gibt, nimm es, solange es keinem Glaubenden gehört. Sechstens, mache was aus dir, sei fleißig und arbeite zur Mehrung meines Ruhms, denn das ist das Leben.', so sprach sie und schaute gütig in meine Augen, doch verfinsterte sich ihr Blick. ‚Verstehst Du die ersten Sechs Gebote? Denn jetzt folgen die sechs Gebote des Todes. Erstens, wenn ich verlange dein Leben, so hast du es zu geben, da es mir gehört. Zweitens, wenn der Tag kommt, so wird jeder Glaubende auferstehen in meinem Reich, wenn er lebte und starb nach meinen Regeln. Drittens, der Tod gehört zum Leben, wenn ich es verlange, hat jeder dem zu folgen, und wenn es heißt seine Mutter, Schwester oder Tochter, seinen Vater, Bruder oder Sohn in mein Reich zu senden, denn ich gebe und nehme, und es gibt keine Fragen. Viertens, in meinem Reich erwartet euch die nächste Stufe auf dem Weg zur Ewigkeit, die ihr im Menschenleib nicht verstehen könnt, daher müsst ihr euch vom Ballast des Körpers zur rechten Zeit trennen. Fünftens, wer nicht handelt, wie ich gebiete, wird nicht schauen mein Reich, er wird schauen, dass Reich, welches vor dem Menschsein stand, an das er sich nicht entsinnen kann, denn er muss erst lernen wie ein Mensch zu handeln. Sechstens, damit das Universum aufgehen kann in die nächste Stufe, wird die endgültige Vernichtung kommen, die nur meine Vertrauten überstehen und nur sie schauen die neue Welt.', und ich schaute betrübt, ‚Wieso dann noch leben, lass mich sofort untergehen, und mit mir die ganze Welt?'. Darauf blickte sie wiederum fragend, schüttelte ihren Kopf und äußerte nur noch folgenden Satz, ‚Ein Gleichnis, wenn in einer Klasse alle die Möglichkeit haben sollen etwas lernen zu lernen, so muss man warten, bis auch der Dümmste die Möglichkeit hatte es zu verstehen, nutzt er sie nicht, so hat er sie nicht verdient, doch jeder der sie nutzt wird reich belohnt.', und sie entschwand vor meinen Augen, ging auf, und ich spürte Glück und Hoffnung in mir, da mir die Gottheit erschienen war, das einzig und alleinig göttliche Wesen."
Ich bin noch immer etwas verwirrt, merke erst jetzt, dass ich das Mädchen gerade, und wohl schon seit gut fünf Minuten mit offenem Mund anstarre und sie freundlich zurückblickt, die ganze Zeit, und ich scheine trunken vor Glück, welches ich immer noch nicht fassen kann. Das erste Mal in meinem Leben bin ich unsterblich verliebt, und dann in ein Sektemädchen, eine wunderschöne Frau, die sich an eine Sekte kettet, die auf das Ende wartet, wo ich doch gerade auf meinen Anfang schaue, das ist wirklich Paradox.
"Ihr seid auserkoren, mit uns eine neue Gesellschaft zu begründen, wir sind viele, Tag für Tag werden wir mehr, Schwestern, Brüder, vor uns liegt ein langer Weg, doch wir bekamen ein Zeichen von unserer Göttin, die geschweifte Acht, sie symbolisiert mit den drei Schweifen den Anfang, den Weg und das Ende, dazu die Acht, die niemals endet, als Zeichen ihrer Göttlichkeit.", während er auf das Symbol im Hintergrund deutet, erinnert mich irgendwie, ich weiß auch nicht, aber ist sie nicht ein hübsches Mädchen? "Schaut, sie gab mir Kraft Wunder zu tun, und ich will Euch helfen, Euch heilen, weil ihr meine Geschwister seid, so wie sie unsere Schwester ist, denn denkt an das dritte der Gebote des Lebens, sei gnädig zu denen, die deine Geschwister sind. Doch jetzt ruht Euch erst einmal aus, Morgen erzähle ich Euch mehr von dem Symbol, den Geboten, von ihr."
Die Gruppe erhebt sich, der Guru geht durch eine Türe nach hinten, die sich ziemlich schnell hinter ihm schließt, doch dieses Mädchen geht mir einfach nicht aus dem Kopf, ich weiß nicht...
"Hallo, ich bin Tanja, da Du neu hier bist, soll ich Dir alles zeigen?"
Spricht sie mit mir? Sie spricht mich an! Was soll ich jetzt sagen, etwas was nicht doof klingt, etwas kluges, aber nicht zu klug, sonst hält sie mich für einen Schwätzer, vielleicht ganz locker, aber auch nicht zu locker...
"Ja, danke.", oh Gott, was erzähle ich da. Wir gehen durch die Gänge und schweigen uns ein wenig an, ich finde immer noch keine richtigen Worte, sie ist noch hübscher, so von nahem, aber das hilft mir auch nicht viel weiter.
"Das hier sind unsere Zimmer, hier schlafen wir."
Eine Reihe von Türen macht sich vor mir auf, ich schätze mal so zehn, vielleicht elf Stück, sie zeigt mir einen der Räume, er hat Lagerstätten für jeweils sechs Jünger, Betten sind keine enthalten, eben nur Lager aus Decken und Kissen.
"Zur Reinheit.", sagt sie und ist noch schöner, ihre Schönheit scheint Minutenweise zu wachsen, "Wir schlafen auf dem Boden, weil das den Körper reinigt, da die schlechte Energie im Stein versickern kann, unter uns, manchmal vermisse ich schon so ein richtiges Bett, aber man gewöhnt sich daran, und es hilft wirklich. Und Dein Lager ist hier, direkt neben meinem."
"Werden hier Männer und Frauen etwa nicht getrennt?", dumme Frage, wenn ich direkt neben ihr liegen soll, wir leben schließlich in der Neuzeit, wir sind weder spießig noch konservativ.
"Wieso sollte das? Wir sind alle Menschen, und vor der Gottheit alle gleich."
"Aber hat ‚die Gottheit' keine Angst vor dem, was die Menschen so Nachts eben machen könnten?"
Sie lacht aus vollem Halse und schaut mich rücksichtsvoll grinsend an, "Es ist der Christengott, der jeden Spaß verbietet, unserer Gottheit ist dieser Teil unseres Lebens nicht wichtig, hier wird alles akzeptiert."

57. Kapitel Scheitern

Sie liegt neben mir, knapp zwei Meter entfernt, es ist stockfinster im Raum und ich höre ihren Atem, langsam, ruhig und gleichmäßig, ich rieche sie, ich spüre sie, ich fühle, es ist das erste Mal in meinem Leben, und ich kann es noch nicht glauben, ich liege hier allein mit einer Frau in einem Zimmer, die kein Hehl daraus macht, dass Sex vollkommen in Ordnung ist und es ja schließlich sowieso jeder tut. Gut, so hat sie es nicht ausgedrückt, aber irgendwie schon, und so kreist mir der eine Gedanke schon eine ganze Weile im Kopf herum, wie stelle ich es an diese Hürde von zwei Metern zu überbrücken, ohne mich lächerlich zu machen, ohne am Ende mit leeren Händen dazustehen, oder sogar noch jede Möglichkeit zu verspielen, nur weil ich es jetzt überstürzen will. Wenn ich mich so recht entsinne, ist der ganze Tag verflogen, ohne das ich viel davon mitbekommen habe, immer nur sah ich sie, ob bei der Versammlung, sie führte mich herum, sie saß beim Essen mir gegenüber, sie schläft hier im Zimmer, und ich liebe sie so sehr, und verstehe das alles nicht so ganz, heute Morgen saß ich schließlich noch alleine in einer Holzhütte im Wald, und jetzt bin ich mitten in einer Sekte, und alles scheint sich geändert zu haben. Wundert mich schon ein bisschen, warum gerade ich angesprochen wurde, schließlich könnte ich ihre Gottheit sein, wenn ich nur wüsste, was ich kann, welche Macht mir innewohnt, ich spüre nicht mehr und nicht weniger als gestern, außer dieses Gefühl zwischen den Lenden, das brennt zwischen ihren Lenden zu sein, immer nur diese Frau.
"Kannst Du etwa nicht schlafen?"
Sie liegt neben mir, ohne das ich das mitgekriegt habe, ich weiß, ich hab nicht geschlafen, aber wie sie dort hingekommen ist, weiß ich auch nicht.
"Nein. Ich mache mir einige Gedanken."
"Worüber denkst Du nach?"
"Über dies und jenes, nichts genaues.", was bestimmt nicht der Wahrheit entspricht, die ich ihr aber schlecht sagen kann, sie muss aber gemerkt haben, dass ich versuche auszuweichen.
"Schüchtern? Komme ich wenigstens in Deinen Gedanken auch vor, so ein klitzekleines bisschen?"
"Ich kann nicht lügen; ja, sogar ziemlich viel."
"Warum redest Du dann noch so viel, handle!"
Ich spüre ihre Hand unter meiner Decke, wie sie über meine Beine streichelt, langsam nach oben fahrend, auf meiner Brust, ihre Brüste an meiner Seite, ihre Lippen auf mir, auf meinen, die kalte weiche Hand vorantastend, wieder Richtung unten, sie greift zu, weich und kräftig, ohne grob zu werden, ich fühle, das Gehirn feuert Signale in den ganzen Körper, Blut wird hereingepumpt, er wächst, sie liegt auf mir, entschuldigst Du mich bitte, ich habe da glaube ich etwas zu erledigen, und das kann etwas dauern.

58. Kapitel Freiheit

"Es war wunderschön."
"Ja es war wunderschön; beim nächsten Mal, lass Dir nur ein bisschen mehr Zeit. Wir sind ja schließlich nicht auf der Flucht."
"Für mein erstes Mal fand ich es schon ziemlich gut."
"Wie, das war Dein erstes Mal? Und das sagst Du mir erst jetzt?"
"Warum, ist deswegen irgendwas, was ändert es daran?"
"Ich weiß nicht, aber ich hätte es vorher schon wissen sollen. Ich finde ich hätte ein Recht darauf gehabt."
"Ich kann es zwar nicht verstehen, aber lass uns über was anderes reden. Was hältst Du davon, lass uns weg gehen von hier. Komm mit und ich zeige Dir die ganze Welt."
"Wieso sollte ich hier wegwollen, wieso Du? Gefällt Dir unser Glaube nicht, hast Du was gegen mich, oder gegen unsere Erhobenheit, was ist mit Dir."
"Ich habe nur so ein komisches Gefühl, komm, wir gehen weg von hier, ich bringe Dich, wohin Du willst."
"Ich will nicht fort von hier, so sehr ich Dich mag, aber ich glaube an das, was hier gesagt wird, und ich will dazugehören zu den sechs des innersten Kreises."
"Meinst Du nicht, dass sich die Rede von Eurer Erhobenheit ein wenig komisch angehört hat? Ich liebe Dich, und sonst ist mir nichts wichtiger in meinem Leben, als Dich glücklich zu machen und Dich glücklich zu sehen. Komm mit mir, lass uns weggehen, so weit, dass uns keiner folgen kann."
"Hast Du nicht gehört, sie will nicht!"
"Schwester, was machst Du hier?"
"Bist Du noch immer so vernebelt, dass Du nicht merkst, wer ihre Gottheit ist?"
Neben mir fällt Tanja zu Boden, fängt in einer mir unbekannten Sprache eine Zeile immer und immer wieder zu wiederholen, ich verstehe weder die Worte noch den Sinn oder Inhalt, es scheint eine Art Gebet zu sein.
"Du holst niemanden von mir, suche Dir Dein eigenes Volk. Meine Leute tun alles für mich, sie wird Dir also nicht folgen, und jetzt verschwinde aus meinem Haus, Du bist auserkoren zu verlieren, Du sollst nicht auf der Gewinnerseite stehen, hast Du das immer noch nicht begriffen? Sei froh, dass ich Dich leben lasse."
"Bei den Gesetzen wurde ich schon stutzig."
"Ich hatte nicht viel Zeit, sie sind nur eben schnell zusammengeschustert."
"Doch ich hätte es vorher merken müssen, diese Gefühle die ich hatte,..."
"Du bist eben zu menschlich, zu sehr unsere Mutter, zu wenig unser Schöpfer, kein würdiger Gegner, nicht so wie unser Vater, Du bist ein Verlierer."
"Wer weiß, ich habe Macht bekommen, vielleicht kann ich Dich ja töten, und Du weißt es nur noch nicht."
"Du hast also Macht erhalten, von wem oder was? Unser Vater hat wohl nicht mehr allzu viel, also kann er es wohl nicht gewesen sein. Egal, Du kannst abziehen, hau ab, ich will Dich nicht mehr sehen."
"Ich gehe nicht ohne sie, das kannst Du vergessen."
"Das einzige was vergessen wird bist Du, schlag sie Dir aus dem Kopf, sie wird Dir nicht folgen, und würde sie es tun, sie wäre tot, im selben Moment."
"Wer bist Du, dass Du glaubst mir Vorschriften machen zu können?"
"Ich bin es, erkennst Du mich nicht mehr, ich bin Deine Schwester, die neue größte Göttin auf dieser Erde, und bald die einzige Göttin. Wie ich überlegen konnte mit Dir Nachwuchs zu zeugen verstehe ich immer noch nicht, ich brauche kein Volk, ich brauche nur mich, und Du hast es die längste Zeit gemacht, auch Du wirst dran glauben, scher Dich zum Teufel."
Lautes Lachen gellt aus ihrer Kehle, das Gesicht friert ein, finsterer Blick, kein Funken eines Lachens ist mehr zu erkennen, so als hätte sie es nie getan, als wüsste sie nicht einmal wie es geht.
"Wir sind nicht mehr Kinder, bedenke das, heute wehre ich mich."
"Oh, Du armer kleiner psychisch Kranker, möchtest Du Dich auf meine Couch legen um über Deine Kindheit zu berichten, die ja so schlimm war, weil Deine böse Schwester Dich immer so gehänselt hat, kein Papa da und die Mutter im Stress, keine Freunde, niemand der sich um Dich scherte."
"Du hast Recht, damals hatte ich Angst vor Dir. Heute sieht es anders aus, ich habe Macht."
"Welche Macht, die Macht des Hasenfußes, die schnellen Beine um wegzulaufen und sich am Rockzipfel der Mama zu verstecken, gehe mir aus den Augen."
Das einzige was ich mitbekomme ist ein grelles Licht.

59. Kapitel Mutter

Harte Landung, mir tun alle Knochen weh, was war das nur, ich wurde von ihr einfach weggeschmissen. Ihre Macht scheint immer stärker zu werden, und was mir eigen ist, außer das ich ein vollkommener Idiot bin, weiß ich immer noch nicht. Wieso konnte der Alte Herr sich nicht ein wenig deutlicher ausdrücken als er von meinen Fähigkeiten sprach. Somit musste ich mal wieder Prügel einstecken, so wie früher in der Jugend, immer, irgendwo hat sie Recht, ich bin scheinbar ein Verlierer. Aber das sie unsere Mutter erwähnen musste, ich gebe zu, ich habe sie schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen, war etwas zu sehr mit meinem Selbstmitleid beschäftigt, warum hat sie sie nur erwähnt? Meine große Liebe verloren, keine Aufgabe, ich weiß nicht mal ob die große Liebe echt war und keiner hat Zeit mich vorzubereiten, auf das was kommt. Ist das alles Selbstbetrug, vielleicht ist ja jede Liebe Selbstbetrug, jede Liebe nur Illusion, wer sagt, dass es so etwas überhaupt gibt, Liebe, und wenn es die schon nicht gibt, wie dann die große, echte, einzige? Unmöglich, alles nur Einbildung, Liebe ist nicht existent, mein menschlicher Teil, der mir diese Sinnestäuschung brachte, aber bin ich zu sehr meine Mutter, wie meine Schwester sagt, oder bin ich nur einfach anders als sie? Keiner da, der mir Antworten gibt, und Du, bist auch so still geworden, was ist los, hat es Dir die Sprache verschlagen?
"Nein, ich finde es nur alles sehr komisch."
Was findest Du denn bitteschön so komisch?
"Na, irgendwo sagst Du immer, dass Du ein Gott bist, dass Du Macht hast, probierst aber nichts aus, einfach mal versuchen, mehr als scheitern kann es doch nicht."
Stimmt, und wäre das nicht schon schlimm genug?
"Wieso, Du weißt nicht, welche Kräfte Du hast, Du kannst ja nicht erwarten, dass Du alles kannst, wäre doch schon mal was, wenn Du ein Kaninchen aus dem Hut zaubern könntest, oder?"
Ich habe keinen Hut, und das fände ich auch nicht so berauschend, ich bin schließlich ein Gott, da könnte man doch ein wenig mehr erwarten.
"Was denn, unendliche Stärke, Schnelligkeit, Intelligenz, Kontrolle über Menschen oder Gegenstände? Was würdest Du denn können wollen?"
Ich weiß nicht.
"Ein Gott, der nicht weiß was er will. Wenn Du nichts willst, was kannst Du dann erwarten? Kein Wunder, dass Deine Schwester Dich verpönt, Du musst Dich schon was trauen, das Leben kommt selten zu einem und schenkt einem fleißig ein, und wenn, dann doch eher ein bitteres Getränk. Ich glaube nicht, dass alles Spaß machen kann, doch Du hast nun wirklich alle Möglichkeiten."
Redest fast wie mein Vater, aber hast Du immer noch nicht gemerkt, ich lebe nicht nur einfach, ich bin ein Gott.
"Ich bin ein Gott, ich bin ein Gott, ich kann die Leier wirklich nicht mehr hören. Gerade weil Du ein Gott bist hast Du alle Möglichkeiten, dann tue doch auch etwas, was eines Gottes würdig ist, und sitze hier nicht jammernd herum und beklage Dich selber, egal ob Mensch oder Gott, man muss sein Leben leben, keiner hat gesagt, dass es Spaß machen muss, immer und zu jeder Zeit, es ist einfach so wie es ist."
Hast ja Recht, aber was ist wenn ich nichts kann?
"Dann weißt Du es wenigstens, oder willst Du ewig mit der Einbildung leben, Du seiest zwar ein Gott, aber ohne genaue Funktion, aber mit einer Menge an Macht, die aber nicht genau definiert ist?"
Jetzt werde ich erst mal meine Mutter aufsuchen, dann reden wir weiter, ich fühle mich jetzt einfach nur ziemlich verwirrt; schau mal wo wir sind.
"Wo?"
Wir standen eben nicht in meiner alten Nachbarschaft, wir waren nicht mal in der Nähe, wir waren sogar bestimmt tausende Kilometer entfernt, und von jetzt auf gleich stehe ich hier, ich hatte es doch nur gesagt?
"Siehst Du, ein göttliches Wunder, und wohl von Dir geschaffen."
Ich habe aber doch nichts getan.
"Was willst Du tun, einen Zauberspruch aufsagen? ‚Hokuspokusfidibus, dreimal schwarzer Kater.', ich dachte immer, bei einem Gott reicht der Wille allein, nicht mehr sei nötig."
Aber ich bin doch noch ein Gott in der Lernphase.
"Du benötigst eine ziemlich lange Lernphase, wenn Du mich fragst. Vielleicht solltest Du Dir mal mehr wünschen, als nur Dich von einem Ort zu einem anderen zu transportieren?"
Möglich, aber schau Dich mal um, alles zerstört hier, sieht aus, wie nach einem Krieg, alle Häuser sind beschädigt, einige sogar ganz zerstört, nur wenige scheinen noch bewohnbar, was aber wohl die meisten Menschen nicht daran hindert weiterhin dort zu leben. Was ist hier nur passiert?
"Deine Schwester? Frag doch einfach mal einen Passanten."
Von denen es hier nicht allzu viele gibt, aber ist vielleicht keine schlechte Idee, "Entschuldigen Sie, können Sie mir vielleicht sagen..."
"Es ist fünf vor drei."
"Nein, danke für die Auskunft, aber ich wollte eigentlich wissen, was hier passiert ist, gab es einen Krieg?"
"Wo waren Sie, in Australien, die ganze Welt steht in Flammen, Kriege, Unruhen, Aufstände überall, und Sie fragen mich was hier passiert ist, gut, hier läuft es noch glimpflich ab, aber Sie sind mir schon einer."
"Krieg?"
"Nein, hier noch nicht, aber auch hier gibt es einige Verrückte, und einem davon hat wohl die Häuserfront hier nicht gefallen und da hat er sie kurzerhand in die Luft gesprengt, zu mindestens soweit es ihm gelang."
"Wohnt hier noch eine Maria Schröder, wissen Sie das vielleicht?"
"Zwei Straßen weiter, doch ich glaube sie zieht gerade um."
"Wissen Sie, ob sie schon umgezogen ist und wenn wohin?"
"Ich glaube noch nicht ganz, aber wenn Sie sich beeilen, sie wohnt immer noch da, wo sie schon seit zwanzig Jahren wohnt. Sind Sie ein Verwandter?"
"Kann man wohl sagen, ich bin ihr Sohn."
"Dann junger Mann, solltest Du Dich wohl wirklich beeilen."
"Warum, was ist los, geht es ihr nicht gut?", ich sehe es, nicht alleine in seinen Augen, nicht in seinem Gesicht, in seinen Gedanken sehe sie im Bett liegen, sie atmet, schwer hebt und senkt sich ihre Brust, ihr Ende naht, ist da, ihr letztes Gericht wartet, so denkt sie, der Pastor neben ihr betet, das letzte Gebet, sie macht ihr letztes Kreuz, Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft? Ich beginne zu rennen, spüre meine Beine schmerzen, soviel bin ich in den letzten Jahren nicht gelaufen, biege um die Ecke, renne die Stufen hinauf, Tür auf, hinauf durch den Flur, zur Wohnung, die Türe ist angelehnt, Leere kriecht mir entgegen, laufe durch die Räume, Dunkelheit, Einsamkeit, kein Mensch da. Vieles scheint kaputt, zerstört, die Wohnung ist menschenleer, sie ist tot, ich weiß es. Wie konnte ich sie nur so vergessen? Wieso konnte ich nicht eher da sein, wieso vergaß ich die Zeit? In meiner Kindheit, als ich regelmäßig am Rockzipfel meiner Mutter hing, hatte sie immer Zeit für mich, beantwortete mir die dümmsten Fragen, kochte mir zu essen was ich wollte, war immer da, wenn der Rest der Menschheit gegen mich war, und jetzt konnte ich nicht bei ihr sein? In einem Moment im Leben hätte sie meine Hilfe gebrauchen können, und ich musste mich in der Zeit in Selbstmitleid baden, anstatt an ihrer Seite ihr Ende zu erwarten, ich bin kein guter Sohn, war nie wirklich das, was sich eine Mutter wohl wünscht, selbst dafür bin ich zu blöd, wenn ich nicht einmal den einfachsten Dienst kann, den Dienst am Nächsten, wie kann ich die Welt retten?
"Entschuldigung, wer sind Sie?", kommt eine Stimme von hinten.
"Wissen Sie wo sie ist? Wo ist meine Mutter?"
"Ach, Du bist es. Ich habe Dich gar nicht erkannt, Du hast Dich ja verändert, bist ein richtiger Mann geworden."
"Was ist mit meiner Mutter?"
"Es tut mir leid, sie ist gestern gestorben, sie hatte so sehnlichst darauf gehofft, dass einer von euch Beiden noch auftaucht, bevor sie starb, sie hat nur von euch gesprochen."
"Tut mir nicht mehr weh, mein Herz blutet schon genug, alte Frau. Wie ist sie gestorben?"
"Sie ist friedlich gegangen, der Herrgott hat sie zu sich genommen."
"Das hoffe ich kaum, aber egal, war die Beerdigung schon?"
"Nein, ich bin gerade auf dem Weg zur Kirche, möchtest Du mich nicht begleiten?"
"Auf zur Kirche."

60. Kapitel Aufgebahrt

"Du kennst Jesus von Nazareth?"
"Vater, was machst Du hier?"
"Ein Versprechen einlösen, das ich Deiner Mutter gab."
"Du hältst Dich an Versprechen?"
"Aber sicher mein Sohn, was glaubst Du denn, dass ein Gott seinen eigenen Worten nicht treu ist? Gut, hier und da bin ich mal nicht ganz gradlinig in meiner Entscheidungsfindung, doch ist dies nicht egal, ich bin schließlich ein Gott. Was machst Du hier in der Kirche, in meinen Hallen?"
"In Deinen Hallen? Was kommt jetzt wieder für ein Ammenmärchen?"
"Ammenmärchen? Wieso, wie kommst Du darauf, ich würde Dich anlügen? Da kommst Du wohl ganz nach Deinem leiblichen Vater, er wollte mir die Geschichte auch nicht so ganz glauben."
"Welche?"
"Nicht so genervt, das junge Burschen immer so ungeduldig und so schnell genervt sein müssen, aber ist ja egal, den Christengott, der von Deiner Mutter angebetet wurdest, wir sitzen hier angeblich in seinen Hallen, den hat es nie gegeben, er ist eine große Lüge."
"Das kann doch nur der Teufel sagen."
"Wenn Du das so meinst, doch Jesus war mein Sohn, so wie Du, er ist also eigentlich Dein toter Bruder."
"Wie bitte? Jesus mein Bruder, was hieße, wir wären hier in Deinem Hause."
"Korrekt ‚Alter', oder wie sagt die Jugend das heute so schön, Du sitzt im Hause Deines Vaters."
Soll es so sein, keiner kennt die Wahrheit außer mir und meinem Vater, ich habe es in seinen Augen gesehen, ich habe die Geschichte gespürt als er mit mir sprach, ohne es genau zu verstehen warum und woher ich diese Information habe, selbst für einen angehenden Gott gibt es Fragen und Rätsel, die eigene Macht, die man nicht kennt und nicht versteht, doch den Gott der Juden, der vor vielen Jahrtausenden starb, gibt es heute nicht mehr? Das hört sich doch sehr verrückt an.
"Ich bin der Christengott, glaube es mir, es ist Dein guter alter Vater, der diese Religion begründete, oder besser gesagt, begründen ließ, von Jesus Christus, Deinem Halbbruder."
"Du siehst mich verwirrt. Wieso hast Du das getan? Wozu begründest Du Religionen, die nicht Dich, sondern etwas ganz anderes anbeten, etwas, was nie wirklich und heute schon gar nicht mehr existiert?"
"Macht Spaß, wenn alle Menschen ihr Elend vor Dir ausbreiten und Dich anflehen und du sie mit einem Arschtritt hinausbefördern kannst, nur damit sie nächsten Sonntag, mit etwas geschwollenen Hintern, wieder in deinem Haus sitzen um weiterzujammern. Sie führten Kriege für mich, sie verbrannten und quälten sich, sie schlossen aus und verbannten, doch immer lobten sie meine Herrlichkeit, selbst in Momenten schlimmsten Todes dachten sie nur an den alten Herrn mit dem langen weißen Bart, der genüsslich auf seinem Thon sitzt und sie gutwillig betrachtet."
"Und weswegen ist Dir das nicht genug, weshalb willst Du, das aus uns Götter werden? Und wenn Jesus Dein Sohn war, wo ist er jetzt?"
"Er sitzt ein wenig verwirrt seit knapp zweitausend Jahren ziemlich alleine im Himmel rum und weiß nicht so ganz was er tun soll, armer Junge, aus ihm wird nie ein richtiger Gott. Vielleicht sollte ich ihm seinen Mietvertrag kündigen, soll er sich doch eine andere Bleibe suchen? Aber um auf Deine eigentliche Frage zurückzukommen, weshalb ihr zu Göttern werden sollt? Ich denke die Antwort kannst Du Dir alleine geben, betrachte Dir die Menschen, sie interessieren sich nicht mehr für Religion, sie sind faul und fett geworden, sie beschimpfen den Papst, das Leben an sich oder den Zeitgeist, schaffen sich ihre eigenen Götter, und das ist das schlimmste für einen Gott, wie will man mit einem feuerroten Sportflitzer, hübschen Frauen und viel Geld mithalten? Und das sind nun mal die neuen Götter, und da möchte ich etwas Gegenzusetzen haben."
"Halt Stopp, das fällt mir erst jetzt auf, was springt eigentlich für mich dabei raus wenn ich bei Deinem Plan mitspiele, besser gesagt für meine Schwester und mich?"
"Hättet ihr beide nicht gewollt, wärt ihr hier auf der Erde irgendwann einfach verreckt, ohne auch nur eine gute oder schlechte Tat gemacht zu haben, ohne einmal am Nektar der Macht geleckt zu haben, da aber Deine verehrte Schwester ein ziemlicher Heißsporn ist, bleibt Dir kaum noch Zeit zu pokern, denn wenn sie gewinnt, ist es für Dich vorbei, und wohl auch für mich, also musst Du, wenn Dir was an Deinem Leben liegt doch eigentlich von ganz alleine darauf kommen, dass Dir keine andere Möglichkeit bleibt als den Kampf aufzunehmen."
"Das ist alles nur ein großer Plan von Dir."
"Glaubst Du wirklich ich habe Spaß daran die ganze Zeit Prellbock für Deine Schwester zu spielen, wohl kaum, ich hatte damit gerechnet, dass ihr unterschiedlich seid, als ich davon hörte, es würden Zwillinge werden, wie Feuer und Wasser, sie, die alles niederbrennt, und bei Dir hatte ich darauf gehofft, dass Du das Feuer eindämmen würdest, aber zur Zeit macht das Wasser nicht viel mehr als um sich und die Menschheit weinen."
"Du wolltest nicht uns zwei? Du hattest nur mit einem von beiden gerechnet, da hat Dir das Schicksal gehörig ins Handwerk gepfuscht, oder irre ich mich da etwa? Ich glaube kaum, dass das meine Schwester weiß, was sie wohl dazu sagen würde?"
"Was sollte sie schon dazu sagen? Ich wollte einen neuen Jesus, der die Leute betrügt, unwissentlich, und danach still und leise abtritt und sich nicht mehr blicken lässt, der neue hätte neben dem alten Jesus im Himmel sitzen können, da ist noch genug Platz, und ebenfalls so ein paar Trilliarden Jahre nachdenken können, bis zum Ende aller Zeit."
"Du wolltest nie einen Gott neben Dir."
"Mach Dich nicht lächerlich Sohn, glaubst Du ich hätte so etwas zugelassen, wenn ich nicht dazu gezwungen worden wäre? Mach Dich nicht lächerlich, nur die Situation hat Euch diese Macht gegeben, aber die Macht ist eine Bürde, wenn Du weißt was ich meine. Komm, beeil Dich, Du kommst zu spät zur Beerdigung."

61. Kapitel Erde zu Erde

"Jesus von Nazareth sagte zu seinen Jüngern ‚Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen. Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.' , Amen, so sage ich, lasst uns miteinander bitten für diese Frau, die ihr Leben im Namen Gottes geführt hat und den Nächsten liebte wie sich selbst. Lasst es uns Maria Schröder ähnlich tun, ihr, die eine gute und warmherzige Frau war, und die aufgegangen ist in das Reich Gottes. Seiner Herrschaft wird kein Ende sein, denn er hat uns seinen Sohn gesandt um uns den rechten Weg zu weisen, damit wir alle am Tage, der uns von ihm bestimmt wurde, an seine Seite treten und mit ihm Leben in alle Ewigkeit Amen."
"Lüge, alles eine große Lüge." schreit es aus mir heraus, ich sah wovon mein Vater sprach und sehe, welcher Lüge sie aufgesessen sind, sie beten eine Götze an, ein Bild, welches keinen realen Ursprung besitzt, außer die perversen Ideen meines Vaters.
"Mein Sohn, ich weiß, Du trauerst um Deine Mutter, und ich weiß wie schwer der Verlust eines geliebten Menschen ist, doch gerade in solchen Momenten steht der Herr bei uns und hält uns seine Hand entgegen, er will uns Trost spenden und helfen durch das tiefe Tal."
"Seid Ihr alle blind, seht Ihr nicht, dass dies alles nur eine Lüge ist, eine Lüge um Euch klein zu halten, um Euch einen Sinn zu geben der aber nun wirklich nichts mit der Realität zu tun hat?", meine Stirn pocht, Adrenalin schießt in meinen Blutkreislauf, ich fühle die Unruhe, die Angst, den Stress, doch hilft es was, bleibt mir eine andere Wahl? Ich muss mit ihnen teilen was ich sah, ihnen erklären was passierte.
"Entschuldigung, aber.."
"Kein aber, wisst Ihr es immer noch nicht, der, der hier gepriesen wird ist schon längst tot, Jesus war einer großen Lüge aufgesessen, er wusste es nicht besser, sein Gott war eine Lüge für uns, sein heiliger Geist, gelogen, es gab das alles nie, außer in seiner Fantasie."
"Es ist wohl besser, Du gehst nach Hause."
"Darf ich nicht in den Tempel meines Vaters, denn versteht ihr nicht, es gibt mehr als nur gut und böse, es ist egal woher Du kommst, wohin Du gehst, egal an wen Du glaubst, es ist wichtig das Ihr die Hoffnung in Euch tragt und sie nicht aufgebt. Doch was sehe ich, Hoffnung? Nein, eine Gruppe verstockter alter Herrschaften, wobei das Alter im Kopf viel schlimmer ist als das alter Eurer Ausweise, die ohne Hoffnung sind und bitten und betteln, einen toten Gott um Gnade und Geschenke anflehen, er möchte bitte alles genau so machen, wie Ihr es Euch wünscht, wie es schon immer war. Glaubt Ihr, das wäre die Aufgabe eines Gottes? Sollte alles so sein wie Ihr es wollt, wäre dann ein Gott noch ein Gott, nein, er wäre Euer Diener. Und sollte er Euch nicht helfen, wozu ist er dann existent?"
"Ich glaube Du hast genug gesprochen.."
"Es ist noch lange nicht genug, denn anstatt vor diesem eingebildeten Gott Euch gerecht zu fühlen, damit ihr gerade Euer Gewissen damit beruhigen könnt, weil Ihr Euch ja so an seine Gebote haltet, solltet Ihr lieber tief in Euch hinein horchen und Euch fragen, bin ich wirklich gerecht, weil ich an Gott glaube, weil ich niemandem etwas zu leide tue und nichts mache, was jemand anderem Schmerzen zufügt, weil ich nicht lüge und nicht stehle, nicht den Partner des nächsten nehme und niemanden umbringe, ist denn das alleinige nicht tun von schlechten Taten eine gute Tat? Nein, sage ich Euch, denn ihr sollt Gutes tun, alleine das Böse zu unterlassen ist etwas für Pharisäer. Wenn ihr etwas von Jesus lernen wollt, so seht, dass er ein Mensch war, dem besondere Fähigkeiten gegeben wurde, und die er versuchte, so gut ein Mensch es kann, zu nutzen, nicht alleine um böses zu unterlassen, nein gerade um gutes zu tun. Ihr habt, jeder für sich, ebenfalls Fähigkeiten, vielleicht könnt ihr nicht heilen, nicht in die Zukunft sehen, keine Wunder tun, und große Reden halten ebenfalls nicht, doch ihr habt Angst davor zu tun, weil ihr scheitern könntet an der Aufgabe der Liebe, doch auch er scheiterte, konnte sich nicht beherrschen. Genügt es Euch also ein Ziel hinzustellen, ein Idealbild zu schaffen, welches nicht zu erreichen ist um sich dann damit zufrieden zu geben, eben ein bisschen besser als schlecht zu sein, das eigentliche Ziel könnt Ihr ja eh nicht erreichen? Armselig wer nicht sieht wie es ist, wer nicht kämpfen will, da er sich zu alt, zu schwach oder noch zu unreif fühlt, ich sage Euch: Achtet Euch und achtet alle anderen Menschen, redet miteinander wenn alle schweigen, helft Euch wenn es Menschen schlecht geht, freut Euch wenn es jemandem gut geht, denn wenn der Tag kommt, da ihr sterbt, könnt ihr nichts mitnehmen als das Lachen und das Weinen Eurer Erinnerung, und die Menschen, die es mit Euch teilten."
Ich spüre Ihre Blicke in meinem Rücken, sehe sie sich ungläubig anstarren, die ersten können mit dem Tratsch nicht einmal warten, bis ich diesen Ort verlassen habe, doch selber kann ich nicht glauben, was ich gerade getan habe. Ich werfe Ihnen Handlungsunfähigkeit vor und handle selber nicht. Doch habe ich nicht gerade angefangen, bin ich nicht mittendrin, doch wohin führt mich der Weg? Erst mal raus vor das Tor, im Augenwinkel erkenne ich ein bekanntes Gesicht.

62. Kapitel Freund, ein guter Freund

"Ich wusste, dass ich Dich hier finden würde. Klasse Auftritt eben, Du hast Dich ja in den letzten anderthalb Jahren kaum geändert, verzeihe den Anflug von Ironie, aber nach dem, was Du gerade veranstaltet hast, ist mir irgendwie danach."
"Es ist auch schön Dich zu sehen, es kommt mir gerade mal wie anderthalb Wochen vor, dass wir uns das letzte mal gesehen haben, und wie ist es Dir ergangen?"
"Du meinst, nachdem Du zu Deinem achtzehnten Geburtstag keine Party gemacht hast und einfach abgehauen bist, was übrigens nicht sehr nett war."
"Nun, es gab da so einige Gründe
"Und ich dachte wir seien Freunde, und was Du Deiner Mutter.."
"Ich habe keine Freunde, hatte nie welche, keiner, der mich versteht, die Menschen waren alle schlecht zu mir, ich sitze an Tischen mit Menschen die mich nicht kennen, keiner von ihnen kennt mich, ich kenne niemanden, ich sitze neben ihnen, höre ihnen zu, niemand hört mir zu, es ist egal, auch wenn da keiner ist, der mich mag, der es schätzt, dass ich da bin, es ist egal, ihnen, mir."
"Frauen? Ist doch korrekt? Bei welcher bist Du abgeblitzt?"
"Ich glaube, ich kann darüber nichts sagen, ich habe es irgendwie noch nicht ganz verarbeitet, nur soviel, ich habe sie gefunden, sie wollte mich, und ich habe doch wieder verloren."
"Nimm sie alle nicht so ernst, die ganze Menschheit, und schon mal gar nicht die Frauen. Du hattest immer ein viel zu großes Herz, ich glaube Du lernst es nie, Du musst ihnen das Gefühl geben, aber Herr der Lage bleiben. Sobald Du Gefühle hast, und da rede ich nicht von unserem besten Freund, nein, ich meine, wenn Du wirklich etwas spürst für eine Frau, dann musst Du den Spagat zwischen Liebesbock und Eisblock hinkriegen, ihr zeigen, dass Du was empfindest, aber nie zeigen, dass Du für sie in den Tod gehen würdest, auch wenn einem dieser Gedanke manchmal am Naheliegensten ist."
"Ich wollte ihr die ganze Welt zeigen, sie war das schönste Geschöpf auf dieser Welt, doch es war nicht das, was sie wollte."
"Du legst ihr die Welt zu Füßen, doch wollte sie das überhaupt? Was hast Du ihr bedeutet? Wie weit seid ihr gegangen? Jetzt erzähl schon."
"Ganz weit, verdammt weit, doch was ich ihr Wert war, dass habe ich bis heute nicht verstanden. Ich weiß, ich habe sie geliebt, doch was sie für mich empfand, kann ich im Nachhinein nicht sagen."
"Vergiss das eine Mädel, es gibt genug andere auf dieser Welt. Bei dieser hast Du nun mal verloren, und Niederlagen muss man hinnehmen können, auch eine wichtige Sache, die uns gerade nur die Frauen lehren können, jedem Mann würden wir dafür einen einschenken, ihm Prügel androhen, doch bei Frauen ziehen wir den Schwanz ein und ziehen von dannen. Manchmal wünschte ich mir, sie wären alle weit über zwei Meter, nein kein Fetisch für große Frauen, sondern Mann hätte einen Grund für die Flucht, für die Feigheit vor dem Feind."
"Du bezeichnest sie als unsere Feinde? Ist das nicht ein wenig übertrieben?"
"Bildlich gesehen? Ich weiß, der Vergleich hinkt, aber bevor Frieden geschlossen werden kann, muss es erst einen Krieg gegeben haben, also muss man erst ein wenig kämpfen, bluffen, ein Spiel spielen, um später dann Waffenstillstand schließen zu können und danach im Bett zu landen."
"Könnte glatt von mir sein, doch habe ich trotz alledem keine Lust darauf, auf diese ganzen Spiele, all die Sprüche, das ganze heucheln und lügen."
"Ich denke, dass dies sich aber nicht vermeiden lässt, es ist wie es ist, und wird wohl auch nie anders werden, eine Frau zu finden, bei der von jetzt auf gleich alles glatt läuft, ist wohl der Traum jedes Mannes, noch ein bisschen hübsch, ein wenig intelligent und schon hat man die Frau fürs Leben. Doch meist ist es doch eher so, man liebt was man nicht haben kann, oder noch schlimmer, liebt was man nicht versteht, oder am schlimmsten, liebt was man abbekommt. Da ist das Debakel vorprogrammiert, siehe wie es ist, es ist eben Zufall, ob man die Frau seiner Träume findet oder nicht, und deswegen ist und bleibt die ganze Sache ja auch so spannend."
"Man kann es eben von zwei Seiten sehen, entweder man liebt oder man
hasst den Kampf, Du scheinst ihn zu lieben, ich hasse ihn."
"Aber wenn er doch dazugehört, jeden Morgen aufstehen ist Kampf, sich zusammenraufen ist Kampf, selbst Spaß zu haben bedarf einer gewissen Grundmenge an Kampf, mit wem und wohin man geht, was man unternimmt, welcher Kinofilm, ob nun in den finnischen Schwarzweis-Stummfilm aus den dreißiger Jahren oder den neuen Actionfilm, alles ist Kampf, das ganze Leben."
"In meiner Holzhütte in Kanada gab es diesen Kampf nicht."
"Cool, Du warst in einer Holzhütte in Kanada, abgefahren, aber doch hoffentlich mit einem hübschen Mädchen und nicht alleine?"
"Ganz alleine, und es war sehr inspirierend, ich habe viel nachgedacht, über die Welt, das Universum, es war eine gute Zeit."
"Du denkst zu viel, etwas weniger denken, etwas mehr handeln."
"Komisch, das sagen in letzter Zeit etliche Leute zu mir, aber keiner kann mir genau sagen, was ich tun soll, was handeln so richtig bedeutet."
"Das kann ich Dir auch nicht sagen, weil jeder das für sich selber herausfinden muss, das kannst nur Du für Dich allein entdecken, ich weiß nur eines, sobald ein Mann eine Frau versteht, wird er zu einer, sobald sie sich selbst versteht, löst sich das Universum in Nichts auf."
"Ein ernstes Gespräch ist mir Dir nicht zu führen, oder?"
"Vielleicht, aber was willst Du, jemand der mit Dir jammert oder jemanden, der Dir sagt wie er die ganze Sache sieht?"
"Du hast ja Recht, ich will ja hören was Du denkst, sonst könnte ich ja auch Selbstgespräche führen."
"Und schließlich gibt es noch den großen Vorteil, Frauen werden älter, Männer jedoch reifer."
"Und Götter ändern sich nie."
"Wie, was soll das jetzt heißen?"
"Nicht so wichtig, ich bin deprimiert und ich glaube ich fühle mich ganz wohl darin, also, verharre ich noch ein wenig in dieser Situation, bis mir ein Meteorit auf den Kopf fällt."
"Also wirklich, Kopf hoch, meine Mutter sagt immer, ‚Und wenn Du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her'."
"Und wenn Du meinst, Du magst nicht mehr, kommt von irgendwo ´ne Kugel her, was soll dieser Spruch?"
"Er soll sagen,..."
"Was er sagen soll weiß ich selber, doch ist das nicht allzu lächerlich, siehst Du nicht, was möglich wäre, was möglich ist, was für ein Potential in mir steckt, ich könnte die Welt ändern."
"Dann tue es, handle, agiere, ändere die Welt, doch jammere nicht herum."
"Du weißt nicht, was wirklich ist, siehst nicht, wie herum sich die Welt dreht, wer und was ich bin. Keiner sieht es."
"Siehst Du es überhaupt selber?"
"Ich weiß es nicht."
"Kommst Du heute Abend ins ‚Garage', Dir ist vielleicht nicht nach feiern, aber ein wenig Ablenkung könnte Dir nicht schaden."
"Vielleicht?"

63. Kapitel Liebeswechsel

Jung und eilig, schwer bepackt, drängelnd, alt und krächzend, bremsend, schlendernd, noch zu schnell für die, die scheinbar wandelnd, dicht gedrängt an Häuserwänden fällt der Regen und trifft sie doch, nicht mit voller Wucht, doch immer noch, sie sehen in das Grau des Tages, das ihr Leben reflektiert, sehen in die Welt, die sie nicht versteht und die sie nicht verstehen, ich höre ihre Gedanken, weiß worum sie sich sorgen, kenne ihr Gefühle, lese in verkniffenen Augen ihr Leid, in regennassen Gesichtern Desillusion. Tropfen fallen einzeln zu Boden, wenn ihre Anzahl und Dichte sich erhöht nennen wir es Regen, sie fallen zu Boden wie auf heißen Stein, vergänglich, jetzt hier, gleich dort, morgen tief in der Erde, übermorgen vielleicht im Meer, und dann Wolken, Regen, Meer, Wolken, Kreislauf der Unendlichkeit, so wie ein Mensch sich fühlt, im Leben unendlich bis zu dem einen Moment, und doch wie der Regentropfen immer und immer wieder das selbe erlebend, das selbe durchmachend, nie den Kreislauf durchbrechend, hat denn ein Tropfen eine Möglichkeit herauszukommen, einfach aufzuhören ein Tropfen zu sein? Ich weiß was ist, ihre Gefühle und Probleme höre ich, weil ich ihnen helfen soll, helfen, weil kein Anderer ihnen helfen will, weil keiner es kann, weil keiner der Gefühle hat wie sie, sie hört, ich weiß, dass ich kein wirklicher Gott bin, ich bin zu menschlich, doch kann nicht auch ich eine Aufgabe haben und warum sollte es nicht diese sein? Ich weiß, ich kann ihnen die Probleme nicht rauben, kann ihre Sorgen nicht nehmen, ihren Schmerz nicht wegwischen, ich sehe wo Grenzen sind, doch kann ich, weil ich jeden Einzelnen sehe, jedem auch helfen, durch ein Wort, ein Gespräch, ein Funken Hoffnung, ich kann sie lehren zu verstehen, was sie nicht sehen können, was sie sich selber verschleiern. Doch erschrecken mich meine Gedanken während grau in grau im grauen Tag die Menschen sich an mir vorbeischieben und mir von ihren Qualen erzählen, von dem Weinen in der Nacht, dem falschen Gesicht am Tage, den zerstörten Hoffnungen der Vergangenheit, den Niederlagen der Gegenwart, der unbekannten Zukunft, die nicht anders wird als die Vergangenheit, ich höre auch, dass sie krampfhaft versuchen an Nichtigkeiten zu denken um nicht gänzlich zu verzagen, es erschreckt mich, dass ich das sehe, fühle was sie fühlen, vor wenigen Tagen alleine, heute umgeben von Milliarden, gestern noch hoffnungslos und ängstlich, heute ein Fragezeichen über meinem Kopf, was werden soll, doch voller Hoffnung und ohne Angst vor ihnen, wenn es nur nicht so viele Eindrücke wären, nicht so viele Gedanken die auf mich einprasseln, ich will sie nicht über einen Kamm scheren, möchte differenzieren, doch ist dies äußerst schwer, die Masse, meine wenige Erfahrung, ich brauche Zeit, muss mich auf einzelne Konzentrieren, wenn es je einen Gott gab, der alle guten und schlechten Taten aller Menschen aufzeichnete, so muss er entweder um einiges mehr Macht gehabt haben als ich, oder er hatte professionelle Hilfe. So laufen an mir vorbei Kinder, die sich um Spielzeug, Computer, Freunde, ein Haustier, die Schule oder den letzten Zeichentrick Gedanken machen, deren sehnlichster Wunsch es ist, die neuste Spielkonsole zu haben, die gute Note in Mathematik zu bekommen oder das der Vater endlich aufhört die Mutter zu schlagen, so laufen an mir vorbei Erwachsene, deren größte Hoffnung es ist, einen sicheren Arbeitsplatz, ein schnelles Auto oder eine gesunde und glückliche Familie zu haben, alte Menschen, die darauf warten Anerkennung und Liebe zu erfahren, gemocht zu werden, noch etwas Wert zu sein, etwas weiterzugeben, einen schnellen Tod sich wünschen, Menschen mit Hoffnungen, Träumen, Sehnsüchten, Gefühlen, und alle warten auf eine Zeit, in der es keine Sorgen mehr gibt, eine Zeit in der man Zeit hat um beieinander zu sitzen und einfach nur glücklich zu sein. Die Regenwolken sollen verschwinden, und sie tun wie ich befohlen und die Sonne bricht hindurch, die Gesichter der Menschen hellen auf, Farben kommen zurück und überfluten das Land, Kinder in Pfützen planschend, die Sorgen der letzten Tage vergessen, "Eine Zeitung bitte. Danke sehr, einen schönen Tag noch.", die Welt kann so schön sein bei ein bisschen Sonnenschein. Regierungskrise, Sportergebnisse, Amokschütze? Dieser kleine Artikel, in dem über einen Amokschützen berichtet wird, der einige Passanten und danach seinen Bruder und sich umgebracht hat, ‚Motiv unbekannt', interessiert mich schon ziemlich, verwunderlich, überall soll Krieg sein und dieser Artikel müsste doch eigentlich zu Tausenden enthalten sein, aber nur genau dieser eine Artikel, ‚Du holst niemanden von mir, suche Dir Dein eigenes Volk, meine Leute tun für mich alles!', kurz glaubte ich auf der Zeitung das grinsende Gesicht meiner Schwester zu erkennen, ihre Stimme zu vernehmen, wo ist eigentlich der Zeitungsverkäufer hin, das Datum, haben wir wirklich Juni, solange war ich nicht weg, würde mich auch wundern, nach Sommer sieht das alles hier nämlich nicht aus, was, vom letzten Jahr, wie lange war ich weg, wann bin ich gegangen um nachzudenken, solange geht das alles schon, so lange habe ich nicht gehandelt? Ich war gerade so glücklich, hatte gerade mein Schicksal gefunden, und jetzt werde ich wieder von diesen unsäglichen Selbstzweifeln tyrannisiert, die nicht mehr können als mein Vertrauen in mich und meine Macht zu schwächen, die mich hinabwerfen sollen, Boten der Hölle, Gesandte meiner Schwester, die mich und alles was neben mir lebt und denkt entfernen möchte, und könnten Steine reden, so würde sie auch sie in Staub verwandeln wollen. So laufe ich wieder alleine mit mir durch die Straßen dieser meiner Stadt und schaue die Menschen, mache mir dabei meine Gedanken, Regentropfen fallen, erst leicht, dann immer stärker werdend auf mich ein, die Frauen scheinen hier ganz hübsch zu sein, doch sind sie nicht alle irgendwie hübsch? Wonach ich suche, was ich glaubte gefunden zu haben, was eine Lüge war, muss mehr sein als einfach nur hübsch, ich weiß, dort drüben werde ich sie nicht finden, doch um sich ein wenig abzulenken, kann man auch schon mal in einen solchen Laden gehen, der sich Garage schimpft, schließlich könnte ich da wenigstens meinen Freund treffen, den einzigen?

64. Kapitel Licht aus, Spot an

Die Beleuchtung scheint mir in die Augen, verschieden farbige Lichter kreisen, Schwarzlicht, weiße Strahler, Nebeldampf, ein Sammelsurium von unterschiedlichsten Eindrücken schwirrt auf mich zu, erfasst mich, der schwere Rhythmus, die Drums packen mich, Herzrhythmusstörungen, ich schütte mir das erste Bier, schaue mich um, überall schöne Mädchen, hässliche Frauen sind scheinbar seit der letzten Eiszeit ausgestorben, zweites Bier, die Enge nimmt zu, Denken fällt schwer, Menschen, wohin man blickt, Paradebeispiele für Adam und Eva wandern herum, lachen, grinsen, schlendern, unterhalten sich über dies und jenes, diesen und jenen, sehen um gesehen zu werden, und sehen dabei verdammt gut aus, und ich mittendrin, besser als außen vor, und doch nicht dabei, weil man mich skeptisch beäugt, ich passe nicht in dieses Standard Schönheitsideal, mein Hemd leuchtet nicht glänzend weiß im Schwarzlicht, meine Frisur sitzt nicht, ich sitze nicht, alles an mir ist falsch, Kleidung, die schon erwähnte Frisur, die Schuhe passen nicht zur Kleidung, die Kleidung nicht zur Frisur, ich nicht zu alledem, und muss doch damit leben, drittes Bier, die Welt ist schön, das Bier schmeckt gut, die, die und die, alle willig, wenn der Richtige wartet, bei mir distanziert und verstockt, viertes Bier, guter Zug, es schmeckt, das Licht blendet mich, es macht Spaß, die Musik umpft vor sich hin, wartet nicht, auf niemanden, und die Frauen, die alle gleich aus sehen, was aber auch die Männer tun, so richtig geht es nicht voran, fünftes Bier, ich dränge mich mit herein, mitten zwischen die Massen, wandere mit, nichts zu sehen von meinem Freund, drängele mich hin und her, habe eine Ecke gefunden, die Musik ist hier nicht annähernd so laut, gesprächstötend, obwohl ich nichts zu sagen habe, und das niemandem. Von hier aus betrachtet man die Welt, als wäre man außen vor, was ich ja definitiv auch bin, die Leiber zucken im Rhythmus, in Käfigen, sich selbst zur Präsentation feilgeboten, ehemals Strafe, heute Spaß, die Welt ist ja so lustig, alle Menschen sind witzig, humorvoll, keiner der nicht wenigstens ein bisschen Frohsinn hat, zum Frühstück gab es einen Gratisclown.
"Im Mittelalter war das noch richtig witzig, eine wirkliche Strafe, heute platzieren sie sich freiwillig in solchen Käfigen um sich zu präsentieren, aber heute steht auch keiner mehr um sie herum und schreit ‚Auf den Scheiterhaufen mit der Hexe!', schade, irgendwie vermisse ich die gute alte Zeit."
"Vater, was machst Du hier?", während ich das sechste Bier kippe.
"Ich wollte mal nach meinem Lieblingssohn schauen, darf ich mich nicht um Dich kümmern? Schließlich hatten wir doch einen Pakt, und da ich die ganze Zeit nicht da war dachte ich, komm und besuche deinen Jungen mal."
"Ich habe meine große Liebe gefunden."
"Und, wo ist sie, wann stellst Du sie mir vor, ich möchte doch schließlich wissen, wer den großen Gott gebären soll, bin ja doch irgendwo gespannt."
"Gar nicht, es ist aus und vorbei."
"Was ist passiert? Ich weiß, ich hatte nicht viel Zeit, hätte mich besser um Dich kümmern sollen, aber..."
"Ich möchte wirklich nicht darüber sprechen, es ist aus."
"Quatsch, erzähl schon, was war los?"
"Ich habe meine große Liebe gefunden, ich habe mit ihr geschlafen, ich wollte.."
"Du hast mit Ihr geschlafen? Wir hatten einen Pakt, den hätten wir dort einlösen können, wieso hast Du nicht nach mir gerufen?"
"Ich habe in dieser Situation wahrlich an was anderes gedacht, als an meinen Vater, das kannst Du mir glauben."
"Na ja, bist eben auch nur ein Menschenmann, Hauptsache die Fotze passte, Du weißt, sie muss gerade so schmal sein, dass man weiß, dass sie glücklich werden muss, wenn Du ihn einführst."
"Du ekelst mich an."
"Sohn, ich habe mehr als genug Männer gesehen, ich weiß wovon ich spreche, dass diese mit dem Schwanz denken und alle meinen, sie seien die größten Stecher, ist nun nicht dem Reich der Sagen und Märchen entsprungen."
"Etwas undifferenziert, wenn Du mich fragst. Ich glaube eben nicht daran, dass alle Menschen gleich sind, auch nicht alle Männer, und Du glaubst auch nicht dran, denn sonst hättest Du doch schon Deinen Laden zumachen können, An- und Verkauf von schlechten Empfindungen."
"Vielleicht hast Du sogar Recht, es gibt immer einige wenige, die anders sind, doch denken, tun sie alle ähnlich, im Detail gibt es Unterschiede, grob betrachtet sind alle gleich."
"Gut das wir darüber gesprochen haben, doch jetzt entschuldige mich bitte,..."
"Ich weiß schon, Du willst Dich noch ein wenig in Deinem Elend suhlen, und ich habe ebenfalls noch genug zu tun, Deine Schwester bereitet mir noch immer ziemlich viele Probleme, zur Zeit ist es eine Pattsituation, aber wenn ich nicht am Ball bleibe, wer weiß, was dann mit der Welt passiert."
"Du bist zu gütig, womit hat Dich die Welt nur verdient."
"Diese Frage habe ich mir auch schon häufiger gestellt, doch ich finde einfach keine Antwort. Bis später, und denke an Deinen alten Herrn, wenn Du mal wieder die Liebe Deines Lebens findest, Du verstehst schon?"
Endlich ist er weg, verschwunden samt seiner anzüglichen Gesten, wie sehr mir die Gespräche mit ihm auf den Geist gehen. Kann es eigentlich sein, dass man bestimmten Menschen nichts zu sagen hat, mit ihnen über nichts reden kann, ohne das man denkt, bin ich jetzt aber gelangweilt? Wohin soll das nur führen, wie lange soll dieses Spiel noch laufen, meine verrückte Schwester, mein größenwahnsinniger Vater, dieser komische alte Kauz, die ganze Welt scheint durchzudrehen, ob das schon immer so war?

65. Kapitel Wahnsinn

Direkt in meiner Nähe die Tanzfläche, auf ihr die Menschen, sich im Rhythmus bewegend, einige nur einfache Schritte vollführend, andere ganze Choreographien abspielend, für sich selbst oder alleine der Beachtung der Anderen wegen, ausdrucksstark tanzend, wild zuckend, nirgendwo scheint das Wissen so nah bei der Unwissenheit über das Tun zu sein, wie beim Tanz, wo man weiß, was man tut, aber nicht warum. In der Mitte der Fläche, im Zentrum des Orkans der menschlichen Bewegung, eine ganz besondere Person. Sie scheint zu wissen was und warum sie es tut, ich spüre genau, sie versucht etwas auszudrücken, ihre schlangenhaften Bewegungen zum Takt, ihre schwingende Hüfte, in der Luft kreisenden Arme, im Tanz ausgedrückte Hilfeschreie, weil sie es mit der Sprache nicht machen kann, weil ihr jemand fehlt, der ihr zuhört, sie ist alleine, ganz alleine, so wie ich, und so was scheint mich magisch anzuziehen. Ich merke hier und da in ihrer Bewegung ein leichtes Hinken, was sie spielerisch versucht zu verbergen, in dem sie es einfach zu einem Bestandteil des Tanzes macht, aber ihr Tanz ist nicht nur faszinierend, bei näherer Betrachtung sieht man ihren wirklichen Versuch sich die Sorgen aus dem Leib zu tanzen, nur scheint es leider nur die Gabe des Moments zu sein, die ihr vorgaukelt, es wäre dadurch jetzt alles in bester Ordnung, doch dies ist eindeutig nur eine Illusion, eine Fata Morgana, so wie ihr Tanz für mich, denn sie scheint nur für mich zu tanzen, auch wenn ich weiß, dass sie mich noch nicht kennt und für niemanden Anderen als sich selber tanzt, so ist es doch nur unser Moment, die restlichen Personen um sie herum sehen nicht, bekommen nicht mit was los ist, sehen sie nicht, da sie zu sehr mit eigener Problemverdrängung durch das Tanzen beschäftigt sind. Es ist faszinierend, doch gleichwohl auch erschreckend, wie tief ich in ihre Seele blicken kann, was sich mir dort erschließt, wage ich nicht in Worte zu kleiden, komme mir vor wie ein Spanner, der heimlich durch ein Loch in eine Kabine lünkert, und so will ich nicht in ihr Herz eindringen, ich will ihr helfen, sie aber nicht betrügen. Ewigkeiten scheint der Tanz zu dauern, nur unterbrochen von der Einnahme einiger Getränke samt mancherlei verschiedenfarbiger Pillen mit lustigen Symbolen auf der Oberseite, Stundenlang ungebremst, mit Energie die Welten erschaffen kann, wenn sie sich selbst ihrer Kraft nur bewusst wäre, irgendwie erinnert sie mich irgendwo an mich selber, irgendwann, so lange ist es noch gar nicht her und eigentlich doch immer noch, unverzüglich endet, so als wäre nie etwas gewesen, ist vergangen was scheinbar nie war, nichts wurde festgehalten, außer von meinen Augen, die ihren Tanz verfolgt haben, gespeichert in meinem Kopf, abrufbar von mir, Bilder nur für mich. Sie drängelt sich durch die Masse, rempelt, eckt an, quetschend sich durchdrückend erreicht sie die Türe, zahlt um die Räumlichkeiten zu verlassen und in der Dunkelheit zu verschwinden, doch so leicht lasse ich sie nicht entkommen, folge ihr, schmeiße dem korpulenten Mann an der Kasse einen freundlichen Blick und einen Geldschein zu, betrete die Nacht, deren Stille mir entgegenbrandet und wellenartig sich gegen die Musik drückt, bis ich gänzlich eingetaucht bin in die monotone tonlose Finsternis, die mich umhüllt und mir ein Gefühl von Geborgenheit bietet, welches ich dankbar ablehne, ich habe eine Aufgabe zu finden und zu erfüllen.
Vor mir schreitend, teils torkelnd von Musik und Tanz, Drogen taten das übrige, teils rennend als ginge es darum Rekorde einzustellen, geht sie vor mir die Straße hinab. Ich beobachte sie wie gebannt, immer wieder blickt sie sich um, scheint verfolgt zu werden, doch niemand ist da außer ich, kein Verfolger in Sicht, blickt nach vorn, wieder zurück, Paranoia oder nur normaler Alltagswahnsinn? Doch wo will sie hin, wovor flieht sie, ich bin hier um ihr zu helfen, doch anstatt mich freudig zu erwarten, wie die Jungfrau den Gatten, scheint sie angstvoll zu fliehen, doch warum, verfolgen sie mehr Schatten der Vergangenheit als ich zu sehen vermag, oder sehe ich überhaupt etwas? Abgebogen, zu viel mit mir selbst beschäftigt, wo ist sie hin, links Fehlanzeige, rechts, da liegt sie, in dieser Seitengasse, die Frau, vollgestopft mit Pillen, Alkohol, Drogen, doch gerade sie interessiert mich, warum fragst Du, vielleicht weil ich gerade denen helfen möchte, die nichts haben. Die glücklichen, die gedankenlosen, sie brauchen meine Hilfe wohl kaum, doch die, die voller Laster sind, beladen, vollgepackt vom Leben, sie sind es, die mich nötig haben. Ich betrachte sie, höre das Feuer ihrer Synapsen, sehe ihre Gedanken, den krampfhaften Versuch, die Realität zu ändern ohne die Wirklichkeit anzupacken, sie versucht das Innere ihres Kopfes zu manipulieren, nicht das, was um sie herum ist. Sie verkrampft sich sobald sie die Wirklichkeit betrachtet, würde gerne so sein wie die Anderen, einfach nur dumm und einfältig, doch so ist sie nicht, sie ist ein denkendes Wesen, doch kommt bei jedem der denkt der Moment in dem er sich entscheiden muss, denkt man weiter und dreht sich über kurz oder lang im Kreis oder hört man auf und schüttet sich mit allem voll, was man so findet, auf das das Denken von alleine endet. Sie hatte die Wahl und hat sich für Variante zwei entschieden. Doch wie kann ich ihr helfen, manchmal reicht ein Hinweis aus, um den Menschen aus dem Kreislauf der Gedanken herauszuholen, manchmal reicht ein Geste, ein Augenzwinkern kann genug sein, denn derjenige benötigt nicht mehr als ein Zeichen, dass dies alles nicht sinnlos ist.
"Hörst Du mich, erhebe Dich, ich bin gekommen, Dir zu helfen."
Keine Reaktion, habe ich keine Macht, ich dachte ich bin ein Gott, der alles kann und alles schafft? Und sie steht nicht auf, wenn ich es befehle, vielleicht war es nicht deutlich genug, vielleicht zu sehr wie eine Bitte formuliert.
"Erhebe Dich, denn ich befehle es Dir!"
Immer noch keine Reaktion, sollte alles nur eine große Lüge sein, sollte ich kein Gott, die ganze Welt nur eine Illusion sein, alle Menschen nur hier um mich zu ärgern? Langsam taste ich mich heran, habe Angst sie zu berühren, gehe kleine Schritte vorwärts. Warum mache ich das eigentlich, wollte nie ein Gott sein, wollte eigentlich auch immer dumm und einfältig sein, nichts besonderes, nicht denkend, und jetzt bin ich hier und möchte doch mein erstes richtiges Wunder vollbringen, wovon ich eigentlich immer geträumt habe, paradox, doch jetzt ist nicht mal einer hier um es und mich zu bewundern, keiner da, mich zu preisen, aber ich will ihr ja auch nicht helfen, um meinetwillen, sondern, weil diese Frau meine Hilfe braucht, und ist es nicht Dank genug, wenn sie es weiß? Ich knie vor ihr, betrachte sie, wie sie da liegt und schläft, äußerlich seelenruhig, wie ein kleines Kind, ich wage es und berühre sie, innerlicher Flächenbrand, Kriegszustand, ich werde überflutet von ihren Gefühlen, sehe in einem Moment ein ganzes Leben, sehe Leid und Elend, verschmähte Liebe, Schläge, Schmerzen, bunte Farben, die alles übertünchen, die die Welt aber anstatt zu ändern, nur farbig anmalen, so bekommt das gelbe Blut, die grünen Menschen, die bunt-gesprenkelten Häuser ein anderes, ein lächerliches Aussehen, doch wirken sie noch genauso bedrohlich, sind genauso gefährlich, und da muss man noch mehr nehmen, um das Szenario noch absurder zu machen, doch mit jeder Absurditätsstufe wird es nicht besser, sie steht in einem Kreis, im inneren eines Pentagramms, versucht sich dadurch zu schützen, vor dem was außerhalb ist, doch an jeder Ecke steht ein brennender Mensch, sie sehen aus wie Kerzen, und schreien auf sie ein, sie liegt da, zusammengekauert und hält sich die Ohren zu, als Versuche sie die Stimmen zu unterdrücken, doch die Menschen sprechen nicht, sie brüllen, und sie drückt immer fester, Blut läuft an ihren Händen herunter, sie scheint sich ihren Kopf einzudrücken, der Vater brüllt ‚Aus Dir wird nie was!', die Mutter ruft ‚Kind, Du bist unser ganzer Stolz, aus Dir soll mal was ganz besonderes werden.', die alte Freundin fragt ‚Was hast Du in Deinem Leben geschafft, nicht mal ein Kind, das wäre ja noch eine Karriere gewesen!', der erste Freund schreit auf sie ein ‚Was willst Du überhaupt, so etwas wie Dich finde ich an jeder Ecke!' und die Rektorin sagt ‚Es tut mir Leid, doch müssen wir Dich leider verweisen, es hilft nichts, Dein Verhalten können wir nicht mehr tolerieren, Du bist und bleibst asozial, und da können wir nichts dran ändern.', und sie kann es nicht mehr hören, will es nicht mehr hören, wie wahnsinnig, in die Ecke getrieben, mit weit aufgerissenen Augen, großen Pupillen schaut sie hoch, irrsinnig grinsend, schaut sich um, in alle fünf Richtungen, lacht laut auf, ‚Ihr kriegt mich nicht klein, hirnloses Pack, ich habe hier eine Waffe gegen Euch alle, und gleich werdet ihr wieder verschwunden sein, schweigen werdet ihr, für immer, ich will Euch nie wieder sehen, nie wieder hören!', sie lacht unbeschreiblich sarkastisch, nimmt eine Spritze aus ihrer Tasche, ‚Hiermit werde ich Euch allen den Garaus machen, brennen sollt ihr alle, brennen, sterbt!', "Halt ein, ist das wirklich das, was Du willst?" Sie schaut mich an, ‚Wie bist Du in meinen Kreis gekommen, er soll mich schützen vor allem, vor jedem, der mir böses will.', "Ich will Dir aber nichts böses, ich bin hier um Dir zu helfen.", ‚Du bist ein Mann, ich weiß wie Deine Hilfe aussieht, fünf Minuten reden, danach fünf Minuten vögeln und dann umdrehen und schlafen!', "Nein, deswegen bin ich nicht hier.", ‚Weshalb denn dann?', "Wegen Dir, nur wegen Dir, und ich sage Dir, Du bist von mir erwählt, ich will Dir helfen, zu Dir selbst zu finden. Entfernen wir erst einmal diese fünf Personen Deiner Vergangenheit", ‚Was soll es nützen?', es wird ein wenig heller, der Strahl, der eben nur den Kreis erfasste, leuchtet nun einige Meter mehr aus, und dort stehen mehr Leute, fahle kalte Gestalten in grau gezeichnet, fünfzehn ihre Zahl, die herantreten, um den Platz der fünf einzunehmen, ‚Siehst Du, was ich meine, es nimmt kein Ende, entfernst Du einen, kommen drei dafür heran.', "Es gibt immer ein Ende, verstehst Du nicht?" Die fünfzehn beginnen zu reden, über Liebe, Lust und Leidenschaft, über Sex, gewollten und ungewollten, über Drogen und über den Tod, Freunde und Freundinnen, Dealer, Verwandte, Bekannte, Ärzte, und alle reden sie auf sie ein, ihr Grinsen ist aus dem Gesicht verschwunden, sie hockt wieder da, ahnteilnahmslos hört sie sich das Gerede der Personen an, die wild durcheinander, jeder für sich ruhig und sachlich, ihr die schlimmsten Momente ihres Lebens vorhalten, mit elf das erste Bier, mit zwölf die falschen Freunde und die ersten Zigaretten, die große Liebe mit dreizehn, vergewaltigt mit vierzehn, Haschisch und LSD gegen den Frust, mit sechszehn weg von Schule und Zuhause, mit siebzehn auf dem Strich, Entzugsversuch eins, zwei und drei gescheitert, ab da hört es auf, es ändert sich nichts mehr, bis mit fünfundzwanzig ein Freier sie so verprügelt, dass sie seitdem nur noch unter Drogen lebt, keine Ahnung von der Realität, ich habe mir wahrlich das Schwerste ausgesucht. "Hört auf, ich befehle es euch, schweigt still!" und sie schweigen, nur noch ihr schluchzen ist zu hören, ‚Es tut so weh.' dringt es leise hinter ihren langen Haaren hervor, sie schaut hoch, ihr verweintes Gesicht, sie sieht aus wie eine alte Frau, graues Haar, faltige Haut, "Aber das bist Du nicht, Du bist nicht alt, Du bist nicht schwach, Du bist Du, und daran kann keiner was ändern, bist Du nicht mehr Wert als alle anderen hier, warum willst Du der Blitzableiter ihrer Fehler sein? Schau sie Dir an, was sind sie? Sie sind nichts, wenn Du Dich von ihnen einschüchtern lässt, dann ist es vorbei, dann bist Du die alte Frau, dann sind sie wer, aber nur weil Du sie dazu machst. Ich sage Dir, stehe auf und tue Gutes, handle, auf das Du machst und nicht mit Dir gemacht wird, Du bist keines Menschen Sklave, Du bist Dein eigener Herr, Du bist wer.", sie schaut mich an, ich reiche ihr meine Hand und helfe ihr hoch, "Komm, wir gehen, Du hast noch eine Menge vor.", ‚Wer bist Du?', wenn ich das mal selber wüsste, "Sagen wir einfach, ich bin ein Engel."
Sie ist aufgestanden und gegangen, ohne mich weiter zu beachten, ohne zurückzuschauen, vielleicht war ich in ihrer Welt nie da, aber in ihrem Geist war ich. Ein gutes Gefühl geholfen zu haben, zu mindestens jemanden Anderen, wo ich mir selber schon nicht helfen kann. Ich glaube, ich brauche ein wenig Ruhe, ich muss mir überlegen, was ich weiter machen will, was ich tun möchte.

66. Kapitel 40 Tage

Ich sitze hier, ein Tag wie ein Jahr, vierzig Tage wie eine Ewigkeit, in der Wüste von Nirgendwo, betrachte Sand, die weit entfernt liegende Hügelkette, die Sonne, Hitze, den Mond, Kälte, philosophierend, Sandburgen bauend, metergroße Gebilde aus dem Staub der Ewigkeit, gehalten von nichts, dem Wind hilflos ausgeliefert, vergänglich für einen Tag, danach vergangen, sitze herum und starre in den Himmel, das Leid meiner Seele ist die Freude meiner Muse, male Zeichen auf den Boden, deren Sinn ich nicht verstehe. Haben sie deshalb keinen? Ich bin, auch wenn es für vierzig Tage wenig erscheint, doch zu einer Erkenntnis erlangt; zuerst hatte ich Angst, ich könnte keine Macht haben, alles sei eine Lüge, ich sei ein Mensch wie jeder andere auch; heute habe ich Angst davor, ich habe wirklich welche. Was man alles damit tun kann, welche Freude und Spaß es einem bringen kann, doch welche Bürde es auch ist, welche Verantwortung man trägt, wie schwer die Last sein kann. Ich habe sie gespürt, ich habe sie gesehen, und doch ist mir nicht wohl in meiner Haut, keine Freude in mir ist ohne Furcht, kein Glück ohne Angst, kein Gefühl ohne Schmerz. Ich habe von ihnen gehört, ich habe sie gesehen, die Menschen, die Schmerzen benötigen, an sich selbst masochistisch, bei anderen sadistisch, ob nur eines von beiden, beides zusammen, sie benötigen die Qual, um die Stimmen im Kopf zu töten, um zu spüren, dass sie leben, doch versuchen sie nicht nur zu übertünchen, was in ihnen wirklich brodelt, wonach sie wirklich verlangen, es ist die Liebe. Ich rede nicht von Sex, ich rede von der wahren Liebe, die, in der man sich fallen lassen kann, weil der Andere einen so nimmt und so versteht, wie man ist, von der Nähe die man spürt, ohne Angst abgewiesen zu werden, von der Hoffnung, die reiche Frucht trägt, weil jemand mit einem säht, der nicht auf Sieg oder Ausbeute aus ist, sondern der da ist, weil er da sein will, und aus keinem anderen Grund. Ich möchte zugeben, den wenigsten Menschen, und wohl noch weniger Göttern, ist dieses Privileg zuteil geworden, da es das wertvollste ist, was die Welt zu bieten hat, aber danach suchen, das ist unsere Aufgabe, unsere einzige Aufgabe.
"Sohn, Du scheinst im Hungerwahn zu halluzinieren."
"Was willst Du hier, ich habe mich zurückgezogen um alleine zu sein und nicht um von Dir belästigt zu werden. Also, was ist, keinen Krieg zu führen oder möchte sich nur Dein Ego an mir aufgeilen?"
"Ich führe Deinen Krieg, vergiss das nicht, den Krieg, zu dem Du auserkoren bist, zu dem Du aber zu feige bist."
"Komm zu Dir, sehe ich aus, ich könnte einen Krieg führen, wo ich mich nicht mal selber führen kann?"
"Manchmal ist es einfacher gegen jemand anderen zu kämpfen, als gegen sich selber, Du hättest besser die Geschichte der Menschen studieren sollen."
"Ist mir egal, ich bin hier um nachzudenken, würdest Du mich bitte entschuldigen?"
"Stimmt, Du willst ja noch zu hochtrabenden Gedanken finden, ‚Bin ich ein Gott, bin ich keiner? Ich weiß nicht?', findest Du es nicht langsam langweilig? Du solltest wenigstens etwas essen und ein wenig trinken, Du bist noch kein richtiger Gott und Dein menschlicher Körper, Dein noch menschlicher Körper lechzt nach Nahrung, lasse es bitte nicht so enden, das würde sich wirklich schlecht in meinem Lebenslauf machen."
"Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, denn er lebt von jedem Gefühl was in ihm ist, er lebt aus sich selbst heraus."
"Wie armselig Du doch bist, Sohn, willst ein Mensch werden obwohl Du ein Gott bist? Betrachte sie Dir genau, außerhalb der Öffentlichkeit, in der sie den schönen Schein wahren wollen, was äußerst häufig misslingt, sie pissen, sie kacken, furzen, kotzen, rülpsen, bohren in der Nase, onanieren, masturbieren, nehmen Schwänze in den Mund, lecken an Fotzen, Ärschen, was gerade kommt, rotzen, saufen, stinken, Mensch sein ist ja so schön.", er lacht sein krächziges verbittertes Lachen, grinst bis über beide Ohren und schaut mich an als sei er dem Wahnsinn nahe, ich möchte ihm Antworten, doch was soll ich ihm dazu sagen, er hat Recht, Menschsein ist kein erstrebenswertes Ziel, doch ist es Gottsein? Jetzt weiß ich es, doch wo ist er hin?
Wie lange ich hier sitze weiß ich nicht, ich könnte auf meine Uhr schauen, das Universum befragen, die Sonnenaufgänge zählen, doch es ist egal, mir, der Welt, dem Universum. Was auch immer ich mache, es ist falsch, und keiner gedenkt daraus einen Hehl zu machen, keiner kommt zu mir und spricht mir Mut zu, obwohl es mich wundert, dass überhaupt jemand noch kommt, um mit mir zu reden. Doch wer sind diese, kommen sie aus freien Stücken, kommen sie um mir zuzuhören, nein, sie kommen, um schlechte Ratschläge zu hinterlassen, keine Hoffnung, keine Gefühle, keine Zuneigung, sie kommen um zu lästern, mich niederzutrampeln, mich zu demütigen, und meine Aufgabe scheint so weit entfernt, wie meine Geburt.
"Bruder, was machst Du hier?"
"In Ruhe nachdenken, das war der Grund meines Aufenthalts, und langsam dachte ich, ich würde zu Ergebnissen gelangen, nur so kleine erste Ansätze, aber die vielleicht das Ganze in mir und um mich herum ein wenig erklären könnten, doch dann scheint hier plötzlich, ohne mein Wissen, ein Familientreffen anberaumt worden zu sein."
"Bruderherz, was quält Dich?"
"Nur so als Beispiel genannt, Du warst nicht bei der Beerdigung unserer Mutter, Du nervst mich, Deine Vernichtungsarie geht mir gegen den Strich, soll ich weitermachen?"
"Belästige mich nicht mit Nichtigkeiten, Menschen sterben eben, sie werden geboren um zu sterben. Doch siehst Du nicht die Möglichkeiten, schaue das ganze Land, schaue den ganzen Planeten, er gehört Dir, Du kannst über ihn mit mir zusammen regieren, über alles was Du siehst und nicht siehst, wenn Du Dich mir unterordnest und mir dienst."
"Du sollst gerade stehen vor Dir selber, vor niemandem in den Staub sinken und nur vor dem Leben Dich niederwerfen und ihm dienen."
"Schöne Worte für einen möchtegern Gott, oder doch ein möchteehernichtgern Gott? Egal, interessiert Dich Deine große Liebe überhaupt nicht mehr, wo Du doch so verliebt warst in das kleine arme Dingen?"
"Was hast Du mit ihr gemacht, hast Du ihr was angetan?"
"Kann man so irgendwie nicht sagen. Sie ist tot und Dein Kind ebenfalls."
"Mein Kind, welches Kind?"
"Den Bastard, den Du in der einen Nacht gezeugt hattest, kannst Du Dich nicht erinnern, Dein einziger Sieg, eine einzige Niederlage. Du glaubst nicht wirklich, dass ich es zulasse, dass Du ein Menschenweib schwängerst und mich, eine Göttin die ihresgleichen sucht, verschmähst?"
"Was hast Du getan, elendes Weibsstück?"
"Ich habe das Kind überzeugt, dass das Leben nicht lebenswert ist, und da war Suizid der einzige Ausweg. Was soll ich sagen, es stimmte mit zu und starb im Mutterleib, erdrosselt an der Nabelschnur. Eine wirklich ekelige Sache, wenn ich so an eine Todgeburt denke, also so etwas möchte ich wirklich nicht erleben."
"Die Tage seien verflucht, da wir gemeinsam in unserer Mutter Leib aufwuchsen, und verflucht bist Du und die Frucht Deines Leibes, wer, wann und wo, ich verfluche Dich auf Ewigkeit."
"Wo Du gerade Mutter erwähnst, nachdem sie, Deine große Liebe, es merkte, hatte sie ebenfalls keinen anderen Ausweg, war doch nicht ganz so zäh wie ich dachte, sie war schließlich meine Jüngerin, also ich muss demnächst wirklich besser aufpassen, wen ich um mich schare."
"Wie unmenschlich Du bist!"
"Ich bin unmenschlich, weil ich nicht menschlich bin, es ist nur noch meine Form, und die ersten Änderungen habe ich schon hinbekommen, zur Zeit konzentriere ich mich aber mehr um die naheliegenderen Aufgaben."
"Geh, hau ab, verzieh Dich, gewinn Land, mach das Du vom Acker kommst, ich will Dich nicht mehr sehen!"
Sie verschwindet wirklich, und ich bleibe zurück mit einem noch größeren Hohlraum in meinem Herzen als er vorher schon war, weiß nicht, was ich überhaupt noch denken soll. Gut, die Liebe zu ihr war wohl nicht ganz alleine in meinem Herzen entstanden, und ihre Liebe war wohl, ach ich weiß nicht was sie gedacht und gefühlt hat, doch habe ich nicht etwas empfunden, war alles nur Illusion, doch soll ich überhaupt glauben was meine Schwester sagt, vielleicht lebt sie ja noch, war nie schwanger und alles ist in Ordnung? Doch vielleicht ist es ja auch so, vielleicht war sie schwanger, vielleicht ist das Kind tot, vielleicht ist sie tot, alles war eingetreten wie ich es wollte, die große Liebe gefunden, das Kind gezeugt, und ich habe es mal wieder selber vermurkst, wo ich um sie hätte kämpfen sollen gab ich auf, wo ich meiner Schwester die Niederlage hätte beibringen können, bekam ich diese. Wie kann ich weiterleben, mit dem Wissen versagt zu haben, mit dem Wissen, ich hätte alles ändern können und habe es aus Feigheit nicht getan, warum das alles noch?
"Gott, was machst Du hier?"
"Ich sollte langsam Nummernkärtchen verteilen, bei den Massen, die zu mir hinströmen. Alter Mann, Du bist der dritte am heutigen Tag, also sprich, was ist Dein Begehr, der Du kommst von so weit her?"
"Mit Dir reden. Jetzt weißt Du was Du kannst, kennst Deine Macht und verkriechst Dich doch in die Wüste."
"Ich verkrieche mich nicht, ich denke nach."
"Rede nicht, wie lange willst Du dieses Katz und Maus Spiel mit Deiner Schwester noch treiben, wie lange willst Du aus lauter Angst vor ihr den Schwanz einziehen und Dich in Deinem Bau verkriechen? Wir haben Dir nicht die Macht gegeben um deprimiert in einer Wüste zu sitzen und Deinen schlechten Gedanken nachzugehen. Ihr beide, Deine Schwester und Du, seid
wie Feuer und Wasser. Das eine ohne das andere, bedeutet das Ende allen Lebens, nichts von beiden bedeutet kein Leben, ihr seid beide wichtig, ihr habt beide ein Aufgabe."
"Die ganze Zeit redest Du nur von meiner Macht. Ich habe wohl gerade einen Bruchteil dieser Macht erfahren, weiß kaum was von ihr, stehe meiner unbeschreiblich mächtigen Schwester gegenüber, aber Dir scheint nicht mehr im Kopf herumzuirren als mich zu kritisieren. Ich würde ja gerne kämpfen..."
"Aber, wo liegt Dein Problem? Immer noch diese Angst?"
"Ja, ich habe Angst, Angst vor dem Leben, vor den Menschen, vor meiner Macht, vor meinem Vater, meiner Schwester, Dir, vor allem was lebt und existiert. Und das Schlimmste, ich weiß keinen Schritt weiter."
"Wo liegt das Problem, wo?"
"Kann ich den Kampf überstehen, werde ich sterben, werde ich meinen Vater enttäuschen?"
"Wie kommst Du jetzt auf Deinen Vater? Wieso solltest Du einen vom Gottsein enttäuschten enttäuschen können?"
"Weil ich in meiner Jugend keinen Vater hatte, aber immer nach ihm gesucht habe, in jedem wollte ich gerne meinen Vater sehen, doch nirgendwo war er. Und jetzt habe ich einen, doch anstatt ihn stolz zu machen und zu kämpfen, sitze ich hier herum und versuche krampfhaft keine Fehler zu machen."
"Aber wenn Du nichts versuchst, wirst Du ihn auch nicht ‚stolz' machen können, das ist ja wohl eine ziemlich einfache Angelegenheit."
"Doch wenn ich jetzt versage, wenn ich es nicht schaffe, wenn mich die Menschen auslachen und mein Vater mich für einen Verlierer hält?"
"Du bist mir schon ein toller Gott; wenn Du meinst Du bist ein Verlierer, so bist Du einer. Wenn Dir Verlierer doch alles so gegen den Strich geht, dann stehe auf und besteige ein Hochhaus in der nächstmöglichen Stadt und stürze Dich hinab, damit Du Dein Leben beendest, denn Du wirst es nie schaffen, ein richtiger Gott zu werden. Doch vielleicht kommt ja Dein Vater, fängt Dich auf und rettet Dich, schließt Dich in seine Arme und spricht Dir Mut zu, verzeiht Dir Dein Leben, Dein Leiden."
"Spotte nicht über mich!"
"Wem oder was? Einem ängstlichen Etwas?"
"Weiche Satan, denn Du, nicht mein Vater, bist der wahre Satan, da in Dir keine Gefühle zugegen sind und Du nicht einmal welche heuchelst!"
"Du machst es Dir doch ziemlich leicht. In den Fesseln seiner Selbst zu bleiben, wenn man sie einmal lieb gewonnen hat, ist einfach, doch Freiheit spürt man nicht mehr, sich selbst wird man nicht mehr sehen, denn Du wirst gehalten von ihnen, sie bestimmen Dich, nicht Du Dich selbst."
Auch er verschwindet, und ich bin wieder allein, alleine um meinen Gedanken nachzugehen, doch jetzt kann ich es noch viel weniger.

67. Kapitel einundvierzig

"Und was wird jetzt?"
Weiß ich nicht, kann ich Dir auch nicht sagen, ich glaube auf mir wurde genug herumgeprügelt, das reciht für die nächsten Wochen.
"Meinst Du, aber was wird nun? Willst Du Dich Deiner Aufgabe stellen oder Dich weiterhin einigeln, versucht allen Dingen aus dem Weg zu gehen, ob es nun zum Leben gehört oder nicht?"
Vielleicht, ich weiß nicht, ich weiß nur das ich helfen kann, aber alles was ich anpacke endet im Chaos.
"Was hast Du denn angepackt? Die zwei Sachen die Du versucht hast sind vielleicht nicht optimal gelaufen, doch der Süchtigen konntest Du doch helfen?"
Du hast ja Recht, es war auch ein wirklich gutes Gefühl...
"Und, wo liegt dann das Problem?"
Ich weiß nicht so richtig, vielleicht weil sie mich nicht einmal beachtet hat, einfach ging, ohne ein...
"Ohne ein Wort des Dankes? Du möchtest Anerkennung, doch bist Du nicht ein Gott, ist das nicht Anerkennung genug? Du kannst nicht erwarten, dass die Menschen Dich verstehen, sei froh, wenn sie Dir ihre Beachtung schenken, für einen kurzen Moment, viel mehr hat bisher kein Gott auf dieser Welt erhalten, und solange Du Dich vor den Menschen versteckst, sie von Deiner Existenz nicht wissen, wie sollen sie denn an Dich glauben, auf Dich hoffen?"
Schon richtig, Du meinst also ich sollte loslegen?
"Natürlich, was denn sonst? Bisher hat doch alles geklappt, was Du wolltest, wenn Du es nur wolltest, und jetzt ist der Moment gekommen, mehr auszuprobieren. Hat Dich das alles nicht gereizt, was das auch immer war, was Du da erlebt hast, ob nun Einbildung oder Wahrheit, genau diesen Dreien hast Du zu zeigen was Du kannst, und wer weiß, vielleicht besiegst Du Deine Schwester, sie will schließlich Deine Welt vernichten."
Worauf Du hinaus willst weiß ich schon, Du möchtest, dass ich Deine Welt rette, damit ihr Menschen weiter euer Unwesen treiben könnt.
"Ist es denn nicht auch Deine Welt? Du solltest versuchen ein paar Menschen um Dich zu scharen, damit Du jemanden hast, um den Du Dich sorgen kannst, Deine große Liebe hat doch Zeit, Du bist schließlich ein Gott, oder bist Du das etwa nicht?"
Wenn ich das nur selber wüsste? Wenn ich mich so richtig betrachte, weiß ich nicht ob ich das bin.
"Weiß eine Ameise, dass sie eine Ameise ist?"
Schlechter Vergleich, bei dem Gehirn und den Reflektionsmöglichkeiten einer Ameise kann die Ameise nicht wissen was sie ist.
"Es ist doch nur als Beispiel gedacht, nimm es als eine Art Gleichnis, Du weißt das Du existierst, reicht Dir das nicht, der Rest geht nach dem Prinzip, versuche oder lass es bleiben, doch gewinnen kann nur, wer auch losläuft."
Ein richtiger Philosoph ist an Dir verloren gegangen, weißt Du das? Aber ich glaube, Du hast Recht, es ist an der Zeit mit dem Gejammer aufzuhören und zu kämpfen.
"Wenn Du ehrlich bist hast Du schon längst mit dem Kampf angefangen, und da hat Dein Vater Recht, Du hast wenig Chancen, kämpfe oder gib auf. Also ist mein Rat, mach weiter, kehre endlich ins Leben zurück, ich glaube Du hast lange genug an diesem Ort verweilt."
Genau, ich habe alle Fähigkeiten, ich kann genauso gut Reden halten wie meine Schwester, ich kann Wunder tun, kann genauso Menschen um mich sammeln, kann den Kampf aufnehmen, und ich kann ihnen helfen, ihr Leben zu leben, mit dem Krampf der Existenz klarzukommen, zu verstehen, dass jeder Mensch seinen ganz eigenen Wert hat, dass jedes Leben wichtig ist, jede Existenz einen Grund hat, und wenn ich mich über die Nächstenliebe und die Hilfe am Menschen identifizieren muss, so ist es wohl so.
"Vollkommen richtig, jeder Mensch identifiziert sich über seine Aufgabe, seine Wünsche und Hoffnungen, warum also auch nicht ein Gott?"
Richtig, ich werde zurückkehren und meiner Schwester Paroli bieten, ich werde ihr zeigen, dass ich kein Weichei, kein Verlierer bin, sondern ein lebendes handelndes Individuum, der seine Gottheit nicht dazu benutzt Menschen zu schaden, sondern ihnen zu helfen, neben ihnen zu stehen in ihren schlimmsten Stunden und ihr Leid zu mildern, zu teilen wenn es irgend geht. Denn nicht um meines Vaters Willen, nicht um meine Schwester zu vernichten, nein weil ich es will, will ich kämpfen für diese Welt.
"Und, was willst Du zuerst tun?"
Ich wünsche mich zu meiner Schwester, ich möchte wissen was dran ist an der Geschichte mit dem Kind, habe ich nicht lange genug gewartet es herauszufinden. Bleibe an meiner Seite, ich bin Dir dankbar für Deine Worte, denn alles Reden der Anderen hat nichts gebracht, doch Deine Sätze zeigten mir den Weg, und diesem will ich folgen.

68. Kapitel Rückkehr

"Hallo Bruder, schön das Du mich mal besuchen kommst.", sie sah mich, obwohl ich mich in den Raum gewünscht habe und ich hinter ihrem Rücken auftauchte. Sie scheint einiges drauf zu haben, ich bin mir nicht sicher wie viel, aber um das herauszufinden bin ich hier.
"Guten Tag, ‚geliebte' Schwester, ich bin hier..."
"um Deinen Sohn zu sehen? Ich weiß es schon längst."
"Meinen Sohn, war das in der Wüste also doch keine Einbildung?"
"In welcher Wüste? Obwohl, wenn ich mir Dich so ansehe, Du siehst schon irgendwie schmutzig aus, so staubig."
"Du willst mich wieder mal aufs Glatteis führen, doch diese Zeit ist vorbei."
"Ich weiß zwar nicht was Du meinst, aber ich war in meinem Leben noch in keiner Wüste, also, warum bist Du dann hier?"
"Lass uns noch einmal vorne Anfangen, ich bin also hier um ‚meinen Sohn' zu sehen?"
"Weswegen Du hier bist solltest Du wissen, nicht ich, also weswegen nun?"
"Wegen meinem Sohn! Was in dreiteuf.., was in aller Höl.., seit wann habe ich einen Sohn, und warum weiß ich nichts davon?"
"Du bist das letzte Mal so schnell gegangen, als wenn Du keine Lust hättest zu bleiben, dabei hättest Du sogar in den inneren Kreis kommen können, doch Du wolltest ihr ja lieber die Welt zeigen."
"Deine komische Sekte kannst Du behalten. Ich bin dann also hier um die Herausgabe meines Sohnes zu verlangen, sofort!"
"Ich denke, dass Sekte der falsche Begriff ist, Weltreligion ist schon irgendwie passender, schließlich habe ich schon mehrere hunderdtausend Anhänger und die denken darüber wohl etwas anders als Du, und das Beste, es werden täglich mehr die mir folgen."
"Gib mir endlich meinen Sohn, und gib mir meine große Liebe, sofort, und mit etwas Glück, lasse ich Dich dann am Leben.", sie lacht laut auf um mich dann innerhalb einer Millisekunde nur noch mitleidsvoll anzublicken.
"Du kleiner armer Tropf, was glaubst Du wie die Macht hier in diesem Raum verteilt ist? Hast Du es immer noch nicht begriffen, ich bin hier die Böse, und aus Dir soll das Gute werden, irgendwann. Also gut, Deinen Sohn kannst Du sehen, aber Deine große Liebe, da muss ich Dich enttäuschen, sie ist leider nicht mehr am Leben."
"Was Du getan hast kann ich mir denken, wie Du dafür büßen wirst, das werde ich mir noch überlegen."
"Ach Brüderchen, mach Dich nicht lächerlich, Du bist wie die Maus, die dem Elefanten droht ihn zu zertreten."
"Doch Elefanten haben Angst vor kleinen quiekenden Mäusen."
"Besonders vor einer ein Millimeter dicken Maus, nachdem sie kurz auf ihnen herumgetrampelt haben, also weg von der Biologie, hin zu den Menschen. Deine große Liebe dachte sie dürfte Dein Kind einfach behalten, doch sie wäre eine zu schlechte Mutter gewesen, und somit habe ich es in meine Obhut genommen, kein großes Problem für eine Göttin, nur die Mama fand das eben nicht so toll, tja, was soll ich sagen, sie erhielt ihren gerechten Lohn, sie versuchte zu fliegen und schaffte es nicht den Boden zu verfehlen."
"Du bist eine elendige Schlange, doppelzüngig versuchst Du die Menschen zu Deinen Sklaven zu machen, damit sie sich gegenseitig umbringen, weil Deine Macht zu gering ist, weil Deine Kraft nicht einmal dazu ausreichen würde eine Fliege zu töten, doch Dein Dir dienliches Volk, die tun alles, weil Du sie mit falschen Versprechungen, falschen Wundern lockst, doch bedenke, ich werde es sein, der Dein Schwindel auffliegen lässt, der Dich vernichten wird."
"Du hast doch gar keine Macht, was schreist Du so herum. Ich bin es, die alle Trümpfe in der Hand hält, ich habe Deinen Sohn, der von mir Macht erhielt. Da guckst Du, Du bist mir einfach in meine Falle gegangen, ich habe Dich hineingelockt, als Köder Deine große Liebe, als Preis Deine Macht, als Ergebnis mein Kind, welches meine Aufgabe mit mir erfüllen wird und mit dem eine große neue Ära starten wird, die Epoche der Vernichtung hat begonnen, aber der Tod des einen, ist das Leben des anderen, und so wird der Untergang der Menschheit die Geburt einer neuen Rasse, göttliche Wesen, mir zum Untertan, auf immer und ewig in meine Hände und mein Wohlwollen gegeben, und nach den Menschen sind die restlichen alten Götter dran, dann die angeblich so mächtigen Herrscher des Universums, den alten Sack, der Dich immer aufsuchte, er meinte er müsse mich besuchen kommen und mich um etwas Zeit bitten, er hat jetzt eine Menge davon und ich besitze seine Macht. Ach ja richtig, wegen meiner Monologe bist Du ja nicht gekommen, obwohl ich muss zugeben, ich höre mich selber gerne sprechen, doch Du wolltest ja Deinen Sohn sehen, Ares, kommst Du mal bitte."
"Ja Mutter, Du hast mich gerufen?"
"Ja mein Sohn, schau wer uns besucht, Dein lieber Onkel."
"Onkel? Schön Sie zu sehen, verehrter Herr Onkel.".
"Ist er nicht ein wohlerzogener junger Mann?"
"Er ist schon so groß, wie kann das angehen? Er scheint vielleicht schon zehn oder zwölf zu sein, ich war doch gerade einmal fünfzig Tage weg, wenn es hoch kommt?"
"Wenn ein Gott will kann er alles, und wir sind Götter. Na, immer noch keine Lust, Du kannst immer noch bei uns einsteigen, natürlich nur, wenn Du Deine Meinung gut überdenkst, ist schließlich keine einfache Aufgabe. So Sohn, Du kannst jetzt weiter lernen gehen, wo bist Du gerade stehen geblieben, welches Kapitel nimmst Du gerade durch?"
"Ich bin gerade in den Dreißigern des zwanzigsten Jahrhunderts, der Nationalsozialismus und der zweite Weltkrieg, und da habe ich einige Fragen, doch meine Lehrerin ist schon wieder so verbraucht, sie hält nicht einmal drei Tage am Stück aus."
"Du musst ihr auch etwas Schlaf lassen, sie ist nun mal nur ein Mensch und kein Gott wie wir. So und jetzt verschwinde, Du kleiner Racker"
"Ich werde ohne ihn nicht gehen, ich lasse es nicht zu, dass Du ihn weiterhin so verziehst, was soll aus ihm werden?"
"Was sagt denn der Name?"
"Höre mit diesem ekeligen Grinsen auf, er wird nicht Dein kleiner Kriegsgott, auch wenn Du es gerne so hättest, ich werde es zu verhindern wissen."
"Du weißt so schon nichts, und willst dann wissen, wie Du mich aufhalten kannst, jetzt mach Dich nicht selber lächerlich."
"Alle erhalten ihren gerechten Lohn für ihre Taten, auch Du meine verehrte Schwester wirst dem kaum entgehen können."
"Du hast scheinbar ein unbefriedigtes Mitteilungsbedürfnis. Hebe Dir aber Deine Weisheiten für die Jammerlappen von Menschen auf, für mich bist Du nur ein armseiliger kleiner Schwätzer mit einem viel zu großen Herzen und einem viel zu kleinen Verstand."
"Arroganz kann schnell nach hinten losgehen, Du magst heute noch im Vorteil sein, doch schon morgen kann es ganz anders aussehen, und ich verspreche Dir, es wird. Du wirst Deine Strafe erhalten, für Deine Arroganz, für die Toten, denen Du das Leben nahmst, für die Menschen, die wegen Dir weinen mussten, wegen des Lebens, das Du mit Füßen trittst, wegen dem Mord an meiner großen Liebe, Deiner ganzen Taten wegen, Du hast nur ein Ende verdient, langsam und schmerzvoll, damit Du alles nachvollziehen kannst, was die Menschen wegen Dir erleiden mussten, für jede einzelne Schande solltest Du leiden, doch ich will gütig sein, tritt jetzt und schnell ab, und Dir bleibt all dies erspart."

69. Kapitel Rufer

Meine Schwester und ich gehen getrennte Wege, vorerst lebt sie, schmiedet weiter ihre finsteren Pläne und mein Sohn ist ebenfalls noch in ihrer Hand, doch gab sie mir mehr als nur einen Grund zum Kampf. Um mich herum Menschen, die von einem weisen jungen Mann gehört haben, der auf öffentlichen Plätzen Frieden und Liebe predigt, etwas was die Menschen dringend benötigen, mehr denn je. Scheinbar bin ich genau dieser junge Prediger, den diese Menschenansammlung hören möchte.
"Denn seht, ich bin gekommen um Euer Leid zu teilen, hier um Euch zu heilen, denn schaut, der Anfang, nicht das Ende der Welt ist nah, es naht das Leben, lernt kämpfen, damit Euch niemand es nehmen kann, weil es ihm danach ist. Religion, wahre Religion geschieht von unten, von denen die glauben und hoffen, nicht gemacht von einigen wenigen Menschen, nicht gemacht von Göttern, keine Elite die definiert, sie lebt alleine durch die Weitergabe an den Nächsten, die Liebe zu Schwester und Bruder, kein Geheimbund, der die Worte heimlich überliefert, von der einen elitären an die andere Gruppe, im kleinen Kreis gehalten, der Rest nur Schafe, die zu folgen haben, kontrolliert durch die Alten, weitergegeben an die Jungen, so dass jung wie alt wird, nein, so gibt es keinen Glauben, der den Begriff Glauben verdient hat, keine Religion, die dem Menschen hilft, sondern die sucht, ihn zu binden, zu ketten, in die von ihnen angestrebte Richtung zu jagen, damit sie handeln, wie sie es wollen, nicht der Einzelne entscheidet, es ist die Clique der Hochwürdigen, die sich im Namen Gottes verehren und lobpreisen lassen. Wenn ihr feiert Eurem Gott, warum feiert Ihr nicht Euch selbst? Ihr geht hin, kniet Euch nieder vor menschlichen Symbolen und bettelt um Zuneigung, dass er Euch helfen möge Euer Leben zu leben, doch ich sage Euch, Ihr müsst Euer Leben selbst in die Hand nehmen, denn so lange Ihr hofft und bettelt, erwartet Ihr, dass jemand kommt um für Euch einzugreifen, er kommt nicht, solange Ihr nicht agiert. So ist es, dass Eure Gemeinschaft keine Zweckbeziehung sein soll, ihr sollt akzeptieren, wer anders ist, respektieren, wer nicht Euren Gott anbetet, helft Euch gegenseitig, ob im Glück oder im Unglück, im Leben oder im Tod, in der Freude oder im Jammertal, es geht in Eurer Gemeinschaft nicht um unendliches Glück, denn Ihr seid Menschen, Ihr lebt, und so ist es nur normal, dass Ihr nicht immer nur Glück, Freude und Leben empfindet, sondern, dass vieles genau nicht so ist, wie Ihr es Euch vorstellt, doch wenn Ihr auseinandergeht, sollte nicht jeder von Euch ein bisschen Zuversicht in seinem Herzen spüren? Ihr werdet es nicht schaffen, jeden aus dem tiefen Tal zu befreien, doch ihm ein wenig Sonne zu bringen, dies ist, worum es geht, ein wenig Hoffnung für sein Leben voller Elend. So sage ich Euch, jeder ist Jesus, der gutes tut und sich des Nächsten annimmt, sich um ihn kümmert, sich sorgt und seine Gedanken nicht alleine nur um sich selbst kreisen lässt."
"Wer bist Du und woher kommst Du?"
"Ist es wichtig, wer man ist, kannst Du sagen wer Du bist, ohne das Du die Definition von Anderen gehört hast? Nein, ich sage Euch, Ihr seid Ihr, jeder ist er selber, definiert Euch über Eure guten Taten, nicht über das Gerede der Anderen. Du fragst mich, woher ich komme, und ich sage Dir, ich weiß es nicht, ich weiß nicht woher der Wind weht, wohin er weht, wo er enden wird, ob er unendlich lange weht, ich weiß, ich bin hier, um Euch mitzureißen."
"Wohin?"
"Auf eine Reise, auf die Reise zum inneren Glück. Dabei geht es weder um Geld, es geht nicht um Macht, es geht um nichts was Eurer wirtschaftliches Herz höher schlagen lässt, es geht einfach und alleine um Eure Seele. Ihr seht sie nicht und doch ist sie da, sie spricht nicht und redet doch mit Euch, sie kann Euch schmerzen obgleich kein Arzt der Welt diese Schmerzen entfernen kann. Schaut Euch Euren Nächsten an, ja Euren Nachbarn, der der neben Euch steht, seht nicht in sein Gesicht, Gesichter versuchen krampfhaft zu lügen und Geschichten vorzuspielen, weil man Angst vor der angeblichen Wahrheit hat, doch was ist die Wahrheit? Schaut in das Innere und Ihr seht. Du, dort drüben, bist seit drei Jahren arbeitslos. Und, bist Du deswegen ein schlechterer Mensch? Du findest Dich hässlich, weil Deine Nase zu lang ist, würdest sie Dir gerne operieren lassen, wer hat Dir nur eingeredet Schönheit ist sichtbar? Und was ist mit Dir, Du hast keine Freunde, weil Du nicht so sein willst wie die Anderen, weil man Dich nicht akzeptiert wie Du bist, wo liegt Dein Fehler, Du fügst niemandem Schmerzen zu, wieso wollen die Menschen Dich nicht? Schaue nicht verschmitzt zu Boden, schäme Dich nicht, schämt Euch doch nicht Eurer Persönlichkeit, so wie bei diesen Dreien könnte ich hier durch die Reihen gehen und jeden Fragen, warum er diesen Schmerz in sich trägt, warum diese Stimmen da sind, die niemand hört außer derjenige selber. Es ist so, Menschen können nicht unendliches Glück verspüren, nicht einmal Götter können das, es ist ein Naturgesetz, doch müssen wir deswegen unglücklich sein, müssen wir deswegen leiden, wenn wir doch nur stark genug zusammenstehen, wer kann uns dann noch schaden?"
"Du kannst in unsere Herzen schauen, doch wir?"
"Vielleicht kann nicht jeder von Euch in das Herz des Anderen schauen, vielleicht soll es nicht so sein, doch nur einen Schritt zu machen, ein gemeinsam gegangener Weg, hilft mehr als jeder Einblick, als jedes Wort."
"Aber woran unterscheidest Du Dich von Anderen die kamen und kommen, um den Menschen ‚helfen' zu wollen?"
"Ich bin nicht anders als alle Anderen die kamen um den Menschen mitzuteilen, dass die Welt nicht schlecht ist, weil es so ist, es ist kein Naturgesetz, sondern dass die Menschen die Möglichkeit haben, daran etwas zu ändern. Da kann man viele Propheten nehmen, ich bin nicht hier um etwas neues zu schaffen, ich bin hier, um Euch das in Erinnerung zu bringen, was richtig und was falsch ist, denn nur weil etwas alt ist, ist es nicht automatisch veraltet. Es gibt viele Möglichkeiten zu glauben und ich bin hier Euch einige zu zeigen und Euch zu Euch selber zu bringen."
"Wer bist Du also? Ein Prophet? Ein Gott?"
"Ich bin der, der die Laterne trägt, damit die Nacht nicht dunkel ist, der Euch den Strom einschaltet, damit ihr wieder sehen lernt, was wichtig ist und was nicht, ich bin die Heizung an der Ihr Eure Seele wärmen könnt, ich bin das Telefon, dass bei Euch klingelt, damit Ihr wach werdet um sehen zu können, ich bin die Stimme, die Euer Herz mit Freude erfüllen soll, denn sehet, Ihr könnt es schaffen, Euren eigenen Himmel, kein fiktiver Ort, nein hier auf der Erde."
"Ich glaube Dir, doch was sollen wir tun?"
"Merkt Euch in Euren Herzen, in Eurer Seele, was ich zu Euch sprach, denn ich gebe Euch nur ein Gesetz, welc